Wann ist ein Mann ein Mann? Eine Annäherung

“ Männer nehm’n in den Arm
Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht,       

Männer geben Geborgenheit
Männer weinen heimlich
Männer brauchen viel Zärtlichkeit

Oh Männer sind so verletzlich
Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich
außen hart und innen ganz weich
werd’n als Kind schon auf Mann geeicht
Wann ist ein Mann ein Mann? “                    

Wann ist ein Mann ein Mann, sang und fragte schon Herbert Grönemeyer in seinem bekannten Song Männer vor über dreißig Jahren.

Dieser Frage versuche ich in dem heutigen Beitrag nachzugehen.

Falls du dich also schon länger fragst, was es heutzutage bedeutet, ein Mann zu sein, lies weiter.
(natürlich dürfen auch alle Frauen weiterlesen, die an einem neuen Männlichkeitsbild interessiert sind)

Mich selbst beschäftigt diese Frage schon, solange ich denken kann. Unser männliches Identitätsgefühl wird von früh an geprägt durch die ersten Männer in unserem Leben: Vater, Großvater, Onkel, väterliche Freunde, Freunde, Lehrer, Bezugspersonen.

Aufgrund meiner nicht erkannten und geförderten Hochsensibilität in meiner Kindheit und Jugend, hatte ich große Probleme mit meinem Männlichkeitsgefühl. Um mich herum befanden sich nur coole und selbstbewusste Männer und Jungs. Ich beneidete viele meiner Klassenkameraden für ihre coolen Sprüche und Witze, ihre Autorität, ihre selbstbewusste Ausstrahlung und ihren Erfolg bei Frauen.

Ich war da ganz anders. Eher zurückhaltend bis schüchtern, kein Sprüche und Witzeerzähler. In Gruppen war ich eher der passive und beobachtende Part. Während meiner Berufsschulzeit hörte ich in solchen Konstellationen des Öfteren den Satz: „Du bist so ruhig, erzähl doch mal was.“

Was mich wiederum nur noch mehr in mein Schneckenhaus zurückziehen lies. Schnell wurde mir alles zu viel und ich fühlte mich überfordert. Suchte eigentlich Rückzug aus diesen sozialen Gefügen, wollte aber auch gleichzeitig dazugehören, um nicht ganz isoliert zu sein.
Vollkommen normal, vollkommen menschlich.

Heute weiß ich: ich verglich mich mit den falschen Personen.

Ich verglich mich als junger Hochsensibler mit anderen, die nicht im Besitz dieser feinen Antennen waren, wie ich.

Und wie du sicherlich weißt:

Vergleichen ist eines der besten Mittel, um dich schlecht und minderwertig zu fühlen.
Vergleichen ist für das eigene Selbstbild niemals gut.

Heute weiß ich das. Damals nicht.

Aufgrund all dieser Erfahrungen, beschäftigte ich mich im Laufe der Jahre fast zwangsläufig mit dem Thema Männlichkeit. Was macht das Identitäts- und Rollenbild eines Mannes aus?
Wie kommt das eigentlich zustande?

Und: bin ich kein „richtiger“ Mann, wenn ich dem nicht entspreche?!

Ein neues Bild von Männlichkeit

Die traditionellen Rollenbilder in unseren Köpfen verändern sich nur langsam. Vor dreißig bis vierzig Jahren war die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau noch ziemlich klar und eindeutig.

Ein junger Bursche lernte mit 14 einen anständigen Beruf. Dann arbeitete er einige Jahre als Geselle, eventuell bildete er sich fort und hängte ein Studium dran. Mit Ende zwanzig, am Ende der Sturm und Drangzeit, hatte er einen gutsituierten Beruf und somit genug Erfahrung und Einkommen, um eine Familie zu gründen.

Spätestens mit Anfang dreißig war das erste Kind geboren und die Hochzeit ist nur wenige Tage alt. Die Ratenfinanzierung für das Einfamilienhäuschen wurde gerade unterschrieben. Der Baum im Vorgarten gepflanzt, der Familienhund ausgesucht.
Der (Ehe) Mann ging von morgens bis abends als bodenständiger Facharbeiter arbeiten. Er war der Ernährer und Versorger der Familie. Die Frau hatte daheim ihren Bereich mit Küche, Kindern und Kaffeeklatsch.

Alle waren zufrieden, jeder hatte seine Rolle und wußte, was zu tun ist.

Und heute? Heute ist alles etwas anders.

Eine Frau im 21. Jahrhundert kann sich selbst ernähren. Möchte es sehr oft auch. Sie möchte Karriere machen. Sie möchte die gleichen Aufstiegschancen wie ihre männlichen Kollegen. Sie möchte vordringen in einst ausschließlich männlich dominierte Führungspositionen. Nebenbei erzieht sie noch ihr Kind. Alleine. Vielleicht noch mit Hilfe einer Tagesmutter.

Eine Frau von heute möchte Familie und Beruf vereinen können. Sie möchte nicht mehr nur das „Heimchen“ sein, dass abends um 17 Uhr das Essen auf den Tisch stellt  – wenn der Ernährer die Schwelle überschreitet.

Dies alles lebt die Frau von heute schon sehr offen und selbstbewusst. Sie hat ihre neue Rolle eingenommen oder genauer gesagt: neu definiert.

Und das mit einem immensen Tempo in den letzten dreißig Jahren. Dem Feminismus sein Dank. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wirklich nicht.

Doch: Wo blieb bei dieser neuen Rollenverteilung der Mann?

Er blieb auf der Strecke. Der Mann ist das neue schwache Geschlecht des 21. Jahrhunderts. Er hat es versäumt, sich neu zu erfinden. Neu zu definieren. Er ist von der Feminismuswelle schier überrollt worden.
Und steht nun verunsichert da, umgeben von starken und selbstbewussten Frauen – von seinen ersten Kindergartentagen an.

Er klammert sich krampfhaft an das alte Rollenbild des Ernährers und Versorgers. Des Familienoberhauptes. Des Patriarchen. Des Machers. Des Anführers.

Und verzweifelt immer mehr daran.
Deshalb wird es Zeit, für eine zeitgemäße Erneuerung des Typus Mann.

Für uns als Männer und für uns alle.

Der Mann von heute ist bewusst und sensitiv & kraftvoll und roh

Du magst gerade einwenden: Moment mal. Was ist mit dem stetigen Raubbau an der Natur, dem Kampf- und Leistungsprinzip in der Wirtschaft, der Gier nach Bodenschätzen, Öl und Gas, dem Konkurrenzdenken – all dies existiert doch zusehends und sind doch eindeutig männlich zugesprochene Werte.

Ja, so ist es!

Aus meiner Sicht sind das alles die letzten Zuckungen und krampfhaften Versuche, einer männlich orientierten Industrie- und Leistungsgesellschaft, die ihren Zenit schon lange überschritten hat.

Und nun mit allen Mitteln versucht, an diesem alten (Rollen) Bild festzuhalten.

Die hochsensible Autorin Sylvia Harke schreibt in ihrem Buch „Hochsensibel – Was tun“, dass es Zeit für ein neues Bild von Männlichkeit ist: „Die Integration der weiblich konnotierten Aspekte wie Emotionalität, Empathie, Mitgefühl, Kreativität und Naturverbundenheit könnte vielen männlichen Männern ganz guttun.“

Sie zählt einige Impulse auf, die sensitive Männer in die Gesellschaft einbringen können:

  • Die Entwicklung eines neues Familienbildes
  • Eine sensible, spirituelle, einfühlsame Sexualität leben
  • Die Welt menschlicher machen
  • Die Integration weiblicher Aspekte in einer männlichen Identität
  • Ausgleich schaffen, Extreme abmildern
  • Verantwortung für Umwelt, Menschen und Tiere übernehmen
  • Innovationen vorantreiben
  • Dem Erwartungsdruck unserer Leistungsgesellschaft nicht entsprechen

 

Sei Mutig!

In einer von der Bundesregierung beauftragten Studie aus dem Jahre 2012, stellen die Autoren fest, das ein immenser Erfolgs- und Leistungsdruck auf männlichen Schultern lastet:
„Männer müssen was können, im beruflichen Leben. Sie müssen aber auch im Bereich der Sexualität „können“. Wer das nicht schafft, wer keinen Erfolg hat, wer seinen Job verliert, dem fällt es schwer, sich als richtiger Mann zu fühlen.“

Dieser hohe Erfolgsdruck hängt selbstverständlich auch mit gesellschaftlichen Erwartungen zusammen – und mit denen von Frauen an „echte Männer“. Fragt man Männer wie Frauen, was „Mann sein “ bedeutet, heißt es stets: Er muß zielstrebig, tapfer und leistungsbewusst sein.

Aber dem musst du nicht folgen: Du hast die Wahl!

Diese beiden quirligen Jungs zeigen dir auf ihrer Webseite, wie du deine Männlichkeit stärken kannst, deine ureigene Männlichkeit lebst und selbstbestimmt deinen Weg gehst. Sie setzen sehr auf das originäre Bild von Männlichkeit, Stärke und Sex  – was sicherlich ein wichtiger Aspekt von Mann-Sein bedeutet, aber eben nur einer ist.

Ich empfehle dir: Befreie dich von dem Leistungszwang im Leben, im Beruf und auch im Bett.

Was steckt zum Beispiel hinter deinem sexuellen Appetit? Bist du auf der Suche nach Sicherheit und Bestätigung? Nach Anerkennung? Willst du jemanden an dich binden?

Sex kann mehr sein, als nur eine körperliche Befriedigung – er kann eine „kosmische Explosion“ in dir auslösen, die dich in den Tiefen deiner Existenz berührt – wie dieser Artikel sehr schön aufzeigt.

Habe den Mut für ein neues Männerbild

Verbinde dich mit deiner archaischen und sensitiven Männlichkeit.

Werde ein integraler und ganzheitlicher Mann!

Das bedeutet, dass du all deine Qualitäten und Facetten als Handlungsoptionen zur Verfügung hast: der unerschütterliche Streiter, der einfühlsame Familienvater, ein Mann der klaren Worte, der verständnisvolle Partner, der Liebhaber, der wild und trotzdem zärtlich ist.

Integrale Männlichkeit = Roh und kraftvoll & Zart und empfindsam – zugleich!
Das geht. Probiere es.

Zeige dich in deiner ganzen Persönlichkeit.

Zeige dich auch in deiner vermeintlichen Verletzlichkeit.

Zeige dich mit all deinen Gefühlen.

Gerade als hochsensibler Mann ist es sehr wichtig, zu deiner natürlichen Kreativität, Empathie und Emotionalität zu stehen.

Es ist heutzutage keine Schwäche mehr, diese zu zeigen. Im Gegenteil.
Es ist Teil eines neuen Bildes von Mann – Sein.

Und wird gerade heute so sehr gebraucht.

Es ist von unschätzbarer Wichtigkeit, dass wir uns als hochsensible Männer gegenseitig in unserer Entwicklung unterstützen, Mut machen, Vorbilder sind.

Der Mann von heute zeigt Gefühl und Stärke.
Er ist im Einklang mit all seinen Anteilen.

Trau dich!

Du bist nicht alleine – sondern gehts zusammen mit anderen, die eine zeitgemäße Vorstellung von „Mann sein“ leben und zeigen wollen.

Fühl dich einfach wohl !

 

Lebst du schon deine ganze Männlichkeit?
Welcher Typ Mann bist du?
Sag es mir in den Kommentaren.

 

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Bild: unsplash.com

Quellen: www.maennlichkeit-leben.com

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Veröffentlicht von

www.simplyfeelit.de

Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker. Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit. Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

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15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ok. In erster Linie bin ich Mensch. Dass ich geschlechtlich ein Mann bin ist völlig sekundär. Ob Mann oder Frau, sollte es einem völlig wurscht sein, was die Gesellschaft von einem verlangt. Wichtig ist, welche Ansprüche ich an mich selbst stelle und wie zufrieden ich, mit mir als Person, bin.
    Natürlich hat sich das Bild des Mannes durch die Emanzipation geändert. Ich glaube aber nicht, dass die letzten Zuckungen, wie oben erwähnt, ein typisch männliches Phänomen sind, sondern ein Rachefeldzug derer ist, die in ihrer Kindheit und Jugend von anderen unterdrückt worden sind. Ich glaube, dass diese Menschen eine noch größere Machtgeilheit haben.
    Diese Machtgeilheit ist auch nicht geschlechtspezifisch, denn wenn wir sehen, dass die meisten Frauen in Machtpostionen den gleichen Mist bauen, wie ihre männlichen Kollegen, wird’s so auch nicht besser…
    Was das Bett anbelangt, verabschiedet euch von irgendwelchen Orgasmuszwängen, behandelt eure Partnerin nicht, wie ein Objekt und redet mit ihr.
    Kurzum, seid Mensch! Aber versucht ausgeglichen und respektvoll mit allen umzugehen, dann erübrigt sich die Frage nach der Frauen- bzw. Männerrolle…

    • Hallo Dieter,

      danke für deinen Kommentar und der damit tieferen Auseinandersetzung mit der Thematik.

      Ich stimme dir in weiten Teilen vollkommen zu. Machtausübung hat immer etwas mit einer zuvor erlebten Unterdrückung zu tun, und da spielt es keine große Rolle, ob diese Machtposition von einer Frau oder einem Mann ausgeübt wird.

      Die meisten Machtpositionen werden gesellschaftlich aber nach wie vor von Männern besetzt, auch wenn die Frauen hier eifrig aufholen, bzw., wie im Beitrag erwähnt, ebenfalls in diese Positionen vorstoßen wollen. Hierbei ist dann sehr oft eine „Vermännlichung“ dieser Frauen zu beobachten, was ich aus eigener Berufserfahrung bestätigen kann. Damit meine ich in erster Linie, dass Frauen im Zuge dieser Angleichung immer mehr ihre Empathie und Empfindsamkeit verleugnen oder abschneiden – was evoltionsbiologisch originäre Eigenschaften des generell Weiblichen sind.

      Das finde ich sehr schade – egal ob bei einem Mann oder einer Frau – ist aber einer zunehmende Tendenz in unserer Leistungsgesellschaft, was einerseits zu noch mehr Druck und Individualismus führt, andererseits kurz- bis mittelfristig zu psychosomatischen Erkrankungen.
      Warum nicht stark und sensitiv zugleich sein, was gleichzeitig zu einer wahren inneren Stärke führt!

      Mit seinem PartnerIn zu reden, egal ob im Bett oder sonstwo, ist immer eine sehr guter Tipp 😉

      Deinen letzten Satz finde ich klasse und würde ich komplett so unterstreichen: Seid einfach Mensch (oder natürlich 🙂

      Liebe Grüße
      Oliver

  2. Hi, also ich bin auch nur Mensch, hänge aber aufgrund meines Backgrounds knietief im Thema „Männlichkeit“ und habe Deine Annäherung mit Begeisterung gelesen als Frau. Ich befasse mich schon seit Jahren mit dem Thema „Macht“ und „Machtmissbrauch“.
    Mir fiel dabei immer wieder auf, dass es Menschen fast unmöglich ist, Macht auch mit etwas Positivem in Verbindung bringen zu können, denn es hat mittlerweile solch eine Gleichsetzung mit etwas Bedrohlichem und dem Machtmissbrauch erfahren, dass gute Eigenschaften der Macht dabei völlig in Vergessenheit geraten. Vielleicht könnten Männer lieber hier ansetzen, anstatt sich in Leistungsdruck und Selbstzweifel zu verrennen, sich nicht länger verloren fühlen sondern die Selbst -er- mächtigung auf eine gesunde Basis bringen? Schließlich ist das Prinzip „aktiv“ von Grund auf männlich! Denn Männer sind mächtige Wesen 😉 -und machen wir uns nichts vor- sie dominieren nunmal global gesehen diesen Erdball und die patriarchale Grundstruktur ist noch merklich als Bodensatz vorhanden.

    Mich verwundert die momentane männliche Verunsicherung in ihrem gesamten Spektrum kein Stück. Ich halte sie für eine ganz logische Konsequenz (auch wenn sie manchmal schon groteske Züge annimmt), die zwar sein darf aber hoffentlich dann auch bei Zeiten wieder überwunden wird.

    Und die Frauen sind doch auch alle noch auf ihrem Weg. Sie haben die Emanzipation nicht abgeschlossen, sie sind nicht befreit, sondern rennen mit den selben Verunsicherungen, Ängsten und Selbstzweifeln rum wie die Männer! Die Emanzipation bringt nur etwas, wenn BEIDE Geschlechter sich emanzipieren!!! Eine Seite alleine kann sich nicht befreien ohne die andere.
    Und rennen nicht beide Geschlechter gestresst durch die Welt und fragen sich, wie das alles noch funktionieren soll?

    Ich hoffe bei allem Frust, -der heute auch wirklich mehr als berechtigt ist!-, dass die Männer sich vor Augen halten können, dass niemand der Modernen Welt in ihrer materialistischen Kapital-/Konsum-Perversion noch gerecht werden kann/sollte: MANN kann sich aber schon mal die Frage stellen, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass dieses destruktive Ungetüm, welches auch immer noch durch unsere Industriegesellschaften tobt, so wunderbar zu Stande (und Ruhm) kommen konnte. Das sollte meiner Meinung nach alles mal überdacht und formuliert werden.

    Ist der Mann sich seiner Aktivität ausreichend bewusst?

    Oder ich frage mal andersherum: Wenn der heutige Mann so verunsichert ist aufgrund des Wegbrechens alter Rollenbilder, wieviel mehr Selbstzweifel und Verunsericherung müsste eine Frau da haben, die es bis vor wenigen Jahrzehnten noch gewohnt war von banalen Dingen des Alltags ausgeschlossen zu werden (Arbeiten gehen zu dürfen, ein eigenes Konto eröffnen zu können, den Mann nicht um Erlaubnis bitten zu müssen, Wahlrecht zu bekommen usw.)?

    Jedenfalls Danke ich Dir für Deine positive Macht-er-greifung, hierüber notwendige Impulse zu setzen und Neues durch Einladung zum Dialog in Gang zu bringen!!!

    Die Marathon-Läuferin 😉

    P:S: Und die (immer größer werdenden ) Einbrüche auf dem Arbeitsmarkt verunsichern meiner Meinung nach beide Geschlechter gleichermaßen (da reisst auch eine Frauenquote nicht mehr das Ruder rum)…

    • Hi Aurora
      (oder Marathon-Läuferin 😉

      danke für deinen ausführlichen Kommentar und Stellungnahme zu dem Thema.

      Was mir gerade ziemlich vehemmt im Nachgang zu den Beitrag in den Kommentaren auffällt: Durchweg Frauen habe sich bisher sehr lobend und sogar dankend (wie du) zu dem Beitrag und der neuen Sicht auf den Mann von heute geäußert.

      Die einzigen zwei kurzen Kommentare von den Männern waren, naja, so kam es jedenfalls bei mir an, verteidigend. Ich bekam den Eindruck, dass hier ein gewisses Bild von Männlichkeit verteidigt werden soll – oder sich jemand auf den Schlips getreten gefühlt hat.

      So werde ich den Verdacht nicht los, das DER eine oder andere, etwas in meinen Beitrag nicht richtig verstanden hat. Du hast es ja sehr schön beschrieben in deinem Kommentar. Mir ging es keinesfalls darum, die Männlichkeit per se und generell abzulehnen, bzw. als überholt anzusehen. Es geht um gewisse Aspekte der Männlichkeit. Für mich hat eine positive Männlichkeit durchaus mit Stärke, Durchsetzung, Aktivität und auch Macht zu tun. Alles in der richtigen Balance und Kontext versteht sich.

      Die unerlöste Seite dieser Männlichkeit, sprich, ohne im Einklang mit seinen Gefühlen zu sein, diese zu verdrängen oder gar nicht erst zu spüren, führt dann meiner Meinung nach zu rigider Macht und Kontrollausübung – egal ob über einen Staat oder eine Frau. Dahinter liegen immer Verletzungen oder sogar Traumatas – die wiederum im seelisch-emotionalen Bereich verankert sind. Ich möchte gerade nur an die Pose mit dem Sepp Blatter erinnern, ein Machtmensch par excellence, dem offenbar jegliche Selbstreflektion und Empathie abhanden geht (sonst wäre er freiwillig gar nicht mehr angetreten).

      Keine Frage: Macht verändert einen Menschen – egal ob Mann oder Frau. Doch glaube ich schon, dass aufgrund der evolutionsbiologischen Unterschiede und Anlagen (Hormone etc), ein Mann anfälliger für den Missbrauch der selbigen ist, als eine Frau.

      Und genauso wichtig dabei: Eine Frau hat ihren Männlichen Anteil in sich; ein Mann seinen fraulichen Anteil – wir tragen beide Polaritäten in uns – und wiederum geht es dabei, mit diesem in Einklang oder Ganzheit zu leben – falls man(n) ein erfülltes Leben anstrebt. Und das behaupte ich nicht aus der blanken Theorie heraus, sondern aus eigener Erfahrung 😉

      Zu guter Letzt, um auch diesem Missverständnis vorweg zu greifen: Ich bin definitiv kein Anhänger von einem Matriarchat, für den Fall, dass dies durch den Beitrag bei dem einen oder anderen so rüberkam. Dies wäre nämlich wieder nur das andere Extrem, oder Gegenpol, mit ähnlichen Folgen wie unser derzeit (unerlöst) männlich orientiertes Kapital- und Wertesystem. (In dem Zusammenhang möchte ich nur an die berüchtigen Amazonen erinnern 😉

      Für Diskussion und Dialog bin ich immer zu haben.:)

      Liebe Grüße
      Oliver

      • Vielleicht haben die beiden Männer mit Frauen auch nur andere Erfahrungen gemacht wie Du. Was bei Dieter R. „verteidigend“ sein soll, entzieht sich meiner Wahrnehmung.

        • Hallo Erhard,

          okay. Tausche „verteidigend“ mit eher bedeckt haltend. Lass uns doch an deinen anderen Erfahrungen mit Frauen teilhaben? Vielleicht sind sie gar nicht so anders – verschiedene Blickwinkel oder Sichtweise können nur von Vorteil sein. Ich wäre defintiv daran interessiert!

          LG
          Oliver

          • Auch „bedeckt haltend“ trifft es nicht, sonder einfach das, was Dieter geschrieben hat. Insbesondere „Ob Mann oder Frau, sollte es einem völlig wurscht sein, was die Gesellschaft von einem verlangt.“ und „Diese Machtgeilheit ist auch nicht geschlechtspezifisch, denn wenn wir sehen, dass die meisten Frauen in Machtpostionen den gleichen Mist bauen, wie ihre männlichen Kollegen, wird’s so auch nicht besser…“

            Meine individuellen Erfahrungen mit Frauen tu da nichts zu Sache (mit einer speziellen ergäben im wahrsten Sinne des Wortes einen Krimi). Im „Großen und Ganzen“, für jede/n nachvollziehbar, muss man sich da aber nur Margret Thatcher und Angela Merkel ansehen.

            Schon Elaine Aron als Entwicklerin des Konstrukts „Hochsensitivität“ hat heraus gefunden. In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau.

          • Hallo Erhard,

            entschuldige die späte Antwort.

            Nach meiner Recherche ist es mir nicht bekannt, dass Elaine Aron einen Unterschied zwischen Mann und Frau marginalisiert hat. Was Hochsensitivität angeht, gibt es bestimmt einige Gemeinsamkeiten zwischen Mann und Frau (oder allen Hochsensiblen). Trotzdem ist jede Hochsensitivität individuell und macht sich „anders“ bemerkbar.

            Sicherlich ist es aber auch so, dass eine Frau schneller mitfühlend und empathisch reagiert – und dies auch meist schneller ausdrückt – als ein Mann. Aufgrund der evolutionären und biologischen Unterschiede des Männlichen und Weiblichen in der Schöpfung. Und der konditionierten Rollenbilder der Gesellschaft („Du musst stark sein im Leben, Junge“). Ich bleibe dabei.

            Auf vier prägnate Sätze zusammengefasst möchte mein Artikel folgendes ausdrücken:

            1. Die Rollenbilder sind abhängig von Kultur und Zeit und ändern sich entsprechend.

            2. Die Frau hat ihre Rolle schon lange neu definiert, bedingt durch Faktoren wie Feminismus und Leistungsgesellschaft, und füllt diese mit breiter Brust aus. Der Mann als Ernährer und Versorger hat längst ausgedient – und darunter leidet der moderne Mann (natürlich nicht alle.)

            3. Viele moderne Frauen werden immer „männlicher“, was Autorität, Macht, Durchsetzung und vor allem Gefühlsvermeidung angeht. Sie haben sich den gesellschaftlichen Bedingungen angepasst, und verleugnen zunehmend das Weibliche Urprinzip (Sein). (Dazu passt dein Thatcher und Merkel Verweis und das Frauen in Machtpositionen-Statement. Und meine eigene Erfahrung mit meiner letzten Chefin 😉

            4. Jenseits von allen Unterschieden und Typisierungen geht es in dem Beitrag vor allem um eines: Werdet integral oder ganzheitlich – egal ob du ein Mann oder eine Frau bist – lebe diese beiden Polaritäten in dir! (und alle sonstigen Persönlichkeitsanteile – raus aus dem „Schatten“).

            Nach meiner Erfahrung kann so ein erfüllendes Leben gelingen: Aus der Bewusstheit einer inneren Balance aller in mir vorhandenen und berichtigten Anteile.

            Und ein wenig mehr zulassen von (Mit) Gefühl und Authentizität – ob Mann, ob Frau – kann Umwelt, Tier und Mensch sicherlich nicht schaden.

            Ich glaube, damit ist dieser Diskussionspunkt ausreichend in all seinen Facetten abgehandelt 😉

            Eine gute Zeit für dich & LG
            Oliver

  3. Hallo,

    Ich habe den Text gerade als Frau gelesen…
    Und fand ihn sehr gut.
    Ich habe gestern noch mit meinem Freund darüber gesprochen, der sich gefragt hat ob er nicht männlich genug ist weil er sensibel und emphatisch ist. Verständnisvoll und sehr gut über Gefühle sprechen kann und die auch zeigen.Ich hatte bevor ich ihn kannte aus vielen Erfahrungen ein sehr schlechtes Männerbild und bin sehr froh, dass es die „neuen Männer “ gibt und so geht es nicht nur mir…

    • Hallo,

      danke für deinen Kommentar und Feedback – gerade als Frau, deine Sichtweise auf die „neuen“ Männer mitzuteilen und wie sich dein Männerbild geändert hat.

      Ich kann deinen Freund sehr gut verstehen. Bin ich doch genauso ein Sensibler und Empathischer, der über sich und sein Gefühlsleben sprechen kann und auch möchte. Die Frage nach meiner Männlichkeit habe ich mir auch sehr oft gestellt.

      Finde es sehr schön, dass ihr Frauen nun auch immer mehr darauf aufmerksam werdet. Das macht es den sensiblen Männern leichter, sich zu trauen und zu zeigen!

      Die Vorstellung von Mann-Sein sich offenbar langsam verändert. Toll. Was ja nicht heißt, dass wir empathischen Männer nur sensibel sein können, sondern auch kraftvoll, mitunter auch sehr direkt. So kenne ich es zumindest von mir. Ganzheitlich eben, so der Ansatz 😉

      Also. Gehen wir es weiter an 🙂

      Einen schönen Tag und liebe Grüße
      Oliver

  4. Hallo Oliver,
    ein sehr eindrucksvoller Beitrag, den Du da geschrieben hast. Ich habe mich von Deinen Worten inspirieren lassen, um mein Kapitel „Frauen sind sensibel – Männer auch“ in meinem Buch über Hochsensibilität und Stärke zu vollenden. Danke für die Inspiration! LG – herzlich Kathrin

    • Hi Kathrin,

      vielen Dank für dein Feedback. Freut mich, dass dir der Artikel so gut gefallen hat und dich sogar für dein Buch inspiriert hat.

      Liebe Grüße
      Oliver

  5. Ich beschäftige mich seit Jahren mit den (zum Teil katastrophalen) Auswirkungen des Feminismus („positive“ Diskriminierung und Unterdrückung von Fakten überwiegend männlichen Betroffenen bei Suizid, Langzeitarbeitslosigkeit, Vaterschaft, Obdachlosigkeit, Armut, Bildungschancen in der Schule sowie mindestens ebenso häufig Betroffenen von häuslicher Gewalt) sowie ganzheitlichen Themen. Ich kann Dir eines versichern, und so geht es immer mehr bewussten Menschen: solange Du spaltest – und das tust Du, wenn Du Macht als männlich definierst (und dabei die extreme Macht des schon lange nicht mehr humanistischen Feminismus´ ausblendest – bist Du von tatsächlicher Ganzheit und Heilung weit entfernt. Ich hatte diesen Deinen Artikel auf Wiedervorlage, um ihn zu bloggen. Nach dem Lesen habe ich mich dagegen entschieden.

    • Hallo Tristan,

      danke für deinen Kommentar.

      Ich muss sagen, ich fühle mich von dir ziemlich missverstanden. Mein Artikel war ein Appell und eine Anregung für jeden Mann, wobei es zunächst mal zweitrangig ist, ob dieser hochsensibel ist oder nicht. Mir ging es darum, sich als Mann mit seiner archaischen UND sensitiven Seite zu beschäftigen:

      „Integrale Männlichkeit = Roh und kraftvoll & Zart und empfindsam – zugleich!“

      Ich stehe dem modernen Feminismus zum Teil auch sehr kritisch gegenüber (zum Beispiel in Form einer Alice Schwarzer). Und sicherlich wird über die von dir aufgezählten negativen Auswirkungen eines rigiden Feminismus auf den Mann zu wenig öffentlich debattiert.

      Ich kann aber trotzdem keine Spaltung erkennen. In dem Artikel spreche ich von einer zunehmenden „Verhärtung“ vieler Frauen, in der Form, dass sie sich gesellschaftlich angepasst haben und keine Empfindsamkeit und Schwäche mehr zulassen. Schwäche oder Gefühl zeigen ist total out!

      Egal ob Mann oder Frau, diese Verhärtung ist für mich auf eine zunehmende Abtrennung von der inneren Gefühlswelt zurückzuführen, mit den entsprechenden Folgen (Umweltausbeutung, Massentierhaltung, grassierender Narzissmus etc.).Leider werden diese „Maßnahmen“ eben sehr oft von Männern ausgeführt oder gelebt – wobei es letztlich egal ist, von wem diese destruktive Macht ausgeübt wird.

      Erst wenn Kraft und Gefühl wieder gesehen und integriert werden, kann man von einer inneren Ganzheit sprechen.
      Wiederum vollkommen geschlechtsunabhängig.

      Trotzdem gibt es für mich evolutionsbiologisch gewisse Unterschiede zwischen Mann und Frau, die ihre Berechtigung haben und welche in ihrer gesunden Form wichtig für die Fortentwicklung der Spezies Mensch sind. Dein Kommentar hat mich dazu ermutigt, diese natürlichen Unterschiede in ihrer gesunden und konstruktiven Art, in einem der nächsten Artikel noch klarer darzustellen.

      Lieber Tristan:zwischen deinen Zeilen spüre ich viel Groll und Wut auf das andere Geschlecht, was einerseits meine Hypothese untermauert, dass der moderne Mann sich von der Emanzipationswelle der Frauen überrollt fühlt (weil er die eigene Emanzipation versäumt hat), und deshalb versucht, sich fast verzweifelt auf seine alte vermeintliche Stärke und Macht zu berufen.

      Für mich bedeutet aber „Macht“ oder Stärke aus der Mitte heraus, mit all seinen Persönlichkeitanteilen in Berührung zu sein und diese auch so nach aussen zu zeigen und zu leben. Egal ob als Mann oder Frau!

      viele Grüße
      Oliver

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