7 leicht anwendbare Tipps, die Dir bei einer Reizüberflutung helfen

Leidest du als hochsensibler Mensch auch unter der täglichen Reizüberflutung?

Reizüberflutung!

Ein Thema, das nahezu jeden hochsensiblen Menschen betrifft und mit dem er sich früher oder später auseinandersetzen sollte. Am besten bevor die Reizüberflutung so massiv wird, dass sie in einem Burn-out oder völliger Isolation endet. Aus meiner Leserumfrage weiß ich, dass viele Hochsensible dieses Thema beschäftigt oder sogar schon länger darunter leiden.

Aufgrund ihres feinen Nervensystems sind hochsensible Menschen von Umgebungsreizen und Eindrücken sehr viel früher gesättigt als Normal-Sensible. Wir benötigen dann eine Verschnaufpause, um die gesammelten Eindrücke, Worte und Stimmungen zu verarbeiten.

Die Eindrücke können sehr vielfältig sein und die Toleranzgrenze kann bei jedem Hochsensiblen anders ausgeprägt sein: Geräusche, Gespräche (Small-Talk), aufgeschnappte Unterhaltungen in der Öffentlichkeit (U-Bahn, Bus), extreme Temperaturunterschiede, grelles (Sonnen-)Licht, Parfum, Gerüche, Schweiß, lautstarke Umgebung (Straßenlärm), Menschenansammlungen (Supermärkte), Radiomusik, Gefühle, Stimmungen etc.

Ich kenne es von mir selbst. Bei mir ist die Toleranzgrenze besonders schnell bei Gesprächen,  Stimmungen und geistigen Inhalten erreicht. Zum Beispiel sind für mich volle Supermärkte mit endlosen Schlangen vor den Kassen nach wie vor ein Grauen (wie z. B. am Samstagvormittag). Zu viele Menschen, zu viel Lärm, zu viele Umgebungsreize. Deshalb versuche ich tunlichst solche Tage für meine Einkäufe zu meiden. Die meisten großen Supermärkte haben sechs Tage die Woche bis abends 21 Uhr geöffnet, da kann man sich seine Einkaufszeiten zeitlich nach den eigenen Bedürfnissen einteilen.

Aber auch anstrengende und lange Telefonate, Gespräche mit mehr als 3 Personen können mich schnell in eine Reizüberflutung bringen. Es ist nicht so, dass ich solche Situationen gar nicht aushalten kann, vielmehr kommt es auf meine derzeitige Befindlichkeit kann, wie ausgeglichen mein innerer Kleindkindkörper ist.

Das Zauberwort beim Thema Reizüberflutung lautet: Selbstfürsorge!

Wir Hochsensible sollten (müssen!) lernen, gut für uns zu sorgen. Dazu zählt, die Signale des eigenen Körpers (oder Nervensystems) wieder wahr- und ernstzunehmen. Die Autorin Ulrike Hensel schreibt dazu in ihrem Buch Mit viel Feingefühl: „Ihr hochempfindsamer Körper ist immer wieder auf ihre Aufmerksamkeit und ihre Fürsorge angewiesen. Er kann Signale senden, sie müssen sie ernst nehmen, lernen zu verstehen und sich dementsprechend kümmern.“ Die Pionierin der Hochsensibilitäts Forschung, Elaine Aron, schreibt ergänzend dazu in ihrem Buch Sind Sie hochsensibel?: „Abgesehen von Schlaf und Erholung brauchen HSP (hochsensible Personen) auch einfach immer wieder eine Auszeit, bloß um den Tag Revue passieren zu lassen und über die Geschehnisse nachzudenken. Manchmal können wir uns diese Zeit während der Ausübung unserer Routinearbeiten gönnen, beim Autofahren, Geschirrspülen, Aufräumen etc.“

Wir sehen also, dass es genügend Gründe dafür gibt, der täglichen Reizüberflutung entgegenzuwirken, etwas zu finden, was unsere Nerven beruhigt, bei dem wir abschalten können und uns als Kraftquelle dient.

Die folgenden 7 Tipps sollen dir dabei Inspiration und Hilfestellung zugleich sein:

1. Aufenthalt in der Natur

Mein ganz persönlicher Favorit. Unter anderem deshalb fühle ich mich hier am Bodensee so wohl. Je frischer die Luft und unberührter die Natur, umso besser. Ob ein Waldspaziergang, eine Runde um einen Weiher oder See, eine Radtour, eine Wanderung, Besuch eines Wasserfalls oder einfach nur das Sitzen auf einer abgelegenen Bank. Viele Hochsensible (wie ich) empfinden einen Aufenthalt in der Stille und Einsamkeit der Natur als (Nerven) entspannend und Energie spendend.

2. Wasser

Natürliches und frisches Trinkwasser hat bekanntermaßen eine wohltuende Wirkung auf unseren gesamten Organismus. Bezogen auf das Gesamtkörpergewicht ist Wasser der mengenmäßig wichtigste Bestandteil des menschlichen Körpers. Bei einem Erwachsenen beträgt dieser Anteil ca. 65%. Die wohltuende Wirkung von Wasser, egal ob als Nahrungsmittel oder um uns herum, scheint auf uns Hochsensible noch stärker zu zutreffen, was ich wiederum aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Elaine Aron dazu: „Wasser hilft auf verschiedene Art. Wenn Sie überreizt sind, hören Sie nicht auf zu trinken – einmal pro Stunde ein großes Glas Wasser. Gehen Sie am Wasser spazieren, schauen Sie hinein, hören Sie dem Wasser zu. Wenn es möglich ist, baden Sie oder gehen sie schwimmen. Heiße Bäder und Quellen sind nicht ohne Grund so beliebt.“

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3. Sich Nachrichten- und Informationspausen gönnen

Internet, Smart-Phones, Werbeanzeigen, Nachrichten-Apps, TV, Printmedien, Onlinemedien, Autoradio – die Quellen der ständigen Informationsberieselung scheinen endlos zu sein. Und somit auch die Quellen der stetigen Reizüberflutung. Der dänische Forscher Jakob Nielson hat bereits 1997 herausgefunden, wie sich durch die zunehmende Digitalisierung unser Leseverhalten im Internet verändert: Anstatt ganze Seiten zu lesen (wie bei einem Roman) scannen wir nur noch die unzähligen Webseiten und suchen nach „Stoppern“:  wichtige Textstellen oder Zwischenüberschriften.

Die tägliche Informationsflut ist purer Stress für uns Hochsensible. Das heißt nicht, dass du kein Smartphone oder PC mehr besitzen solltest. Entscheidend ist, wie du mit diesen Informationsmedien umgehst und wie du sie konfigurierst. Minimalisiere deine Interessen, lerne wieder langsam zu lesen, konfiguriere deine Benachrichtigungseinstellungen im Smartphone, reduziere deinen Internet- und Medienkonsum, und sei öfters auch mal offline, jenseits der virtuellen Welt.

Ich zum Beispiel besitze seit ca. 5 Jahren keinen Fernseher mehr (was schon viel an „Entspannung“ bringt), habe die E-Mail-Apps auf meinem Smartphone so konfiguriert, dass ich die E-Mails manuell und nach Bedarf abrufen kann, schaue nur gelegentlich bei einigen Onlinezeitungen rein, lese seit Jahren keine Tageszeitung mehr und habe ganz allgemein mein Smartphone oft auf lautlos oder Flugzeugmodus gestellt (wie jetzt beim Schreiben)!

4. Kraftorte

Suche dir einen Ort, an dem du dich pudelwohl fühlst. An dem du dich regelmäßig zurückziehen kannst, der dir ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. An dem du auftanken kannst. Dies kann die eigene Wohnung sein, in der du dir einen Rückzugsraum oder Ecke nach deinen Wünschen einrichtest. Dieser Ort kann aber auch eine öffentliche Einrichtung sein, wie zum Beispiel eine ruhige Kapelle oder eine ruhige Bücherei (einer meiner Lieblingsorte!) Draußen in der Natur gibt es unzählige Möglichkeiten für einen Kraftort: eine Waldlichtung, ein sichtgeschützter Bereich im Garten, ein Baum, eine Wiese, ein Berg, ein Wasserfall, rituelle Kraftorte aus früheren Epochen (wie z.b. die Teufelskanzel im Schwarzwald). Hier findest du eine schöne Übersicht aller Kraftorte in Deutschland nach Bundesländern sortiert.

5. Vertraute Menschen & Tiere

Je nach Stimmung und eigener HSP-Befindlichkeit können vertraute Menschen ein Hort der Entspannung und Regeneration sein. Sie sind feste Bezugspunkte in unserem Leben, die uns Vertrauen, Rückhalt und Geborgenheit geben. Dazu können der Lebenspartner, die Eltern, die eigenen Kinder oder enge Freunde zählen. Im Kreise diese Menschen fühlen wir uns wohl, wir müssen uns nicht verstellen, fühlen uns verstanden und wir können unsere Erlebnisse und aufgenommenen Informationen teilen und verarbeiten. Diese Vertrautheit können wir aber nicht nur mit Menschen erleben. Auch lieb gewonnene Haustiere, wie etwa ein Hund oder eine Katze, schenken uns Wärme, bedingungslose Liebe und Nähe.

6. Meditation & Stille

Meditationen helfen uns dabei körperlich, geistig und seelisch zu entspannen, zu regenerieren von der täglichen Reizüberflutung. Mit regelmäßigen Meditations- und Entspannungsübungen finden wir hochsensible Menschen einen Ausgleich zur täglichen Hektik.

Die Formen und Stile der Meditation sind dabei sehr unterschiedlich. Ich persönlich bevorzuge eine stille und regungslose Art der Meditation, ein einfaches Sitzen auf dem Meditationskissen, ohne Klim-Bim und Visualisierungen. Meditationsstile in dieser Richtung sind zum Beispiel das ZaZen, Vipassana oder MBSR. Es gibt aber auch bewegte und dynamische Meditationsstile, wie die Geh-Meditation von Anne Heintze oder die dynamische Meditation von Osho. Für jeden ist etwas dabei – je nach Fasson und Veranlagung.

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7. Kreative Tätigkeiten & Hobbys

Auch kreative Tätigkeiten wie Malen, Zeichnen, Musik machen, Schreiben, Töpfern, Fotografieren oder Basteln können eine ausgleichende Wirkung haben, bei der wir entspannen und in uns ruhen, vielleicht sogar in einen Flow-artigen Zustand geraten, ganz in unserer Tätigkeit aufgehen, in eine andere Welt abtauchen. Beim Schreiben kann ich dies immer wieder beobachten, es ist meine kleine Flucht aus der rauhen Alltagswelt.

Gerade wir hochsensiblen Menschen sind für kreative Tätigkeiten wie geschaffen. Meist ist die kreative Ader in uns sehr stark ausgeprägt, wenn sie auch als Kind meist nicht gefördert oder gesehen wurde. Ob Malen, Schreiben oder Tanzen, bei all diesen kreativen Tätigkeiten können wir uns voll ausleben und unserem Sein freien Lauf lassen. Viele Hochsensible versuchen ihre schöpferischen Hobbys und ihre Leidenschaft für eine Sache zu einem Beruf zu machen, um sich und ihre Veranlagung zu verwirklichen – wozu ich jeden Hochsensiblen nur einladen kann.

Zum Ende hin ist mir noch einmal wichtig zu betonen, dass nicht nur Rückzug sondern auch Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben für unsere hochsensible Seele wichtig ist. Isolation aufgrund ständiger Reizüberflutung ist keine Lösung! Es geht darum eine gute Balance zu finden! Ein letztes Mal Elaine Aron: „Sie lernen, wie Sie sich draußen in der Welt wohlfühlen und wann Sie sich eher zurückziehen sollten: Sie können, sollen und müssen sich am Leben in der Welt beteiligen. Sie werden wirklich gebraucht, aber Sie müssen die Fertigkeit erwerben, dabei jedes Zuviel oder Zuwenig zu vermeiden.“

Was hilft dir bei einer Reizüberflutung?
Ich freue mich auf deinen Kommentar und weitere Anregungen dazu!

 

Buchemfehlung: Mit viel Feingefühl: Hochsensibilität verstehen wertschätzen von Ulrike Hensel*
Bilder: unsplash.com

* (Werbe/Partner-Links) 

Veröffentlicht von

www.simplyfeelit.de

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