Was genau ist Hochsensibilität – und was nicht!

Heute erfährst du von mir, was Hochsensibilität genau ausmacht und wo die Grenze zwischen psychischen Erkrankungen und Hochsensibilität verläuft.

Wo also die Veranlagung der Hochsensitivität als vermeintliche Erklärung für dahinterliegende Ängste und erlebte Traumata benutzt wird.

Ein sehr wichtiges Thema für dein neues Selbstverständnis.

Hochsensible und psychische Erkrankungen

Wie du es wahrscheinlich schon an dir selbst wahrgenommen hast, ist eine der grundlegendsten Gemeinsamkeiten hochsensibler Menschen, die Tendenz zu Überstimulationen zu neigen – mit all ihren physischen und psychischen Begleiterscheinungen.

Insbesondere in neuen und für uns ungewohnten Situationen können diese Erregungszustände auftreten.

Überstimulation kann sich durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • Beschleunigung von Herzschlag und Atemrhythmus
  • weit aufgerissene Augen und erweiterte Pupillen
  • Verspannungen in Schulterbereich und in der Halswirbelsäule
  • Anspannung im Kehlkopf, was zu einer erhöhten Stimmlage führt oder die Stimme versagt.
  • Rote Wangen
  • schnelle Augenbewegungen

All diese Anzeichen treten auch bei Angstzuständen oder Panikattacken auf. Deshalb werden hochsensible Menschen sehr schnell psychotherapeutisch oder medikamentös behandelt, da den meisten Heilbehandlern und Therapeuten diese Veranlagung nicht bekannt ist. Oder schlichtweg Hochsensitivität als mögliche Ursache dieser Symptome nicht anerkannt wird.

Dies bringt dich noch mehr in Distanz und Rückzug und lässt dieses ungute Gefühl in dir wachsen, dass mit dir etwas nicht stimmt oder in Ordnung sei. Und dies ist wirklich nicht gut.

Doch mit Dir stimmt alles!

Der Unterschied zu reinen Angst und Panikattacken ist, dass diese meist mit intensiven Gefühlen von Ohnmacht und Kontrollverlust einhergehen, die bei den meisten Hochsensitiven in überstimulierenden Situationen nicht auftreten. Das heißt nicht, dass wir in neuen und ungewohnten Situationen mitunter keine Gefühle der Hilflosigkeit empfinden, sondern lediglich, dass es sich eben nicht direkt um Angst- und Panikgefühle handeln muss.

Bei all diesen Erregungszuständen handelt es sich schlichtweg um körperliche, emotionale und gedankliche Auswirkungen der kurz zuvor aufgetretenen Überstimulation – was bedeutet, dein Unbehagen ist eine Reaktion darauf und nicht die Ursache.
Gefühle des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit, auch Gereiztheit, Wut und Verwirrung können verbunden sein mit einer Überstimulation. Du siehst, es gibt Parallelen zu Angst und Panikgefühlen – aber eben nur Parallelen.

Das liegt daran, dass du durch dein sehr feines vegetatives Nervensystem Umgebungsreize sehr viel schneller und direkter als der „Rest“ aufnimmst  – und mit den oben genannten Symptomen darauf reagieren kannst. Das heißt aber nicht, dass du damit zwangsläufig eine Angst- oder Panikstörung hast!

Gleichwohl sind wir durch unsere frühkindliche Sozialisation, bei der einige von uns eine Ablehnung oder Nichtakzeptanz unserer sensitiven Veranlagung erlebt haben, sehr viel anfälliger für psychische Erkrankungen. Wiederum mehr als Reaktion durch die Ablehnung aus unserem Umfeld, als dafür die Ursache in unserer Veranlagung zu suchen.

Wenn Deine Sensitivität zur Krankheit wird

Trotzdem kann deine Sensitivität zu einer seelischen Erkrankung werden, nämlich dann, wenn du deine Veranlagung fortwährend verleugnest, verdrängst oder dagegen ankämpfst.

Der Schweizer Psychologie Professor Samuel Pfeifer schreibt dazu in seinem Buch Der sensible Mensch:

Sensibilität ist zwar keine Krankheit, aber sie erhöht die Empfindlichkeit und kann zu Ängsten und Depressionen führen, die das Leben massiv einschränken. Sensibilität ist eine Anlage, die Ihr Leben prägt“

Laut Samuel Pfeifer gibt es drei Anzeichen die andeuten, dass deine Sensitivität zu einer Erkrankung geworden ist:

  • Genussfähigkeit

  • Beziehungsfähigkeit

  • Leistungs- und Arbeitsfähigkeit

Kommt es in einem oder allen dieser drei Bereiche zu dauerhaften Verminderungen und Einschränkungen, fühlen sich Hochsensible dauerhaft beeinträchtigt und zunehmend lebensunfähig. Meist sind dabei keine medizinischen Ursachen zu finden und es können Symptome wie chronische Müdigkeit, Hemmungen oder Angst- und Konflikthaftigkeit auftreten.

Mir ist es sehr wichtig, hier nicht in das Horn von einigen Autoren und Experten zu stoßen, die sehr stark den Hang haben, unsere hochsensible Veranlagung zu pathologisieren – sie also als Krankheit einzustufen.

Ich selbst habe einen jahrelangen Leidens- und Erfahrungsweg hinter mir, bei dem ich bei dem einen oder anderen dieser Therapeuten saß, der an mir etwas verändern wollte und ich meist nach der Sitzung mit mehr Fragen als Antworten herausging.

Nichtsdestotrotz ist es für ein zufriedenes Leben als sensitiver Mensch sehr wichtig, dich den Wunden deiner Kindheit zu stellen, falls dein sensitives Naturell als Kind nicht gefördert und akzeptiert wurde – und sich dadurch gewisse negative Verhaltensmuster und Glaubenssätze entwickelt haben, die dich heute noch beeinträchtigen und blockieren.

Deshalb wiederhole ich es hier noch einmal:

Deine hochsensible Veranlagung wirft Licht und Schattenseiten auf. Aber sie ist definitiv keine Krankheit, sondern eine sehr spezielle Gabe und Veranlagung die gelebt und akzeptiert werden will!

Leider wird dies durch unsere stark leistungsorientierte und gefühlsvermeidene Gesellschaft sehr oft blockiert und erst daraus können sich aufgrund deiner hohen Empfindsamkeit depressive Episoden oder andere seelische Erkrankungen entwickeln. Dies ist aber nicht grundsätzlich so und bei jedem Hochsensiblen je nach persönlichem Entwicklungsgrad sehr unterschiedlich.

Um so mehr du deine Anlage akzeptierst, du dich mit deinen Licht und Schattenseiten auseinandersetzt und gewisse Strategien anwendest, um so mehr Freude und Glück wirst du in dein Leben ziehen und immer öfter dankbar sein, für dieses einmalige Geschenk der Natur.

Deine hochsensible Ader ist nur eine mitgebrachte Veranlagung und spart dir nicht die Aufarbeitung von alten Verletzungen und Ängsten. Aber die Akzeptanz und Bejahung dieses sehr elementaren Anteils in dir, lässt dein Selbstvertrauen und Wohlbefinden enorm wachsen. Dies kann ich dir definitv aus eigener Erfahrung bestätigen. Und mit diesem sehr informativen und ermutigenden Interview geht das gleich etwas schneller.

Deshalb lauten meine beiden letzten Sätze heute an dich:

Du bist okay, so wie Du bist!

Fühl dich einfach Wohl !

 

Welche Erfahrungen hast du mit Ängsten und Sensitivität gemacht?
Ich freue mich auf deinen Kommentar.

 

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Quellenangabe:  Georg Parlow “Zart Besaitet”.
Bildquelle: unsplash.com

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Veröffentlicht von

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