Selbstliebe: Warum sie für Dein Leben so wichtig ist und nichts mit Egoismus zu tun hat

„Sei du selbst. Alle anderen sind bereits vergeben.“
(Oscar Wilde)

Heute werde ich über ein Thema schreiben, das mich seit Jahren selbst beschäftigt, und mich gleichzeitig immer wieder herausfordert: Selbstliebe. Warum Selbstliebe nicht mit Egoismus zu verwechseln ist, wie wichtig sie ist und wie du sie mehr in deinem Leben kultivieren kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Im letzten Artikel über Narzissmus und Hochsensibilität schnitt ich das Thema Selbstliebe schon ein wenig an. Heute möchte ich es vertiefen. Außerdem ist ein Wunsch meiner kürzlich stattgefundenen Leserumfrage, in Zukunft mehr über Selbstannahme und Selbstvertrauen zu erfahren. Euer Wunsch ist mir Befehl.

Bevor du anfängst zu lesen, möchte ich dich zu einer kleinen Übung einladen. Atme tief durch und lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen Innenraum. Wenn du ganz ehrlich mit dir bist, wie hast du den heutigen Tag bis hierher gelebt: achtsam von innen nach außen, oder unachtsam von außen nach innnen? Wurdest du von äußeren Umständen wie Erwartungen, Verpflichtungen, Terminen und Ich-muss-noch-Gedanken getrieben? Oder hast du ganz bewusst aus deiner Mitte heraus gehandelt?

Mir ist bewusst, dass solche Worte durchaus provokant klingen mögen. Falls es dich beruhigt: Mir geht es oftmals selbst noch so, dass ich von außen nach innen lebe. Mich getrieben fühle, mich verzettele, es allen recht machen möchte, niemanden enttäuschen will – und an mir zweifele. Wenn du bis zum Ende des Artikels dran bleibst, hast du hoffentlich eine neue Sichtweise erhalten. Und sicherlich besteht das Leben auch aus einem gewissen Maß an Verpflichtungen, Anpassungen und es anderen recht machen. Vollkommen klar. Die Frage hierbei ist: Bis zur welchen Grenze? Bis zu welchem Ausmaß?

Dass ich gerade jetzt einen Artikel über Selbstliebe schreibe, ist natürlich kein Zufall. Mir ging es in den letzten Tagen emotional und seelisch nicht gut. Ich habe mich von äußeren Umständen getrieben gefühlt. Oder sagen wir, von dem Antreiber und Zweifler in mir: Wann fängst du endlich an, dein zweites Buch zu schreiben? Bis Ende des Jahres willst du noch drei Artikel fertigstellen. Du hast immer noch nichts für Silvester geplant? Warum bist du alleine? Du bist unproduktiv! Du bist faul! Dein Newsletter und deine Artikel sind zu lang und unattraktiv für die Leser! Du hast dich von einem bekennenden Narzissten manipulieren lassen! Entscheide dich! Greife durch!

Du siehst: Einiges los bei mir. Nachdem ich noch vor rund drei Wochen nur so von innerer Energie, Zuversicht und Tatendrang strotzte, hatte ich mich in den letzten Tagen immer mehr von meiner Mitte entfernt. Der ewige Pendelschlag des Lebens, eigentlich müsste ich es mittlerweile begriffen haben.

Vielleicht geht es dir gerade ähnlich? Von einigen Leuten aus meinem Umfeld weiß ich, dass allgemein die Vorweihnachtszeit für sie nicht einfach ist, allen voran, wenn man alleine lebt. Trübes Wetter, überall (scheinbar) glückliche Paare und Familien, volle Läden, ein Grauen vor den Feiertagen alleine zuhause, viel Zeit zum (unnötigen) Grübeln.

Doch gleichzeitig birgt diese trübe und zurückgezogene Zeit, wie alle Tiefpunkte, eine große Chance in sich. Wenn wir gewillt sind, ganz aufmerksam und unabgelenkt in uns hineinzuschauen, die aufsteigenden Gefühle zuzulassen, können wir uns selbst ein großes Stück näher kommen. Unser Leben revolutionieren. Uns selbst mehr annehmen, kennen und lieben lernen: Radikale Selbstliebe. Ein Zauberwort unserer Tage. Doch was bedeutet das genau?

Warum eine radikale Selbstliebe der Anfang von allem ist

Das Wort Radikal kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: Wurzel, Ursprung.

Es geht also um die Rückkehr zu etwas Ursprünglichem, etwas, was schon immer in uns vorhanden war und ist. Ein Mensch, der sich innerlich ablehnt, nicht weiß, was er will, treibt wie ein Blatt im Wind umher. Er lässt sich von äußeren Meinungen, Menschen und Stimmungen beeinflussen, er lässt sich von anderen manipulieren und benutzen, die vorgeben zu wissen, was er will, was gut für ihn ist und wohin sein Weg führen soll.

Ein Mensch, der sich selbst ablehnt, ist ständig auf der Suche: nach Dingen, Worten und Menschen, die sein inneres Vakuum aufzufüllen vermögen. Ein aussichtsloses Unterfangen. Solch eine Suche wird nie zu einem Ende kommen. Der Autor und Trainer Veit Lindau* beschreibt es so: „Ein Mensch, der sich nicht liebt, ist wie ein Fass ohne Boden. Keine Trophäe dieser Welt kann das Loch stopfen, das deine Selbstablehnung in dir offen hält. Die Qualität deiner Beziehung zu dir ist der Schlüssel zu allem, und alles, was du erlebst, ist ein Spiegel dieser Qualität. Deine Partnerschaft, deine Familie, deine Arbeit, deine Finanzen und selbst deine Beziehung zu Gott zeigen dir, ob beziehungsweise wie sehr du dich liebst.“

Veit Lindau weiß, wovon er spricht. Er war selbst jahrelang auf dieser Suche. Auf der Suche nach seiner Wurzel. Ich weiß es auch. Jahrelang versuchte ich mein inneres Vakuum mit Frauen, Anerkennung, innerer Härte, Internet, Büchern und Reisen aufzufüllen. Diese Verhaltensweisen drängte mich aber nur noch mehr in Co-Abhängige Beziehungen und Strukturen – und ließen mich nach anfänglicher Euphorie mein inneres Vakuum noch deutlicher spüren. Verstehe mich bitte richtig: Gegen Reisen, Bücher oder Kontakt zu Frauen ist gar nichts einzuwenden. Worauf es ankommt, ist die dahinterliegende Motivation, der wahre Beweggrund für all diese Aktivitäten und Kontakte.

Wenn du dich innerlich ablehnst, hat das weitreichende Folgen auf dein Leben und dein Umfeld. Vielen ist das gar nicht so richtig bewusst. Ein Mensch, der sich selbst nicht lieben und anerkennen kann, kreiert unerfüllte und destruktive Beziehungen. Er ist hart zu sich selbst, sieht das Leben als einen ständigen Kampf an. Er hastet verkrampft durch das Leben, erlebt mehr Stress und Krankheit, mehr Geiz und Engstirnigkeit. Auch mehr Trennung, Streit und Ablehnung in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen. Für ihn bedeutet Glück Anstrengung. Nichts kommt von alleine, nichts wird geschenkt, alles muss verdient werden. Ein ständiger Kampf und Krampf. Solch ein Leben kann nur anstrengend sein – für dich und dein Umfeld.

Der innere Krieg der Selbstablehnung äußerst sich meist eher leise und subtil:

  • durch eine Berufswahl, die uns unzufrieden, zynisch und launisch werden lässt.
  • durch „Frustspeck“, den wir uns um die Hüften anfuttern.
  • durch einen regiden Perfektionsdrang sich selbst und seinem Umfeld gegenüber.
  • durch Strenge und Härte im Umgang mit uns selbst und unseren Kindern.
  • durch verkrampftes Gutmenschentum.
  • durch Abwesenheit und Ablehnung freudvoller und lustvoller Momente jeder Art (z.b. Sexualität)
  • durch eine angespannte Beziehung zu Geld, Gott und Werten.
  • durch Neid, Jammern, Lästern, Beschuldigen.
  • durch eine zynische Weltsicht.
  • durch zu wenig Lachen, Blödsinn, Selbstironie, Spiel, Leichtigkeit, Tanz, Abenteuer im Leben.

Fühle Alles

Für dein inneres Wohlbefinden und deinen Selbstwert ist es sehr entscheidend, dass du in einem guten und bewussten Kontakt mit deinen Gefühlen stehst. Gefühle sind wie Seismografen in deinem Leben. Sie signalisieren dir, wenn du dich auf dem richtigen Weg befindest – oder davon abgekommen bist.

Veit Lindau beschreibt in seinem lesenswerten Buch „Heirate dich selbst“* einige Ebenen, auf denen Gefühle eine Schlüsselrolle spielen:

  1. Sie bringen Tiefe und Intensität in dein Leben. Sie lassen dich deine Wirklichkeit spüren.
  2. Sie signalisieren dir, wie treu du deinen Werten bist. Du fühlst dich gut, wenn du Dinge tust, die du als wertvoll erachtest. Du fühlst dich mies, wenn du deine Werte verrätst oder einen Wertekonflikt erlebst.
  3. Sie sind intelligente Seismografen. Gefühle zeigen dir, ob du dich in einer Situation oder mit einem bestimmten Menschen wohlfühlst, oder eben nicht. Sie warnen dich so vor Überlastung und Grenzüberschreitung, gleichzeitig belohnen sie dich aber, wenn du dich in eine Richtung bewegst, die dir gut tut, deinen Werten und Bedürfnissen entspricht.
  4. Gefühle stellen eine entscheidende Ebene in der Kommunikation dar.
  5. Sie trainieren dein Verhalten. Unser Gehirn speichert Erlebnisse, die mit starken Emotionen verbunden sind, schneller und länger ab, als gefühlsneutrale Situationen. Damit vermeidest du in Zukunft automatisch Situationen, die du als unangenehm erlebt hast, und wiederholst solche Momente, die du als angenehm empfunden hast.

Daran erkennen wir, wie wichtig Gefühle für unser Leben sind. Ein Leben ohne Gefühle ist mechanisch, kalt, kühl, rational, fad, grau, oberflächlich. Doch leider haben viele Menschen Angst vor ihren Gefühlen. Entweder verlieren sie sich komplett in ihren Gefühlen oder sie unterdrücken sie. Beides kostet uns enorm viel Kraft und Lebensfreude und endet in emotionaler Unfreiheit. Wir sind dann unseren Gefühlen ausgeliefert, nicht mehr Herr der Lage.

Eine neue Art der Selbstachtung und auch Selbstliebe entsteht, wenn wir lernen, bewussten Kontakt mit unseren Gefühlen aufzunehmen, sie angemessen auszudrücken und sie gleichzeitig ruhig zu beobachten. Uns von Ihnen nicht mitreißen zu lassen. Als menschliche und bewusste Wesen sind wir mehr als unsere Gefühle und Gedanken. Je besser wir uns in unterschiedlichen Situationen emotional kennenlernen, desto natürlicher und bewusster gelingt es uns, auch unangenehme Gefühle in wertvolle Erfahrungen zu verwandeln. Letztlich fürchten wir uns am meisten davor, unangenehme Gefühle zu erleben, weil wir Angst davor haben, sie schier nicht aushalten zu können, dass sie uns zerreißen, wenn wir ruhig stehen bleiben und sie einfach nur beobachten würden.

Wut, Ohnmacht, Schmerz – dies waren so meine „Fluchtgefühle“ der letzten Jahre. Jedes Mal, wenn ich damit in Berührung kam, glaubte ich sterben zu müssen. Die Situation nicht aushalten zu können. Anstatt stehen zu bleiben, rannte ich weg, suchte Erlösung in Sport, Büchern, Beziehungen. Oder tat Dinge, die ich später bereute, wie zum Beispiel verletzende Worte aussprechen. „Alle meine Therapiesessions waren ein Versuch, zu analysieren, warum es immer wieder weh tut. Die verzweifelte Suche nach der EINEN Ursache und wenn du die findest, ist alles gelöst. Ha! Für einen kurzen Moment glaubst du, alles erkannt, ja sogar geheilt zu haben. Bis du in deinem Alltag wieder vor dem Gefühl stehst, was du doch wegtherapieren wolltest“, schreibt Veit Lindau ein weiteres Mal sehr ehrlich und treffend. Und ich erkenne mich darin wieder.

Was ihm letztlich von diesen Schmerz befreit hat, war das Ende des Suchens und das Stehen bleiben im Feuer. Das Annehmen und Umarmen dieses Gefühls, dieses Schmerzes: „So wechselten sich bei mir viele Erklärungsmodelle und Methoden ab. Doch letzten Endes lief es für mich darauf hinaus, diesen tiefen Schmerz als mir zugehörig zu akzeptieren, ihn willkommen zu heißen und möglichst sanft auszuhalten zu lernen. Seitdem ich ihn als mein Trainings- und Reibungsfeld akzeptiert habe, bin ich viel öfter und tiefer in Frieden mit mir“, beschreibt Lindau seine Erlösung aus dem Dilemma des ewigen Suchens.

Wenn wir es schaffen, unsere unangenehmsten Gefühle einfach nur nüchtern wahrzunehmen, ohne sie gedanklich weiter anzufeuern, dann verwandeln sie sich. Wenn wir es schaffen, im Feuer stehen zu bleiben und alles zu fühlen, auch das scheinbar unerträglichste Gefühl, dann entsteht emotionale Freiheit – und damit innerer Frieden und mehr Selbstannahme. Ich weiß, dies kann unglaublich schwer sein, aber es lohnt sich, es zumindest einmal auszuprobieren.

Erkenne deine Bedürfnisse

Sich selbst mehr annehmen und lieben zu lernen, bedeutet auch, seine Bedürfnisse zu kennen. Menschen, die sich selbst ablehnen, kennen nämlich meist ihre Bedürfnisse und Wünsche gar nicht. Deshalb ist es so wichtig, zunächst einmal seine eigenen Grundbedürfnisse kennenzulernen, um sie anschließend intelligent zu erfüllen.

Ein Bedürfnis ist ein Verlangen, einem inneren Mangel Abhilfe zu schaffen. Dieser kann tatsächlich existieren oder auch nur ein gefühlter Mangel sein. Bedürfnisse sind Antriebe für all unser Handeln. Sie bewegen und motivieren uns, etwas zu tun, in Interaktion mit unseren Mitmenschen zu treten. Werden sie erfüllt, fühlen wir uns wohl, im Einklang mit uns selbst. Werden sie nicht erfüllt, leiden wir. Wir suchen dann sehnsüchtig im Außen nach Erfüllung dieser Bedürfnisse.

Es gibt Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen, einem Dach über dem Kopf. In unserer westlichen Welt sind diese meist erfüllt. Es gibt jedoch noch weitere elementare Bedürfnisse unseres Menschseins. Wenn du dich wirklich selbst lieben möchtest, ist es wichtig, diese elementaren Grundbedürfnisse in dir zu verstehen und kennenzulernen.

Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse. Nach dem Diplom-Psychologen Hans-Georg Häusel gibt es drei emotionale Grundbedürfnisse: Sicherheit, Stimulanz und Dominanz. Bei jedem Menschen sind diese Grundbedürfnisse unterschiedlich stark ausgeprägt. Wir teilen diese Bedürfnisse mit jedem Lebewesen auf der Erde.

Sicherheit beschreibt unser Bedürfnis, im Gleichgewicht zu bleiben. Unsere einmal gewonnene Stabilität aufrechtzuerhalten.

Stimulanz ist die innere Motivation, Neuland zu entdecken, neue Eindrücke und Reize aufzunehmen, uns weiterzuentwickeln, mutig zu sein, ein Abenteuer zu erleben, über uns hinauszuwachsen.

Dominanz ist das Bedürfnis, Einfluss auf unsere Umgebung zu nehmen. Auf diese einzuwirken, unseren Raum einzunehmen, uns durchzusetzen. Egal, wie zurückhaltend jemand ist, jeder von uns möchte gerne, dass er einen gewissen Eindruck hinterlässt, sein nächstes Umfeld beeinflussen kann.

Im positiven Sinne egoistisch sein

Jahrelang dachte ich, es sei egoistisch, „nur an mich zu denken“. Für die Erfüllung meiner Bedürfnisse zu sorgen, die ich zudem gar nicht richtig kannte. Eine große Fehlannahme, die sicherlich einigen Hochsensiblen bekannt sein dürfte. Wir können die Erfüllung unserer emotionalen Bedürfnisse nicht mit schlauen (rationalen) Argumenten wegreden, da sie über unser limbisches System gesteuert werden, jenem Areal im Gehirn, das für unser Fühlen verantwortlich ist.

Es hat rein gar nichts mit Egoismus zu tun, wenn wir unsere emotionalen Grundbedürfnisse erforschen und diese intelligent erfüllen wollen. Intelligent heißt in diesem Fall, dass du deine Bedürfnisse zunächst einmal erkennen solltest, um sie anschließend achtsam an dein Umfeld kommunizieren zu können – ohne zu erwarten, dass diese sogleich erfüllt werden. Ehrlich und genau zu kommunizieren, was gerade in dir abläuft, darum gehst zunächst einmal. Das könnte so aussehen: „Schatz, mein Chef hat mich heute runtergeputzt, und ich fühle mich klein und verunsichert. Kannst du mich bitte in den Arm nehmen und kurz halten?“ Oder so: „Meine Bitte mag dich vielleicht verwundern, aber ich möchte den heutigen Abend gerne alleine verbringen.“

Unterdrückte emotionale Bedürfnisse suchen sich ungesunde, destruktive Bahnen zum Ausleben. Deshalb sei im positiven Sinne egoistisch und erkenne deine Bedürfnisse. Doch hebe dabei nicht vom Boden ab. Denke daran, dass jeder Mensch um dich herum, insbesondere dein Partner, sich ebenso wünscht, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden, dass er gesehen und geliebt wird.

Es ist ein Entwicklungsprozess hin zu mehr Selbstliebe und der beinhaltet auch immer wieder Rückschläge. Zum Beispiel kann es passieren, dass du durch äußere Auslöser (Verhalten, Worte, Gesten etc.) getriggert wirst und dich plötzlich von jetzt auf gleich in ein kleines, infantiles Wesen verwandelst, das bockig, wütend und gekränkt ist. Selbstironie und Humor können in solchen Situationen hilfreich sein, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Eine witzige Aussage und die Bereitschaft, Fehler zu begehen, können die Situation und Verkrampfung ungemein auflockern. „Achtung Schatz, es ist mal wieder soweit, ein altes Muster steigt gerade in mir auf. Vorsicht, gleich verwandele ich mich für einige Minuten in eine kleine, beleidigte Leberwurst, sei gewappnet.“

Der Weg der Selbstliebe kann ein langwieriger und langsam voran schreitender Prozess sein. Ich weiß es. Wir können ungeduldig und gereizt reagieren, zweifeln und fluchen. Doch aus eigener Erfahrung kann ich dir nur empfehlen, dran zu bleiben. Es lohnt sich. Das Leben ist und bleibt ein Mysterium, wir können nicht alles verstehen, auch wenn wir das immer wieder wollen. Und doch können wir jederzeit damit beginnen, uns mehr Selbstliebe zu schenken, diese mehr in unser Leben zu integrieren. Wir müssen damit nicht bis ins hohe Alter warten, bis uns die Lebenserfahrung so einige Lektionen und Erkenntnisse mitgeteilt hat. Charlie Chaplin tat dies und hielt an seinem 70. Geburtstag diese bemerkenswerte und mittlerweile sehr bekannte Rede: Als ich mich selbst zu lieben begann.

Zum Schluss möchte ich noch einmal Veit Lindau mit folgenden wunderbaren Worten aus seinem Buch „Heirate dich selbst“* zitieren: „Dich selbst zu lieben ist kein destruktiver Egoismus, sondern das größte Geschenk, das du deinen Mitmenschen machen kannst. Ein Mensch, der gut für sich selbst sorgt, entkrampft sich und erlaubt dadurch auch seiner Umgebung, sich zu entspannen. Er strahlt Fülle und Freude aus. Er wird zur Quelle und unterstützt andere in der Erfüllung ihrer Bedürfnisse.“

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du ein Geschenk für Deine Mitmenschen wirst und immer mehr Freude und Fülle ausstrahlst. Frohe Weihnachten!

Dein Oliver

Kannst Du Dich selbst ganz und gar annehmen?
Was bedeutet für Dich Selbstliebe?

 

 

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Quellen
Veit Lindau: Heirate dich Selbst; Kailash Verlag, 4. Auflage, 2013*
neuromarket.wordpress.com

Bilder
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Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker. Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit. Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

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9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Oliver,danke Dir für deinen neuen Beitrag!!! Ja,so geht es mir auch.
    Ich wünsche Dir ein liebevolles Weihnachten und komme gut ins neue Jahr
    Deine Birgit

  2. Hallo Oliver,

    meine narzisstische Seite hat den Wunsch, zu allem (also auch zu diesem Artikel) meine Sicht auf die Dinge kundzutun. Weil meine Überlegungen natürlich immer einzigartig, besonders wertvoll und konstruktiv sind. [Darin ähnle ich Daniel S. B., der dich offenbar stark aus dem Tritt gebracht hat.]

    Meine selbstkritische Seite meint, dass ich total arrogant bin, wenn ich meine, die Welt bräuchte unbedingt meine klugen Worte, um nicht total vor die Hunde zu gehen. Und dass ich nur nach Bestätigung (sowie dem Gefühl kognitiver/rhetorischer Überlegenheit) lechze.

    Beides stimmt. Aber beides ist auch noch lange nicht die volle Wahrheit: Ich kenne meine Stärken und freue mich, wenn ich sie gelegentlich zum Nutzen anderer einsetzen kann. Zumindest manchmal klappt das auch. Manchmal geht’s wiederum in die Hose. Und manchmal verrenne ich mich total.
    [Du hast keine Ahnung, wie sehr ich mich früher über jeden Rechtschreib- oder Grammatikfehler geärgert habe, der mir erst nach Absenden eines Beitrags aufgefallen ist. Jedes Mal habe ich gedacht: Jetzt halten mich alle für eine ungebildete Tuse mit Hauptschulabschluss. Mich selbst nachträglich zu korrigieren war beinahe zwanghaft.]

    Und was mache ich jetzt mit diesen widersprüchlichen Empfindungen?
    Ich habe festgestellt, dass es ein Fehler ist, wenn ich andauernd versuche, ein STIMMIGES Bild von mir zu entwerfen. Ich bin (wie jeder andere Mensch auch) zu komplex, als dass es mir gerecht werden könnte. Es wäre nur eine Schublade, wenn auch eine selbstgezimmerte.

    Zwanghaft „selbstbestimmt“ oder „sich selbst liebend“ zu sein, das ist ebenfalls eine solche Schublade. Der Zweifel an sich selbst gehört einfach zum Leben.
    Was dein Verhalten im Umgang mit einem „bekennenden Narzissten“ angeht: Wenn du ihm keine Chance gegeben hättest, dich zu manipulieren, dann hättest du deine eigenen Wertvorstellungen verraten, nämlich die, Menschen unvoreingenommen und fair zu begegnen. Du hast in Übereinstimmung mit dir selbst gehandelt. Was besseres kannst du niemals tun – egal, was daraus wird.

    „Tun oder lassen? Nach links oder nach rechts? Vorwärts oder Rückwärts?
    Mal so, mal so. Keinem Prinzip folgend, sondern dem Gleichgewichtssinn.“
    (Thomas Hoof)
    [Und nein: Ich bin nicht rechtsradikal, weil ihn ihn zitiere. Ich weiß auch nicht, ob Herr Hoof es ist. Er hat inzwischen einen gewissen Ruf, aber ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Dieser Ausspruch von ihm ist es trotzdem wert, beachtet zu werden.]

    Du merkst: Ich vertrete meistens eine abweichende Meinung zu allen anderen. Dies ist womöglich meinem (narzisstichen) Wunsch nach Einzigartigkeit geschuldet. Zu meiner Entlastung kann ich nur schreiben, dass ich eine abweichende Meinung prinzipiell für wertvoll halte. [Also rette ich indirekt doch wieder die ganze Welt, wenn ich mich verbal produziere… Und jetzt höre ich auf, mich weiter zu analysieren, weil ich nämlich nie zu einem endgültigen Ergebnis kommen werde.] 😉

    Liebe Grüße
    Katrin

    • HI Katrin,

      danke für deinen Kommentar!

      ich erkenne mich in vielen wieder, was du geschrieben hast und kann dem nur zustimmen (z.b. die fast zwanghafte Macke mich selbst zu kontrolllieren, insbesondere nach dem Absenden von Beiträgen auf Rechtschreibfehler 🙂

      Willkommen im Club: Auch ich vertrete gerne abweichende Meinungen – in meinem Profil steht ja ganz bewusst „Querdenker“ 😉

      Als Menschen sind wir ganz sicher komplexe Wesen, und für mich geht es auch immer mehr darum, all diese Anteil in Balance zu halten (wenn du so willst zu lieben), als eins davon weghaben zu wollen. Dazu zähle ich auch durchaus meine narzisstischen Tendenzen.

      Zu Daniel S.B. ist an anderer Stelle schon ausreichend geschrieben worden. Nur soviel: Ja, er hat mich aus dem Tritt gebracht. Doch gleichzeitig habe ich daraus viel erkannt und gelernt über mich und eben auch dem Umgang mit Narzissten. Auch im Verständnis meiner eigenen narzisstischen Zufuhr und der Abgrenzung zu einem gesunden Selbstwertgefühl. Ich werde mich in weiteren Publikationen weiter mit Narzissmus und Selbstliebe auseinandersetzen.

      LG, Oliver

  3. Hallo lieber Olli,

    vielen Dank für diesen ausführlichen, persönlichen, ehrlichen und wichtigen Artikel.

    Ich bin davon überzeugt, dass ohne Selbstachtung und Selbstliebe vieles nicht oder nur eingeschränkt möglich ist: Ausgeglichenheit, Empathie, Freiheit, Sicherheit, Zufriedenheit … Wie soll man auch glücklich werden, wenn man 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr mit einem Arschloch verbringen muss?

    Es gibt sicher mehrere Wege, Selbstachtung und Selbstliebe zu finden. Mein persönlicher Weg hat viel mit der minimalistischen Lebensweise und dem Fokus auf wenige Dinge zu tun. Nur so kann ich mich vom Ballast, den das moderne Leben mit sich bringt, fern halten und mich auf die Dinge und Menschen konzentrieren, die mir wichtig sind.

    Viele Grüße aus Franken

    Christof

    • Hi Christof,

      danke für dein nettes Feedback! Freut mich, dass der Artikel so gut bei dir ankam.

      Ja, sicherlich gibt es mehrere Wege zu einem ausgeglichenen Leben und zu einem gesunden Selbstwert. Minimalismus ist einer davon. Ich beschäftige mich selbst immer wieder damit, mich aus das Wesentliche zu konzentrieren, in mir selbst und bei äußeren Dingen.

      Du sagst es: Die Person, mit der wir die meiste Lebenszeit verbringen, sind wir selbst. Umtausch nicht möglich 😉 Von daher sollten wir versuchen, mit dieser Person so gut wie möglich auszukommen. Klappt mal besser, mal schlechter und ist eine stetige Entwicklung – zumindest bei mir!

      Wünsch dir einen guten Rutsch und viel Erfolg im neuen Jahr.

      Viele Grüße vom See,
      Olli

    • Hallo Meo,

      danke für deinen Kommentar.

      Ging die E-Mail Benachrichtigung (Newsletter) über das Forumlar in der Seitenleiste nicht?

      Wünsche dir einen guten Start ins Neue.

      Grüße, Oliver

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