Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Narzissmus und Hochsensibilität – und was hat das alles mit Selbstliebe zu tun?

Fragst Du dich manchmal, ob es einen Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und Narzissmus gibt? Und was der Unterschied zwischen Egozentrik und gesunder Selbstliebe ist?

Heute erfährst du es!

Als Reaktion auf meinen letzten Artikel, in dem ich versucht habe aufzuzeigen, warum Hochsensible in Beziehungen immer wieder an Narzissten geraten, gab es einige Kommentatoren, die behaupteten, dass Hochsensibilität nichts anderes als eine Art versteckter Narzissmus sei, quasi ein verdrängter Anteil, den wir nicht wahrhaben wollen („Schatten“) und wir deshalb in Beziehungen so oft an ausgeprägte Narzissten geraten.

Diese Aussagen ließen mich hellhörig werden. Weil mir diese Frage selbst schon durch den Kopf ging.

Deshalb habe ich mich hingesetzt und mir ein paar Gedanken dazu gemacht.

Ist es wirklich so und welche Anhaltspunkte könnte es geben, die zu solchen Aussagen führen?

Dabei bin ich auf 3 Charaktermerkmale gestoßen, die auf den ersten Blick tatsächlich eine hohe Übereinstimmung mit den Verhaltensweisen von Narzissten aufweisen: Kränkbarkeit, Scham, Egozentrik

(mir sind noch mehr Merkmale eingefallen, aber diese drei halte ich für wesentlich).

Ich heutigen Artikel möchte ich mir mit dir zusammen diese 3 Persönlichkeitsmerkmale etwas genauer anschauen und dabei der Frage nachgehen, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Narzissmus und Hochsensibilität gibt?

1. Kränkbarkeit (Empfindlichkeit)

Im hochsensiblen Kontext:

Ich verstehe es so. Aufgrund unseres genetisch bedingten ausgeprägteren Nervensystems sind wir nicht nur empfänglicher und empfindsamer für Umweltreize, sondern eben auch für emotionale Aussagen, Stimmungen und Worte von anderen. In bildgebenden Verfahren der Hirnforschung konnte mittlerweile festgestellt werden, dass bei Hochsensiblen durch äußere Reize andere Hirnareale aktiviert werden, als bei der Bevölkerungsmehrheit. Die Autorin Ulrike Hensel* schreibt dazu sehr treffend: „Aus einer höheren Empfindsamkeit ergibt sich eine höhere Empfindlichkeit und aufgrund der höheren Empfindlichkeit werden diese Menschen auch heftigere Reaktionen auf verschiedene Reize selbst verspüren und an den Tag legen.“

Für mich folgert sich daraus, dass wir Aussagen sofort als zu persönlich aufschnappen können, leicht beleidigt oder eingeschnappt sind. Mitunter auch nachtragend oder sehr gereizt sind, hochnäsig oder arrogant erscheinen können. Ich kenne es stellenweise von mir. Mittlerweile würde ich es als vorübergehende Schutzreaktion interpretieren. Schutz vor den einströmenden Reizen und Worten, die zunächst einmal zu viel sind. In der anschließenden Nachbearbeitung, zuhause oder an einem ungestörten Ort, wo das Geschehene nach verarbeitet und reflektiert werden kann, beobachte ich oftmals, dass ich versuche, mein Gegenüber für sein Verhalten zu verstehen, und gleichzeitig mein eigenes Verhalten zu hinterfragen, ob ich beispielsweise mal wieder überreagiert habe. Ich versuche also die Perspektive von mindestens zwei Menschen einzunehmen. Verständnis und Empathie für beide Positionen aufzubringen. Genau hier liegt aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied zu einer narzisstischen Persönlichkeit.

Im narzisstischen Kontext:

Ein ausgeprägter Narzisst kann nämlich in keinster Weise Verständnis oder gar Empathie für sein Gegenüber aufbringen. Da ist einfach nichts. Ein totaler Ausfall. Um nicht aufzufallen, entlarvt zu werden, können Narzissten jedoch Mitgefühl und Verständnis vorspielen.

Ein Narzisst ist gut im Austeilen von persönlicher Kritik und herabsetzenden Sprüchen. Diese Verhaltensweise dient ihm als Mechanismus, um andere klein zu machen, neben sich als unbedeutend und winzig erscheinen zu lassen. Dies hilft ihm beim Kompensieren seines unterschwelligen Minderwertigkeitsgefühls. Er macht andere klein, um sich selbst groß zu fühlen.
Wenn es ums „Einstecken“ geht, sieht das ganz anders aus. Auf jedwede Art von Kritik, egal wie sachlich, wohlmeinend oder vorsichtig sie vorgetragen wird, reagiert ein Narzisst mit sofortiger Kränkung – meist einhergehend mit Wut und Hassgefühlen auf den Kritiker. Ein Narzisst kann eine hilfreiche Anregung oder eine gutgemeinte Empfehlung nicht als solche aufnehmen. Er ist so mit dem Selbstbild der Perfektion, des Größenwahns und der Allwissenheit identifiziert, dass er jede Kritik als Angriff auf seinen Selbstwert und seiner herrlichen Größe auffasst. Er kann sich in keinster Weise in die Position seines Gegenübers hineinversetzen. Ihm fehlt vollkommen die Fähigkeit der Selbstreflexion, weil er so mit sich und der Verteidigung seines fragilen Selbstwertes beschäftigt ist.

Diese permanente Angst vor Missachtung und Kritik zwingt ihn in eine Position einer starren Abwehrhaltung. Ständig ist er auf der Lauer, hat einen regelrechten Radar entwickelt, um jedwede Form von Kritik, Missachtung oder Anzweifeln seiner Ansichten sofort im Keim zu ersticken. In diesem Zusammenhang kann man von einer Hypersensibilität sprechen, im Vergleich zu einer Hochsensibilität. Der ausschlaggebende Unterschied liegt für mich darin, dass ein Narzisst sich diese hypersensible Abwehrhaltung aneignet, um jede Art von Missachtung und Kritik an seiner Person aufzuspüren, die er als Majestätsbeleidigung auffasst. Er ist dann von Hass- und Rachegelüsten durchdrungen, kann nicht vergeben und sieht vor allen Dingen einzig und alleine seine Position. Er fühlt sich immer im Recht – und gleichzeitig ungerecht behandelt!

Zusammengefasst: Ein Mensch mit einer hochsensiblen Anlage besitzt in der Regel die Fähigkeit der Selbstreflexion, auch in kränkenden Momenten – ein Narzisst nicht!

2. Scham

Im hochsensiblen Kontext:

Eine stark ausgebildete Scham ist ein zentrales Thema für viele Hochsensible. Dies hängt meist mit Erfahrungen aus der Kindheit zusammen, bei denen die Eigenheiten einer hochsensiblen Anlage nicht ausreichend gewürdigt wurden. Wenn ein Kind, allen voran ein hochsensibles, in seinen Bedürfnissen und Gefühlen nicht ausreichend wahrgenommen wird, eventuell sogar dafür abgelehnt oder bestraft wird, vertraut es irgendwann seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr. Ein Kind kann in diesem frühen Stadium nicht unterscheiden, ob diese Ablehnung an seiner Bezugsperson oder an ihm liegt. Es registriert lediglich, dass es mit seinen Gefühlen so nicht sein darf, weil es dann nicht wahrgenommen und geliebt wird. Das Kind bezieht das sofort auf sich und entwickelt dadurch ein falsches Selbstbild: Ich bin falsch, so wie ich bin. Von nun an beginnt es seine Umgebung genau zu beobachten. Das Kind scannt seine Bezugspersonen, deren Mimik, Verhaltensweise, Körpersprache und versucht schon im Ansatz zu erkennen, was die Anderen von ihm wollen oder erwarten. Und verhält sich anschließend genau nach deren Erwartungen, weil es dadurch die existenziell notwendige Aufmerksamkeit und Zuwendung erhält.

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Wenn eine Mutter beispielsweise es nicht ertragen kann, wenn ihr Kind weint und deshalb versucht ihr Kind zum Lachen zu bringen, verlernt das Kind das Vertrauen in die eigenen Gefühle. Es schämt sich für sein Gefühl der Traurigkeit. Und versucht gleichzeitig die Mutter zum Lachen zu bringen, obwohl im eher zum Heulen zumute ist. Das Kind verstellt sich und trägt von nun an eine Maske. Es ist nicht mehr authentisch. Aufgrund des Gefühls der Scham und der Ablehnung. Diese Überzeugung (Glaubenssatz) kann so verinnerlicht werden, dass es das ganze weitere (Beziehungs-)Leben prägt. Das Kind und der spätere Erwachsene werden immer schauen, was andere von ihm erwarten, dass Gefühl der Scham wird immer größer, weil es sich im Kern seiner Identität eigentlich komplett falsch fühlt. Der Nährboden für spätere Co-abhängige Beziehungen ist gelegt: der mittlerweile Erwachsene versucht sich immer zunächst an dem zu orientieren, was andere von ihm erwarten oder wollen (Partner, Vorgesetzte, Freunde etc.) Weil nur das ihm ein (falsches) Gefühl von Sicherheit und Anerkennung gibt.

Im narzisstischen Kontext:

Nach meinen Recherchen liegen die Ursachen für eine narzisstische Scham in einem ähnlichen Ursprung begründet wie bei der eben skizzierten hochsensiblen Scham. Doch der Umgang mit diesem falsch herausgebildeten Selbstbild aus Kindheitstagen ist bei einem Narzissten ein  anderer. Wer, wie ein Narzisst, ständig mit einem idealisierten Selbstbild identifziert ist, damit einhergehend ständig auf die Bewunderung von außen angewiesen ist, den schmerzt es besonders, wenn das wahre, fragmentierte Selbst zum Vorschein kommt, das mit tiefer Scham und Schmerz verbunden ist. Bei einem gefestigten und integrierten Charakter gibt es Situationen, bei denen man sich für einen gewissen Anteil von sich selbst schämt, andere Anteile von sich aber nach wie vor wertschätzen kann. Es ist nach wie vor ein differenzierter Blick auf sich selbst, seine Stärken und Schwächen, möglich. Nicht so bei der narzisstischen Scham. Sie geht viel tiefer und ist vor allem viel umfassender: Der Narzisst schämt sich, weil er ist.  Die Scham bringt ihm mit seiner inneren Leere und dem nicht vorhandenen inneren Kern (Selbst) in Berührung.

Mit einem normal entwickelten Selbstwertgefühl können dich Bewertungen von anderen in deiner Identität, in deinen Grundfesten, nicht erschüttern. Du regst dich vielleicht darüber ein wenig auf, denkst darüber nach, beschäftigst dich ein paar Tage damit und gleichst diese „Fremdeinschätzung“ mit deiner Selbstwahrnehmung ab. Du fühlst dich aber deshalb nicht sofort als ganze Person, als eigenständiges Individuum, abgelehnt. Du behältst den Blick für eine differenzierte Betrachtungsweise bei.  Du bist mit deinem Sein und deinem Wesenskern nach wie vor verbunden und davon kann dich nichts und niemand abbringen.

Ganz anders bei einem ausgeprägten Narzissten. Dieses Gefühl der anhaltenden Verbundenheit mit seinem Wesenskern bei Bewertungen erfährt der Narzisst nicht, weil dieser Kontakt zum „Urgrund“ komplett verloren gegangen ist. Bewertungen und Kritik von außen erschüttern einen Narzissten in seiner ganzen Identität. Er fühlt sich wertlos. Er schämt sich. Er kann nichts gegen die Kritik durch andere setzen, weil da einfach nichts ist, als die bereits erwähnte innere Leere. Diese tief im Inneren empfundene Scham schmerzt natürlich ungemein. Genau dieses Aufdecken eines existenziellen Schamgefühls versucht ein Narzisst mit allen Mitteln zu vermeiden.

Hier setzt aus meinem Verständnis der Unterschied zwischen einer hochsensiblen und narzisstischen Scham ein, nämlich im Umgang mit derselben in Beziehung und Alltag. Scham taucht nur im Umgang mit anderen Menschen auf und gehört zu den Grundgefühlen wie Angst, Trauer, Wut, Freude. Es ist unvermeidlich, dass diese Gefühle immer wieder aufkommen. Entscheidend ist hierbei nicht, ob sie auftauchen, sondern wie ich beim Auftauchen damit umgehe.

Der Prozessbegleiter Dr. Buddrus schreibt dazu: „Die narzisstische Scham vereinigt das Gefühl der Unzulänglichkeit verbunden mit der Einschätzung, dass diese Unzulänglichkeit von anderen wahrgenommen werden kann, und der fortlaufenden Beurteilung deiner selbst als unzureichend, als nicht genug.“

Das Gefühl der Unzulänglichkeit kann ein Narzisst natürlich in keinster Weise ertragen, da er sich aufgrund seines idealisierten Selbstbildes immer für grandios, überragend, perfekt und fehlerfrei ansieht. Nun setzen die psychischen Verarbeitungs- und Abwehrmechanismen eines Narzissten ein. Er beschuldigt, kritisiert, projiziert und entwertet den anderen, der es wagte, ihn zu bewerten oder einzuschätzen. Unter all den Abwehrschichten spürt er irgendwo das alte Schamgefühl, doch ist ein Narzisst völlig außer Stande, mit diesem Gefühl adäquat umzugehen. Er setzt alles daran, dass es nicht „entdeckt“ wird.

Zusammengefasst: Hochsensible und Narzissten haben oftmals ein ähnlich begründetes Schamgefühl aus der Kindheit, doch gelingt es dem Hochsensiblen aufgrund seiner Empathie und Selbstreflexion damit meist konstruktiv und eigenverantwortlich umzugehen, während ein Narzisst sich sofort in seiner ganzen Identität angegriffen fühlt und deshalb zu destruktiven, verteidigenden und manipulativen Methoden greift, um diese narzisstische Scham für ihn irgendwie erträglich zu machen.

3. Egozentrik (Selbstliebe)

Im hochsensiblen Kontext:

Zunächst einmal ist es wichtig, hier genau zwischen Egozentrik und einer gesunden und absolut notwendigen Selbstliebe zu unterscheiden. Wenn wir geboren werden, sind wir als Säuglinge alle egozentrisch, man könnte auch sagen narzisstisch, veranlagt. Ein Kleinkind kann gar nicht anders, als seine Umwelt aus einer rein egozentrischen Perspektive heraus zu betrachten. Seine Gehirnentwicklung lässt in diesem frühen Reifungsstadium keine andere Perspektive zu, als sich selbst als den Mittelpunkt der Welt zu sehen. Das Kleinkind ist nicht in der Lage, sich in die Perspektive eines anderen hineinzuversetzen. Es ist selbstsüchtig und das ist auch gut so, zumindest in dieser Phase der Persönlichkeitsentwicklung!

Verläuft die weitere Entwicklung normal, sprich, ohne gravierende Vernachlässigungen und Störungen, erweitert sich die Perspektive des Kindes auf sein Umfeld. Sein Verständnis, wer er ist, erweitert sich von der rein egozentrischen Sicht auf seine Familie, Spielkameraden, Verein, Freunde, etc. Man könnte diese erweiterte Wahrnehmung des Menschen auch eine ethnozentrische Sicht nennen. Geht die Entwicklung des Menschen weiter voran, springt sein Verständnis und seine Wahrnehmung auf die nächst höhere Entwicklungsstufe: eine weltzentrische Sicht. Er sieht nicht nur sich selbst, seine nächste Umgebung, sondern fühlt ein Verantwortungsgefühl für den ganzen Planeten, die Welt. Diese Sicht kann sich zum Beispiel durch Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Konsumreduktion oder einer Ernährungsumstellung ausdrücken.

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Für unsere Betrachtung ist es wichtig festzuhalten, dass eine ausgeprägte Egozentrik in einer frühen Phase unserer Entwicklung absolut richtig und wichtig ist. Doch was passiert, wenn wir in dieser Entwicklungsphase massive Beeinträchtigungen erleben, indem uns zum Beispiel von unseren Bezugspersonen nicht gestattet wurde, unsere Egozentrik auszuleben oder uns massive Schuldgefühle vermittelt wurden, sobald wir unsere kindlichen Bedürfnisse anmeldeten, uns dafür einsetzten? Nun, dann erlebt unsere Ich-Entwicklung erhebliche Einschränkungen. Ein Teil unserer Persönlichkeit bleibt regelrecht auf dieser Entwicklungsstufe stehen, und wartet fortan aus dieser Sackgasse befreit zu werden. In späteren Jahren sind wir zwar erwachsene Menschen, aber in einem Teil unserer Identität, der meist verdrängt wurde, lebt diese (ungelebte) kindliche Egozentrik weiter. Das ist der Grund, warum sich erfolgreiche und scheinbar selbstbewusste Menschen, oder auch der Lebenspartner, innerhalb von Sekunden in wutschäumende, cholerische, infantile Personen verwandeln können. Hier meldet sich das innere Kleinkind, das nun endlich seine nicht erlaubte Wut und Egozentrik aus den frühen Kindheitstagen ausleben möchte. Der Autor Veit Lindau* schreibt dazu: „Wer in seiner Kindheit kein gesundes Ego aufbauen konnte, steht als Erwachsener entweder auf Kriegsfuß mit seinen Bedürfnissen oder er kennt sie gar nicht.“

Aus meiner Wahrnehmung heraus, auch aus meiner eigenen Biographie, setzt hier genau das Problem von uns Hochsensible an. Viele von uns erlebten nämlich grobe Vernachlässigungen elementarer Grundbedürfnisse, angenommen zu werden in unserer Andersartigkeit (Ruhig, sensibel, zurückgezogen) als hochsensible Kinder. Wir konnten kein gesundes Ego aufbauen und deshalb müssen wir als Erwachsene erst wieder lernen, unsere elementaren Bedürfnisse wahrnehmen und kommunizieren zu können.

Das Erforschen und Ausdrücken der eigenen Bedürfnisse und auch Werte, hat rein gar nichts mit Egozentrik zu tun! Eher mit einem Ausdruck von gesunder Selbstliebe oder Egoismus. Doch sollten wir bei diesem Erforschen und Ausleben unserer Bedürfnisse sehr achtsam vorgehen. Veit Lindau* schreibt dazu weiter: „Um eine angeknackste Egozentrik zu kurieren, ohne deine Umgebung massiv zu belasten, brauchst du Bewusstheit, Kommunikation und Humor. Die Intelligenz des Lebens strebt nach Ausgleich und Heilung. Solange bestimmte Aspekte deiner Persönlichkeit unerlöst in den Kreisläufen deiner Vergangenheit parken, werden sie deine vertrauten Beziehungen immer wieder nutzen, um sich zu zeigen. Die Kunst liegt darin, diese Aspekte deines Wesens nach und nach zu erlösen, ohne ihnen dabei das ganze Spielfeld zu überlassen.“

Selbstliebe im positiven Sinne bedeutet, dich in deinem Wesen radikal kennenzulernen: deine Bedürfnisse, Werte, Wünsche, Träume, Tugenden, Ängste, Zweifel, Emotionen, Visionen. Mit diesem Erkennen wirst du unabhängiger von außen herangetragener Anerkennung, Lob und Tadel. Du weißt, wer du bist, was du willst und wie du es erreichst. Ein weiterer Ausdruck von einer wachsenden Selbstliebe besteht darin, dass du gelernt hast, deinem Umfeld gegenüber ehrlich und genau zu kommunizieren, was gerade in dir abläuft, indem du zum Beispiel deinem Partner offen anvertraust, dass du heute im Büro runter gemacht wurdest und nun gerne in den Arm genommen werden möchtest.

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Der entscheidende Unterschied zu einer zügellosen (infantilen) Egozentrik besteht aus meiner Sicht darin, dass du deine Vergangenheit und deinen Wunden bedingungslos anerkennst. Im Gegensatz dazu lebt ein Egozentriker quasi völlig ungezügelt, unverantwortlich und unreflektiert seinen nicht gelebten Egoismus aus frühen Kindheitstagen an seinem Umfeld aus – und tyrannisiert es dadurch maßgeblich.

 

Im narzisstischen Kontext:

Womit wir bei der Egozentrik und Selbstdarstellung eines narzisstisch geprägten Menschen wären. Einem Narzissten geht nämlich diese Eigenverantwortung, Mitgefühl und Reflexion völlig abhanden. Die Vernachlässigungen in dem oben skizzierten Kindheitsstadium waren so massiv, dass er den Schmerz der nicht erhaltenen Zuwendung und Liebe als Kleinkind nicht mehr ertragen konnte und deshalb seine Psyche als Schutzfunktion diesen Anteil aus seiner Wahrnehmung verdrängte. Doch wie wir aus der Psychoanalyse wissen, ist dieser abgetrennte Persönlichkeitsanteil nicht aus der Psyche verschwunden, sondern schlummert im Unbewussten weiter, quasi im Keller der Seele.

self-love-geralt-pixabayDer Selbstwert wurde derart deformiert, dass ein Narzisst nicht mehr in der Lage ist, sich die benötigte Anerkennung und Wertschätzung selber zu geben. Von nun an benötigt er ständig Lob, Aufmerksamkeit und Anerkennung von außen, weil er nur dadurch so etwas wie ein Selbstwertgefühl verspürt – nur eben ein völlig verzerrtes. Dadurch identifiziert er sich immer mehr mit diesem falschen (äußeren) Bild von sich selbst, und entfernt sich zusehends von seinem wahren Kern, der ja mit unermesslichen Schmerz verbunden ist. Aus dieser narzisstischen Egozentrik heraus resultiert auch die ständige Entwertung von anderen, da ein narzisstisch verwundeter Mensch dadurch betonen möchte, wie bewundernswert und großartig er selbst ist. Dieses Gefühl benötigt er wie das täglich Brot, um sich „gut“ bzw. wertvoll zu fühlen.

Nach dem Motto „Angriff ist besser als Verteidigung“ versucht ein Mensch mit einer narzisstischen Egozentrik andauernd „Präventivschläge“ zu setzen, um andere zu verletzen, bevor er selbst verletzt wird. Die Angst vor Verletzung ist seine treibende Kraft. Sie erinnert ihn unbewusst an seine Ohnmacht aus Kindheitstagen. Deshalb erniedrigt und verletzt er lieber andere, weil ihm das zum einem ein Gefühl von Macht und Wert gibt, und zum anderen versucht er damit seine innere Leere zu überdecken. Diese Leere, dieses Sichtbarwerden eines inneren Vakuums, davor fürchtet sich ein narzisstisch verwundeter Mensch am meisten.

Zusammengefasst: Selbstliebe bedeutet, dass du ein radikales JA zu dir als gesamte Persönlichkeit mit allen Licht- und Schattenseiten sagen kannst. Du bist in der Lage für dich und deine elementaren Bedürfnisse selbst zu sorgen, und erwartest dies nicht zwangsläufig von deinem Umfeld. Du spürst in dir eine starke innere Wurzel des Selbstwertes, die an ruhigen und stürmischen Tagen standhält. Diese Wurzel wiederzuentdecken und zu festigen, ist die Aufgabe von vielen hochsensiblen Menschen. Es ist ein Ausdruck von gesunder Selbstfürsorge und gleichzeitig ein Ausdruck von Verantwortung und Bewusstheit dafür dein Umfeld nicht verantwortlich zu machen. Genau dies macht aber ein ausgeprägter Narzisst (Egozentriker). Nach außen gibt es sich gern selbstbewusst, schlagfertig und cool. Er sucht gerne und oft den Mittelpunkt. Hinter diesem Auftreten (Maske) steckt aber kein gefestigter Wert. Er macht sein Umfeld für seine unerfüllten Bedürfnisse, Schmerzen und Wunden verantwortlich. Aufgrund eines verzerrten Selbstbildes überhöht er sich ständig selbst und erwartet ständige Bestätigung und Aufmerksamkeit von außen. Bleibt diese aus, reagiert er cholerisch, wütend und abwertend. Im Grunde stampft hier ein wütendes kleines Kind mit den Füßen auf dem Boden, und möchte endlich gesehen und gehört werden, was ihm in der dafür vorgesehenen Entwicklungsphase leider völlig verwehrt blieb.

Fazit

Ich beschäftige mich nun seit August diesen Jahres intensiv mit dem Thema Narzissmus. Im weitesten Sinne damit einhergehend mit der Bedeutung von Selbstliebe, Verantwortung und Mitgefühl. Ausgangspunkt für meine Forschungen war die Beobachtung, dass es im Internet unzählige Foren und Plattformen von „Opfern“ einer narzisstischen Persönlichkeit gibt. Neben dem Interesse an dem Erforschen meiner eigenen narzisstischen Anteile. Oftmals war mir diese Sicht aber zu einseitig. Wie so oft, wollte ich so unvoreingenommen wie möglich ein Thema von mehreren Seiten (Perspektiven) betrachten. Es war kein leichtes Unterfangen bis hierher. Doch spürte ich eine starke intrinsische Motivation, mich intensiv mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

In einem Artikel auf narzissmus.net wurde die etwas provokante Frage gestellt, ob es sich bei den „Tätern“ wirklich um einen pathologischen Narzissten handelt oder einfach nur um ein Arschloch?! Auch ihm ist aufgefallen, dass die Anzahl der vermutlich betroffenen Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung deutlich geringer ist als die Anzahl der sogenannten „Opfer“. Er stellt dann die kritische Frage, ob es sich bei den „Partnern“ einer narzisstischen Persönlichkeit nicht oftmals selbst um bedürftige Personen handelt, zum Beispiel in Form einer Co-Abhängigkeit, weil er es für unmöglich hält, dass man als gesunder (gefestigter) Mensch solange mit einem Persönlichkeitsgestörten Menschen, wie einem Narzissten, in einer Beziehung bleibt.

Ich kann und will mir darüber kein abschließendes Urteil erlauben. Aus zahlreichen Erfahrungsberichten weiß ich, wie perfide und geschickt ein Narzisst sein Masken- und Manipulationsspiel aufrecht erhalten kann. Wahr ist sicherlich aber auch, dass zu einer Partnerschaft immer zwei gehören und dass eine Anziehung immer mit eigenen Anteilen zu tun hat. Vielleicht liegt die „Wahrheit“ irgendwo in der Mitte dieser Aussagen? Ich weiß es nicht!

Der Blogger David Mitzkat schrieb einen sehr fundierten und reflektierten Artikel über den Zusammenhang von Hochsensibilität und Narzissmus. In dem Artikel stellt er die interessante Frage, ob Hochsensible auch Narzissten sein können? Seine Antwort: „Instinktiv würden wahrscheinlich viele erstmal mit nein antworten. Das ist verständlich, da man Hochsensibilität unter anderem oftmals mit Empathie assoziiert, und wir oben festgehalten haben, dass sich eben sich Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung eben durch einen Mangel oder sogar Abwesenheit von Empathie auszeichnen. Nichtsdestotrotz können natürlich auch HSP in ihrer Kindheit derartig traumatisiert werden dass sie einen sogenannten kompensatorischen Narzissmus entwickeln. Viele der HSP-typischen Eigenschaften wie die Reizempfindlichkeit und sogar die Unsicherheit bleiben bestehen, werden aber konstant bekämpft und unterdrückt und durch  gegensätzliches Verhalten gegenkompensiert. Man ist immer noch hochsensitiv und auch narzisstisch, aber eben nicht auf die gleiche Weise wie beim oben beschriebenen Bild des malignen Narzissmus.“

Davids reflektierte Herangehensweise gefällt mir. Und deckt sich mit meiner Einschätzung und Erfahrung. Wenn ich eines gelernt habe seit August, dann dieses: Es gibt nicht den einen Narzissmus. Es gibt verschiedene Typen und Ausprägungen von Narzissmus, die von normalen bis zu anti bzw. dissozialen Persönlichkeitsmerkmalen reichen. Und genauso so schätze ich es auch bei uns Hochsensiblen ein. Aufgrund von erlebten Vernachlässigungen unserer hochsensiblen Ader können wir zwar ähnliche Charaktermerkmale (Kränkbarkeit, Scham, Egozentrik) wie Narzissten entwickeln, ja durchaus auch narzisstische Anteile in uns tragen, was aber noch lange nicht bedeutet, dass wir dadurch zu einer antisozialen und destruktiven narzisstischen Persönlichkeit werden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es Narzissten gibt, die sich als weitere Maskerade das Etikett „Hochsensibilität“ umhängen! Genauso kann es aber auch sein, dass es Hochsensible gibt, die sich zu sehr mit den Charaktereigenschaften eines Narzissten vergleichen, wobei es wohl mehr darum gehen würde, sich und seine Veranlagung mehr anzunehmen!

Letztlich kann diese Frage nur jeder für sich selbst beantworten. Wie des Öfteren schon erwähnt, plädiere ich immer wieder dazu, ehrlich mit sich selbst zu sein – mit seiner Anlage, Stärken und etwaigen Störungen – und sich mit jedem dieser Bereiche entsprechend auseinanderzusetzen.

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Trotzdem glaube ich, dass es einige  universell gültige Prinzipien gibt. Eines dieser Prinzipien ist ein radikales JA zu dir selbst – ohne dabei sofort Angst vor Selbstverliebtheit und Egoismus zu haben. Egoismus ist rücksichtslos. Selbstliebe nimmt Rücksicht. Veit Lindau beschreibt dieses JA sehr treffend mit diesen Worten: „Ein Ja! zu dir in dieser Radikalität ist ein revolutionärer Akt. Du stehst ab jetzt für bestimmte Spiele – privat, beruflich, gesellschaftlich – nicht mehr zur Verfügung. Du erlaubst dir, frei und groß zu denken. Du hast es nicht mehr nötig, dich für Anerkennung von außen zu verbiegen. Du jagst nicht mehr wie ein dummer Esel automatisch jeder Karotte hinterher, die dir andere vor die Nase hängen oder du selbst. Du lässt immer mehr los, was dich schwächt, und tust immer mehr von dem, was dich stärkt.“

Diese Selbstliebe ist aus meiner Überzeugung der Schlüssel zu allem: deiner Arbeit, deinen Beziehungen, deiner Sexualität, deinen Werten, deiner Freiheit und deinem Wirken in der Welt. Menschen, die sich radikal selbst annehmen und lieben, verschenken sich von ganz alleine. Sie sind mit sich im Reinen und schauen über den eigenen Tellerrand. Sie versprühen eine subtile Liebe und Verantwortung für alles Lebendige. Für das Leben. Sie wissen, was für sie wertvoll ist und sind dadurch weniger manipulierbar von außen: egal ob es sich dabei um den Partner, dem Chef oder einem charismatischen Politiker handelt. Ich bin davon überzeugt, dass diese radikale Selbstliebe und Verantwortung im Zeitalter des Populismus, der Zerstreuung und der Individualisierung für jeden Einzelnen und für uns alle immer wichtiger wird.

Wie bist du bisher mit Kränkungen, Scham und Selbstliebe umgegangen?
Welchen Beitrag möchtest du leisten, um das Wahre, Gute und Schöne weiter in die Welt zu tragen?

 

 

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Quellennachweis:
www.hspdeutschland.com
www.narzissmus.net
www.umgang-mit-narzissten.de
www.umgang-mit-narzissten.de/arten-des-narzissmus

www.hochsensibel-test.de
www.prozessbegleitung.com
www.medizin-im-text.de

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21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Oliver,

    als Indigo-Mensch (heute Hochsensible) und Coach kann ich nur empfehlen, immer bei sich zu bleiben. Wer weiß, dass er/sie hochsensibel ist, kann eigentlich gar nicht an einen „Narzissten“ geraten, denn er/sie sollte ja die Leere „fühlen“ können. Wenn noch nicht bewusst die Hochsensibilität angenommen und keine Selbstschutzmechanismen trainiert wurden, kann man durchaus an einen Narzissten geraten, sollte sich aber aufgrund der Resonanzgesetze bewusst werden, dass der Narzisst etwas spiegelt… nämlich mangelnde Selbstliebe.
    Da gebe ich Dir recht, in allen Wesenszügen ist die Selbstliebe elementar! Und da hochsensible gerne „Mitleiden“ ist es eben ein Prozess, sich in das „Mitgefühl“ zu entwickeln und sich nicht ins „Drama“ hinein zu begeben…
    Schöner wäre es, wenn die Menschen aufhören würden zu bewerten, sondern sich gegenseitig so annehmen können, wie sie sind (und nicht wie man sie gerne für ein besseres Wohlgefühl gerne hätte!). Dazu gehört Bewusstsein und LIEBE! 😉
    Das sind meine Gedanken dazu…
    Einen schönen Advent wünsche ich Dir/Euch.
    LG
    Alexandra

  2. Das Zitat mit dem Arschloch kommt nicht von mir. Der Artikel über die Frage mit dem Arschloch kommt vom Betreiber der Website.
    Ansonsten sehe ich vieles von dem, was du geschrieben hast anders. Leider… und auch zu Recht.
    Du sagst Narzissten haben keine Empathie? Junge junge… Ich habe lange Zeit im sozialen Bereich (Wachkoma, Phase F und Gerontopsychiatrie) gearbeitet. Wenn ich keine Empathie hätte, kein ernstes Mitgefühl hätte, wäre ich nicht dazu im Stande. DEs weiteren bin ich nah am Wasser gebaut. Ich weine selbst bei schlechten Liebesfilmen mit Happy End. Das mit der hohen Kränkbarkeit mag zutreffen, aber mangelnde Selbstreflektion ist kein Alleinstelllungsmerkmal der narzisstischen PS. Es gibt auch durchaus Narzissten die Kritikfähig sind. Nur was ist dann bitte aus deiner Sicht Kritik? Du hast das scheiße gemacht.- oder Ich finde, das war nicht gut, wie du es gemacht hast? Eine DU- Botschaft in einer geübten Kritik ist immer en versteckter Vorwurf. Du begründest dass ein Narzisst nach Liebe und Aufmerksamkeit schreit, weil er in seiner KIndheit eine Liebe nicht erfahren hat. Ich sehe, dass meine Mutter sich alle Mühe gab mich zu erziehen und sicher nicht wollte, dass ich mich nun so fühle, wie ich mich fühle. Aber in den entscheidenden Momenten meines Lebens war ich allein. Da kann meine Mutter nichts für. Ich wurde als Kind entführt (da war ich 7 Jahre alt), Ich wurde überfallen (da war ich 12)… meine Oma starb mit 14 an Leukämnie. Wir sind 4x umgezogen. Pumuckel, Rotfuchs, Feuermelder waren jeden Tag Gang und Gebe. Das sind nur einige Beispiele, wieso, weshalb warum ich so bin, wie ich bin. Ich arbeite an mir, aber nicht um mit anderen besser klarzukommen, sondern um mit mir selber klar zu kommen, denn die anderen werden auch mit mir klarkommen, wenn ich mit mir selber klarkomme.
    Ich wünsche Dir alles Gute für deine weiteren Recherchen. Ich bringe 2017 mein Buch raus… „Mein emotionaler Ferrari und wie ich damit fahren lernte“ Dann unterhalten wir uns gerne weiter mein Lieber Oliver

    • Lieber Daniel,

      dafür sind die Artikel da – um kontroverse Meinungen/Ansichten auszutauschen. Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass alle Leser damit übereinstimmen 😉

      Im Gegenteil: Ich lerne viel aus den Kommentaren und Rückmeldungen.

      So auch aus deinem. Was du aus deiner Kindheit erzählt hast, hört sich für mich sehr traumatisch an. Und könnte eine Erklärung für deine heutige Erkrankung sein. Aber ich bin kein Psychologe/Therapeut. Für das Verständnis/Ursachen einer NPS fand ich deine Ausführungen jedenfalls interessant und erklärend.

      Das mit dem „mein lieber Oliver“ am Ende, und allgemein der subtile Unterton, verbuche ich Mal unter narzisstischer Überheblichkeit (Kränkung), ich unterstelle jetzt Mal keine Absicht, eher ein unbewusster Affekt, wie in einem anderen Kommentar von dir beschrieben! Ich habe grundsätzlich ein positives Menschenbild und unterstelle jedem Menschen zunächst einmal gute Absichten.

      Jedenfalls wünsche ich dir viel Erfolg mit deinem Buch – und ich wäre daran durchaus interessiert. An der Schilderung dieser Störung aus Sicht eines Betroffenen.

      Liebe Grüße, Oliver

  3. Mich stört etwas dass es da immer nur um den krassen Narzissten, den maligne Narzissten geht. Es gibt viele Abstufungen von Narzissmus und man kann hochsensibel und narzisstisch sein. Es geht wirklich. Ich wünschte mir es würde dieses Thema (Narzissmus und Hochsensibilität) etwas ausführlicher geben, dass die Hochsensiblen erfahren, dass es nicht nur den bösen Narzissten gibt, der zerstören will. Hochsensible sollen erfahren dass es Abstufungen gibt. Wäre mir sehr wichtig!
    Lg Nina

    • Liebe Nina,

      danke für deinen Kommentar.

      Ja, du hast vollkommen Recht. Die von mir beschriebenen Merkmale und Verhaltensweisen eines Narzissten gleichen eher dem des bösen, zerstörenden Narzissmus. Im Artikel hätte ich darauf mehr hinweisen sollen, obgleich ich am Ende die Abstufungen erwähne und auch eine Tabelle dazu verlinkt habe. Auch das es normale („gesunde“) Formen von Narzissmus gibt und ein gewisser Egoismus gerade für uns HSP wichtig ist zu erlernen (im Sinne von Abgrenzung, für sich sorgen, etc.)

      Erst nach der Veröffentlichung und einigen weiteren Rückmeldungen ist mir klar geworden, dass hochsensibel und narzisstisch nicht gleich bedeutet, dass man ein boshafter und gefühlsloser Narzisst ist. Dies wollte ich auch in keinster Weise behaupten! Mir ging es in erster Linie um eine Überprüfung von gewissen ähnlichen Verhaltensmerkmalen und ob und in wie weit es Übereinstimmungen zwischen HSP und NPS gibt.

      Man kann als Narzisst (nicht der boshafte) sehr wohl Empathie und Kritikfähigkeit empfinden, wie ich jüngst durch einen Austausch mit einer NPS erfahren habe, nur fällt es ihnen wohl schwer, es zu zeigen.

      Also, Nein, es gibt nicht nur den bösen Narzissten der zerstören will, und durch deinen Kommentar erfahren es ja jetzt so einige. Danke für den Input! 🙂

      Liebe Grüße an dich, Oliver

  4. Hallo Oliver,

    vielleicht solltest du die Frage so stellen, wie viele Hochsensibele Menschen sind Opfer von Narzissmus? Noch besser gesagt sind Töchter oder Söhne von narzisstischen Eltern.
    Wie ich darauf komme? Weil ich selbst Tochter einer narzisstischen Mutter bin und Hochsensibel. Ich habe ein Buch geschrieben über mein Leben „ Das Gift der Narzisse, Tochter einer narzisstischen Mutter, Wenn eine Mutter ihr Kind seelisch vergiftet“
    Dadurch habe ich sehr viele Frauen und Männer (ca. 300) kennengelernt, die mich anschrieben und mir mitteilten, dass sie erst durch mein Buch herausfanden, dass ihre Mütter eine narzisstische Persönlichkeitsstörung haben. Ihr Leben glich meinen sehr und die Opfer erkannten sich in meinem Buch wieder.
    Ich suchte Parallelen zu meinem Leben und fand heraus, dass die Mehrheit ebenfalls Hochsensibel sind. Darüber sprach ich mit meiner Therapeutin und diese sagte mir, dass wir schon als Kind unsere Sinne schärfen mussten zum Selbstschutz vor unserer Mutter bzw. unseren Vater. Ebenso geraten wir Kinder von narzisstischen Eltern auch leicht an narzisstische Partner.
    Sehr interessant dürfte für viele auch diese Webseite sein http://www.narzissmus.org. Die Rubrik „Flöhe“ dürfte dich interessieren.
    Das soll nur ein Denkanstoß für dich sein. Falls du noch Fragen hast, dann melde dich einfach.
    Noch eine besinnliche Zeit für dich/ Euch.
    Liebe Grüße
    Gabriele

    • Liebe Gabriele,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar und diesen wichtigen Hinweis.

      Ja, ich bin mittlerweile auch der festen Überzeugung, dass es eigentlich gar nicht anders sein kann, als das heutige Narzissten Kinder (Opfer) einer narzisstischen Persönlichkeit sind.

      Sehr interessant fand ich deine Feststellung, dass die Mehrheit der sich bei dir gemeldeten Opfer eines narzisstischen Elternteils heute hochsensible Merkmale aufweisen. Dies deckt sich mit den Beobachtungen in meinem hochsensiblen Bekanntenkreis und ein Stück weit auch aus meiner eigenen Biographie.

      Ich schaue mir gerne die Seite mal an und melde mich dann bei dir. Vernetzung und Austausch (Stichwort:Co-Kreativität) finde ich immer sehr spannend – allen voran bei diesem heiklen und defizilen Thema.

      Eine schöne Adventszeit für dich!
      Liebe Grüße, Oliver

  5. Hallo Oliver,
    wieder ein grandioser, lehrreicher Artikel von Dir! Deinem Fazit kann ich voll zustimmen. Ich dachte
    beim Lesen auch, es gibt nicht nur den einen Narzissten, sondern diverse Abstufungen – genauso wie es bei uns Hochsensiblen ja auch verschiedene Ausprägungen gibt.
    Bezüglich Deines Satzes „Im Grunde stampft hier ein wütendes kleines Kind mit den Füßen auf dem Boden, und möchte endlich gesehen und gehört werden,…“ mußte ich sofort an Donald Trump denken. Denn jedes Mal, wenn ich diesen Choleriker reden sehe, sehe ich automatisch den kleinen, nach Liebe und Anerkennung schreienden Jungen.
    Wenn man sich mit seiner Biografie ein wenig beschäftigt, läßt es sich auch kausal erklären. Ich wundere mich immer, daß niemand das erkennt und mal irgendwo erwähnt, daß er in Wirklichkeit ein verletzter Junge ist, der wütend brüllend um sich schlägt. Ich habe automatisch Mitgefühl mit ihm, je aggressiver er sich verhält – aber solch eine unreife, unberechendbare Person an der Machtposition der USA zu erleben ist natürlich alles andere als beruhigend.
    Dieser lediglich äußerlich erwachsene Mann ist für mich ein Paradebeispiel für einen extremen Narzissten – wobei ich Bewertungen von „gut“ und „böse“ hinsichtlich Menschen grundsätzlich ablehne und immer sehr darauf achte, nicht ins für Menschen allgemein übliche Bewerten/Urteilen zu rutschen, denn ich finde, das dies niemandem zusteht. Hier schließe ich mich der ersten Schreiberin an. Auch Gott bewertet niemanden, egal was er alles an Leid verursacht hat.

    Ich bemühe mich immer sehr, jeden so anzunehmen, wie er ist, ohne über ihn zu urteilen. Wenn jemand ganz andere Werte und Sichtweisen hat als ich und Dinge tut, die ich nicht tolerieren kann (insbes. Lügen und jegliche Art von Gewalt), dann steht es mir ja jederzeit frei, die Konsequenzen zu ziehen im Sinne von Selbstachtung/Selbstliebe/Selbstschutz und mich zu distanzieren und zu mir selbst und meinen eigenen Werten zu stehen, anstatt mich im Falle einer Partnerschaft vom anderen demütigen und erniedrigen zu lassen. Dafür fehlt vielen sog. Opfern von Narzissten oder sonstigen „Tätern“ aber leider die nötige Selbstachtung, Mut und Kraft.

    Im übrigen stimme ich Dir zu, daß in einer Beziehung unter echten und unechten erwachsenen Menschen stets ZWEI dazugehören und jeder zur Hälfte mitverantwortlich ist für alles, was geschieht – für alles Schöne genauso wie für alles Leidvolle. Insofern gibt es keine Opfer! (Kinder natürlich ausgenommen) und einseitige Schuldzuweisungen sind eigentlich fehl am Platz, wenn man wirklich ehrlich zu sich selbst ist.
    Zwischen Erwachsenen gibt es immer zwei Parts, die laufend miteinander wirken:
    einer, der manipuliert/betrügt/schlägt etc und einer, der dies mit sich machen läßt bzw. unbewußt dazu ermutigt hat – aus welchen psychologischen Gründen auch immer. Meist gehts dabei um krankhafte Abhängigkeiten und Selbstverachtung, weil das sog. Opfer aufgrund frühkindlicher Prägung überzeugt ist, daß es genau das so verdient hat und den Begriff Liebe völlig anders definiert.
    Viele Menschen (überwiegend wohl Frauen) fühlen sich sogar durchaus wohl in der Opferrolle, weil sie insgesamt bequemer ist, recht komfortabel sein kann mit einem gutmütigen, unsicheren (ebenfalls verlustangst-gesteuerten) Mann an der Seite, und man als „hilfloses Würmchen“ (Kleinkind) viel Mitgefühl und Zuwendung erhält. Somit kann durchaus auch ein sog. Opfer die Macht innerhalb einer Beziehung haben, indem es seine Schwächen/Ängste oder schlimmstenfalls Suiziddrohungen bewußt oder unbewußt laufend einsetzt und dadurch den Partner manipuliert und an sich bindet.
    Ich kenne persönlich solch eine Ehe, wo dieses Spiel seit vielen Jahren abläuft und keiner von beiden es erkannt hat. Ich als HSP habe es von außen sofort gemerkt, es ist total offensichtlich. Aber das wollen beide nicht hören/wahrhaben und werden aggressiv, wenn man ihre schöne Scheinwelt und sogenannte Liebe infrage stellen will. Sie klammern sich wie Ertrinkende aneinander und tolerieren und „verzeihen“ auch die tiefste Verletzung aus panischer Angst vor dem Alleinsein. Die beiden passen so gesehen perfekt zusammen, so lange, bis einer von ihnen irgendwann den Mut und die Kraft aufbringt, einen Blick in Richtung schmerzhafte Wahrheit zu wagen und endlich aufhört, vor sich selber und der Wahrheit seines Herzens wegzulaufen.

    Oh sorry, so viel wollte ich gar nicht schreiben… bin glaube ich etwas abgeschweift und hab mich verquatscht 😉 Ich war so versunken ins Denken, Fühlen, gewisse innere Bilder und Erfahrungen, daß ich gar nicht gemerkt habe, was ich schon geschrieben habe. Aber nun lasse ich es einfach so.
    Liebe Grüße,
    Rena

  6. Hallo Rena,

    deine Einstellung zu Donald Trump teile ich. Nur leider sind nicht alle Narzissten (NPS) so offensichtlich erkennbar wie Donald Trump.

    In meinem Fall war sie sehr bescheiden, selbstsicher und interessiert. Sie hatte subtile Mittel um sich Anerkennung zu beschaffen (unternahm viel mit Kindern einer befreundeten Familie, Haustiere, diverse „Projekte“ mit Musik und Kunst) und stellte Ihre gefühlte Grandiosität nicht in den Mittelpunkt, versteckte sie eher. Oft beginnt das Ausnutzen und Erniedrigen erst, wenn die Verliebtheit verzogen ist und nicht mehr genug Anerkennung erzeugt wird. Dann wundert man sich über seltsame Streitereien und dass sie zu so vielen Sachen immer Hilfe braucht, die man dann auch gewährt. Das wird immer alles irgendwie begründet und dann ist alles erstmal wieder schön, für kurze Zeit. Die Vielfältigkeit narzisstischen/antisozialen Verhaltens ist unglaublich groß und für normal denkende Menschen kaum fassbar (lügen, schauspielern, manipulieren, verwirren, verunsichern, abhängig machen). Wenn man dann keine Ahnung hat, dass das ein krankhaftes manipulatives Verhalten ist, braucht man lange um sich von dem einst so tollen Menschen zu lösen. Irgendwann wird einem bewusst, dass irgendwie gar kein Verständnis, Mitgefühl oder Dankbarkeit mehr da ist. Dann geht man, aber hat viele Jahre verschenkt und ist sehr vor den Kopf gestoßen.

    Erst nach der Trennung las ich von den Eigenheiten der Cluster-B-Störungen und dann wusste ich was mir passiert war. Ob es nur antisoziale oder narzisstische Menschen sind, ihre Partner sind nicht zu beneiden. Natürlich gibt es immer Persönlichkeitstypen die besonders in das „Beuteschema“ passen. Das sind verständnisvolle, sozialverträgliche, hilfsbereite und vielleicht manchmal auch selbstwertgestörte Personen. Natürlich gehören zu einer Beziehung immer zwei, aber ich finde es wichtig, soziales und antisoziales Verhalten unterschiedlich zu gewichten. Antisoziales Verhalten ist nicht akzeptabel, seelische Manipulation ist nicht akzeptabel und emotionaler Missbrauch (welcher durchaus subtil fast unmerklich passiert) ist auch nicht akzeptabel.

    Indem man den geschädigten Partnern 50% der Schuld an der gescheiterten Beziehung und den Problemen danach gibt, verteidigt man antisoziales Verhalten. Das verurteile ich! Das ist meine Meinung!

    Viele Grüße, Daniel

  7. Hallo Daniel,
    ich kann Ihre Wut mit dem zugrundeliegenden Schmerz gut verstehen, weil ich sowas aus eigener Erfahrung kenne. Was Ihre Aussage betrifft „Antisoziales Verhalten ist nicht akzeptabel, seelische Manipulation ist nicht akzeptabel und emotionaler Missbrauch (welcher durchaus subtil fast unmerklich passiert) ist auch nicht akzeptabel“, stimme ich Ihnen vollkommen zu. Natürlich sind solche Verhaltensweisen nicht akzeptabel!

    Denn sie bringen das Gegenteil von Liebe zum Ausdruck. Und gegenseitige Liebe, Wertschätzung, Vertrauen und Respekt für die individuellen Eigenschaften, Bedürfnisse, Gefühle und Probleme des Partners mit daraus resultierendem Verständnis/Rücksichtnahme sollten die Basis sein in einer Partnerschaft auf Augenhöhe, in der beide den selben Wert und dieselben Rechte haben.

    Aber erlauben Sie mir (die in keiner Weise vorwurfsvoll gemeinte) Frage: warum haben Sie diese Verhaltensweisen dann toleriert und akzeptiert? Sie haben das alles schließlich zugelassen.
    Darauf brauchen Sie aber jetzt nicht mir antworten, sondern einfach nur sich selbst mal diese Frage stellen und selbstkritisch/ehrlich nach der Antwort in sich suchen und sich eingestehen. Ich bin sicher, Sie finden die Antwort oder kennen Sie vielleicht sogar bereits.

    Sie und Ihre Bedürfnisse und Befindlichkeiten sind genauso viel wert und genauso wichtig wie die von der Frau. Und wenn Sie dies verneinen und sich selbst und Ihre Belange für weniger wichtig/wertvoll halten sollten, dann wäre das ein sehr bedeutsamer Lösungsansatz für Ihr Stillhalten und Tolerieren des inakzeptablen Verhaltens Ihrer damaligen Freundin, den Sie hinterfragen könnten (Ursachenlegung in Kindheit).

    Sie hätten alles Recht der Welt gehabt, Ihre anscheinend immer wiederkehrenden Irritationen, Verunsicherungen, Zweifel und vermutlich auch mal verständliche Gereiztheit, Unzufriedenheit und unterschwelligen Aggressionen, die durch das Verhalten der Frau ausgelöst wurden, offen und ehrlich anzusprechen und ihr zu sagen, was es in Ihnen auslöst, wie Sie sich dabei fühlen, daß Sie eine bestimmte Sache nicht tun möchten, auch mal keine Zeit oder Lust haben, um ihr zu helfen etc.

    Mir erscheint es so, als wenn Ihre Freundin Sie immer wieder ausgenutzt und manipuliert hat – viele Frauen können dies recht subtil, das stimmt – um sich einen Vorteil zu verschaffen. Auch dafür gibt es Gründe, warum/wodurch sie so geworden ist. Und vielleicht ist ihr dieses Verhalten gar nicht richtig bewußt, und sie hat gelernt, daß sie damit durchkommt und erfolgreich ist. Und was Erfolg bringt, setzt man in der Regel weiter fort (Lernpsychologie).

    Aber hier kommen Sie in Spiel und Ihr 50%-Anteil am Geschehen – in einer Paarbeziehung sind es immer 50%, bei einer Dreierbeziehung hätte jeder 33%, in einer Vierer-WG z.B. hätte jeder 25% Verantwortung zu tragen. Es geht hierbei also nicht um die Bewertung, ob ein bestimmtes Verhalten unsozial, gemein, rücksichtslos, verletzend etc ist oder nicht. Es ist eine rein rechnerische Grundlage (Logik) – wobei ich nicht von Schuld geschrieben hatte (dieser Begriff ist nur bei Straftaten zutreffend), sondern von einer Mitverantwortung. Das ist ein Unterschied.

    Ich meine damit die Eigenverantwortung, die jeder Mensch für sich selbst und sein Leben trägt, denn Sie sind maßgeblich derjenige, der sein Leben inhaltlich gestaltet. Oder wollen Sie immer nur derjenige sein/bleiben, der auf andere REAGIERT, anstatt auch mal selbst zu AGIEREN?
    Als von den Eltern abhängiges Kind konnten Sie es nicht, hatten gar nicht die Chance und Fähigkeit dazu. Aber heute als Erwachsener hätten Sie die Möglichkeit und haben vorrangig die Pflicht, sich selbst gegenüber, es sich selber rechtzumachen und so zu handeln und zu leben, daß SIE sich damit wohlfühlen!
    Als Erwachsener haben Sie einen freien Willen, können zu etwas/jemandem Ja oder Nein sagen, können bei Bedarf Grenzen ziehen, um sich zu schützen und auf Ihre eigene Befindlichkeit achtgeben und immer wieder hinterfragen, ob der Kontakt mit einem bestimmten Menschen oder eine bestimmte Situation Ihnen guttut oder nicht.

    Es ist keinesfalls Ihre Aufgabe als Freund/Partner, es Ihrer Freundin/Partnerin immer recht zu machen und ihr JEDEN Wunsch zu erfüllen und ständig bei allem zu helfen und ihr alles abzunehmen, nur weil sie lieb und nett darum bittet oder Sie sonstwie manipuliert. Wenn Sie das mitmachen und der Meinung sind, daß man sowas tun muß, wenn man jemanden liebt, dann haben Sie bisher noch nicht erfahren dürfen, was Liebe wirklich ist – so wie die meisten Menschen – und wie man sie lebt bzw. wie es sich anfühlt, wenn man wahrhaftig geliebt wird.

    Ich behaupte, daß mindestens 90% aller Beziehungen überhaupt nichts mit Liebe zu tun haben, sondern ein Tauschgeschäft sind, bei dem einer oder beide laufend Bedingungen stellen und etwas vom anderen haben möchten (Aufmerksamkeit, Zuwendung, Hilfe, Anerkennung, Lob, Respekt, Geld, Wohnung, Sicherheit etc), wofür sie eine Gegenleistung bieten. Das ist aber keine Liebe, sondern ein Handel. Liebe will und verlangt niemals etwas! Wenn Ihre Freundin von Ihnen Anerkennung haben wollte, dann ist es nicht Ihre Aufgabe, ihr diese zu geben. Anerkennung, Liebe, Respekt und Wertschätzung kann man immer nur in sich selbst finden und sich selber geben! Das kann man daran erkennen, daß es niemals reicht, was man vom anderen bekommt. Es tut immer nur im Augenblick gut für kurze Zeit, aber bald braucht man wieder eine Portion davon, immer und immer wieder. Das ist eine endlose Spirale. Kein anderer Mensch ist jemals fähig, die eigenen Mangelzustände aufzufüllen, erst recht dann nicht, wenn er selber im Mangel lebt und auch nichts zu geben hat.

    Ja ich weiß, wenn man verliebt ist und die Hormone verrückt spielen, fällt es manchmal schwer, so klar und konsequent zu sein. Aber das brauchen Sie sich nicht selbst vorwerfen, und Ihr Verhalten war auch kein Fehler. Menschen und häufig auch Therapeuten reden gerne von gemachten Fehlern im Leben und was sie alles bereuen und hätten anders/besser machen sollen. Mittlerweile halte ich das für oberflächlichen Unsinn. Denn dank Literatur/Vorträgen von Robert Betz habe ich vor einigen Jahren erkannt, daß es gar keine Fehler gibt. Es gibt nur Erfahrungen! Und jeder Mensch kann immer nur so denken/handeln/entscheiden, wie es seinem jeweils aktuellen Erkenntnis- und Entwicklungsstand entspricht. Mehr oder etwas anderes geht doch gar nicht! Man kann ja nichts tun, was man gar nicht weiß bzw. einem bewußt ist.

    Mit dem heutigen Wissen würde man vielleicht anders handeln, wenn man nochmal in solch eine vergleichbare Situation kommen würde. Und genau deshalb war diese schwierige Beziehung für Sie absolut nicht vergeblich und verlorene Zeit, sondern ganz im Gegenteil! Sie war sogar extrem wertvoll für Ihre Persönlichkeitsentwicklung, schließlich sind Sie vermutlich schon längere Zeit dabei, sich mit der Auswertung, Ihren Wunden und gewissen Kranheitsbildern zu beschäftigen und haben einiges für sich erkannt und hinzugelernt. Sie sind dadurch ein Stückcken gewachsen, und das kann Ihnen niemand mehr nehmen. Wenn alles in der Beziehung super gelaufen wäre und Sie sich ganz entspannt und friedlich getrennt hätten, hätten Sie diese Möglichkeit des Wachstums nicht bekommen.

    Leider sind es immer die besonders schmerzhaften Erfahrungen, die das größte Potenzial an Weiterentwicklung und Heilung beeinhalten. Nur wenn man noch mittendrin steckt im Schmerz oder Chaos, dann ist man meist noch nicht fähig, den Sinn und das Wertvolle hinter dem Schmerz zu erkennen. Erst mit zunehmendem, bewußtem Verarbeitungsprozeß und zeitlichem Abstand, gfs. auch mithilfe eines einfühlsamen Psychotherapeuten mit neutralem Blick von außen und Gesprächsmöglichkeit – kann man rückblickend irgendwann den Sinn erkennen und im besten Fall das Geschehene wirklich annehmen und dazu innerlich sagen „Ja, es hat alles seine Richtigkeit“, vielleicht sogar mit Dankbarkeit für das daraus Gelernte, und das neue Wissen und das dazugewonnene Stück Selbstwertgefühl in eine etwaige neue Beziehung mitnehmen.

    Meine Überzeugung und Erfahrung ist auch, daß es keine Zufälle im Leben gibt und man immer genau den Partner hat bzw. unbewußt anzieht, der gerade beim aktuellen Entwicklungsstand passend und hilfreich ist und mit dem man gewisse Lernaufgaben lösen soll.

    Vielleicht sind meine nur für Sie geschriebenen Anregungen irgendwie hilfreich.
    Für Ihren weiteren Weg wünsche ich Ihnen viele wertvolle Erkenntnisse, Erfahrungen und Heilungsschritte. Nehmen Sie sich in Gedanken mal selbst liebevoll in die Arme, und seien Sie
    stolz darauf, wieviel Angst und Schmerz Sie in Ihrem Leben schon ausgehalten haben! Sie haben alles durchgestanden und überlebt! Das zeugt von enormer Kraft in Ihnen und ist eine außergewöhnliche Leistung, die Ihnen erstmal jemand nachmachen muß!!
    Rena

    • Wahnsinn. Ich bin wahrlich begeistert über ihre in allem stimmige Selbstreflektion. Ich dagegen ecke an und kann den ihrigen Inhalt nur mit einer Pistole an den Mann bringen, was dann natürlich zu Kopfschütteln führt (liegt daran, dass ich verletzter Narzisst bin, zusätzlich an HSP und an Hochbegabung leide, was ja laut dem Schrei der msse in der KOmbi gar nicht möglich ist, steht aber in meinem Arztbrief… lustig, gell, dass Menschen, die mich nicht kennen, vorgeben mehr Ahnung zu haben, als meine behandelnen Ärzte, die den Quatsch sogar studiert haben).
      Ich danke Ihnen liebe Rena jedenfalls dafür, für ihre Worte. Ich habe einen Absatz von Ihnen übernommen und werde sie, wenn sie es wünschen auch zitieren, denn diese Worte, fand ich einfach nur wunderbar!
      Liebe Grüße im Advent
      Daniel S. B.

      • Hallo Daniel S.B.,
        vielen Dank für Ihre wertschätzende Begeisterung. Freut mich, daß ich mit meinen langen Ausführungen in meiner individuellen Art gleich zwei sogenannte Narzissten erreichen und etwas Positives bewirken konnte. Dann waren die über zwei Stunden Zeit und Energie, die ich für den Beitrag aufgewendet hatte, ja keine vergebliche Mühe 😉 Ich war einfach meiner stärksten Kraft in mir (Intuition) gefolgt, wie ich es immer tue, und vertraute darauf, daß es einen Sinn haben wird, so viel zu schreiben.

        Sie dürfen natürlich gerne Teile davon verwenden… wo eigentlich? Und welchen Absatz meinen Sie? Ob Sie ihn als Zitat kennzeichnen oder als Ihre eigene Schöpfung ausgeben… diese Entscheidung möchte ich gern Ihnen überlassen. Mit welcher Variante fühlen Sie sich wohler?
        Stimmen Sie sich doch bitte mal in einer ruhigen Minute auf mich und meinen Artikel ein und das Gefühl, welches Sie beim Lesen hatten… dann stellen Sie sich selbst diese Frage, schalten den Kopf ausnahmsweise mal aus und fühlen einfach nur in Ihr Herz… Ich glaube, Sie werden es fühlen können…

        Wenn Sie beim Vermitteln von Inhalten häufiger anecken und Kopfschütteln oder konfliktreichen Widerstand bzw Gegenaggression ernten und sich selbst öfter in die Lage bringen, sich entschuldigen zu wollen/müssen, dann wäre es vielleicht in der Tat einen Versuch wert, die bedrohliche Pistole mal in der Tasche zu lassen und stattdessen der Weg der sog. gewaltfreien Kommunikation zu gehen, bei der man mit Empathie, Respekt und großer Bewußtheit die Sätze formuliert und sich entsprechend Zeit dafür nimmt, denn oft kann ein einziges Wort eine entscheidende Wirkung haben und den bedeutenden Unterschied ausmachen, ob der Empfänger den Inhalt als persönlichen Angriff/Vorwurf, Beleidigung oder Verurteilung auffasst oder nicht. Ich bemühe mich immer sehr, aber kann natürlich nicht garantieren, daß mir nicht auch mal eine Unachtsamkeit passiert. Und manches läuft ja auch unbewußt ab.
        Der Begriff „Gewaltfreie Kommunikation“ ist allgemein gebräuchlich, so daß Sie bei Interesse einiges darüber im Internet finden.

        Von echten Narzissten wird immer gesagt, daß sie keinerlei Fähigkeit zur Selbsterkenntnis und Einsicht haben, sich immer im Recht fühlen und sich erst recht niemals entschuldigen würden oder können. Bei Ihnen lese/sehe ich aber genau das Gegenteil, Sie machen sich viele Gedanken, haben sich gerade bei Oliver öffentlich entschuldigt – dafür mein Kompliment! – so daß ich Ihnen wünsche, daß Oliver Ihre Entschuldigung uneingeschränkt annehmen kann und nichts Negatives zwischen Ihnen beiden bestehen bleibt.
        Viele Grüße und eine schöne Weihnachtszeit für Sie,
        Rena

        • Liebe Rena,

          danke für deine weiteren reflektierten Worte. Dem ist von meiner Seite aus nicht viel hinzufügen. Beim Lesen konnte ich nur kopfnickend bei fast jedem deiner Sätze zustimmen.

          Ja, ich kann die Entschuldigung von Daniel annehmen – auch wenn mich diese Achterbahnfahrt von Angriff/Vorwurf und Entschuldigung/Einsicht zum Teil sehr nervte und anstrengte. Ich war mehr als einmal davor, Daniel hier keinen Raum mehr zu geben und allgemein den Kontakt zu ihm zu beenden. Aber wie du sehe ich grundsätzlich das Gute im Menschen, den wahren Kern hinter all den Verletzungen. So sehe ich auch bei Daniel eine gewisse Fähigkeit zur Einsicht, Empathie und Selbstreflexion, was, wie du es ja richtig gesagt hast, bei den meisten „richtigen“ Narzissten überhaupt nicht vorhanden ist. Nun mag es manche LeserInnen geben, die das alles nur als Taktik/Strategie von Daniel deuten – mag sein. Ich kann es nicht beurteilen und vertraue auf meine Intuition. Deshalb steht von meiner Seite aus nichts Negatives mehr zwischen ihm und mir und ich kann es annehmen. Und trotzdem werde ich bei allen weiteren Konversationen mit ihm sehr wachsam und achtsam bleiben!

          Und by the way: Ist die Weihnachtszeit oder allgemein Weihnahten nicht ein Symbol für Vergebung, Einsicht und Verbindung?

          Eine besinnliche und friedliche Weihnachtszeit für dich,
          Oliver

  8. Hallo Rena,

    ich kann Ihnen schon einmal versichern, dass ich keine Wut empfinde.
    Weder für meine Exfreundin noch für Sie. Ich versuche mit der Situation nach außen möglichst rational umzugehen. In mir selbst sieht es natürlich nicht so geordnet aus. Leider äußern sich bei mir Aggressionen oder Frust eher als Trauer und Niedergeschlagenheit, weniger als Wut. Manchmal wünschte ich das wäre anders.

    Sie schreiben selbst, dass die Basis für eine Partnerschaft gegenseitige Liebe, Wertschätzung, Vertrauen und Respekt für den Partner ist. So sehe ich das auch. Ich habe so gut es mir möglich war versucht, diese Dinge in meiner Partnerschaft umzusetzen..

    Im übrigen hab ich viele meiner eigenen Bedürfnisse und Wünsche auch in meiner Partnerschaft weiterhin ausgelebt bzw. umgesetzt. Ich habe nie meine Freunde und Familie vernachlässigt und immer auch viel unternommen und mich engagiert, auch allein ohne Partner. Das war mir immer heilig und das hat sie auch akzeptiert. Eingeengt war ich nicht und deshalb habe ich mir alles, was mich ausmacht (Freunde, Familie, Job, Wohnung) auch nach der Trennung erhalten. In einer Partnerschaft hat man aber eine enge Bindung und man gibt aufgrund von Vertrauen und Respekt auch sein inneres Preis, was natürlich massiv Angriffsfläche bietet. Man rechnet ja nicht mit solchem missbräuchlichen Verhalten von einem Menschen, dem man vertraut.

    Warum ich antisoziales Verhalten zugelassen habe? Weil ich gar nicht gemerkt/gewusst habe, dass es antisoziales Verhalten ist. In jeder Beziehung gibt es Streit und Probleme. Das hält einen schon sehr lange bei der Stange. Viele Lügen und Täuschungen kann man auch gar nicht entlarven. Das klappt dann erst später, wenn man misstrauischer wird. Die Mikroattacken und Erniedrigungen sind so subtil, man weiß gar nicht, warum man sich so mies und unausgeglichen fühlt. Es ist manchmal nur ein Gesichtsausdruck, ein spezielles Wort oder eine Formulierung, nichts wirklich Greifbares. Es wird auch alles irgendwie verdreht, als ob man selbst sich unklar ausgedrückt hat. Missverständnisse hab ich das immer genannt. Es ist aber eigentlich Provokation, bis man selbst die Fassung verliert und laut wird, oder beleidigend. Das hat sie selbst bei mir (siehe ersten Absatz) geschafft und es mir dann immer vorgehalten. Klar, da hatte ich mich nicht mehr im Griff, die Schuld muss ich auf mich nehmen. Ich bin froh, dass ich nie gewalttätig wurde.

    Aber ich habe natürlich irgendwann gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Ich konnte es nur nicht einordnen (ich war allein immer ausgeglichener, hatte Angst vor der gemeinsamen Wohnung). Das war eigentlich der Punkt, wo ich die Beziehung hätte beenden müssen. Wir waren aber gerade erst zusammengezogen. Das war für mich ein Unding. Aber es stimmt auch, dass ich nicht aufgeben wollte. Eine gewisse Schwäche und Engstirnigkeit meinerseits war auf jeden Fall dabei. Ich wollte unbedingt durchhalten, eine Familie gründen und meine Zukunft mit Ihr gestalten. Dieses Bedürfnis hat mich gelähmt. Und meine Persönlichkeitsstruktur hat auch einen großen Anteil. Ich habe ein starkes Bedürfnis nach Bindung. Ich bin nicht gern allein, schöpfe in einer Beziehung Kraft. Mit meinen Freunden und im Job bin ich auch allein wertgeschätzt und anerkannt, kann mich durchsetzen und das auch jetzt, als Single. Aber mein Liebesleben ist meine Achillesferse, das war es schon immer. Ich denke, dass da wohl ein Selbstwertproblem vorliegt. Daran muss ich arbeiten und das will ich jetzt auch tun. Ob allein oder mit Hilfe wird sich zeigen.

    In der Hinsicht möchte ich Ihnen Recht geben. Ich trage auch einen großen Anteil selbst. Dessen bin ich mir bewusst und das ist auch meine Baustelle, für die nächsten Monate und Jahre. Meine Exfreundin kann ich nicht ändern, nur mich selbst. In der Hinsicht kann man die Ereignisse auch als lehrreiche Erfahrung verbuchen und das tu ich für mich auch erst einmal.

    Aber leider gibt es tausende Beziehungen von so einer destruktiven Art und die wenigsten Betroffenen wissen, was mit Ihnen passiert. Ich will lieber nicht wissen, wie viele Menschen nach jahrelangem seelischen Missbrauch Suizid begehen oder in einer Psychiatrie landen. Meine Tante ist durch Mobbing arbeitsunfähig geworden. Eine Bekannte hatte 4 Jahre Therapie wegen ihrer letzten Beziehung (hab ich erst kürzlich erfahren) wobei ich anhand ihrer Schilderung sehr an meine eigenen Erfahrungen denken musste.

    Ich habe selbst studiert, lese viel und würde behaupten, ein gutes Allgemeinwissen zu haben. Leider habe ich erst vor ca. 4 Monaten das erste Mal vom NPS gehört. Entweder hatte ich einfach Pech oder das Thema ist „unwichtig“ oder „tabu“ in den Medien. Wieso gibt es so wenig Aufklärung über gefährliche Persönlichkeitsstörungen, seelischen Missbrauch und Mobbing. Wieso denken alle bei dem Wort „Psychopath“ immer an durchgedrehte Kannibalen und nicht evtl. auch mal an Ihren despotischen manipulierenden Chef? Vielleicht kann man ja mit ein wenig mehr Aufklärung auch weniger selbstbewusste Menschen zu den Themen antisoziales Verhalten / emotionaler Missbrauch sensibilisieren. Nicht jeder Mensch ist total willensstark und selbstbewusst und wird es auch nicht mit einem Fingerschnipp werden. Da kann vielleicht ein bisschen Wissen verhindern, dass sie von solchen destruktiven Verhältnissen (die man eben manchmal schwer als solche erkennt) in den Abgrund gerissen werden.

    Und genau da sind wir bei Oliver und seinem BLOG, der ja seinen Schwerpunkt auf Hochsensibilität gelegt hat. Eine Art Gegenpart zu- und damit im „Beuteschema“ von NPS.

    In der Hinsicht ging es mir in meinem letzten Kommentar zu Ihrem Kommentar gar nicht so sehr um mich selbst. Was passiert ist, ist passiert. Jetzt muss ich das Beste daraus machen. Es ging mir eher um das Prinzip, dass bei antisozialen Verhalten eben moralische Normen ausgehebelt und der Betroffene getäuscht wird.

    Viele Grüße
    Daniel

    PS: Robert Betz‘ Theorien halte ich für sehr kontrovers. Dass alles Leid selbsterzeugt sein soll ist für mich eine untragbare Hypothese. Gerade in den Fällen von Kriminalität oder Krankheit absurd. Auch im Fall von seelischem Missbrauch ist das absurd. Wir Menschen sind soziale Wesen und streben Bindung an. Daher kann die Verletzung oder Kränkung durch nahestehende Menschen nicht spurlos an einem (normalen Menschen) vorbeigehen. Oder hab ich da etwas falsch verstanden?

  9. Wir alle fordern / wünschen uns Empathie und Verständnis für unsere Gedanken und Gefühle. Gilt dieser Wunsch, dann nicht automatisch auch für andere. Wir dämonisieren Menschen (z.B. Narzissten), die uns nicht gut tun und aus unserer Sicht böse sind. Damit dämonisieren wir aber auch uns, und hemmen die Möglichkeit, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Wir schließen es geradezu aus, dass wir nicht in der Lage sind, unser eigenes, kleines verletztes Kind zu schützen oder ihm das zu geben, was es brauch. In erster Linie fängt man damit an, wie in vielen Zitaten und Sprüchen beschrieben, sich selbst zu verändern, wenn man etwas verändern möchte. Und es hilft wirklich, im ersten Moment der Verletzung, einen Schritt zurück zu gehen, durchzuatmen, und dann das ganze aus der Beobachterperspektive zu betrachten. In der Therapie habe ich gelernt meine emotionalen Kompetenzen zu schulen. Ich muss zugeben, dass mir progressive Muskelentspannung nur bedingt geholfen hat. Ich bin eher der intellektuelle Typ, deswegen konnte ich mit Achtsamkeit und Gefühlsanalyse aus der Beobachterperspektive deutlich mehr anfangen, was nicht heißt, dass progressive Muskelentspannung bei anderen Menschen nicht hilfsreich sein kann. Jeder hat die Möglichkeit auszuprobieren und dadurch zu entdecken oder zu erkennen, was ihm oder ihr am besten hilft, denn das muss unser Ziel sein. Unser Ziel muss sein, dass es uns gut geht und aus meiner Sicht gelingt dies nicht, wenn wir im Außen kämpfen und die Schuld bei anderen suchen, sondern indem wir die Verantwortung übernehmen, uns der Freund zu sein, den wir gerade am meisten brauchen.

    Lieber Oliver,
    ich habe dich zuletzt massiv angegriffen. Ich war unangemessen und gekränkt. Dafür entschuldige ich mich hiermit. Der Grund war, dass Du etwas in mir ausgelöst hast. Du hast meiner Meinung nach zu wenig differenziert. Dissozialität hat nichts mit Narzissmus zu tun. Leider kam dies in deinem Beitrag so rüber. Narzissten sind wie Nina und Daniel beschrieben haben, wie kleine Kinder, die wütend auf den Boden stampfen (Donald Trump ist ein gutes Beispiel), obwohl in Wahrheit große TRaurigkeit dahinter steht, sie aber nie gelernt haben, diese richtig zu zeigen, weil sie das entweder nicht durften oder weil Ihnen eingeredet wurde, dass Traurigkeit ein falsches Gefühl ist, welches man dringend überdecken sollte (Der Grandiose Narzisst ist geboren). Ich habe mich angegriffen gefühlt, habe mir den Schuh angezogen und es auf mich bezogen (das tun wir Narzissten leider sehr oft).
    Jedenfalls bitte ich Dich darum, beim nächsten Artikel noch mehr zu differnezieren. Es gibt keinen klassischen Narzissten. Und man sollte vorsichtig sein, jemanden als Narzissten zu betitelt, der in Wahrheit vllt sogar Borderline, HSP oder etwas anderes hat, was von Außen nur wie Narzissmus aussieht (Asperger z.B.)

    Anbei ein Zitat von Dr. Claas Hinrich Lammers, ärztlicher Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikum Nords in Hamburg Ochsenzoll:
    „Mit dem Wort Narzissmus wird so umgegangen, als wäre es eine leere Coladose, die man durch die Gegend schießen kann. Jeder der arrogant oder überheblich auf andere wirkt oder besonders Selbstbewusst auftritt ist gleich ein Narzisst. Narzissten sind wir alle. Aber krank ist man erst, wenn das Umfeld oder der Betroffene selbst darunter leidet. „

    • Hi Daniel,

      deinen ersten Absatz habe ich als sehr reflektiert wahrgenommen.

      Ich habe bei all meinen Artikeln sehr viel Mühe darauf gelegt, zu differenzieren! Und natürlich ist es so, dass ich fortwährend dazulerne. Insofern ja, auch durch deine Kommentare, und weitere Lektüre/Austausch ist mir klar geworden, dass es nicht DEN einen Narzissten gibt. Und das dieses Wort viel zu schnell und oft gebraucht wird. Wenn du dich erinnerst, in dem Artikel zitiere ich einen Satz aus einem großen Leitartikel im Spiegel: „Narzissten, das sind immer die anderen“.

      Das sehe ich genauso, ja, kann es sogar aus meiner eigenen Biographie erkennen, da ich auch einer derjenigen war, der sehr schnell bei anderen den Stempel „Narzisst“ aufdrückte. Der Satz von Dr. Lammers drückt es sehr schön aus: „krank ist man erst, wenn das Umfeld oder der Betroffene selbst darunter leidet!“ Doch leider gibt es hier einige Fälle, wo das genau zutrifft.

      Insofern ja. Bei künftigen Artikel über Narzissmus werde ich dieses weitere Verständnis mit einfließen lassen. Wobei ich noch einmal anmerken möchte, nur so am Rande, dass dies hier kein reiner Narzissmus-Blog ist. Gerade ist es ein Schwerpunkt, weil es mich einfach interessierte, und ich es für wichtig erachte, aber es wird sicherlich wieder Artikel zu anderen Themen geben.

      Viele Grüße, Oliver

  10. Liebe Freunde von Donald Trump,
    Donald Trump erinnert mich an ein kleines Kind, welches wütend mit dem Fuß auf dem Boden stampft, wenn es nicht seinen Willen erfüllt bekommt. Sein Weltbild scheint gestört oder zumindest verzerrt. Ob das auf die Umstände seiner Kindheit zurück zu führen ist, in denen er anfangs verhätschelt wurde und später dann von seinem Vater zum Militär geschickt wurde, ist nicht undenkbar. Dass er mit seinem Verhalten bei vielen Menschen aneckt, ist ebenso nicht zu verleugnen. Aber ob er jetzt deswegen ein Psychopath ist oder ein bewusst böser Mensch ist, der sich nicht im Griff hat und keine Gedankenkontrolle hat, möchte ich stark anzweifeln. Mit Sicherheit hat er einige krankhafte narzisstische und vielleicht auch dissoziale Anteile, aber dies zu beurteilen, überlasse ich dann doch eher den Fachleuten.

    In den Medien jedenfalls ist Donald Trump als Psychopath verschrien, was meiner Meinung nach auch auf die einseitige Berichterstattung zurück zu führen ist. Wie er als Ehemann und Vater ist, wissen wir nämlich nicht. Ihn mit Psychopathen wie Ted Bundy oder Adolf Hitler zu vergleichen, halte ich für sehr weit hergeholt, denn noch ist Donald Trump nicht als Massenmörder in Erscheinung getreten. Seine im Wahlkampf teilweise diffusen und realitätsfremdelnden getroffenen Aussagen, lassen auch viele Räume für Spekulation offen, was für ein Charakter sich hinter diesem Menschen verbirgt. Dennoch würde ich nach wie vor vorsichtig mit einer Ferndiagnose umgehen oder den Medien zustimmen wollen, dass es sich bei Donald Trump um einen bösen Menschen handelt, der das Ziel hat, anderen Menschen bewusst zu schaden, sie zu manipulieren oder sie zu zerstören. Ich persönlich halte ihn für dumm, weil wie er sich jetzt nach der Wahl verhalten hat, zeugt nicht mehr von politischer Souveränität, die ihm bei der Arbeiterklasse Sympathiepunkte einbrachte. Dass er dazu noch auf einen bekannten rassistischen Berater setzt, bestätigt mich in meiner Annahme, dass er zumindest dissoziale Anteile hat, weil er eben nicht in der Lage war vorausschauend zu planen oder zu denken.
    Am Anfang als das Wahlergebnis bekannt wurde, habe ich noch an einen Scherz geglaubt, kurz darauf dann hielt ich seine Reden für politisches Kalkül, welches ihn dann zum Wahlsieger machte. Mittlerweile aber glaube ich nicht mehr, dass dieses Wahlergebnis noch nach dem 19. Januar Bestand haben wird und er somit ins weiße Haus einziehen wird.

  11. Liebe Rena,
    Du fragst in deinem Kommentar vom 7.12. warum man sich der psychischen Gewalt eines Narzissten freiwillig aussetzt und das zulässt – kann ich Dir gerne beantworten: Weil man sich dessen extrem lange nicht bewusst ist!

    In meinem Fall habe ich 15 Jahre eine sehr erfüllende Partnerschaft mit meinem Mann geführt. Er war zwar schon immer ein „bisschen speziell“, aber ich habe auch Macken und gerade dieses etwas anders sein, hat uns eine fast symbiotische Beziehung führen lassen. Mein Mann hat mich geachtet, mit Respekt behandelt, wir konnten stundenlang gute Diskussionen über verschiedenste Themen anregend führen, er war mir gleichzeitig mein bester Freund und innigster Vertrauter. Niemals hätte ich für möglich gehalten, dass dieser Mann mich aufs Schlimmste psychisch misshandeln würde.

    Auslöser war rückblickend betrachtet, dass eine dritte Person in unsere symbiotische Beziehung kam, die unser „Gefüge“ komplett durcheinandergebracht hat – das war mir damals aber nicht bewusst. Mein Mann hat sich sehr schleichend verändert und ich habe sehr lange nicht begriffen, was da abläuft. Ich habe es auf eine „Phase“ geschoben oder eine Art Midlifecrises und war der Meinung, dass das schon wieder vorübergeht. Ich habe ihm sehr viel verziehen, weil ich es eben mit dieser „Phase“ entschuldigt habe. Das Ganze gipfelte dann in unkontrollierten Wutausbrüchen mit Sachbeschädigungen (alles immer zu Hause – in der Öffentlichkeit hatte er sich fast immer unter Kontrolle), Drohungen mir gegenüber, ausgelebten Racheglüsten an mir (z.B. mein Handy als gestohlen zu melden und solche Scherze…) und einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Dort ist die Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gestellt worden. Er akzeptiert diese Diagnose natürlich nicht und weist irgendwelche narzisstischen Verhaltensweisen weit von sich.

    Erst seitdem ich über diese Diagnose Bescheid weiss und mich eingehend mit dem Thema beschäftigt habe, werden mir rückblickend ganz viele Dinge klar. Der ganze seelische Missbrauch, all die Manipulationen usw. Ich habe mir das von ihm bieten lassen, weil ich ihn als verwirrt wahrgenommen habe, weil ich irgendwann mal gesagt habe „In guten und in schlechten Tagen“, weil ich nicht glauben konnte, dass dieser geliebte Mann sich in so ein A…. verwandelt hat, weil ich nicht akzeptieren konnte, dass ich ihn nicht retten kann. Es ist da ganz viel Verdrängung im Spiel, ein Nicht-Wahrhaben-Wollen des Zustandes, eine Unfassbarkeit darüber, dass einem gerade der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Aber in der Situation konnte ich das gar nicht begreifen – ich war mit Überleben beschäftigt. Erst jetzt sehe ich das klarer.

    Ich bin immer noch in einem Prozess, ob ich mich trennen soll oder mich dem stelle und versuche ein Leben mit einem Narzissten zu führen. Wobei mir klar ist, dass das sehr, sehr schwer ist.

    Liebe Grüsse

  12. Ich finde deinen Artikel sehr gut geschrieben. Du hast dich mit diesem Thema einfach auseinander gesetzt. Ich persönlich bin Hochsensibel. Dein Beitrag hat mir meine Augen geöffnet. Ich wusste das mein Vater der „böse“ Narzisst ist. Aber eben auch meine Mutter. Sie kann es nur besser verkaufen. Das witzige ist, dass sie sich selbst für Hochsensibel hält. Interessant sind die einzelnen Verhaltensweisen. Bleibe ich Selbstreflektiert oder schiebe ich alle einfach auf mein Umfeld und vergifte es. Ich fühle mich sehr verstanden von dir. Jeder der Hochsensibel ist weiss was das bedeutet. Und mit Narzisstischen Menschen leben zu müssen ist die Hölle auf Erden. Das ist wie wenn man in einer Lichtuberfluteten Grossraumdisco steht und grad ein Vulkan explodiert.
    Die Reize sind zu viel
    Und hin und wieder dachte ich, ich werde verrückt.
    Hochsensibel ist eine Aufgabe fürs Leben.
    Narzissmus ist die Aufgabe für andere.
    Ein Hochsensibeler lässt nicht sein Umfeld für ihn leiden.
    Er leidet zum teil nur wegen dem Umfeld und oftmals nicht mal für seine eigenen Gefühle
    Ich habe Narzissten noch nie leiden sehen. Zumindest ziehen sie dich vorher nochmal mit bevor sie jemals wenn überhaupt alleine unter gehen.

    Vielen Dank für diesen wundervollen Beitrag
    Ich sehe die Hochsensibilität als Fluch und Segen zu gleich
    Wobei ich aber wenn ich auf die Gesellschaft treffe, mehr an Fluch denke
    Umso so schöner ist es auf Menschen zu treffen die verstehen was man selbst fühlt

    Alles liebe für dich
    Von ganzem Herzen

  13. Hi,
    Ich sehe sehr wohl, dass man hochsensibel und doch gleichzeitig narzisstisch sein kann. Ich z. B. habe Phasen, wo ich mich nicht abgrenzen kann von Gefühlen und wo mich alles überflutet, was wohl bei Borderlinern oft der Fall ist und dann gibt es wieder Phasen, wo meine NPS zum Vorschein kommt und man nur noch eher mangels Empathie andere verletzt, sobald man kritisiert wird. Eine gesunde Mitte gibt es so kaum.
    Gruß Manu

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