Schluss mit Jein! Bindungsangst: Wie Du sie erkennen und in 3 Schritten überwinden kannst

Ich bin noch nicht soweit für eine feste Beziehung. Ich brauche meinen Freiraum. Lass mir etwas mehr Zeit.

Hast du diese Sätze schon einmal während eines Kennenlernes gehört? Von dir oder deinem Gegenüber? Dann leidest du oder dein Gegenüber wahrscheinlich an einer Bindungsangst.

Eines der meistgenannten Ziele aus meiner Leserumfrage ist, einen Partner zu finden. In den meisten Artikeln und Büchern über Partnerschaft wird fast automatisch davon ausgegangen, dass zwei Menschen sich zusammengefunden haben, die willens und fähig sind, in einer tragfähigen Paarbeziehung zu leben.

Aber was ist, wenn einer oder sogar beide, dazu aus bestimmten Gründen nicht in der Lage sind?

Die meisten von uns sehnen sich nach einer festen und tragfähigen Beziehung. Gerade wir hochsensibel veranlagten Menschen sehnen uns nach einer Partnerschaft voller Liebe, Verständnis und Akzeptanz – es ist ein Urbedürfnis unserer großen Gefühlsintensität.

Es gibt jedoch auch einige Menschen, die gerne eine Beziehung eingehen würden, sich aber gleichzeitig davor fürchten. Sie haben Angst vor zu viel Nähe und Enge. Einerseits wünschen sie sich von Herzen solch eine tiefe Verbindung. Andererseits hindert sie daran eine tiefsitzende Angst. Aus dieser Ambivalenz entsteht das berüchtigte „Jein“ – weder Ja noch Nein: Ich gehe mit dir eine Beziehung ein – aber halte gleichzeitig durch gewisse Strategien soviel Distanz, dass ich nicht verletzt werden kann.

Die eingangs zitierten Sätze kenne ich sehr gut. Von mir. Ich gebrauchte sie in den Beziehungen der letzten Jahre oft. Einerseits verspürte ich eine große Sehnsucht nach Austausch, Nähe und Vertrauen – andererseits hatte ich aber auch Angst, mich ganz einzulassen, fühlte mich schnell vereinnahmt. Ich hatte Angst. Angst, nicht mehr Ich zu sein, Angst mich aufzugeben, Angst die Kontrolle zu verlieren. Im Laufe der Jahre habe ich viel an mir und meiner Selbstliebe gearbeitet und dadurch ist diese Vereinnahmungsangst geringer  geworden – aber in gewissen Ausprägungen ist sie heute immer noch da.

Kennst du diese Angst vielleicht auch?
Dann lass uns heute über das Thema Bindungsangst sprechen.

Ursachen für Bindungsängste

Die Ursachen einer Bindungsangst reichen sehr weit zurück. Meist bis ins früheste Kindes- und Säuglingsalter.

Ob du in deinem späteren Erwachsenenleben bindungsfähig bist, hängt in sehr hohem Maße davon ab, welche Erfahrungen du in den ersten Lebensjahren in der Beziehung zu deiner Mutter gemacht hast. Die Mutter ist die erste und wichtigste Bezugsperson für uns als neugeborene Menschen. Wir haben eine symbiotische Verbindung zu ihr – was sich schon an der Nabelschnur erkennen lässt. Aber auch wenn diese nach der Geburt getrennt wird, sind wir unabdingbar auf die Wärme, Nahrung und Zuwendung unserer Mutter angewiesen. Wir können ohne sie nicht überleben. Der Säugling kann nicht unterscheiden zwischen Du und Ich – er ist eins mit der Mutter. Von dieser lebenswichtigen (Ver) Bindung hängt es ab, ob unser Gehirn Bindung aus den frühesten Kinderjahren mit „Sicherheit, Wärme und Geborgenheit“ verbindet, oder mit „Verlassenheit, Einsamkeit und Angst.“ Da  diese frühen Erfahrungen nicht bewusst im Gedächtnis des Neugeborenen gespeichert werden können, sind diese elementaren Erfahrungen in der Regel unserem Bewusstsein nicht zugänglich.

Aus diesem Grund spielt das Unbewusste bei bindungsängstlichen Menschen eine so große Rolle. Die späteren bindungsvermeidenden Reaktionen laufen meist unbewusst und somit unkontrolliert ab.

Neueste Studien aus der Neurobiologie haben gezeigt, dass der Kern aller menschlichen Motivation ist, Zuneigung und Wertschätzung zu finden und zu geben. Unser Bedürfnis nach einer vertrauensvollen Bindung ist also biologisch in jedem von uns angelegt.

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Anzeichen und Symptome einer Bindungsangst

Eines der auffälligsten Anzeichen einer Bindungsangst ist, dass du dich zwar auf eine Beziehung einlassen kannst, durch verschiedene Strategien deinen Partner aber immer wieder auf Abstand hältst.

Du brichst zum Beispiel völlig grundlos einen Streit vom Zaun, reagierst kalt und abweisend oder wirfst deinem Partner vor, dich zu sehr einzuengen. All dies sind bewährte Abwehrstrategien, um keine echte Nähe entstehen zu lassen.

Ein weiteres Anzeichen von Bindungsangst kann sein, dass du immer wieder fliehst.
Flucht in all ihren Ausprägungen ist die am häufigsten verbreitete (Abwehr )Strategie von bindungsängstlichen Menschen:

  • Flucht bevor es „richtig“ anfängt
    Nach der ersten gemeinsamen Nacht machst du dich am nächsten Morgen sang und klanglos noch vor dem Frühstück aus dem Staub.
  • Flucht durch Schluss machen
    Wenn es dir zu eng wird und du deine Ängste gar nicht mehr durch andere Strategien und Taktiken kontrollieren kannst, dann brichst du die Beziehung einfach ab. Es könnte ja passieren, dass es sich „für immer“ anfühlt“ – und dies ruft enorme (unbewusste) Ängste in dir hervor. Dann lieber schnell weg. Ende. Aus. Das nächste Abenteuer wartet.
  • Flucht durch Vermeiden von Nähe
    Solange die Bindungsangst bei dir noch nicht extrem ausgeprägt ist, und du noch genügend Strategien in der Hinterhand hast, um Distanz und Nähe zu regulieren, kann es sein, dass du sehr lange in der Beziehung leben kannst, ohne sie beenden zu müssen. Beliebte Strategien zur Vermeidung und Regulation von Nähe sind: Flucht durch Arbeit; Flucht durch Hobbys; Flucht durch Krankheit; Flucht durch Untreue; Flucht durch sexuelle Zurückhaltung; Flucht durch Fernbeziehungen; Flucht durch Abtauchen.

Sehr beliebt ist unter bindungsängstlichen Menschen auch das Verlieben in bereits vergebene oder verheiratete Partner. Diese Partner sind für wirkliche Nähe unerreichbar und der Bindungsängstliche hat somit seine benötigte Distanz wieder hergestellt.

Eine Bindungsangst kann sich durchaus auch in verschiedenen körperlichen Symptomen zeigen, wie zum Beispiel Herzrasen, Beklemmungsgefühl, Anspannung oder gar eine Panikattacke.

Hier findest du einen Onlinetest, um eine mögliche Bindungsangst herausfinden zu können.

(Anmerkung: Grundsätzlich empfehle ich solche Test mit Vorsicht. Sie können aus meiner Sicht nur eine erste Annäherung an das Thema darstellen – und ersparen keine tiefere Auseinandersetzung)

Bist du als Mensch mit einer Bindungsangst beziehungsunfähig?

Diese Frage stellte ich mir persönlich jahrelang und mitunter auch heute noch. Man hört diese Aussage auch immer wieder. Nach all meinen Erkenntnissen und Recherchen muss auf diese Frage mit einem klaren Nein geantwortet werden.

Beziehungsunfähig sind Menschen, die

  • Egoistisch sind
  • Keine Kompromisse eingehen wollen und das auch ganz bewusst
  • Sich nur für sich selbst und ihr eigenes Wohl interessieren
  • Eine enge Beziehung gar nicht eingehen wollen

Bei einem bindungsängstlichen Menschen verhält es sich etwas anders. Er möchte ja eigentlich eine Beziehung, hat aber wie erwähnt, eine immense, meist unbewusste Angst, verlassen oder verletzt zu werden. Seine traumatische Kindheit holt ihn einfach immer wieder in jeder engen und verbindlichen Beziehung ein. Daran lässt sich aber arbeiten – wie an jeder Angst. Somit bist du als bindungsängstlicher Mensch keineswegs beziehungsunfähig.

 

Bindungsangst überwinden: Diese 3 Schritte können dir dabei helfen

1. Stelle dich deiner Angst vor Abhängigkeit

Der erste und wichtigste Schritt ist, dir einzugestehen, dass sich hinter der scheinbaren Gleichgültigkeit und Genervtheit, der beklemmenden Niedergeschlagenheit und dieser diffusen Angst sehr schmerzhafte Kindheitserfahrungen von Abhängigkeit verbergen.

Um deine Bindungsangst bewältigen zu können, musst du als erstes erkennen, dass du Angst vor tiefen Bindungen hast.

Welche Einstellungen zu Beziehungen hast du aus diesen alten Erfahrungen entwickelt? Wovor genau hast du Angst? Was glaubst du in einer Partnerschaft tun zu müssen? Was befürchtest du, aufgeben oder verlieren zu müssen?

Denke darüber nach oder schreibe dir die Antworten dazu auf.

Es kann auch sehr hilfreich sein, genau hinzuschauen, wie deine Eltern ihre Beziehung gelebt haben und welche Erfahrungen du im Umgang mit deinen Eltern gemacht hast?

2. Beschäftige dich mit deiner Angst vor Erwartungen

Im nächsten Schritt ist es sehr wichtig, dir immer wieder vor Augen zu führen, dass du heute erwachsen bist. Du kannst für dich selbst sorgen. Du bist in keiner symbiotischen Beziehung mehr. Dieser Anteil lebt in dir weiter, aber nun kannst du dich als liebevoller Erwachsener um ihn kümmern und ihn beschützen. Und nicht mehr deine Mutter oder in einer Beziehung dein Partner. Du musst die „alten“ Erwartungen nicht mehr erfüllen, um Zuwendung, Wärme und Anerkennung zu erhalten.

Ist die Bedrohung, die du siehst, wirklich eine reale Bedrohung? Oder eher eine Projektion aus deinen Kindheitserfahrungen? Wird mein Partner wirklich gleich verletzt sein, wenn ich ihn ab und an einen Wunsch nicht erfülle? Erwartet mein Partner dies wirklich von mir – oder vermute ich das nur? Bin ich wirklich schuld, wenn ich ganz klar meine Meinung äußere und mein Partner gekränkt ist?

Der Umgang mit Erwartungen ist einer der heikelsten Punkte in jeder bindungsängstlich geführten Beziehung und von bindungsängstlichen Menschen allgemein. Vielleicht kommt dir das sehr bekannt vor? Auf jede echte oder vermeintliche Erwartung des Gegenübers wird mit einem heftigen Abwehrimpuls reagiert. Dies liegt ganz stark daran, dass du Erwartungen mit Vereinnahmung und Unterjochung gleichsetzt. Ich weiß, von was ich spreche. War es doch genau dieser Punkt, der bei mir in Beziehungen immer wieder zu Streit, Abgrenzung und Distanz führte. Ich musste mich zu früh und zu stark den Erwartungen meiner Bezugsperson anpassen, entweder um mein Überleben zu sichern, oder um die Zuwendung meiner Eltern zu sichern.

Als erstes werde dir daher deiner nahezu allergischen Reaktion auf Erwartungen jeglicher Art bewusst. Deine Abwehr erfolgt nämlich meist reflexartig und unbewusst. Meditations- und Achtsamkeitsübungen können bei dieser Bewusstwerdung enorm helfen.

Als nächstes stelle nicht gleich auf stur und bockig. Rede mit deinem inneren Kind und beruhige es. Es würde nämlich am liebsten vor jedem Konflikt gleich wegrennen und laut „Nein“ brüllen. Gehe in deinen liebevollen und vernünftigen Erwachsenen-Anteil und betrachte die Situation aus seiner Perspektive. Ist es wirklich so schlimm, hier mal nachzugeben? Wird tatsächlich zu viel von mir verlangt? Wenn ja, ist es möglich, dies in einem ruhigen Gespräch zu klären? Passiert wirklich etwas schlimmes, wenn ich freundlich Nein sage?

Dein innerer Erwachsener sollte dem inneren Kind begreiflich machen, dass es verhandeln darf und Einfluss nehmen kann. Es geht darum, diesen Persönlichkeitsanteil in dir (deinem inneren Kind) begreiflich zu machen, dass es Kompromisse gibt. Nicht nur Schwarz und Weiß – sondern auch Zwischentöne. Dass es nicht nötig ist, direkt bockig zu werden und sich schmollend in die Ecke zu setzen. Dein inneres Kind muss lernen, dass es zwischen sich verbiegen und totaler Selbstaufgabe auf der einen Seite und radikaler Kompromisslosigkeit auf der anderen Seite, sehr viel Spielraum gibt!

3. Erforsche deine Angst vor Ablehnung

Die Angst vor Ablehnung sitzt bei bindungsängstlichen Menschen sehr tief. Wiederum kann ich hier aus eigener Erfahrung sprechen. Die Hauptursache dafür ist in einem geringen Selbstwertgefühl zu finden. Womit gerade wir Hochsensiblen nicht gerade üppig ausgestattet sind. Aufgrund von frühen Erfahrungen von Zurückweisung und Anders-Sein leiden wir häufig an einem geringen Selbstwertgefühl.

Aber dies muss nicht für immer so bleiben. Du kannst daran arbeiten und deinen Selbstwert erhöhen. Wie immer steht die Selbsterkenntnis an erster Stelle – und ist meistens schon die Hälfte des Weges.

Gestehe dir ein, dass du Angst vor Verletzung deines Selbstwertes hast und ständig darum bemüht bist, dein Selbstwertgefühl zu schützen, wenn du alle Menschen (deinen Partner) auf Abstand hältst.

Akzeptiere die Angst! Gehe freundlich mit ihr um. Wie so oft ist es dein verletztes inneres Kind, das sich schützt und eine Festung um sich herum aufgebaut hat. Spende ihm als liebevoller Erwachsener Trost und Zuspruch. Höre ihm zu. Es hat gute Gründe, sich so schlecht zu fühlen. Verurteile und beschimpfe es deshalb nicht.

Wenn du lernst, eigene Ängste zu überwinden, kommst du dabei nicht nur dir selbst näher, sondern auch anderen Menschen – allen voran deinem Partner. Denn das Kreisen um den eigenen Selbstschutz macht egozentrisch. Vor lauter Beschäftigung mit der eigenen Abwehr, übersiehst du sehr leicht die Bedürfnisse und Interessen deines Gegenübers. Du bist nur mit dir selbst beschäftigt. Und übersiehst dabei die Wunder und Schönheit deiner Umgebung. Der Welt. All die Möglichkeiten, die für dich bereitliegen und darauf warten, von dir ergriffen zu werden.

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Ausblick

Wir wollen lieben und geliebt werden. Es ist eine meiner tiefsten Überzeugungen, dass wir als Menschen geboren werden, um zu lieben. Doch erst wenn du deine Vergangenheit wirklich annehmen kannst – lieben kannst – wirst du in der Lage, einen anderen Menschen ohne Erwartungen und Ängste zu lieben.

Gerade wir Hochsensiblen haben eine große Sehnsucht nach einer tiefen Herzensverbindung. Nach Ankommen. Verständnis. Geborgenheit.

Deshalb lohnt sich für dich dieser lange und beschwerliche Weg durch die alten Ängste hindurch. Am Ende des Weges wartet etwas auf dich: mehr Boden unter den Füßen, mehr Klarheit, mehr Ausgeglichenheit, kein Versteck spielen mehr, mehr Fließen der Liebe. Deine zwischenmenschlichen Beziehungen sind stabiler geworden. Du bist verbindlicher geworden und das wird dir von deinen Mitmenschen gedankt.

In deinen Liebesbeziehungen spürst du das erste Mal ein Gefühl von innerer Sicherheit – ein nie dagewesener Halt und Geborgenheit. Du weisst, dass du Sorgen und Ängste nicht mehr alleine durchstehen musst, sondern dass es da jetzt jemanden gibt, dem du dich ohne Angst anvertrauen kannst. Und das tut ungeheuer gut. Das befreit. Du fühlst dich als „ganzer Mensch“, nicht mehr getrennt von anderen. Du fängst plötzlich an, am Leben so richtig teilzunehmen, beobachtest es nicht mehr als Zaungast.

Du bist in dir angekommen. Endlich. Du stehst mit beiden Beinen im Leben. Was für eine Wohltat. Was für eine Gnade. Was für ein Geschenk.

Deshalb lohnt sich dieser Weg. Für dich, mich und uns alle.

Bist du selbst ein Betroffener oder hast einen bindungsängstlichen Partner?
Wie geht es dir damit?
Ich freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren.

 

 

Trotzdem sei angemerkt, dass die Bewältigung von einer tiefsitzenden Bindungsangst ein sehr langer Weg sein kann und mitunter therapeutische Unterstützung erfordert!

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Bild: unsplash.com

Quelle:
Stefanie Stahl: Jein! Bindungsängste erkennen und bewältigen. Hilfe für Betroffene und deren Partner

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Veröffentlicht von

www.simplyfeelit.de

Hi, ich bin Oliver: Autor, Coach und ganz Mann. Ich schreibe über Entwicklung, ganzheitliche Männlichkeit und Sensibilität. Als Coach helfe ich Menschen, die sich gerne mal aufopfern, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und durchzusetzen. Nach einer beruflichen Auszeit habe ich heute mit meiner Arbeit meine Leidenschaft und Mission gefunden!

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50 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Oliver,

    dieser Beitrag ist sehr hilfreich – danke dafür. Da habe ich doch einige Punkte erkannt, die ich für mich nochmals reflektieren sollte. 😉 Meine Lebensphilosophie als Hochsensible ist, sich auf die Liebe zu konzentrieren. Das erhöht die Schwingung ungemein, die ja für die „emfindlichen“ Menschen stark beeinflussbar ist.
    Ich bin übrigens über den Hochsensibilitätskongress auf deine Seite gestossen. Sehr tolle Beiträge!
    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg!
    Liebe Grüße aus Wiesbaden
    sendet Dir Alexandra

    • Liebe Alexandra,

      Gruß in meine alte Heimat Hessen! 🙂

      Vielen Dank für deine Rückmeldung. Mit deiner Lebensphilosophie kann ich sehr gut mitschwingen. Freut mich, dass du dich wiedererkannt hast in einigen Punkten. Ging mir beim Schreiben auch so. So sollen meine Beiträge sein 🙂

      Danke für deinen Kommentar und auch dir weiterhin alles Gute!
      Liebe Grüße nach Wiesbaden
      Oliver

    • Ich erkenne mich so sehr wieder. Meine Kindheit war alles andere als schön. Meine Mutter war oft betrunken und meine Eltern hatten sehr viel Streit. Ich hatte als Kind immer diesen Kloß im Hals …dieses Engegefühl.Genau dieses Gefühl habe ich in letzter Zeit bei meinem neuen Partner. Dieses Panikgefühl wenn er z.b. mehr Zeit mit mir verbringen möchte. Meine Eltern haben in meinen Augen total versagt, vorallem meine Mutter. Sie leben nicht mehr und es ist unverzeihlich in meinen Augen was sie mir und meinen Geschwistern angetan haben . Ich schleppe diese Gedanken und Bilder mein leben lang mit mir rum , und ich habe heute noch Alpträume. Diese Träume spielen sich immer im Haus meiner Eltern ab. Mein jetziger Partner ist der liebste und geduldigste Mensch den ich kenne aber ich will ihm das alles nicht erzählen weil ich mich so sehr dafür schäme .

    • Lieber Oliver, ein sehr schöner und interessanter Artikel. Leider bin ich Betroffener und habe viel Angst davor, aber ich werde mich auf diesen steinigen Weg machen. Danke.

      • Viel Erfolg dabei lieber Simon!

        Es gibt definitiv einen Weg der Heilung, der erste Schritt ist sich das Eingestehen einer Bindungsangst, was du ja schon getan hast!

        Oliver

  2. Hallöchen:)
    Zwar bin ich erst 16, weiß aber ganz genau von mir selbst, wie verdammt schwer es ist mit dieser Angst zu Leben. Sie ist jeden Tag da, wie ein schwarzer Schatten, der dich immer verfolgt und dich daran hindert neue Leute kennen zulernen und tiefe Bindungen zu Menschen aufzubauen. Am schlimmsten ist bei mir aber die Angst, mich von jemanden abhängig zu machen. Früher dachte ich, dass das ganze nur eine Art von extremer Schüchternheit ist aber mindestens als ich immer das Gefühl hatte mich vor dem Menschen den ich mag zu verstecken oder zu flüchten, hätte ich merken sollen dass das ganze doch eine ernstere Ursache hat. Ich versuche grade mich damit auseinanderzusetzen aber naja daraus zu kommen ist nicht ganz einfach;) Erster schritt für mich heißt jz erstmal mich selbst zu akzeptieren und zu lieben! Danke für den tollen Artikel, hilft mir grade enorm damit umzugehen:) Liebe Grüße:)

  3. Wow, das hört sich ja „einfach“ an! Hey, aber ich weiß dass es funzt, so, oder ähnlich wie du schreibst. Bin mittlerweile der bindungsunängstlichste Mensch und war damals eben, nicht bindungsfähig
    (ERWARTUNGEN, ERWARTUNGEN der Anderen-> ANGST 😉

    Aber eine Sache ist mir doch aufgefallen: Ist die Bindungsangst jetzt tatsächlich immer auf das Säuglingsalter zurückzuführen? Oder kann sie auch entstehen, wenn man z.B. schlechte Erfahrungen in der Kindheit/Jugend/im Erw.alter gemacht hat?

    Habe aktuell einen Kandidaten da, der typische Anzeichen von Bindungsangst zeigt. Da interessiert mich tatsächlich, ob er womöglich auch schon als Baby diese Bindungsangst entwickelt haben muss?! Danke! Schöne Grüße

  4. Danke! Oliver
    Seit 5 Jahren bin ich auf dem Weg mir bewusst zu machen warum ich an Beziehungen scheitere.
    Mein Trauma liegtbin der Kindheit, das machte mir eine Therapie deutlich, welche ich vor drei Jahren bezüglich meinem Eltern verhältnis machte. Doch es löste noch nicht den Knopf das mir eine Partnerschaft geliegt. Seitdem bin ich aufs neu 4x gescheitert. Nun möcht ich dran bleiben mit hilfe von mir und ausen und meinem Partner.
    Besten Dank gür die Tips!!(H.L.36)

  5. Hallo,
    hat mir jemand Tipps, wie ich meine betroffene Partnerin darin unterstützen kann, wo sie doch mittlerweile fast alles von mir abblockt? Ich würde mich sehr freuen, sie ist es wert.
    Vielen Dank und schöne Grüße.

    • Hallo Joachim,

      Internet-Tipps sind ja immer so eine Sache…

      Weder kenne ich dich, deine Partnerin und eure Situation [also z.B. ob deine Partnerin tatsächlich beziehungsängstlich ist oder ob umgekehrt du dich vereinnahmend verhältst] noch kennst du mich und meine Motivation, dir zu schreiben. Analog gilt das für jeden anderen, der dir antwortet.

      Also: Immer kritisch prüfen, was man dir so erzählt…
      Nach dieser Warnung kann ich ja loslegen. 😉

      Aus dem Wort „mittlerweile“ schließe ich, dass du schon viel versucht hast. Meine spontane Antwort wäre: Lass das sein. Versuch nicht, sie zu verändern.

      Selbst professionelle Helfer (Psychotherapeuten etc.) sind nur Wegbegleiter für Menschen, die sich selbst helfen wollen. Du kannst sie unterstützen. Und das Vertrauen haben, dass sie es schafft. Mehr geht nicht. Du kannst ihr keine Entscheidung abnehmen und ihr auch nicht die Konsequenzen aus ihrem Verhalten ersparen. Es ist ihr Leben. So bitter es für dich auch sein mag.

      Liebe Grüße
      Katrin

    • Hallo Joachim, das ist keine leichte Situation für dich, wenn die Partnerin so zumacht und du das Gefühl hast, du kommst garnicht mehr in Kontakt mit ihr. Ich kenne das auch sehr gut und die Frage ist nun, wie gehe ich damit um.
      Statt vielleicht zu schauen, warum verhält mein Gegenüber sich so, könnte es stattdessen auch hilfreich sein, sich zu Fragen, was habe ich selbst damit zu tun. Warum mache ich genau diese Erfahrung in meinem Leben und was ist meine Lektion. Was habe ich eigentlich damit zu tun. Hier könnte es hilfreich sein, zu schauen wo hast du schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht, vielleicht auch schon deiner Kindheit. Wann hat dich schon einmal jemand so abgeblockt, der dir so wichtig war. Ich glaube wir können andere nicht wirklich verändern oder retten, nur uns selbst und das bewirkt dann manchmal auch eine Veränderung beim Gegenüber. Es ist vergleichbar mit einem Theaterstück, wo jemand plötzlich einen anderen Text als erwartet spricht und das bringt die anderen dann unweigerlich aus dem gewohnten Rhythmus.
      Liebe Grüße
      Frank

  6. Hallo,

    Ich kann mich sehr mit dem Text identifizieren. Zuerst dachte ich es wäre mein Bauchgefühl dem ich trauen sollte und daher Distanz zu den Männern halten sollte, weil er nicht der eine ist. Doch das kann ja nicht sein, dass das bei jedem mann Auftritt. Jetzt sehe ich ein dass das Problem an mir liegt. Ich werde mich meinen Ängsten stellen. !

  7. Mein Mann leidet unter Bindungsangst. Das habe ich erst verstanden nachdem er sich nach monatelangem Rückzug trotz unserer gemeinsamen Kinder von mir getrennt hat und ich daraufhin einen Psychologen aufsuchte. Er leidet – keine Frage. Aber er hat es in der Hand etwas zu ändern. Meine Kinder und ich leiden schrecklich unter der Hilflosigkeit, seinem Selbstmitleid, der Argumentation doch nichts dafür zu können. Er sagt, wir müssen uns eben gedulden. Und so muss ich zusehen wie er unseren sehr kleinen Kindern wieder diese Verletzungen antut und kann nichts dagegen tun. Ich erlebe ihre Alpträume, ihre Tränen, ihre hilflosen Fragen nach dem warum. Das zu verzeihen erscheint mir als eine unlösbare Aufgabe. Denn eine Erklärung mag die Bindungsangst sein, eine Entschuldigung sich so rücksichtslos gegenüber seiner Familie zu verhalten ist es aus meiner Sicht jedoch nicht.
    Sich rechtzeitig Hilfe suchen und Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen ist man seinem Umfeld mindestens schuldig. Und eine ehrliche Entschuldigung.

    • Liebe Annouk,
      ich kann Dich gut verstehen. Ich bin in der gleichen Situation. Ich glaube, dass diese Menschen, Ihre Gefühle mit der ganzen Verdrängerei so abspalten, dass Sie die Gefühle und Bedürfnisse anderer überhaupt nicht mehr wahrnehmen können. Auch kein schlechtes Gewissen fühlen können, und sich deswegen auch nicht entschuldigen können. Ausserdem können sie sich ihre Schwäche nicht eingestehen, schwach etc. zu sein. Sie nehmen Ihre Bindungsunfähigkeit gar nicht wahr.
      Ganz liebe Grüße

      Ulrike

  8. Hallo Oliver,danke für deinen Beitrag,er hat mir nun auch geholfen.Ich leide auch seit vielen Jahren unter Bindungsangst.Bei Tieren ist es völlig anders,bei ihnen kann ich Nähe zulassen.
    Durch deinen Beitrag habe ich verstanden voran es liegt,herzlichen Dank!Ich werde daran arbeiten,falls es nicht anders geht mit therapeutischer Hilfe.
    Liebe Grüße
    Birgit

  9. Hey, ein wirklich spannender und hilfreicher Artikel! Ich selbst bin grade in der Position, dass sich mein Parnter nach kurzer Beziehung von mir getrennt hat. Grund dafür: Er will mich aber er kann nicht. Er war vorher lange Singel und die Beziehung begann schnell (auch von ihm ausgehend). Dann wurde es ihm plötzlich zu viel. Er hat Angst, dass er mir sonst etwas antun würde, wenn wir zusammen bleiben würden, da es in bisherigen Beziehungen so war (Fremdgehen oä). Auch nach ein paar Wochen will er mich eigentlich immer noch, kann aber nicht.
    Für mich ist das klar eine starke Beziehungsangst. Aus kindheitlichen Erfahrungen, könnte man die Ursache schließen.
    Ich versuche trotz Trennung ihn zu unterstützen und aufzuzeigen, dass es nichts bringt, einfach aufzugeben, sondern dran zu arbeiten und vielleicht einen Kompromiss zu finden. Natürlich auch weil ich ihn die Trennung für uns beide so nicht ganz hinnehmen kann.

    Hast du aus deiner Erfahrung auch Tipps, was man in so einer Situation machen kann?

    Ich würde mich echt über Tipps freuen ?

    Liebe Grüße
    Annika

  10. Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich eine schwierige Kindheit hatte. Meine Eltern sind zwar auch kein Vorzeigepaar was die Ehe anbelangt aber im Großen und Ganzen hatte ich keine schlechte Kindheit. Meine erste große Liebe ging knapp 6 Jahre. Leider hat er mich sehr verletzt und auch nach der Trennung, hat er mir buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen.

    Leider bin ich nun schon über 4 Jahre Singel, weil ich mich einfach nicht binden kann. Bei mir kommt es gar nicht erst soweit, dass ich in eine Beziehung gehe, weil ich kurz vorher schon ausreden finde. Das passt mir nicht an ihm! Sei es das Aussehen oder die Art oder oder oder! Meist sind es Typen die die reinsten Arschlöcher sind. Zu gut aussehende Männer, die man eh nicht halten kann.

    Aber wie aus dem Teufelskreis aussteigen? Die Angst ist schon soweit fortgeschritten, dass ich Gefühlskalt werde. Ich bin eigentlich ein sehr liebebedürftiger Mensch und sehne mich auch danach, aber sobald ein Mann ernsthaftes Interesse haben könnte, will ich nicht! Demnach ist der Artikel zwar verständlich, aber hilft mir nicht wirklich weiter.

    Liebe Grüße
    Sarah

  11. Danke! Dieser Artikel hilft mir wirklich sehr. Ich leide auch seid meiner Kindheit unter einer Bindungsangst und es tut gut zu sehen, dass ich nicht alleine damit bin. Meine Eltern trennten sich als ich 11 Jahre alt war und haben davor auch nur rumgeschrien und sich gegenseitig in den Wahnsinn getrieben. Ich musste oft zusehen wie sie sich gegenseitig enttäuscht haben und habe deshalb Angst, die Erwartungen anderer auch nicht Erfüllen zu können… Jedes Mal wenn ich jemanden näher komme bekomme ich so ein beklemmendes Panikgefühl und ich weise die Person ab, obwohl ich sie eigentlich liebe. Kennt das noch jemand?

    Lg Clara

  12. Interessanterweise schreiben hier viele Frauen, dass sie Bindungsangst haben – in den Medien wird dies immer so dargestellt, als wenn es sich um ein „männliches“ Problem handeln würde. Ich kenne das Problem auch. Am Anfang Friede, Freude, Eierkuchen und dann auf einmal innere Unruhe, Ohrensausen, Übelkeit, kein Hungergefühl und das Bedürfnis Schluss zu machen. Auch meine Gefühlswelt liegt dann wie auf Eis. Mir ist das alles bewusst. Aber was ich genau in so einem Moment gegen die Angst tun kann, ist mir nicht klar… Auch tut mir der Partner dann Leid. Denn wehtun möchte ich ihm mit meinem Verhalten nicht.

    • Hi Kathi,

      danke für deinen Kommentar & deine Offenheit.

      Kann deine Einschätzung teilen. Tatsächlich ist es so, dass in den Medien und in gewissen Fachbüchern das Problem der Bindungsangst nur bei Männern festgestellt wird. Ebenso wie du finde ich es deshalb mehr als interessant und im Sinne einer neuen Perspektive auf dieses Problem hilfreich, dass sich hier viele Frauen gemeldet haben und von ihrer Bindungsangst sprechen. Es scheint ein geschlechtsneutrales Phänomen zu sein, weil viele von uns, Männer wie Frauen, in der Kindheit einigen Vernachlässigungen ausgesetzt waren, was ja die grundsätzliche Ursache für eine Bindungsangst darstellt!

      Viele Grüße, Oliver

  13. Wenn ich an meine Kindheit denke, sehe ich miv
    ch als ein glückliches Kind,trotz dass ich aus einem arme Familie komme. Die Eltern und meine Geschwister haben sich ziemlich oft gestritten. Seit 2 Jahren bin ich in einer Beziehung, in der ich nicht klar komme mit meinem Gefühlen. Das sind Verlustängste, Kontrollzentrum, Eifersucht. Das größte Problem für mich ist das mein Freund mir kein Grund dafür gibt, um eifersüchtig zu werden,aber immer wieder kommt das Gefühl hoch das ich ihm verlieren könnte, könnte jemanden besseren kennenlernen. Ich weiß genau,dass an mein Selbstwertgefühl liegt,das ich mich mehr an Selbstliebe konzentrieren soll.Aber frage ich mich,warum hatte ich solche Ängste in vorherigen Beziehungen nicht? Warum kommen die Gefühle jetzt erstmal hoch?
    Ich freue mich über deine Antwort
    Liebe Grüße

    • Liebe Paula,

      ist aus der Ferne schwer einzuschätzen. Du scheinst reflektiert zu sein, und hast ja selbst deine Verlustängste, Eifersucht erkannt. Angst, ihn zu verlieren, ohne jeglichen Anlass dafür. Das spricht für alte Bindungs/Verlustängste. Und trotz aller Selbsthilfeliteratur empfehle ich in solchen Fällen immer öfters sich therapeutische Hilfe zu holen. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von neuen Verfahren, mit denen man alte Muster und Prägungen (körperlich) lösen kann, ohne dabei in die alten Traumen abtauchen zu müssen (zum Beispiel TRE-Traumaheilung oder Somatic Experience).

      Warum es jetzt bei deinem Freund und nicht bei den vorherigen so stark auftaucht? Als Impuls/Idee: Vielleicht weil deine Beziehung (Liebe) zu ihm besonders tief und stark ist – oder weil er aufgrund seiner Muster / Verhaltensweisen etwas bei dir triggert, was davor nicht der Fall war?!

      Liebe Grüße, Oliver

    • Nur als Idee: Vielleicht ist dein Partner bindungsängstlich? Indem er z.B. regelmäßig Vereinbarungen nicht einhält oder ähnliches, erfährt man eine immer wiederkehrende Zurückweisung (es muss ja nicht gleich Betrug sein!). Dadurch wird die Angst, dass er sich auch irgendwann in der Beziehung unverbindlich verhält, also für eine andere entscheidet, immer größer. Dieses auf Abstand halten (was wie gesagt gar nichts direkt mit anderen Frauen zu tun haben muss) löst bei Partnern geradezu einen Sog der Angst aus, den Bindungsphobiker zu verlieren. Ist aber nur eine Idee, kenne eure Situation ja nicht.

      • Hallo 🙂

        Der Beitrag war sehr hilfreich, ich weiß zwar schon lange da ich bindungsangst habe, müsste mich damit aber lange nicht auseinander setzten da ich mich die letzten 7 Jahre gar nicht oder nur an vergebene und/oder Narzissten oder bindungsunfähige gebunden habe und bei denen hatte ich dieses Gefühl nicht. Eher gegenteilig.
        Ich bin jetzt seit ein paar Monaten mit einem wirklich einfühlsamen, liebevollen, verständnisvollen Mann zu sammem der wirklich gut mit mir und meinen Problemen zurecht kommt, nachdem ich vorher eine traumatische missbräuchliche Beziehung erlebt habe.
        Und ich bin n dem Punkt wo ich es kaum noch aushalte in seiner Nähe zu sein. Alles an ihm nervt mich und ich bin gemein und kalt oder provoziere Streit. Das tut mir so schrecklich leid. Dabei weiß ich das ich ihn liebe.
        Meine panikattacken, Depression und fressanfälle und Magen Probleme werden auch immer schlimmer.
        Ich will ihn aber eig nicht verlassen ich weiß das ,auch wenn ich das grad nicht fühlen kann und mir tausend bescheierte Gründe einfallen ihn zu verlassen.
        Er kam davor auch aus einer langen Beziehung mit einer distanzierten, narzisstischen Frau. Ich glaube er hat da einen Hang zu Vllt. Aber ich will ihm nicht das selbe antun, ich habe ein sehr schlechtes Gewissen in den Momenten wo ich mit meiner Gefühle bewusst bin.
        Kann ich meine bindungsämgste angehen und heilen trotz einer Beziehung die mir Angst macht? Und wie können ich und mein Partner damit besser umgehen?
        Ich kann ja mit ihm über alles reden und er weiß auch Bescheid.
        Lg

  14. Hallo Oliver,
    leider hast Du nichts weiter zu dem Problem von Sarah und Kathi geschrieben,
    und auch sonst hatte bisher niemand einen wirklichen Rat, wie man aus diesem Teufelskreis aussteigt: sich verlieben, dem neuen Partner vermitteln, dass man sich eine feste und ernsthafte Beziehung wünscht, wenn es eng wird, auf Abstand gehen oder sogar die Beziehung beenden; sich nach gewonnenem Abstand wieder auf diese Beziehung einlassen und das ganze über Monate oder sogar Jahre wiederholen, wenn man mit einem Partner zusammen ist, der nicht irgendwann sagt, dass es ihm reicht.
    Ich habe das Gefühl, die Erkenntnis, Beziehungsangst oder sogar eine Phobie zu haben und mich diesen Ängsten zu stellen und daran zu arbeiten, findet immer nur auf der Verstandesebene ab und erreicht nicht wirklich meine Gefühlsebene. Ich finde, trotz etlicher Bücher, die ich zu diesem Thema bereits gelesen habe (u.a. auch von Fr. Stahl, obwohl ich finde, dass es bessere als ihre gibt) keinen Zugang zu einer Veränderung.
    Mittlerweile weiß ich noch nicht einmal, ob ich überhaupt genug empfinde für meinen Partner, ob er vielleicht einfach nicht der Richtige ist, oder ob ich durch meine Bindungsängste emotional auf Abstand gegangen bin. Wie finde ich das heraus als Mensch mit Bindungsproblemen??? Ich wäre froh, endlich eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung treffen zu können; auch das gelingt mir, wenn überhaupt nur für ein paar Tage. Spätestens wenn mein Partner sich dann bei mir meldet, sehe ich all die Dinge, die wir gemeinsam haben und das wie uns in vielen Bereichen sehr gut verstehen und ich werfe meinen vorherigen Entschluss, mich endgültig zu trennen, wieder über Bord! Und natürlich nehme ich mir vor, dass ich es diesmal hinbekomme, mich nicht von meinen Marotten beherrschen zu lassen und ich anders mit aufkommenden Panikgefühlen umgehen werde.
    Aber es gelingt mir nicht! Sobald die ersten Zweifel in meinem Gehirn aufflackern, habe ich das Gefühl, mich von außen zu betrachten während meine Gefühle agieren.
    Kennt jemand diesen Teufelskreis und hat einen Weg gefunden, diesen zu durchbrechen? Einen Weg für Bindungsängstliche, die dazu neigen irgendwann in einer Beziehung ihre Gefühle abzuschneiden, herauszufinden, ob der Partner eigentlich der Richtige wäre, wenn man an den eigenen Themen gearbeitet hat?
    Viele Grüße, Kirsten

    • Liebe Kirsten (und Sarah),

      danke für eure Offenheit.

      Wie in dem Artikel erwähnt, gehen die Ursachen einer Bindungsangst auf die früheste Kindheit zurück, meist das Kleinkindalter oder noch früher. Je früher eine Vernachlässigung (oder Traumatisierung) stattgefunden hat, desto schwerer ist es als Erwachsener da „ran zu kommen“. Weil im Gehirn tiefe Strukturen und Grundannahmen geschaffen wurden, die quasi nicht mehr hinterfragt werden.

      Ich kann euren Frust in Bezug auf die Bearbeitung eurer Bindungsängste gut nachvollziehen. Bücher helfen nur bis zu einem gewissen Grad. Wie du sagst, Kirsten, das Verständnis auf Verstandesebene für die eigene Problematik ist da, aber wenn es dann in Richtung Beziehung geht, laufen die alten Programme wie von „alleine ab“. Dies liegt daran, dass sie in einem älteren Teil des Gehirns gespeichert sind (dem limbischen System), und hierauf hat der Verstand und die Ration keinen direkten Zugriff.

      Ich will nicht zu wissenschaftlich werden. Wie wäre es mit einem neuen Ansatz: Zu akzeptieren, dass diese Bindungsangst immer da sein wird, ein Teil eurer Persönlichkeit, und trotz dieser „Beziehungsangst“ in Beziehung zu gehen! Dies hört sich wahrscheinlich erstmal ziemlich wirr oder paradox an. Aberr genau das verfolge ich gerade selbst – nachdem ich Jahre damit verbrachte, diese „Einschränkung“ wegmachen zu wollen. Nur als kurzer „Ping“, das Thema mal von einer anderen Perspektive zu betrachten!

      Natürlich ist es weiter sinnvoll (dies mache ich auch), daran zu arbeiten. Als Tipp kann ich euch aus der Ferne nur geben, auf Körper und Gefühlsbasierte Verfahren umzusteigen. Lasst die Bücher erstmal weg. Stefanie Stahl schreibt auch ganz klar in ihrem Buch, dass an einem gewissen Punkt therapeutische Hilfe von Nöten sein kann. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Es ist heute keine Schande mehr, sich für gewisse Lebensproblematiken fachmännische Unterstützung zu holen. Es gibt auch anonyme Selbsthilfegruppen zu dem Thema (einfach mal googeln), in denen ihr euch mit Betroffenen austauschen könnt. In gewisser Weise möchte der alte Verlustschmerz gefühlt werden, dafür gibt es eine Vielzahl von humanistischen (körperorientierten) Seminare und Workshops. Eben die Gefühle fühlen, von denen man sich als Bindungsängstlicher am meisten fürchtet (wie Angst vor Abhängigkeit). Soweit ich weiß, bietet Stefanie Stahl auch Workshops an (aber auch jede Menge andere). Zu guter Letzt kann ich euch als Rat mitgeben, euch immer wieder, täglich mit der Angst vor Erwartungen, Abhängigkeit und Ablehnung zu beschäftigen (bewusst zu machen), indem ihr euch immer wieder sagt: Hier meldet sich mein kleines, verletztes, inneres Kind – aber heute bin ich erwachsen und verantwortlich und mein Gegenüber ist nicht so wie meine Mutter oder Vater (oder welche Bezugsperson von damals auch immer), also beruhig dich. Ich bin da! Ich kann für dich sorgen, meine Kleine, und der andere ist dafür nicht notwendig oder dafür verantwortlich, dass es mir (uns) emotional gut geht.

      Wie öfters erwähnt: Ich bin kein Therapeut und es fällt mir schwer, mittels Kommentaren auf spezifische Fragen/Problematiken einzugehen, weil ich mich dafür zum einen nicht kompetent genug fühle, und es zum anderen auch nicht für die angemesse Form erachte. Trotzdem hoffe ich,
      euch eine gewisse Richtung oder Hilfestellung gegeben zu haben.

      Alles Gute und liebe Grüße, Oliver

    • Ich kann dir das Buch „das Kind in die muss Heimat finden“ sehr empfehlen.
      Es ist sehr intuitiv und persönlich geschrieben und hilft einen dabei durch Information und Übingen usw sich emotional mit Themen auseinander zu setzten.

      Und wenn Selbsthilfe nicht ausreicht über eine Therapie nachdenken?

      Kann ich allen mit bindungsproblemen ans herz legen 🙂

      Lg

  15. Hallo Oliver,
    ich bin gerade mal 16 und habe vor kurzem gemerkt/herausgefunden, dass ich an Bindungsangst leide.
    Ich weiß ich bin noch sehr jung, aber dein Beitrag hat mir sehr geholfen und mir Mut gemacht, dass zu schaffen.

    Danke
    Lisa

    • Hallo Marie,

      das ist schwer zu sagen.Es geht in erster Linie darum bei einer Bindungsangst zu erkennen, dass hier das verletzte, innere Kind (über) reagiert, und heutige (potenzielle) Partner mit den Verlustängsten und Vereinnahmungen aus der Kindheit verwechselt. Meist von den Eltern. Es geht also darum mit dem inneren Kind in den Dialog zu kommen, aus der Position des inneren Erwachsenen heraus: „XY ist nicht wie Vater oder Mutter. Und es ist wirklich nicht schlimm, wenn ich jetzt diese oder jene Erwartung von ihm erfülle“. Grautöne erkennen, und nicht nur das Schwarz-Weiß-Muster. Je nach schwere der Bindungsangst kann es von einer Gesprächstherapie (zb Verhaltenstherapie) bis zu Methoden der regressiven Traumaheilung reichen (bei denen du den abgespaltenen Schmerz des verlassenen Kindes als Erwachsene noch mal spürst. Aber Vorsicht: Sowas empfehle ich NUR in Begleitung von entsprechend ausgebildeten Fachleuten, und niemals alleine daheim oder so. Sonst besteht die Gefahr einer Re-Traumatisierung.)

      Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen liebe Marie.

      Liebe Grüße, Oliver

  16. Ich kam jetzt vor fast 3 Monaten in eine Situation in der ein Mann mir immerwieder bewies das er eine echte, ehrliche Beziehung eingehen wollte.
    Es waren dort noch andere Leute die die Situation erkannten und mich nicht einfach ausrasten lassen wollten sondern mir meine Gründe und Gefühle bewusst machten. Ich war mir selber nicht bewusst warum ich mich so verhalten habe und warum ich diese Gefühle hatte. Ich hatte eine sehr schwere Kindheit und auch Jugend, hab viele Fehler auch gemacht und nun heute ein einfaches, langweiliges Leben und ich liebe es. Die letzten 3 Monaten waren ein auf und ab der Gefühle. Heute sah ich einen Artikel in der Zeitung und lass über Beziehungsphobie und danach fand ich diesen Bericht. Ich muss sagen fast alle Punkte stimmen die Hinweise für eine Beziehungsphobie sind. Jetzt mit fast 30 wurde mir heute erst bewusst das ich kein Mensch bin der „einfach kein Beziehungstyp“ ist. Ich hoffe das er Mann noch immer interesse hat und wenn ja ist er wohl echt der Richtige, denn ich bin auch noch stur, eigensinnig und er weiß das jetzt wohl alles. Vielen Dank für diesen Artikel, ich kann gar nicht sagen wie sehr mir dieser geholfen hat.

  17. Hallo Oliver,

    ich habe rotz und Wasser geweint, als ich deinen Beitrag gelesen habe. Ich habe mich heute, mal wieder, von meiner Freundin getrennt, die echt viel mit mir durch gemacht hat, ständiges hin und her, verstecken hinter Gleichgültigkeit, obwohl ich sie lieber umarmt hätte, Flucht zu anderen Frauen, Aggressionen und und und, „es wartet ja das nächste Abenteuer“ ? . Nun ist es soweit, dass sie es nicht mehr mit mir aushält und ich halte es auch nicht mehr aus! Mein ganzes Verhalten spiegelt sich in jeder zwischenmenschlichen Beziehung wider, ob mit meiner Partnerin, mit meinen Arbeitskollegen oder Freunden. Ich bin total fertig, ich hatte noch nie einen Menschen der so viel Geduld mit mir hatte wie sie und ich habe sie von mir weg getrieben, sogar mit dem Plan, dass Sie sich von mir trennt, damit ich am Ende bestärkt darin bin, dass mich sowieso alle verlassen… bescheuert oder?!

    Jetzt muss ich nach einer schlaflosen Nacht zur Arbeit. Vielen Dank für deinen Beitrag!

    • Lieber David,

      „dass Sie sich von mir trennt, damit ich am Ende bestärkt darin bin, dass mich sowieso alle verlassen… bescheuert oder?!“

      Nein! Nicht bescheuert, sondern das ist das tieferliegende Kindheitsmuster, was sich bei dir und anderen Bindungsängstlichen immer wieder wiederholt. Auch bekannt unter selbsterfüllende Prophezeiung.

      Durch den erneuten Schmerz (Trennung) hast du den ersten Schritt in Richtung Selbsterkenntnis getan. Der ist wichtig. Glückwunsch dazu. Als nächstes steht wohl an, dass du lernst, den Verlassenheitsschmerz „alleine“ auszuhalten und nicht wieder nach dem nächsten Abenteuer Ausschau hältst. Ich wünsche es dir von Herzen und denke daran: Du musst das nicht alleine machen (und ich empfehle es ausdrücklich auch NICHT). Ein Coach, ein Therapeut, eine Gruppe – all das können wichtige Helfer auf deinem Heilungsweg hin zu einem stabilen Bindungs- und Selbstwertgefühl sein.

      Danke für deinen Beitrag … und schlaf dich erstmal richtig aus 🙂

      Herzlichst, Oliver

  18. Interessanter Artikel und die Umsetzung ist bestimmt nicht so einfach. Ich selber sehe bei mir nicht so sehr das Problem der Bindung. Gut auch hier habe ich noch das ein oder andere Problem aber ich kenne sie meistens und hinterfrage sie. Was ich viel schlimmer finde ist, dass ich gerade solchen Frauen in die Arme laufe die wirklich Probleme mit einer Bindung haben. Ich bin ein sehr emotionaler Mann und will helfen und unterstützen wenn jemand Probleme hat aber leider wird dies nicht wirklich geschätzt und ich werde mit Füßen getreten. Wenn mich die Frau dann plötzlich einfach wegstößt und sich den nächsten holt dann ist das sehr verletzend und die Emotionen die ich investiert habe umsonst. Zusätzlich bleibt mein Herz wieder in zwei Teile zerbrochen zurück und der Schmerz der dabei entsteht ist enorm. Ich brauche sehr lange bis ich darüber hinweg bin und kann mich lange nicht mehr binden und genau hier ist das Problem. Ich müsste darüber stehen und keiner kann so eine Macht über mich haben, dass ich mich auch nach Wochen noch so schlecht fühle. Ich habe jetzt erkannt, dass Frauen mit Bindungsängsten absolut dysfunktional für mich sind da gerade diese Ablehnung ein Stich ins Herz sind und meistens passiert dies wenn ich schon Gefühle entwickelt habe. Insgesamt vermute ich auch bei mir eine Bindungsstörung denn anders kann mich mir diesen Schmerz nicht erklären.

  19. Hallo ich bin heute auf diesen Artikel gestoßen und habe ihn mit Interesse gelesen. Ich bin seit circa einem Jahr mit einem Mann zusammen der genau diese Symptome aufweist. Seine Kindheit beschreibt er als fröhlich hat jedoch eine sehr schwierige Beziehung hinter sich. Unser Nähe Distanzverhalten ist fürchterlich. Je mehr ich mich näher umso mehr distanziert er sich. Jedoch habe ich überhaupt nicht das Gefühl dass er sich trennen möchte. Alles geht nur immer in seinem Tempo und nach seinen Vorstellungen. Sobald ich eine Erwartung äußere zieht er sich zurück und wird stur. Ich bin gespannt wie das weitergeht….. ich liebe ihn und würde gerne um unsere Beziehung kämpfen, aber manchmal resigniere ich weil ich nicht weiß was ich tun soll um ihm zu zeigen dass ich es ernst meine und keine Angst haben muss!

    • Hallo Sabi,

      ja, das sind genau die Symptome einer bindungsängstlichen Person.

      Vorweg: Kämpfen bringt aus meiner Sicht nichts! Du kannst ihn daraus nicht retten!

      Er muss es selbst einsehen und verstehen, woher seine Angst vor Nähe und Erwartungen kommt! Und bereit sein, den dahinterliegenden (Kindheits) Schmerz zu fühlen.
      Wahrscheinlich wird er immer bleiben. Aber die Chance besteht, dass er erkennt, dass er heute erwachsen ist, und diese Angst vor Vereinnahmung nichts mit dir zu tun hat – sondern mit Erfahrungen aus der letzten Beziehung oder eben Kindheit.

      Als weitere Vertiefung in das Thema empfehle ich immer gerne die Bücher von Stefanie Stahl (Psychologin). Sie ist so die bekannteste Expertin auf dem Gebiet.

      Alles Liebe und bleibe dir treu!
      Oliver

  20. Hallo lieber Oliver,
    vielen Dank für deinen Artikel, du hast wirklich mit allem „den Nagel auf den Kopf“ getroffen! Und auch die genannten „Bewältigungsstrategien“ kenne ich und habe sie alle ausprobiert bzw. übe mich weiterhin darin – und das schon über Jahre 🙁
    Das Ergebnis ist leider nur mäßig, denn es bleibt schwierig, mich selbst zu durchschauen und es dauert Tage, bis ich erkenne, dass hinter meiner Wut – und dem daraus entstehenden Streit – eine selbst auferlegte Erwartungshaltung sitzt und dahinter wieder eine Angst, die jedesmal ein anderes Gesicht hat. Dies dann alles aus mir hochzuholen und auch noch erklärend in Worte zu fassen, kostet mich immer wahnsinnig viel Energie, die mich komplett aushöhlt. Wo hingegen die „Wutenergie“ beim Streiten eine eher belebende Wirkung hat… verwirrend oder?
    Auch Gespräche mit einer Therapeutin haben wenig gebracht, denn ohne es zu merken, habe ich auch ihr ein gutes Gefühl geben wollen und damit ihr und mir „Beziehung“ (zwischen Therapeuten und Patient) auch nur vorgespielt. Vielleicht sind wir Beziehungsängstlichen supertolle Schauspieler und haben unsere „Berufung“ verpasst :-))
    Das Einzige, was mir hilft, hinter meine eigenen Fassaden/Mauern zu schauen, ist die Achtsamkeit! Denn allein dadurch habe ich mich gut kennengelernt und kann mir dadurch selbst Wertschätzung und Verständnis geben. Und ich bin froh, deine Seite gefunden zu haben, denn ich dachte schon, ich bin als Einzige soooo kompliziert 😉
    Herzliche Grüße
    Sabine

    • Hi Sabine,

      danke für deinen Kommentar!

      Auch bei mir flackern immer wieder diese Beziehungsängstlichen Muster auf, und wie bei dir, habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass Achtsamkeit am meisten hilft. Sich genau damit anzunehmen. Es sitzt so tief, da es so früh in unsrem Leben geprägt wurde.
      Was mir ab und an auch gut hilft, ist die Erkenntnis, dass diese Strategie eine Überlebensstrategie meines inneren Kindes war – aber ich heute ganz neu entscheiden kann (und vor mir nicht meine Mutter oder Vater sitzt 😉

      Ja, diese Bindungsproblematik durchzieht alle Beziehungen: Kollegen, Therapeuten, Freunde etc.

      Kennst du die Bücher von Stefanie Stahl? Die haben mir mit so am meisten Klarheit und auch Lösung gebracht.

      Herzlichst Oliver

  21. Guten Morgen.
    Nach langen zweifeln an mich selbst bin ich heute auf deine Seite gestoßen und muss sagen dass ich erschrocken bin das so vieles was dort steht zu 100% auf mich zutrifft. Nach einer toxischen Beziehung mit einem Narzissten fällt es mir nicht mehr leicht mich auf irgendjemanden einzulassen oder irgendjemand an an mich ran zu lassen. Ich war so erschrocken die letzten Monate wie kalt und herzlos ich geworden bin dabei ist das nicht das wie ich mich kenne. Ich werde mich sehr zeitnah darum bemühen müssen mir Hilfe von außerhalb zu holen.
    Das Verlangen nach Einsamkeit wird mit der Zeit immer größer und die Distanz zu anderen Menschen auch. Wie ich alleine aus dieser Situation raus kommen soll ist mir noch nicht klar deswegen muss ich den Schritt auf Hilfe zu bekommen jetzt gehen.

  22. Hallo Oliver,

    Ich bin seit knapp drei Monaten in einer Beziehung mit einer frau, die meines Erachtens nach an bindungsangst leidet… Sie hat eine miese Kindheit hinter sich, in der sie keinerlei Liebe erfahren hat… Die Beziehung mit ihr ist alles andere als leicht… Immer wieder sucht sie Streit, trennt sich, kommt zurück… Von jetzt auf gleich fühlt sie sich eingeengt, auch wenn es nur das Schreiben über whatsapp ist (wir wohnen in unterschiedlichen Städten) ihr reicht es, einmal am Tag von mir zu hören… Ich hingegen habe natürlich eine andere Vorstellung von einer Beziehung… Aber ich gebe sie nicht auf… Gebe ihr den Raum, die Zeit, und alles was sie braucht. Auch wenn ich darunter sehr leide… Sie möchte noch keine therapie machen und ich würde gerne wissen, wie ich ihr helfen kann… Ob es irgendetwas gibt, womit ich ihr zeigen kann, was liebe, Zuneigung und Vertrauen ist? Über Antwort würde ich mich sehr freuen…
    Liebe Grüße

  23. Hallo Oliver,
    Ich bin seit 2 Jahren in einer Beziehung mit einem Mann, der mich zwar über alles liebt und will aber er zieht sich immer wieder zurück und lässt dann keine Nähe zu. Seine erste große Liebe hat ihn sehr verletzt und ihn von einem Tag auf den anderen sitzengelassen. Er hat totale Angst vorm Alltag und, dass ich ihn dadurch anders sehe und ihn dann nicht will. Diese Rückzüge von ihm passieren meistens, wenn wir uns gerade sehr nahe gekommen sind. Er meint, er hat eine Blase um sich herum, mit der er dann alleine fertig werden muss. Er kommt mit Konflikten gar nicht zurecht und auf einen Streit lässt er sich nicht ein. Für mich ist es sehr ermüdend und manchmal überlege ich, ob es das Wert ist. Er hat jetzt vor 2 Monaten eine Therapie angefangen. Seitdem ist es noch schwerer, denn das Ganze Beziehungsding und wohl auch seine Kindheit kommen hoch. Seine Mama hat ihn sehr bemuttert und war sehr streng. Glaubst du kann er es mit der Therapie schaffen? Er bemüht sich sehr aber ich bin ziemlich am Ende von dieser Gefühlsachterbahn.
    Liebe Grüße

    • Liebe Agnes,

      danke für deinen Kommentar und deine Offenheit.

      Ich kann gut verstehen, dass es für dich als Frau und Partnerin sehr ermüdend bis schwer ist, mit deinem Mann zusammenzubleiben, oder dass du dich fragst, ob es das wert ist?! Schließlich willst du einen Mann auf Augenhöhe an deiner Seite -und nicht einen kleinen Jungen!

      Die Antwort auf diese Frage wird sich in den nächsten Monaten entscheiden – und zwar bei deinem Partner! Nur er alleine, kann aus einer emotionalen Bedürftigkeit rauskommen, in dem er Verantwortung für seinen alten Schmerz und seine Abhängigkeit und seine Angst vor Ablehnung (inneres Kind) gegenüber Frauen übernimmt. Dass er jetzt eine Therapie angefangen hat, um an die Wurzeln zu kommen, ist schon mal ein erster und wichtiger Schritt.

      Aus der Ferne würde ich sagen: Trete ihm mit Verständnis und Geduld gegenüber. Er hat sich offenbart und erkannt, woran es liegt. Wenn er spürt, dass eine Frau für seine Wunde Verständnis zeigt, kann dies sehr hilfreich sein. Letztlich für euch beide. In dieser Verletzlichkeit kann auch eine neue Nähe zwischen euch entstehen. Aber die Hausaufgaben muss er machen!

      Doch gleichzeitig sage ich, dass nur du wissen kannst, wie sehr es an deine Substanz geht und ob du eine echte Veränderung wahrnimmst.

      Tendenziell sage ich: Bleibt stehen in der Beziehung, im Feuer des Schmerzes, und schaut dem anderen zu wie er wächst. Viele laufen heute zu schnell weg. Grundlage dafür ist natürlich ein echtes Verbundenheitsgefühl, Liebe, weil unter all den Verletzungen sind wir das immer!

      Ich hoffe, dir damit einen Impuls gegeben zu haben.

      Alles LIebe Oliver

  24. Lieber Oliver!
    Dein Artikel ist fantastisch geschrieben, man merkt sofort, dass du dich wirklich mit der Thematik beschäftigt hast und dich darin auch sehr gut auskennst, und ich denke, dass ich hier ein Lob im Namen aller Leser aussprechen kann.
    Ich möchte hier auch kurz meinen Fall schildern, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich eindeutig eine Bindungsangst habe und vielleicht nimmst du dir ja die Zeit, um auch mir zu antworten!
    Ich war vor zwei Jahren in einer Beziehung, in der ich knapp ein Jahr unglücklich war, da ich einfach keine Gefühle mehr für diese Frau hatte. Leider besaß ich nicht die Kraft, mit ihr Schluss zu machen, da ich sie nicht verletzen wollte. Ich litt sehr stark unter depressiven Verstimmungen und hatte kaum noch Lust auf etwas. Schlussendlich hat sie sich doch von mir getrennt und ich habe seither mit einigen Frauen versucht, eine Bindung einzugehen, jedoch wandte ich mich sofort ab, wenn es ernst wurde. Nun bin ich seit drei Monaten in einer Beziehung, doch meine Gefühle sind gemischt. Manchmal habe ich sehr gute, manchmal sehr schlechte Phasen. Denkst du, dass meine vorherige Beziehung eine Bindungsangst hervorgerufen haben könnte? Ich denke oft darüber nach, ob meine jetzige Partnerin einfach nicht die Richtige für mich ist, eben weil ich mich manchmal schlecht fühle.. Allerdings fühle ich mich in vielen Fällen auch sehr gut bei ihr, auch in unserer Art passen wir wirklich gut zusammen und ich vermisse sie manchmal sehr. Ich möchte einfach nicht Schluss machen, auch wenn es zeitweise sehr schwer ist, denn ich fühle mich wohl bei ihr, vermisse sie häufig und verbringe sehr gerne Zeit mit ihr. Würde gerne wissen, was du darüber denkst beziehungsweise die Community, denn in meiner Zeit als Singel habe ich ein paar Frauen kennengelernt, und bei allen traten eigentlich dieselben Symptome auf, sobald sie mich wollten, überkam mich die Angst. Aber bei ihr muss es scheinbar etwas mehr gewesen sein, denn sonst hätte ich mich auch von ihr abgewandt, was ich aber nicht getan habe. Ich wollte sie und will sie immer noch!
    Liebe Grüße aus Niederösterreich, Philipp

    • Lieber Philipp,

      danke für deinen Kommentar und dein herzliches Lob!

      Nun zu deinem Fall fällt mir spontan ein: Deine Schilderung ähnelt schon sehr den Bindungsängstlichen Symptomen. Und bleib im Feuer der Beziehung! Ist zwar aus der Ferne immer heikel so was zu sagen. Aber oftmals ist es heute so, dass wir schnell davon rennen, wenn man vom Partner „aktiviert“ wird – und das Ganze dann in der nächsten Beziehung wiederholt (hast du ja auch angedeutet). Evtl. könnte eine Paarberatung dir (euch) weiterhelfen?

      LG Oliver

  25. Super Beitrag, vielen Dank! Hätte ich einen Partner, könnte ich an den Bindungsängsten Schritt für Schritt arbeiten. Mein „Problem“ ist aber, dass ich mich einfach in keinen Mann verliebe, der wirklich bereit ist, mit mir eine Beziehung zu führen. Auch wenn ich ihn in der Kennenlernphase als super Typen wahrnehme und er mich auch überhaupt nicht bedrängt, mir alle Zeit der Welt lässt, entwickeln sich dann letztendlich doch keine Gefühle. Ich muss ihm dann sagen, dass ich ihn ganz gut mag aber der „Funke“ einfach nicht rübergesprungen ist. Das passiert mir so oft. Hingegen gefallen mir sehr viele, die bereits vergeben sind. Ich kann dieses Dilemma in der Beziehung somit gar nicht bearbeiten, weil es gar nicht erst soweit kommt. Ich müsste in dem Fall mit jemandem in eine Beziehung gehen, der mir gar nicht wirklich gefällt. Aber so übergehen kann ich mich doch nicht und auch ihm gegenüber wäre es nicht fair. Hast du da auch einen Tipp?

    • Hallo Mara,

      nun, was du beschreibst ist sehr typisch für bindungsängstliche Grund-Strukturen.

      Zwei Sachen:
      1) Verlieben in vergebene Männer / Frauen. Das ist absolut ein Zeichen des „Schattenkindes“ (Stefanie Stahl). Weil vergeben bedeutet: Er stellt keine Gefahr vor Ablehnung dar. Natürlich gibt es in dir den Anteil, der sich Nähe, Hingabe und Liebe wünscht. Aber dann eben auch den verletzten, aus Kindheitserfahrungen geprägten, der diese Erfahrungen mit Schmerz, Ablehnung, Verlassenheit verbindet. Dieser arbeitet meist aus dem Unbewussten und mit Glaubenssätzen. Mein Tipp aus der Ferne: Komme diesen Glaubenssätzen auf die Spur.

      2) Der Funke springt nicht über: Das ist ein Thema, das mich selbst jahrelang beschäftigte – und immer noch tut. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass die Suche nach diesem „unsterblichen „Gefühl ebenfalls mit den Kindheitsprägungen zusammen hängt. Tipp aus der Ferne: Achte mal mehr darauf, wie hoch die Übereinstimmung bei Bedürfnissen, Humor, Gewohnheiten, Lebenseinstellungen bei potentiellen Partnern ist. Als „nur“ auf das starke Gefühl der Verliebtheit. Liebe oder Gefühle können sich mit der Zeit auch entwickeln!

      Buchtipp zu dieser Thematik: Die Bücher von Stefanie Stahl. Insbesondere die zur Bindungsangst und zum inneren Kind (Das Kind in dir muss Heimat finden).

      Lg Oliver

      PS: Was nicht bedeutet, dass diese bindungsängstlichen Strukturen nur bei dir zu finden sind. Gemäß dem Gesetz der Resonanz ziehst du halt eben genau solche Männer auch an – und umgekehrt. Sobald du dich innerlich weiterentwickelst, verändert sich auch subtil diese Ausstrahlung / Anziehung – wiederum auf beiden Seiten.

  26. Danke dir Oliver für die wertvollen Worte! Ich hoffe sehr, dass sich die romantischen/erotischen Gefühle mit der Zeit einstellen. Muss mir nun einfach erlauben, mir die Zeit zu nehmen, die ich brauche. Denn der Mann, den ich im Moment treffe, hat tatsächlich sehr viele gute Qualitäten und die Übereinstimmung all dieser anderen Dinge ist sogar sehr groß! 🙂
    Alles Liebe
    Mara

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