Die narzisstische Persönlichkeit: Ein Ur-Schrei nach nicht erhaltener Liebe

Fühlst du dich oft angegriffen und gekränkt?
Kannst du schwer mit Kritik umgehen?
Hast du Menschen in deinem Umfeld, die alles kontrollieren und andere manipulieren wollen?

Im heutigen Beitrag wende ich mich einem sehr heiklen und auch persönlichen Thema zu: der narzisstischen Persönlichkeit.

Es ist mein bisher längster Artikel!

Folgende Fragen sollen darin erörtert werden:
Was genau macht eine narzisstische Persönlichkeit aus?
Wie erkennt man eine narzisstische Persönlichkeit?
Gibt es einen Unterschied zwischen einem „gesundem“ und krankhaften Narzissmus?
Wie verbreitet ist der (pathologische) Narzissmus in unserer Gesellschaft?
Welchen Zusammenhang gibt es mit Hochsensibilität?

Das Thema Narzissmus beschäftigt mich schon seit einigen Jahren. Zudem stolpere ich über das Thema Narzissmus in letzter Zeit immer wieder: bei mir selbst, in meinem Umfeld, im virtuellen Kontakt mit anderen Bloggern und in den (sozialen) Medien. Aus meiner Perspektive scheint es geradezu allgegenwärtig zu sein, ein Phänomen unserer (postmodernen) Zeit.

Mein Ansatz ist es, dass Thema Narzissmus von allen Seiten zu beleuchten. Das heißt für mich, die Sichtweise der Betroffenen (oder Opfer) eines Narzissten UND die Sichtweise des Betroffenen selbst zu ergründen. Ich möchte die Unterschiede zwischen normalen narzisstischen Zügen, die wir alle haben, und denen einer behandlungsbedürftigen Persönlichkeitsstörung aufzeigen.

Wenn ich mich zum Thema Narzissmus in den (sozialen) Medien so umschaue, ob Onlineartikel oder Facebook-Gruppen, finde ich fast ausschließlich Berichte von Opfern von Narzissten. Ganze Webseiten oder Facebook-Gruppen widmen sich ausschließlich dem Umgang mit Narzissten, an welchen Merkmalen man sie erkennt oder wie man sich am effektivsten vor ihnen schützen kann. Verstehe mich bitte nicht falsch: Solche Seiten sind vollkommen berechtigt und wichtig. All diese Tipps und Warnzeichen kann ich absolut nachvollziehen, weil das Leben mit einer ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeit wahrlich kein Zuckerschlecken ist (worauf ich noch kommen werde). Er kann einen das Leben aus diversen Gründen wahrlich zur Hölle machen.

Oftmals fehlte mir bei meinen Recherchen aber etwas. Mir fehlte das Verständnis für den Betroffenen selbst. Für den Menschen mit einer ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Ein heißes Eisen, das ist mir vollkommen klar. Gerade für Opfer und Verfolgte eines Narzissten wird ein Verständnis nur sehr begrenzt vorhanden sein – aus nachvollziehbaren Gründen. Wie gesagt: Wie so oft in meinen Arbeiten, geht es mir um eine Darstellung von beiden Seiten.

Warum? Weil ein Mensch mit einer ausgeprägten narzisstischen Störung damit nicht zur Welt kommt. Er wird im Laufe seiner frühesten Kindheit dazu gemacht, und zwar aufgrund massivster emotionaler Vernachlässigungen, gegen die er sich in diesem Alter in keinster Weise wehren konnte. Er ist seinen engsten Bezugspersonen vollkommen ausgeliefert gewesen.

Ein gewisses Maß an gesundem Narzissmus (erst recht für uns Hochsensible) ist vollkommen normal und sogar wichtig, um unsere Grenzen zu wahren und einfach mal „nur an sich zu denken.“

Wir sehen: Narzissmus betrifft uns also alle in der einen oder anderen Form. Die entscheidende Frage ist hierbei: Wo verlaufen die Grenzen zwischen den normalen und pathologischen Zügen eines Narzissmus?

Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Artikel dem einen oder anderen etwas auf die Füße treten werde (allen voran natürlich einem Narzissten!). Ich wage es trotzdem. Also, gehen wir es an. Und fangen wir am besten ganz am Anfang an.

Wie entsteht eine narzisstische Persönlichkeit?

Um die Ursachen unserer Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu verstehen, müssen wir ganz tief in unsere Psyche hinabsteigen. Oftmals ist es einfach so, dass wir für die Erforschung unserer heutigen Verhaltensweisen als erwachsene Menschen an unserer Kindheit nicht vorbeikommen. Dies gilt für viele Themen, wie zum Beispiel einer Bindungsangst, und das gilt insbesondere auch für eine narzisstische Persönlichkeit. Es ist nun mal so, dass in den ersten Jahren unseres jungen Lebens die wichtigsten Grundpfeiler für unser weiteres Leben angelegt werden, allen voran was Bindungsfähigkeit, Selbstwertgefühl und emotionale Regulation angeht. In gewisser Weise ist das tragisch, weil wir in dieser Zeit komplett auf das Wohlwollen und die Zuwendung von unseren engsten Bezugspersonen (Eltern, Großeltern, etc.) angewiesen sind, sprich, unsere ganze weitere Entwicklung hängt in dieser prägenden Zeit von anderen ab. Von der ihrem Wohlwollen und eigenen Reife. Unter anderem deshalb liegt mir eine zeitgemäße, von Zuwendung und gelebter Liebe geprägte Erziehung von Kleinkindern so am Herzen.

Allgemein gilt der Satz: Umso früher eine Vernachlässigung oder Traumatisierung stattfand, umso schwerer ist diese später zu behandeln oder überhaupt erst mal aufzudecken.

In der aktuellen Forschung geht man von einem Zusammenspiel von biologischen, psychischen und Umwelt bezogenen Faktoren für die Entstehung einer narzisstischen Persönlichkeit aus. Neben einer gewissen genetischen Veranlagung, die jedes Kind bei seiner Geburt mitbringt, sind aber vor allem die glücklichen oder unglücklichen Umstände in der Kindheit und die liebevolle Zuwendung durch die Eltern für die weitere Entwicklung der inneren Anlagen und vor allem der Entstehung eines positiven Selbstwertgefühls maßgebend.

Zwei unterschiedliche Ursachen

Bei der Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeit mangelt es meistens in frühester Kindheit (0-5 Jahren) an Zuwendung und Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit und Liebe sowie Interesse und Verständnis durch die Eltern. Soweit war mir das auch bekannt und hielt das für die Hauptursache einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Doch nach meinen Recherchen wurde ich eines besseren belehrt: „Es kann sich aber auch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickeln, wenn das Kind mit Liebe und Aufmerksamkeit überschüttet und mit allen Dingen des Lebens verwöhnt wird. Beide Erziehungsweisen wirken sich auf das Kind negativ aus, wobei das Ausmaß immer individuell entsteht, abhängig von der Disposition des Kindes, die es mit auf die Welt bringt und den Veranlagungen und dem Einwirkungsgrad der Eltern, insbesondere der Mutter. Damit sich das Selbstwertgefühl und die eigene Individualität des Kindes stabil entwickeln kann, muss das Kind in seinen Bedürfnissen unterstützt werden. Sieht es sich aber gezwungen, seine Bedürfnisse zu unterdrücken und sich der Außenwelt anzupassen oder kann es seine Bedürfnisse in extremer Weise ungehemmt ausleben, weil es keine Begrenzung erfährt, dann kann dies die Ursache für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sein.“

Es gibt also zwei Ursachen für die Entstehung einer narzisstischen Persönlichkeit:

  • Ein Mangel an Zuwendung, Beachtung und Verständnis seitens der Eltern, wodurch das Kind nicht so geliebt wird, wie es ist und sich zeigt. Wird ein Kind nicht um seiner selbst willen geliebt, sondern nur aufgrund gewünschter Verhaltensweisen, kommt es irgendwann zu der Überzeugung, dass mit ihm etwas nicht in Ordnung sei, dass es verkehrt sei. Für die kindliche Seele (und die Ausbildung der Individualität) gleicht  dieses Gefühl einem Erdbeben. Das Kind fühlt, dass es nicht liebenswert ist, sonst würde es ja von seinen Eltern Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren. Dass dieser Mangel an Liebe an den Eltern liegen könnte, darauf kann ein Kind nicht kommen. Das Kind lernt, dass es die (über)lebenswichtige Liebe und Aufmerksamkeit nur dann erhält, wenn es sich anstrengt und anpasst, es sich so verhält, wie es erwartet wird, wenn es brav und lieb ist. Langsam aber sicher beginnt das Kind immer öfters sich schuldig zu fühlen, seine kindliche Seele kann einfach nicht verstehen, warum es keine Liebe und Wertschätzung seiner selbst willen erfährt, seine Eltern sich im nicht zuwenden – ohne irgendwelche Erwartungen an sein Verhalten. „Es kann nur an mir selbst liegen, weil ich etwas verkehrt mache, weil ich verkehrt bin und mich nicht genügend anstrenge, um die benötigte Aufmerksamkeit zu erhalten“, ist der dahinterliegende Glaubenssatz, der sich immer mehr festsetzt. Es liegt auf der Hand (und ist gleichzeitig so bedauerlich): Ein Kind, dass solchen Erfahrungen ausgesetzt ist, kann nicht lernen, sich selbst zu lieben. Wie auch, wenn es selbst nie geliebt wurde. Es entsteht ein immenser (unterdrückter) Selbsthass. Dieser Hass ist für die kindliche Seele dermaßen schmerzhaft und unerträglich, dass das Kind ihn gleichzeitig nur verdrängen und projizieren (übertragen) kann. Es würde sonst daran regelrecht zugrunde gehen. Die Wurzeln für eine narzisstische Persönlichkeit sind gelegt. Das Kind entwickelt ein negatives Selbstbild („Ich bin falsch“), mit entsprechenden destruktiven Gedanken und Glaubenssätzen, dessen es sich auch später als Erwachsener (Narzisst) selten bewusst ist. Der Narzisst sehnt sich aber nach wie vor danach, von jemanden bedingungslos geliebt zu werden, obgleich er in der Kindheit gelernt hat, nicht liebenswert (falsch) zu sein. Diese bedingungslose Liebe (oder Ur-Vertrauen) bekommt das Kind in den ersten Monaten von der Mutter. Der Säugling hat eine symbiotische Verbindung zu der Mutter. Er möchte über die Mutter verfügen und von ihr gespiegelt werden. Der Säugling will die bedingungslose Wärme, Nähe und Liebe der Mutter spüren. Das ist sein Geburtsrecht, das ist in seinen Genen angelegt. Der Säugling erwartet diese Bedingungslosigkeit. Empfängt das Kind hingegen die Ängste der Mutter, deren eigenes Leid oder deren Erwartungen an ihn, so orientiert es sich an dem, was die Mutter braucht und spaltet seinen eigenen Gefühlen und Empfindungen ab. Für den Moment ist dies die „Rettung“. Doch zahlt das Kind dafür einen hohen Preis. Diese „Überlebensstrategie“ hindert nämlich das Kind daran, es selbst zu sein. Seine eigenen Bedürfnisse können nicht ausreichend integriert werden. Fortan braucht es für das eigene Wohlbefinden die permanente Bestätigung von außen.
    Das Kind (und der spätere Erwachsene) haben sich selbst verloren. Insofern können wir sagen, dass das süchtige Verlangen nach Aufmerksamkeit und Bewunderung im späteren Leben eines Narzissten nichts anderes als ein sehnsüchtiger Aufschrei des Säuglings ist. Ein Aufschrei nach der in der Kindheit vorenthaltenen Liebe. Nach einer Liebe ohne Bedingungen und Erwartungen.
  • Doch dann gibt es noch das andere Extrem. Diese Ursache war mir bisher neu, oder nicht in diesem Ausmaß bekannt. Eine narzissstische Störung kann sich danach auch durch eine Überversorgung oder Verwöhnung des Kindes ausbilden. Im ersten Moment hörte es sich für mich nach einem Widerspruch zu dem eben Gesagten an (Mangel an Aufmerksamkeit). Doch dann leuchtete es mir ein und mir fielen Beispiele aus meinem Umfeld ein.
    Wird ein Kind von seinen Eltern abgöttisch geliebt, bewundert oder idealisiert, lernt es nicht, Schwierigkeiten zu ertragen, mit Frustationen und Niederlagen umzugehen und Kränkungen zu verkraften. Die Bewunderung und die bevorzugte Behandlung wird es als lebensbestimmenden Faktor nehmen, was die Eitelkeit und das Gefühl der eigenen Großartigkeit, aber auch die Kränkbarkeit bei Missachtung fördert. Es sieht sich als Einzigartig und Besonders an. Oftmals sind solche Kinder überbehütet, die Mutter sehr dominat, der Vater abwesend. Gerade Jungen müssen oftmal als „Partnerersatz“ für die Mutter herhalten (erst recht wenn es in der Ehe kriselt). Ein solch abgöttisch geliebtes Kind, das keine Begrenzungen (Nein aus Liebe) erfahren hat, hat im späteren Leben große Schwierigkeiten, mit Problemen umzugehen. Es verhält sich hilflos und findet keine geeigneten Lösungen. Es ist gewohnt, dass andere (wie einst die Eltern) ihm die Probleme abnehmen oder vom Leib halten.
    Auch im Erwachsenenalter wird es seine Position als Hauptfigur genießen und kompromisslos ausleben. Selbst wenn die Eltern sicherlich versucht haben, in bester Absicht zu handeln, dem Kind so viel der wichtigen Liebe wie möglich mitzugeben, so führt dieser antiautoritäre Erziehungsstil dazu, dass die Eltern von ihrem Kind nicht mehr als eigenständige Individuen mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen werden. Aufgrund einer falschen Vorstellung von Liebe seitens der Eltern erfährt das Kind keine emotionale Resonanz und kann sein Verhalten folglich nicht spiegeln. Da es in seinen Eltern keine Respektspersonen sieht, an dem es sich orientieren kann, wird es auch später im Alter kaum Wertschätzung (und Mitgefühl) seinen Mitmenschen gegenüber entgegenbringen.

Egal, welche der beiden Ursachen wir für die Heranbildung einer narzisstischen Persönlichkeit nehmen, beiden ist gemein, dass eine fehlgesteuerte Liebe (in die eine oder andere Richtung) in frühester Kindheit zugrunde lag. Abgesehen von einer gewissen genetischen Disposition des Kindes, haben wir gesehen, dass eine narzisstische Persönlichkeit nicht damit geboren wird, sondern aufgrund seiner frühesten Sozialisation durch sein Umfeld dazu gemacht wird. Das soll keine Entschuldigung (oder „Ausrede“) für einen ausgewachsenen Narzissten sein, aber zumindest eine Erklärung.

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Gibt es einen gesunden Narzissmus (Egoismus)?

Ja! Aber hier muss man äußerst genau hinschauen, um nicht in eine weitere Narzissmus-Falle zu tappen und die Begriffe genau differenzieren.

Soeben haben wir die Ursachen eines pathologischen Narzissmus kennengelernt. Für mich drängt sich gerade die Frage auf, ob es in unserer Entwicklung als Erwachsene so etwas wie einen gesunden oder normalen Narzissmus gibt? Falls ja, was diesen von einer ausgeprägten Persönlichkeitsstörung unterscheidet?

Nach meinen Recherchen ist mir klar geworden, dass es bei dieser Unterscheidung ganz elementar ist, genau hinzuschauen und keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen. Die beiden Begriffe, die bei einer richtigen Unterscheidung von patholoigschen und gesunden Narzissmus von tragender Bedeutung sind, sind Selbstliebe und Selbstverwirklichung. Der Paartherapeut Hilmar Benecke schreibt dazu: “ Ist Narzissmus mit übersteigerter Selbstliebe gleichzusetzen? Nein, da Narzissmus sich gerade durch die Abwesenheit eines gesunden Maßes an Selbstliebe auszeichnet. Man könnte ihn auch als eine Kompensationsform für mangelnde Selbstliebe bezeichnen. Vielleicht wird man dem Phänomen Narzissmus am ehesten gerecht, wenn man ihn mit „Selbst-Verliebtheit“ übersetzt. Denn genau so wenig wie Verliebtheit mit Liebe zu tun hat, hat Selbst-Verliebtheit mit Selbstliebe zu tun.“

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Bild: Orlanda by pixelio.de

Selbstliebe definiert sich als das uneingeschränkte Annehmen seiner selbst in Form einer bedingungslosen Liebe und ist eine wichtige Voraussetzung für die Beziehungen zu anderen Menschen und zur Welt. Genau diese uneingeschränkte Liebe hat ein krankhafter Narzisst aber nie erfahren. Daher lässt sich Selbstliebe auch klar vom Egoismus oder Narzissmus abgrenzen, denn während ein Egoist nur an sich selbst denkt und dabei über Leichen geht, ist ein sich selbst liebender Mensch stets darum bemüht, sein Ich, seine Wünsche und Bedürfnisse mit seinem Umfeld in Einklang zu bringen. Einem krankhaften Narzissten geht der Eigennutz vor Gemeinwohl und wenn er liebt, dann nur, um selber geliebt zu werden. Von daher ist es nicht zutreffend, von einem krankhaften Narzissmus zu sprechen, sondern eher von einer guten Portion Selbstlliebe, wenn man an sich und seine Bedürfnisse denkt, diese mit seinem Umfeld in Einklang bringen möchte, auch wenn man dabei einmal keine Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse seines Umfelds nimmt (Partner, Kollegen, Freunde). Mit einem Satz: Wenn man für sich sorgt und seine Bedürfnisse kommuniziert – was gerade uns Hochsensiblen oftmals immens schwer fällt. Es kommt auf das rechte Maß an.

Menschen mit einem rechten Maß an gesunder Selbstliebe oder einem stabilen Selbstwertgefühl zeichnet aus, dass sie Rückschläge, Niederlagen und auch Kritik erfahren können, ohne das sie dabei sofort sich als Person oder ihren Wert komplett in Frage stellen. Sie haben eine harmonische Ausstrahlung, ruhen in sich selbst und wirken ausgeglichen. Sie strahlen Verbindlichkeit und Wärme aus, sind gefestigt und stehen zu ihren Überzeugungen. Auf der einen Seite können sie geben, aber auch gleichermaßen nehmen. Sie sind tolerant und verständnisvoll anderen gegenüber, bleiben standfest und haben ein gesundes selbstbewusstes Auftreten ohne jegliche Form der Überheblichkeit. Sie sind Stolz auf die eigenen Leistungen und freuen sich über das Erreichte.

Das Streben nach Selbstverwirklichung und Anerkennung ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, welches in jedem von uns angelegt ist. Es ist also völlig unzureichend und nicht gerechtfertigt, einen Menschen als „Narzissten“ zu bezeichnen, der dieses Bedürfnis nach außen hin lebt und kommuniziert. Oftmals wird diese Verhaltensweise aber zu schnell mit einseitigem Egoismus oder Arroganz gleichgesetzt. (gerade auch bei uns Hochsensiblen, wenn wir uns vorzeitig zurückziehen oder auf unsere Belastungsgrenzen achten). Hier muss man aber, will man den Unterschied zwischen einem gesunden und krankhaften Narzissmus richtig verstehen, sehr sorgfältig differenzieren. Ohne die konstruktive Seite dieser Energie kann menschliches Zusammenleben nicht funktionieren. Gesunder Narzissmus ist der Motor jeder Entwicklung, Leistungsfähigkeit, Widerstandskraft, Kreativität und jeden Fortschritts.

Leider ist es so, dass der Unterschied zwischen einem gesunden und krankhaften Maß an Narzissmus auf den ersten Blick schwer zu erkennen ist. Krankhafte Narzissten können nämlich nach außen hin ebenso sehr selbstbewusst wirken, ja, man erhält den Eindruck, dieser Mensch ist mit sich im Reinen, er liebt sich, wer er ist. Ein echter Narzisst hat Erfolg, kann sich abgrenzen und steht zu seinen Überzeugungen, er setzt sich durch. Doch der Schein (oder eher die Fassade) trügt. Dieser Artikel von Tim beschreibt sehr prägnant, woran man echtes Selbstbewusstsein erkennt, und wie es sich von dem „Selbstbewusstsein“ eines Narzissten unterscheidet.

Bei einem Menschen mit einer narzisstischen Störung kann man nicht von Selbstliebe sprechen. Eher von Selbst-Verliebtheit. Wie auch? Wie wir gesehen haben, hat er als Kleinkind diese bedingungslose Liebe niemals erfahren. Deshalb kann man ihn diesem Zusammenhang auch nicht von einem gesunden Narzissmus oder einer gesunden Selbstliebe sprechen. Alle Mittel und Verhaltensweisen, die eine narzisstische Persönlichkeit nach außen hin einsetzt, dienen lediglich der Kompensation des erlittenen Liebesverlustes. Der Kaschierung des dahinterliegenden, tiefsitzenden Minderwertigkeitsgefühls. Der bereits erwähnte Paartherapeut Benecke plädiert sogar dafür, die beiden Begriffe gesunder Narzissmus und gesunde Selbstliebe strikt voneinander zu trennen: „Die Selbstliebe richtet sich aufs Selbst, das heißt unter anderem: Zufriedenheit durch Sinneserfahrungen, Verbundenheit mit dem Sein, Genusserleben ohne Bedingung. Narzissmus dagegen dient dem Ego, das heißt Behauptung (und damit Schutz) von Persönlichkeit/ Identität sowie Hervorhebung von individuellen Stärken, Leistungen und Erfolgen. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung als Extremform des individuellen (gesunden) Narzissmus zeichnet sich insbesondere durch ein diffuses Minderwertigkeitsgefühl aus. Die damit zusammenhängende Anerkennungs- und Liebesbedürftigkeit dient der Kompensation.“

Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeit

Das Wort Narzissmus ist in unserer Zeit in aller Munde. Immer wieder wird unsere heutige Gesellschaft als eine narzisstische bezeichnet, in der die Leistungs- und Wachstumsideale in Wirtschaft und Politik narzisstische Tendenzen in allen Lebensbereichen geradezu fördert. Erfolg, Leistung und eigennütziges Handeln sind die Schlachtrufe einer Leistungsgesellschaft. Im weiteren Verlauf werde ich auf diese Auswirkungen noch eingehen. Doch zunächst halte ich es für sehr wichtig, den mittlerweile landläufigen Begriff „Narzissmus“ von einer ausgeprägten narzisstischen Störung im Sinne des DSM (Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen)  zu unterscheiden. Dieses Klassifikationssystem wird von jedem Psychotherapeuten zur Bestimmung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung herangezogen. Allzu oft passiert es nämlich, dass wir in unserem Umfeld Menschen mit vermeintlich narzisstischen Zügen entdecken, und ihnen sofort den Krankheitsstempel „Narzisst“ aufdrücken. (ja, auch ich habe das schon gemacht). Wie wir aber gesehen haben, gilt es hier genau hinzuschauen, da es nämlich durchaus Formen einer gesunden Selbstliebe gibt (die wiederum gerade für uns Hochsensible wichtig ist).

Um im Sinne des DSM von einer narzisstischen Persönlichkeit zu sprechen, müssen mindestens 5 der folgenden Kriterien erfüllt sein:

    1. Die Betroffenen haben ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit. Sie übertreiben zum Beispiel ihre Leistungen und Talente oder erwarten ohne entsprechende Leistungen, von anderen als überlegen anerkannt zu werden.
    2. Sie sind stark von Phantasien über grenzenlosen Erfolg, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe eingenommen.
    3. Sie glauben von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein. Deshalb sind sie überzeugt, nur von anderen „besonderen“ oder hochgestellten Menschen verstanden zu werden oder nur mit diesen Kontakt pflegen zu müssen.
    4. Sie benötigen exzessive Bewunderung.
    5. Sie legen ein hohes Anspruchsdenken an den Tag. Das bedeutet, dass sie die übertriebene Erwartung haben, dass automatisch auf die Erwartungen eingegangen wird oder dass sie besonders günstig behandelt werden.
    6. Sie verhalten sich in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, das heißt, sie nutzen andere aus, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.
    7. Sie zeigen einen Mangel an Einfühlungsvermögen, das heißt, sie sind nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen, zu akzeptieren oder sich in sie hineinzuversetzen.
    8. Sie sind häufig neidisch auf andere oder glauben, andere seien neidisch auf sie.
    9. Sie zeigen arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten.

unsplash_64_caleb bettsWeitere, wesentliche Charakterausprägungen einer narzisstischen Persönlichkeit sind:

  • eine übertriebene Selbstbezogenheit,
  • ein unersättliches Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung,
  • ein – zumindest zeitweise – ins Grandiose tendierendes Selbstbild,
  • starke Schwankungen zwischen Idealisierung und Entwertung
  • Kontrollbedürfnisse und Machtstreben,
  • ein empfindlich gestörtes Selbstwertgefühl als Wunde, zu deren Behandlung die o.g. Bestrebungen und Bedürfnisse dienen.

Das wirklich perfide an dieser Persönlichkeitsstörung ist, dass sie lange Zeit für das (nähere) Umfeld nicht zu erkennen ist. Ein ausgeprägter (krankhafter) Narzisst ist ein wahrer Meister des Schauspiels, der aufgesetzten Masken, vorgetäuschten Gefühle und vor allem von diversen Macht- und Manipulationsinstrumenten. Dabei kann er blitzschnell seine Taktik ändern und variieren. Wie ein Chamäleon kann er sein situatives Verhalten ändern, sich den Begebenheiten anpassen. Er benutzt andere Menschen für seine Zwecke, sieht sie eher als Objekte als eigenständige Subjekte, mit eigenen Gefühlen, Anschauungen und Werten. All dies setzt ein Narzisst ein, um sich seines (nicht vorhandenen) Wertes sicher zu sein, keine Kritik oder Ablehnung zu erfahren, da diese ihn in seinen Grundfesten erschüttern würde. Ein weiteres, oft angewendetes Mittel, ist die permanente Abwertung von anderen. Ein Narzisst kann es nicht ertragen, wenn andere mehr Erfolg, Ansehen oder Anerkennung erhalten, wiederum aus Gründen des nicht vorhandenen Selbstwertes.

Hier eine kleine Auswahl an Instrumenten und Taktiken, wie ein Narzisst sein Umfeld beeinflussen und manipulieren kann:

    1. Sanftes Verhalten: Ausspielen des Charmes, Überzeugen durch sachliche Argumente, gute und wenn nötig auch verführerische Manieren einsetzen, rhetorisches Geschick, faires, aber hartnäckiges Diskutieren und Verhandeln, leichtes manipulieren, versteckte Kritik, Verwendung überzeugend klingender Unwahrheiten oder Gerüchte, Verteilung von Lob und Komplimente.
    2. Leidendes Verhalten: Bitten und notfalls auch Betteln, Verständnis und Loyalität einfordern, ans Gewissen appellieren, Mitleid erzeugen, Krankheiten und Schicksalsschläge vorspielen oder übertrieben darstellen, schluchzen und weinen, heulen, beleidigt sein.
    3. Lautes Verhalten: Fluchen, Wutausbrüche, Tobsuchtsanfall, schreien, brüllen, ungeduldig, gereizt, aggressiv, panisch, hitzig, kreischend.
    4. Aggressives Verhalten: Kritisieren, Drohen, Beleidigen, Einschüchtern, Beschuldigen, Vorwürfe machen, die Glaubwürdigkeit des anderen in Frage stellen, vor anderen schlecht machen, stures Schweigen, keine Beachtung dem anderen schenken, Geringschätzung, Ausgrenzung, Verachtung, Zynismus, Lügen, Spott, Ironie, Intrige, Abweisung von Schuld, Herabsetzungen, Entwerten, Unterjochung, anprangern, leugnen, verbales Verdrehen, emotionales Erpressen, Bluffen.
    5. Manipulatives Verhalten: Tatsachen vortäuschen, mit falschen Fakten argumentieren, Zeitdruck aufbauen, nicht verstehen wollen, blockieren und ausweichen, Informationen filtern, schlechtes Gewissen einreden, Erklärungen verweigern, überzeugend falsche Behauptungen aufstellen.

All diese Techniken setzt ein Mensch mit einer narzisstischen Persönlichkeit zur Destabilisierung und Manipulation des Anderen ein. Das verleiht ihm Macht und Kontrolle und somit Sicherheit vor Ablehnung. Dabei geht es sehr behutsam und wohl dosiert vor. Er hat sich unter Kontrolle und hält lange Zeit den Anstand und die Fassade. Nur wenn er sich emotional angegriffen fühlt, oder seine „sanften“ Instrumente nicht mehr wirken, kommt die kalte und bösartige Seite eines Narzissten zum Vorschein. Dann geht er über Leichen und kennt kein Pardon und Erbarmen mehr (fehlendes Mitgefühl). Die Scham und Angst vor zu offensichtlicher Böswilligkeit ist völlig außer Kraft gesetzt. Dieser zügellose, bösartiger Narzissmus ist dann der Nährboden für Kriege, Gewalt und rücksichtslose Ausbeutung.

Behandlung und Therapie einer narzisstischen Persönlichkeit

Die Behandlung und Therapie eines Narzissten ist äußerst schwierig. Ein ausgeprägter Narzisst versperrt sich in der Regel gegen jegliche Art von Hilfe und Beistand, weil er sich in seinen Augen ja für grandios und einzigartig hält. Was soll denn bitteschön an ihm verkehrt sein? Er ist so mit seinem falschen Selbst, all seinen Masken und Fassaden, identifiziert, dass er überhaupt keinen Grund sieht, sich in einen Therapeutenstuhl zu setzen. Er hat sich von seinem wahren Selbst, welches mit unendlichem Schmerz verbunden ist, komplett abgeschnitten. Damit aber auch von seiner Verletzlichkeit und Bedürftigkeit (die unter der Fassade nur so brodelt). Wahrscheinlich wird es sogar so sein, dass gut gemeinte Ratschläge aus seinem Umfeld, die eindeutige Merkmale eines krankhaften Narzissmus erkannt haben, sofort mit Widerstand und Kritik abgelehnt werden. Ein Narzisst empfindet sein Verhalten in keinster Weise als problematisch oder gar behandlungsbedürftig. Höchst wahrscheinlich wird er sogar im Zuge der Projektion (Abwehrmechanismus) seinem Gegenüber ein krankhaftes und problematisches Verhalten vorhalten (vielleicht sogar eine narzisstische Störung), und ihm dringend eine Therapie anraten!

Nein, es bedarf erst einer tiefen narzisstischen Krise, eines Schicksalsschlag (Kündigung, Scheidung, Schulden, Niederlagen etc.), damit sich ein Narzisst in eine Therapie begibt. Der Leidensdruck muss hoch genug sein. Doch selbst dann ist eine adäquate Behandlung der eigentlichen Störung schwierig. Eine narzisstische Persönlichkeit erwartet nämlich von dem Therapeuten eine bevorzugte Behandlung und kommt nicht, um geheilt zu werden, sondern um mit den Lebensschwierigkeiten besser umgehen zu können. Er hat ja im Grunde gar kein Problem mit der Persönlichkeitsstörung, er fühlt sich wohl in dieser Rolle und nimmt die Therapie lediglich an, um ein noch besserer Narzisst zu werden. Deshalb bedarf es für eine halbwegs erfolgreiche Therapie eines ausgesprochen erfahrenen und selbst reflektierten Therapeuten. In der Therapie wird der Narzisst nämlich den Therapeuten entweder übertrieben überhöhen (idealisieren) oder gnadenlos abwerten (je nachdem, wie gut der Therapeut das Manipulationsspiel des Narzissten mitspielt). Er gibt vor, alles besser zu wissen und glaubt, mindestens über dieselben Fähigkeiten und demselben Wissen zu verfügen wie der Therapeut. Für einen Therapeuten ist es daher anfänglich sehr ratsam, einem Narzissten nicht als allwissender und überlegener Fachmann zu begegnen, sondern als gleichberechtigter Mensch mit Fehlern und Schwächen.

Aufgrund dieses Verhaltens und der frühen Traumatisierung ist eine endgültige Heilung eines Narzissten kaum möglich. Es ist schon ein Erfolg, wenn sich das empathische Gefühl gegenüber den Mitmenschen verbessert und der Narzisst sich den Auswirkungen seines Verhaltens bewusster wird. Des Weiteren sollte ein Narzisst in einer Therapie lernen, seine eigenen Ansprüche zu reduzieren, sich zurückzunehmen, eine gewisse Anpassung an die Umgebung zu üben und die Probleme nicht nur bei anderen, sondern auch bei sich selber zu suchen.

Die narzisstische Gesellschaft?

Wir haben nun ausführlich die Ursachen, Charakteristika und Behandlungsmöglichkeiten einer narzisstischen Persönlichkeit kennengelernt. Beim Schreiben dieses Beitrages, aber auch schon in vorherigen Artikeln, stellte ich mir immer wieder die Frage: Leben wir in einer Zeit, die geradezu ein Nährboden zur Herausbildung eines krankhaften Narzissmus ist? Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz warf diese Frage schon in seinem lesenswerten Buch (Die narzisstische Gesellschaft*) im Jahre 2013 auf. In diesem Zeit Interview beschreibt er anschaulich, wie unser exzessiver Konsum mit einem pathologischen Narzissmus zusammenhängt, und warum die Politik und Wirtschaft so anfällig für ausgeprägte Narzissten ist.

Nach meinen Beobachtungen der letzten Jahre und aufgrund der umfangreichen Recherche für diesen Artikel, würde ich diese Frage eindeutig mit Ja beantworten! Was passiert mit jungen Menschen und ihrem Selbstbild in Zeiten von ewiger Talentsuche (Popstars, Deutschland sucht den Superstar, Germany’s next Topmodel, etc.)? Was passiert mit jedem Einzelnen in einem Arbeitsumfeld, in dem es nur noch um Leistung, Erfolg, Selbstaufgabe, Ausbeutung, Wille und Loyalität geht? In dem ein regelrechter Überlebenskampf herrscht und nur die weiter (nach oben) kommen, die gnadenlos ihre Ellenbogen ausfahren, kontrollieren, manipulieren und intrigieren. Was passiert mit Kinderseelen, wenn Eltern schon im Kindergartenalter Angst haben, dass ihr Kind nur „Durchschnitt“ ist, nicht genügend Förderung und Ausbildung erfährt, und deshalb irgendwann abgehängt wird?

Der deutsche Sozialpsychologe Hans-Werner Bierhoff spricht sogar von einer regelrechten „ICH-Inflation“. Sie habe sich so stark entwickelt, weil die sozialen Normen in den letzten 50 Jahren in den westlichen Kulturen stark abgenommen hätten. In diesem Vakuum konnte sich ein „offensiver“ Narzissmus ideal verbreiten. Als Orientierung dienen den Jugendlichen Vorbilder im Show- und Popbusiness – sie werden in eine narzisstische Gesellschaft hinein sozialisiert. Nach Ansicht des Psychologen Beat Stübi (2011) war der Narzissmus noch nie so verbreitet wie heute, denn in aktuellen Untersuchen zeigt jeder vierte Studierende erhöhte Narzissmus-Werte. Er verortet den Ursprung der narzisstischen Entwicklung nicht so sehr in einem Mangel an Aufmerksamkeit und Zuneigung in der Kindheit, sondern dass auch das Gegenteil von mangelnder Aufmerksamkeit zu Narzissmus führen kann: Verwöhnung. „Welche Eltern aus der Mittelschicht halten ihr Kind heute für nur ‚durchschnittlich‘? Viele heutige Kinder lernen, dass sie etwas Besonderes sind und sich alles um sie dreht. Wenn sich das überdurchschnittliche ‚Talent‘ dann im Laufe des Lebens nicht bewahrheitet, bleibt nur die Flucht in die ‚Illusion‘, um den Selbstwert nicht zu gefährden.“

Fazit

Wir sind am Ende angelangt. Es war eine lange Reise. Und ich danke dir schon jetzt für deine Aufmerksamkeit. Aus dem Artikel über das komplexe Thema Narzissmus ist eher schon ein Essay geworden. Mir war ein umfassendes Grundlagenverständnis zu diesem Thema sehr wichtig. Der Artikel „gärte“ über vier Monate in mir. Und soll ich dir was sagen? Ich hatte große Bedenken, mich an das Thema heranzuwagen. Zum einen, wegen den möglichen Reaktionen von ausgeprägten Narzissten, die den Artikel lesen (Stichwort: Kritikfähigkeit & Wut). Ich weiß von einer Bloggerin, die nach der Veröffentlichung ihres Narzissmus-Artikels massiv bedrängt wurde, solange, bis sie den Artikel wieder offline nahm. Daran magst du die Brisanz dieses Themas erkennen. Zum anderen, und das besorgte mich noch mehr, hatte ich Angst, mich in einigen Punkten wieder zuerkennen – was auch geschah. Und vielleicht ging es dir beim Lesen bis hierher genauso? Doch ich kann dich (und mich!) beruhigen: Jeder von uns hat bis zu einem gewissen Grad narzisstische Tendenzen, diese werden auch benötigt, um unseren Selbstwert zu regulieren. Ab wann es pathologisch (behandlungsbedürftig) wird, ist dir hoffentlich durch die weiter oben skizzierten Beschreibungen klar geworden.

Nach der Recherche und dem Schreiben, habe ich einen ganz neuen Blick auf das Thema Narzissmus bekommen. Zum einen, was meine eigenen narzisstischen Tendenzen angeht. Mir sind diese nun viel bewusster. Zum anderen habe ich ein ganz neues Verständnis für einen ausgeprägten Narzissten erhalten. Im Grunde ist solch ein Mensch nur zu bedauern, ja ein Stück weit empfinde ich sogar Mitgefühl für ihn, weil Narzissmus ein Ur-Schrei nach nicht erhaltener Liebe ist, der mit allen Mitteln verdeckt wird! Wie wir gesehen haben, hat ein Narzisst früheste traumatische Erfahrungen erlebt, mit denen er damals nicht umgehen konnte. Das ist keine Entschuldigung, dass er als Erwachsener sein Umfeld kontrolliert, manipuliert und mitunter auch terrorisiert. Aber zumindest eine Erklärung. Wenn der Artikel ein wenig zum Verständnis der Ursachen und den Behandlungsmöglichkeiten dieser schwerwiegenden Persönlichkeitsstörung beigetragen hat, hat er seine Aufgabe erfüllt. Gleichzeitig habe ich natürlich vollstes Verständnis für die Opfer eines ausgeprägten Narzissten, die unter seiner Art viel Leid ertragen müssen! Dieser lesenswerte Artikel interpretiert Narzissmus als Chance – und zwar für beide: für den Narzissten selbst und seinem Umfeld (z.B. Partner).

In den letzten zwei Jahren habe ich einige hochsensible Menschen kennengelernt. Bei manchen hatte ich den Eindruck, dass sie sich das „Etikett“ HSP um den Hals hängen, um sich nicht mit tieferliegenden Problemen (wie z.b. einer narzisstischen Störung) auseinanderzusetzen. Ich plädiere immer wieder dafür, und tue das auch jetzt wieder, genau hinzuschauen, was Veranlagung und was ein altes Trauma ist. Und sich mit beiden angemessen auseinanderzusetzen. Ich selbst tue das auch! Erst dann ist ein befreites und erfülltes Leben möglich. Daher lautet mein Credo zum Schluss: Sei ehrlich – mit dir selbst und deinem Umfeld!

Hast du dich in den einen oder anderen Punkt wiedererkannt?
Hast du eine narzisstische Persönlichkeit in deinem Umfeld oder Beziehung?
Ich freue mich auf deinen ehrlichen und konstruktiven Kommentar dazu!

 

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Quellen:
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOGNITIVEENTWICKLUNG/Narzissmus.shtml
https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/persoenlichkeitsstoerungen/narzissmus/
http://www.mensch-und-psyche.de/formen-der-liebe/narzissmus/
http://www.mensch-und-psyche.de/formen-der-liebe/narzissmus/die-narzisstische-persoenlichkeit/

Bildnachweise:
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Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker. Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit. Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

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128 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein Thema für sich.
    Ich hatte bis vor 3 Jahren eine Affäre mit einer verheirateten Frau, die ich schwersten Herzens beendete. Daraufhin fiel ich ins tiefste Loch meines bisherigen Lebens, aus dem ich mich nur mit großer Mühe befreien konnte. Ich hatte kein Selbstbewusstsein mehr, Angstzustände, traute mich nicht mehr aus meiner Wohnung, erledigte gerade das Nötigste. In einem Internetforum zum Thema Liebeskummer fand ich erstmals etwas Halt. Dort stieß ich dann auch auf das Thema Narzissmus und wurde hellhörig. Was dort beschrieben wurde, kam mir bekannt vor und ich begann, mich in die Materie einzulesen. Ein guter Ratgeber war mir u.a.das Buch von Reinhard Haller mit dem Titel “ Die Narzissmusfalle“.
    Mit einem Schlag wurde mir klar, dass ich eine Verbindung mit einer Narzisse eingegangen war, die mir meine ganze Energie abgesaugt hatte.
    Meine Intuition warnte mich ein um’s andere mal, aber ich ignorierte sie. So gab es Momente, in denen ich mich miserabel fühlte und es mir nicht erklären konnte, ja ich heulte manchmal sogar scheinbar grundlos.
    Als mir dann allmählich alles klar wurde, konnte ich endlich anfangen, diese Geschichte zu verarbeiten.
    Wir beide hatten uns unbewusst gesucht und gefunden. Meine früh erlittene Verlustangst und ihr Narzissmus ergänzten sich prima. Bis ich unter ihrer Rücksichtslosigkeit so sehr litt, dass ich die Notbremse zog.
    Was das Verständnis für solche Energievampire schwer macht, sind die schweren, langwierigen Schäden, die sie bei ihren Opfern anrichten. Nicht wenige sind in psychotherapeutischer Behandlung.
    Mental kann ich meine Ex verstehen, emotionale Momente der Wut sind auch nach 3Jahren vorhanden.

    • Lieber Frank,

      danke für deinen Kommentar.

      Ich kann dich nur zu gut verstehen – allen voran als hochsensibler Mann. Mir ist vollkommen bewusst, dass die Betroffenen im Umgang und Zusammenleben mit einem ausgeprägten Narzissten darunter immens leiden können, bis zum psychischen Kollaps. Es scheint auch so zu sein, dass wir HSP Narzissten geradezu magisch anziehen, wie in anderen Kommentare schon angedeutet, was mit tieferliegenden Ursachen/Prägungen zu tun hat. Es wird dir sicherlich für alle weiteren Begegnungen nur von Vorteil sein, dass du für dich diese alten Prägungen herausgefunden und reflektiert hast.
      In diesem Zusammenhang möchte ich für alle noch einmal zwei sehr empfehlenswerte Artikel weitergeben, auf die ich während der Recherche stieß:
      Narzissmus als Chance (was man aus einer Beziehung mit einem Narzissten für sich lernen und mitnehmen kann):
      http://umgang-mit-narzissten.de/narzissmus-als-chance/

      Und praktische Tipps im Umgang mit Narzissten (ob Partner, Kollegen, Freunde, etc.):
      http://umgang-mit-narzissten.de/verhaltensregeln/

      viele Grüße,
      Oliver

  2. Hallo Ich habe 12 jahren meine leben mit so eine Frau verbracht ,Sie hat mich ausgenutz, belogen und bis letze cent genommen, bin wirklich eilfröh das heute meine drama vorbei ist,das schlimm ist das Sie nicht einsehen kann was tut,sie hat immer recht,wünsche viel glück nächste opfer

  3. Hallo Oliver,
    das ist der beste Artikel, den ich bisher über Narzissmus gelesen habe. Gut recherchiert und würdigend für beide Seiten. Ich habe nur eine Sorge. Bei HSP ist Verständnis häufig zum einen der beste Freund, zum anderen der größte Feind, da sie dazu neigen aus Verständnis ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zurück zu nehmen. Gleichzeitig könnte der Eindruck entstehen, der Ur-Schrei nach Liebe muss nur gestillt werden und dann kommt Heilung. Das ist meines Erachtens leider so nicht möglich, und es braucht viel mehr, was eine Partnerschaft nicht leisten kann. Ich erlebe es so häufig das meine Kunden denken „ich muss ihn/sie nur noch mehr liebe, oder es ihn besser zeigen“ Wenns dann nicht klappt, fühlen sie sich dann verantwortlich nicht genug getan zu haben. Da ist dann wieder die eigene Geschichte die greift. Ich hätte mir dazu noch ein klares Statement gewünscht. Ansonsten finde ich den Bericht herausragend. Respektvoll und klar formuliert und mit ganz viel Herz. Danke!

    • Liebe Sandra,

      ganz herzlichen Dank für dein Feedback. Dahinter steckt viel Arbeit und Recherche – und deshalb ist es immer schön zu hören, wenn sich das alles gelohnt hat!

      Du sprichst einen wichtigen Punkt an, und eventuell einen nicht so klaren, in dem ansonsten sehr klar formulierten Artikel. Danke dafür!

      Auch ich musste erst lernen und verstehen, dass diese „narzisstische Wunde“ nicht mehr geschlossen werden kann. Erst recht nicht von einem Partner, auch wenn er uns immer mehr liebt (wie du schreibst). Das führt erstens nur zur größeren Abhängigkeit und zweitens überfordert es meist den Partner.

      Was meinst du aus deiner therapeutischen Arbeit, was es braucht?

      Ich habe mich viel damit beschäftigt, und ja auch einiges zu den Behandlungs/Heilungsmöglichkeiten geschrieben. Ich sehe es gerade so, dass diese Wunde nach nicht erhaltener Liebe (und der damit verbundenen Trauer) immer da bleiben wird, dieses Loch, ein Narzisst aber lernen kann, dass es jetzt als Erwachsener noch viel mehr gibt, als dieses „dunkle Loch“ (neben den anderen Sachen, wie mehr Empathie, zurücknehmen etc.).

      Dieses immense Loch mit eigener Kraft auffüllen, wegmachen zu wollen, halte ich für eine Illusion, und sogar ein Abrutschen in noch tiefere Verstrickungen. Aber ich weiß es endgültig auch nicht (und würde dazu gerne einen Therapeuten fragen).

      Ganz liebe Grüße, Oliver

      • Moin,
        „das ist der beste Artikel, den ich bisher über Narzissmus gelesen habe“
        „(…)ist es immer schön zu hören, wenn sich das alles gelohnt hat!“
        Was ist der Lohn, die Anerkennung? *hust*
        Zum Thema Persönlichkeitsstörung im Allgemeinen habe ich mal einen schönen und beruhigenden Satz gelesen, dass Persönlichkeitsstörungen Ausdruck von wenig flexiblen und der Situation wenig angepassten Verhaltensweisen sind. Reif ist, wer keine Persönlichkeit hat. Fand ich sehr interessant.

        • Hi Stefan,

          du hast mich „erwischt“, ich bekenne mich: Der Lohn ist die Anerkennung, mein narzisstischer Anteil braucht ihn noch von außen! 😉
          Abgesehen davon, ist Anerkennung ein Grundbedürfnis, das jedem Menschen inne wohnt – zunächst einmal unabhängig davon, wie stark seine narzisstischen Tendenzen sind (bei einer narzisstischen Persönlichkeit ist dieses Anerkennungsbedürfnis besonders stark ausgeprägt)

          Den Satz, dass Persönlichkeitsstörungen ein Ausdruck von wenig Flexibilität bzw. angemessenen Verhaltensweisen in jeweiligen Situationen ist, finde ich ebenfalls sehr treffend und schön. Ebenso, was Reife angeht, nämlich immer mehr von dem Kreisen um sich selbst abzulassen. In einem ähnlichen Kontext habe ich das schon oft in Texten aus alten Weisheits-Traditionen gelesen, dass Ich bzw. die Persönlichkeit aufzugeben, um Freiheit und ein tiefes Glück zu empfinden.
          Ein erstrebenswerter Anspruch, finde ich!

          Die spannende Frage ist, was kommt danach (hinter dem Personalen)?

          Schönen Tag dir und viele Grüße, Oliver

          • Soooo cool, Dein “ Aufsatz“ zu Diesem Thema. Glatte 1. Ein Wahnsinns Thema und noch wahnsinniger mit so einem narzisstisch- gewebten Ehepartner verheiratet zu sein. (25 Jahre)Puuuuuuhhhh!!!!! Schwerstarbeit. Haben zusammen 5 Kinder( 12- 24 Jahre) eigenes Geschäft und ständige Renovierungsarbeiten an Haus und Hof. Dazu Garten und sonstige Wahnsinnsprojekte zum Erhalt der Daseinsberechtigung . War ein langer Weg bis hierher. Eine Achterbahnfahrt. Vom höchsten Hoch zum tiefsten Tief. Menschlich nicht wirklich auszuhalten. Aber weißt Du, was ich in meinem dunkelsten Moment meiner Ehe, als ich todkrank am Boden lag, auf der Suche nach Wahrheit und Sinn des Lebens suchend nicht mehr ein noch aus wissend, entdecken durfte???? Klingt vielleicht jetzt etwas altweibisch überzogen. Ist aber echt krass und nur spannend: als es mir nur elend ging und ich auch meine Ehe beenden wollte, ( wir hatten gerade das 3. Kind) machte ich mit einer ganz besonderen Liebe Bekanntschaft. Ich lernte Jesus Christus kennen. Hatte ich bis dahin ziemlich weit verdrängt. Fand ich auch langweilig das ganze Kirchengedöns. Da kams über mich wie eine Lawine. Und ich wusste, er ist der Weg , die Wahrheit und das Leben. Und ich empfing seine Liebe. Nicht irgendeine sondern seine barmherzige Liebe, die er für alle Menschen hat. Also meine menschliche Bruchstück- Liebe wurde in seine göttliche Liebe der Barmherzigkeit verwandelt. Ich fühlte mich in meiner Schwachheit und Unzulänglichkeit unendlich bedingungslos geliebt( ist das Schönste , was man fühlen kann) und hatte plötzlich nur noch Mitleid und Verständnis für das seit seiner Kindheit schwer verwundete Herz meines Mannes und hatte nur noch einen Wunsch: dass er diese Liebe auch erfahren darf. Ich bin gerne ein Werkzeug Gottes um für IHN als “ Liebeskanal“ zu fungieren. Ohne mich dabei aufzugeben oder meine Persönlichkeit zu verlieren. Personare ( lat.) bedeutet hindurch klingen. So, das heisst, wenn durch mich hindurch immer weniger mein egoistisch menschlich schwaches Sein “ hindurch – mehr quietscht als klingt, sondern Jesu vollkommene göttliche barmherzige Liebe , dann bin ich eine neue Schöpfung, eine neue Person mit einem super Sound. Unabhängig vom Verhalten eines Partners oder sonst einer Person . Weisst Du, was das bedeutet???? Vollkommene Freiheit und vollkommene Liebe. Soooooo cool. Das hätte ich ohne meinen geliebten Narziss nie erfahren. Und er kann ‚ s nicht fassen,,dass es eine solche Frau wie mich gibt, die einen Mann auch dann noch liebt, wenn er sie betrügt in seiner existentiellen Angst und Verzweiflung . Auch die Geliebte ist von dieser Liebe irritiert und kann es nicht fassen und zieht sich beschämt zurück und ordnet ihr Leben neu. Sowas hätte ich aus mir nie zu denken , geschweige denn zu handeln vermocht. Schräg, was!!! All
            Ganz ganz viele liebe Grüße an alle!!!!! Marion :))

          • Hallo,
            könnte ich vielleicht die Kontaktdaten von Marion bekommen?
            Ich bin in einer ähnlichen Situation und würde mich gerne mit ihr austauschen.

            Danke – falls es geht!

            LG

  4. Was mir leider fehlt an deinem langen Blogbeitrag ist, genauer zu differenzieren zwischen Darstellung von künstlerischem, politischem Narzissmus und der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung und deren Merkmale. Deshalb erlaube ich mir diese hier zur Sprache zu bringen. Die Forschungsergebnisse von Prof. R. Haller sind sehr relevant, denn die von ihm herausgefundenen fünf E – Empathiemangel, Empfindlichkeit, Egozentrik, Egoismus (Egomanie), Entwertung, ergänzt durch das sechste auslösende E, die Eifersucht, sind typische Merkmale der NPS. Wendy Behary in „der Feind an deiner Seite“ und vor allem Marie-France Hirigoyen in „die Masken der Niedertracht“ schildern nebst R. Haller die Gefährlichkeit dieser Spezies. E.N. Aron war behilflich die Merkmale der HSP zu definieren – diese 25 Merkmale wären auch von Relevanz. Ich persönlich finde die amerikanische Liga ist fortgeschrittener im verständlich machen und Differenzieren, wie wir hier in Europa. Und was wir alle nicht unterschätzen dürfen; wenn die NPS so gute Schauspieler sind, wieso füttern ausgerechnet wir sie mit der Bekanntgabe unserer HSP Qualitäten?

    Hervorragende Künstler wie Michael Jackson, oder Prince, sind sicherlich narzisstisch, oder waren, dürfen jedoch nicht in die Narzisstische Persönlichkeit geschoben werden, ohne ganz klar die Differenz zur Narzisstischen Persönlichkeitsstörung darzustellen. Beide waren äusserst Menschenfreundlich und haben diverse Projekte finanziert, was ein gestörter Narzisst niemals tun würde. Und HSP sind kreative, künstlerisch veranlagte Menschen, welche von den NPS kopierend ausgenutzt werden. Denn, den NPS geht es nicht um Kunst, es geht ihnen nur darum in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt zu werden. Kreative Lösungen, Projekte bringen diese nicht wirklich zu Stande. Aber die Möglichkeit, dass ein HSP auf einen NPS trifft und sich mit seiner Offenheit preisgibt, passiert öfter als wir wahr haben wollen. Leider schadet dies der freundlichen, empathischen Art der HSP in dieser oberflächlich, narzisstischen Welt.

    Was einen gesunden Narzissten ausmacht ist vielleicht in den psychologischen Big Five zu finden: Neurotizismus – Introversion/Extraversion – Offenheit für Erfahrungen – Gewissenhaftigkeit – Verträglichkeit. In all diesen Punkten ist wiederum der NPS sehr schlecht im Gegensatz zum HSP.

    mit einem sensiblen Gruss – claude

    • Hallo Claude,

      ich danke dir ganz herzlich für diese ergänzenden und sehr fundierten Angaben. Ganz HSP mässig mag ich es, wenn man gewissenhaft und präzise arbeitet. Bei meinen Recherchen wurde ich schon darauf aufmerksam gemacht, dass es sehr wichtig ist, zwischen „narzisstisch“ und einer „narzisstischen Persönlichkeit“ (im Sinne einer behandlungsbedürftigen Störung) genau und exakt zu unterscheiden. Über die von dir genannten amerikanischen Autoren bin ich dabei nicht gestolpert. Sehr gute und wichtige Ergänzung, was den politischen und künstlerischen Narzissmus angeht (die zwei genannten Beispiele passen dazu auch gut).

      Ebenso die Anfälligkeit von uns HSP sehr oft an NPS (narzisstische Persönlichkeit) zu geraten – allen voran in Beziehungen. Die Autorin Sylvia Harke hat das in ihrem Buch (Hochsensibel-was tun) sehr gut und detalliert herausgearbeitet. Und das du noch einmal klar die Unterschiede (Big Five) von Hochsensiblen (Gewissenhaftigkeit etc.) und NPS betont hast. Das hat mich persönlich wirklich beruhigt (und vielleicht auch viele andere HSP), weil ich mich, wie erwähnt, bei einigen narzisstischen Tendenzen sehr klar wiederkannt habe, und mir fast schon selbst den pathologischen Stempel aufdrücken wollte;) Doch wenn ich mir alleine die Punkte Offenheit für Neues und allen voran das Einfühlungsvermögen für Tier und Mensch anschaue (was beides sehr oft bei HSP anzutreffen ist), kann ich den Stempel getrost liegen lassen.

      Ich merke immer deutlicher, wie komplex das Thema ist, wie wichtig es ist, genau zu differenzieren (obgleich ich das nach besten Gewissen tat) und das es noch genügend Stoff für weitere Blogposts bereit hält.

      Also, danke noch einmal für diesen fundierten Kommentar!

      Liebe Grüße, Oliver

      • Lieber Oliver

        ich habe Dir zu danken – ich bin gerade mit dem Vergleich beschäftigt und werde diesen demnächst auch in meinem Blog veröffentlichen. Wenn Du magst werde ich Dich benachrichtigen. Da es angeblich keine Therapie gibt für die pathologischen Narzissten, und schon gar nicht erfolgsversprechend, finde ich es gut, wenn Hochsensible sich hineinknien und querdenken. Es ist so wie Marie-France Hirigoyien deutlich schreibt, nicht wir spinnen…

        mit einem herzlichen und sensiblen Gruss claude

        • Sehr gerne doch 🙂

          Ja, an einem Vergleich von normal „narzisstisch“ (wie bei Künstlern) und einem pathologischen Narzissmus wäre ich definitiv interessiert.

          Ebenso, welche „Quergedanken“ du dir zu einer erfolgsversprechenden Therapie machst. Meines wissens nach gibt es in der klinischen Psychologie neue Ansätze der Therapierbarkeit eines pathologischen Narzissmus, trotzdem las ich überall, wie schwer die Behandlung eines ausgeprägten Narzissten ist.

          Herzliche Grüße, Oliver

        • Wobei mir zum politischen Narzissmus gerade so Figuren wie Trump oder Putin (und noch einige andere Politiker) einfallen, die aus meiner Perspektive schon ziemlich deutliche Anzeichen für einen pathologischen Narzissmus (einer Persönlichkeitsstörung) haben.

          Wie siehst du es?
          Bin wirklich auf einen fundierten Vergleich gespannt.

          Liebe Grüße, Oliver

          .

          • Lieber Oliver

            Du kombinierst völlig richtig – Trump wird von der Stanford Universität offiziell als gefährlicher, persönlichkeitsgestörter Narzisst deklariert.

            Ich halte mich hier kurz, denn ich bin am meinen Beitrag schreiben. Bitte lass mich doch wissen wie ich diesen an Dich weiterleiten darf. Ich gehe mittlerweile selber auch davon aus, dass er nicht kurz sein wird.

            mit einem herzlichen und sensiblen Gruss – claude

          • Liebe Claude,

            da konnte ich also offentsichtlich meinem Gefühl (und auch mittlerweile Wissen) bei solchen Menschen wie Trump, Putin und Co. vertrauen. (die Liste ließe sich beliebig lange im In- und Ausland fortsetzen , aber ich lasse es lieber, bevor ich mir eine Anzeige aus dem Ausland einhandle 😉

            Was mir viel mehr zu denken gibt, ist die Tatsache, dass solche gefährliche Narzissten wie Trump von nicht wenigen Menschen im eigenen Land unterstützt und gefeiert werden (das übliche Schauspiel, Manipulieren eines Narzissten?)

            Anhand der vielen Reaktionen und Rückmeldungen wird mir immer bewusster, dass dieses heikle Thema nicht mit einem Artikel ausgereizt ist – es trifft offensichtlich einen Nerv unserer Zeit!

            Also,danke noch einmal für deine wichtige Ergänzung (Bestätigung!) und ich schreibe dir gleich eine Email wegen deinem Artikel.
            Herzliche Grüße,
            Oliver

    • Danke für diese wichtige Ergänzung. Nachdem auch hierzulande der Narzissmis derart in Mode gekommen ist, vermisse auch ich die wichtige Unterscheidung zur NPS. Sie haben dies auf den Punkt gebracht.

  5. hallo oliver,
    du sprichst mir aus der seele. ich hatte eine narzistische mutter, mit der ich mich vor ihrem tod durch vergebung ausgesöhnt habe. geholfen hat mir dabei, ein verständnis für ihre situation zu entwickeln: was hat dazu geführt. und erst als ich wirklich verstanden habe, war die echte vergebung möglich. im arbeitsleben habe ich nun auch mit einem menschen zu tun, der eine narzistische persönlichkeitsstörung hat. ich finde ihn absolut in deinen beschreibungen wieder. dies hat auch meine therapeutin geäußert. sie hatte mich auch auf meine hochsensibilität hingewiesen. bei unserem letzten gespräch hat sie mich daran erinnert, dass ich dem menschen auf der arbeit verständnis zeigen soll…im prinzip wie bei meiner mutter. nun bin ich ein mensch, der dann, wenn er zum beispiel angegriffen wird, in die rechtfertigungsfalle tappe, mich wehre. dadurch streue ich immer wieder salz in seine wunde: er wird nicht geliebt. ich arbeite nun daran, mitgefühl zu entwickeln. und mich seiner zu entziehen. letztlich denke ich, dass nur der mensch sich selbst durch selbstliebe „heilen“ kann. andere können diese wunde nicht füllen, nur auf dem weg begleiten. selbstreflektion hilft. danke für deinen artikel und liebe grüße petra

    • Liebe Petra,

      ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar und der damit verbundenen Offenheit!

      Deine Zeilen haben mich auch ganz persönlich berührt, um es offen zu sagen, insbesondere was das Verhältnis zu deiner Mutter angeht. Ich denke viele sind auf diesem Weg der Vergebung, der letztlich wohl der einzige ist, um wirklich frei von altem Kummer und Schmerz zu werden, es setzt gestaute Energie frei (so höre ich es immer wieder). Es bedarf aber seiner Zeit, bzw. alles hat seine Zeit, bei dir war es ja auch erst vor dem Tod, und so gebe ich mir persönlich auch diese Zeit.

      Was den Umgang mit deinem narzisstisch gestörten Arbeitskollegen angeht, kann ich dir nur gratulieren. Ich glaube, es kann immer wieder hilfreich sein, sich ins Gedächtnis zu rufen (wie du es gemacht hast), dass diese Menschen (auch wenn sie noch so gemein und selbstverliebt sind), nie geliebt wurden, ganz tief in ihrem Inneren total vereinsamt sind. Gleichzeitig ist es natürlich absolut richtig, dich ihm zu entziehen, erst recht als Hochsensible, für dich zu sorgen.

      Nein, du kannst ihn nicht retten, keiner kann einen Narzissten retten, vielleicht noch nicht einmal er sich selbst! Wie im Artikel erwähnt, ist die Wunde so groß, dass sie niemals geschlossen werden kann (zumindest habe ich es so verstanden), und es vielmehr darum geht, MIT dieser Lücke zu leben als ständig dagegen anzukämpfen bzw. sie weg haben zu wollen. Ja, dazu gehört auch ein gewisses Grad an Selbstliebe zu entwickeln. So gut es eben geht mehr Empathie, Achtsamkeit, Rücksichtnahme zu kultivieren, um auch als narzisstische Persönlichkeit ein halbwegs erfülltes Leben mit glücklichen Beziehungen zu leben! (Aber ich bin kein Therapeut, das dazugesagt).

      Liebe Grüße, Oliver

      • lieber oliver,
        es gibt ja keine zufälle ;-)…also sollte es so sein, dass ein lieber mensch den link auf deinen blog postete und ich ihn anklickte. das ich kommentiert habe, verdanke ich meinem bauchgefühl. dann kennen wir beid also dieses spezielle „mutterthema“. bei mir hat es ca 2-3 jahre gedauert vom erkennen bei meiner mutter, diversen vergebungsversuchen…bis es dann wirklich so weit war, dass meine seele bereit war. wenn ich zurückfühle, dann hab ich es gemerkt, als es nicht wirklich vergebung war…und dann, als es so weit war. ich bin sehr dankbar, dass ich mich vor ihrem tod aussöhnen konnte. ein großes geschenk. nach dem erkennen habe ich mich damals erst zurückgezogen für mehrere monate. ich musste mich erst sortieren, bevor ich sie wieder sehen konnte. gib dir die zeit, die du brauchst. es lohnt sich! anfangs dachte ich, dass ich das nicht schaffe…aber: falsch gedacht. ja, ich möchte meinen arbeitskollegen nicht retten. das kann keiner…ich habe in deinen links (umgang mit narzisten) mich in meinen überlegungen bestärkt gefühlt. ganz lieben dank dafür! letztlich geht es im leben um eines: alle wollen geliebt werden, auch ein donald trump etc. ich habe lange vergessen, dass ich mir diese liebe ja auch und zuerst selbst geben muss. bei diesem lernprozess bin ich auch grad…
        liebe grüße petra

        • Liebe Petra,

          dem ist nichts hinzufügen, außer: Du hast so etwas von recht und ich werde mich an deiner Empfehlung orientieren. Auch wenn es mir immens schwer fällt, aber auch ein D. Trump schreit nach nicht erhaltener Liebe. Dieses neue Verständnis hilft mir dabei, nicht NUR Verachtung und Ablehnung für solche Menschen zu empfinden (obgleich wir sie mit ihrem gefährlichen Spiel auch nicht gewähren lassen solten ->Größenwahn & Empathielosigkeit = eine ganz gefährliche Mischung!)

          Ganz liebe Grüße an dich
          Oliver

  6. Auch bedanke mich für diesen profunden Artikel. Er bestätigt meine persönliche und therapeutische Lebenserfahrung voll und ganz. Mit der angesprochenen Problematik des „verwöhnten“ narzisstischen Kindes (dem im Grunde genauso Liebe fehlt wie dem vernachlässigten) habe ich in meiner Arbeit im entwicklungspsychologischen Neufeldinstitut sehr häufig zu tun. Wir nennen diese Kinder Alpha-Kinder.
    Übrigens bringt das bei Harry Potter der Prof. Dumbledore auf den Punkt, als er Potters Pflegeeltern sagt, dass das, was sie ihrem eigenen Sohn angetan haben, noch viel schlimmer ist als ihre miese Behandlung von Harry.
    Sehr aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist auch das Buch „Von typentrauma zum traumtypen“.

    • Liebe Dagmar,

      ganz lieben Dank für deinen Kommentar und den damit verbundenen weiteren Hinweisen. Sicherlich sehr nützlich für das Gesamtverständnis, insbesondere, was die Kindererziehung und natürlich die Ursachen angeht. Wie im Artikel erwähnt, war ich beim ersten Lesen von verwöhnten Kindern (und dem damit verbundenen Zusammenhang bei der Entstehung einer NPS) fast schockiert. Doch scheinen deine Praxisbeispiele genau das zu bestätigen. Danke für diesen Einblick!

      Interessant auch dein Hinweis aus den Potter-Filmen 🙂 Für mich enthalten all diese filmischen Epen (wie auch Herr der Ringe) versteckte Botschaften (Archetypen etc.), in denen wir uns im richtigen Leben wiedererkennen können (sofern wir sie erkennen 😉

      Herzliche Grüße
      Oliver

  7. Hallo Oliver,

    Respekt für die Arbeit, die dahinter steht.

    Habe nun länger überlegt, ob ich was schreibe, nun mache ich das doch mal.
    Mein Beitrag ist wenig länger geworden, daher habe ich mal Überschriften gesetzt, damit es übersichtlicher ist. Ich hoffe, es ist in Ordnung, daß ich auch ein wenig weiter „grabe“, da ich schon finde, daß sowohl auf persönlicher als auch gesellschaftlicher Ebene ein Handlungsbedarf besteht.

    Schubladen, Grenzen zu anderen Erkrankungen und gesellschaftliches Abbild

    Was mir immer wieder auffällt, ganz generell zum Thema der psychischen Erkrankungen ist, wie fix heutzutage in der Gesellschaft Einstufungen ablaufen und wie sehr wir dadurch in Schubladen denken. Ich nehme mich selbst nicht aus, habe selber viele psychologische Gutachten schreiben müssen (mit einer Psychologin zusammen, da ich selbst keine bin). So würde ich z.B. als Indiz auch noch nennen, daß Narzissten unfähig sind sich glaubhaft zu entschuldigen und ebenso aus tiefsten Herzen zu lachen. Ich versuche jedoch schon eine Weile mir die Schubladendenkerei abzugewöhnen.
    Ich merke auch, wie wichtig es ist zu differenzieren, wie Du selbst schreibst, wo sind die Grenzen? Ich kann mich erinnern, daß vor mir Menschen saßen, die bis zu sieben verschiedene Diagnosen bekommen haben!!! Das ist absolut nichts ungewöhnliches heutzutage. So schwammig und mit oft verheerenden Wirkungen wird daufhin dann auch in der Öffentlichkeit damit umgegangen. Mal ganz davon abgesehen, WIE schnell diagnostiziert wird.
    Wenn ich jetzt mal einen Blick werfe, so kann bei einer „Störung“ stehen:
    „Einige der Symptome können auch bei anderen Störungsbildern auftreten, so z. B. bei Depressionen, Schizophrenien, schizoaffektiven Psychosen, beim Asperger-Syndrom und anderen Formen des Autismus, bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), bei bipolaren Störungen, schizoiden Persönlichkeitsstörungen, narzisstischen Persönlichkeitsstörungen, histrionischen Persönlichkeitsstörungen, schizotyper Störung oder bei paranoiden Persönlichkeitsstörungen. Die Diagnose erfordert daher eine sorgfältige differentialdiagnostische Abklärung.“
    Dies steht z.B. alles unter „Boderline-Persönlichkeitsstörung“.
    Ich habe in Gruppen unterrichtet, in denen Menschen saßen, bei denen alle „Vertreter“ dieser Störungen anwesend waren, alle in einem Raum (Panikattacken u.ä. kamen noch dazu). Das war für mich eine große Herausforderung und zugleich ein gesellschaftliches Abbild. Sie wurden in diese Gruppe „geworfen“ nur unter dem allgemeinen Begriff „Psychische Erkrankungen“. Ist das nicht traurig? Für mich waren das immer alles Menschen, mit denen ich es zu tun hatte.

    Heilung generell

    Die Haltung und Annahme „Es gibt keine Heilung oder nur geringe Chancen“ wird bei Betroffenen sicherlich nicht zum Wunsch führen, irgendwas zu ändern (falls der Wunsch überhaupt vorhanden ist vorausgesetzt) und die „Opfer“ wird es ebenfalls nicht erfreuen. Ob es Partner oder Kinder sind, spielt keine Rolle, es besteht oder bestand eine Verbindung und es ist sehr schmerzhaft mit anzusehen, wie es jemanden schlecht geht. Auch nach einem Kontaktabbruch wünschen die „Opfer“ denen, die ihnen selbst zwar Schmerzen zugefügt haben, meistens oder GERADE deshalb Heilung. Dies führt mich zur

    Art der Heilung

    Warum ist immer Therapie die einzige Hilfe? Oder wird als solche fast ausschließlich genannt? Vielleicht wäre es gut einfach da anzusetzen, wo der Ursprung liegt. Ich halte viel von Unterstützung, nur ist Therapie, insbesondere Gesprächstherapie doch nicht alles, was es gibt. Der Ursprung liegt nicht im Reden bzw. auf Erkenntnisebene, sondern auf der Wahrnehmungsebene.
    Nur mal so angedacht: Evt. würden sie im Malort Unterstützung erfahren? (Malort nach Arno Stern) Ich habe die Bücher von Arno Stern gelesen und in der Formulation geht es ihm um das „zum Selbst zurück kommen“. Wer das erlebt, hat doch sicherlich gute Chancen seine Selbstliebe zu entdecken, oder?

    Der Ursprung des Ursprungs

    Wo fängt all das an?
    Warum handeln Eltern so? Ob Mangel oder Überfluss, beide Ursprungsformen zu verstehen, finde ich für die persönliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung sehr relevant. Stichwort: Traumatisierungen.
    Es wird vermutet, daß ein Viertel der Kinder des zweiten Weltkriegs an Traumata leidet. Wer mal die letzten Tage oder Wochen an der Seite eines sterbenden „Kriegs-Gebranntmarkten“ verbracht hat und hört was auf einmal nach über 70 oder 80 Jahren plötzlich mit voller Wucht ausgesprochen wird, im wahrsten Sinne des Wortes AUS-gesprochen, erlebt was!!! Da entlädt sich ein riesiger Rucksack, der ein Leben lang auf den Schultern drückte und nun nicht mit ins Jenseits soll. Da entladen sich ganze Kriegs-Szenarien, völlig durcheinander, laut, leise, grausam und empfindsam, mit geröchelter Stimme, mit Aufbrausen in der Stimme, dann mit tränenerstickter Stimme. Ein Gefühls-Chaos vom Feinsten. Beim aufmerksamen Hinhören dämmert es einem auf einmal, WAS dahinter steht und WIE massiv diese verkapselten Traumatas hochkommen und kriegt Antworten auf viele WARUMS. Mir fällt dann immer der Satz ein: „Der Tod ist nicht das Ende des Geschichte.“ aus „Incendies oder Die Frau die singt“. Wohl wahr.
    Die nachfolgenden Generationen tragen an diesem Erbe, mehr als immer gedacht wurde.
    Für diese Themen finde ich die Arbeiten von Sabine Bode, Hartmut Radebold und auch Dr. Joachim Süss (Nebelkinder) sehr wertvoll. Jens Orback´s „Schatten auf meiner Seele“ hat mich besonders berührt, weil er als Mann sich so liebevoll in seine Mutter einfühlt.

    Vergeben

    Wenn ich verstehe, woher diese Verletzungen bei dem Erkrankten kommen, dann fällt es mir sicherlich leichter zu vergeben, als im Dunkeln rumzutappen, wie es z.B. die „Nebelkinder“ meist tun und nach der eigenen Identität suchen. Es ist dann immer noch ein Stück Arbeit den anderen und vor allem sich selbst zu verstehen. Dennoch ein lohnender Weg, meine ich.

    Herzliche Grüße
    Andrea

    P.S.:
    Literarisch fällt mir dazu die Figur des Uriah Heep von Charles Dickens ein, den ich einfach auch brilliant beschrieben finde ;o).

    • Liebe Andrea,

      vielen Dank für deinen ausführlichen und kompetenten Kommentar.

      Ich bin ganz bei dir! Beim Lesen deiner Zeilen fiel mir sofort das Buch von Manfred Lütz ein“ Irre, wir behandeln die Falschen“.

      Ich habe es selbst schon erlebt, wie von dir beschrieben: Wir leben in einer Etikettierung- und Schubladengesellschaft. Allen voran was psychische Erkrankungen angeht. In mir regt sich der große Verdacht, dass diese Etikettierung (ICD etc.) einer Normierung entspricht, und es dem Psychiater (Therapeut) damit leichter macht, den Menschen auf ein Krankheitsmerkmal zu reduzieren und alsbald die erforderlichen Therapie (Therapieplan) einzuleiten – oftmals in Begleitung von Psychopharmaka (Milliardengeschäft!). Ähnliches schreibt auch der Psychiater Lütz, wenn ich mich recht entsinne.

      Heilung/Kriegstrauma
      Ja, auch hier gebe ich dir vollkommen recht. Schöne Beispiele hast du angeführt. Arno Stern (und seinen Sohn Andre) schätze ich auch sehr. Ich habe selbst schon körperrorientierte Selbsterfahrungsseminare (wie die Heldenreise) besucht, wo es immer auch um Traumaarbeit geht, und kann daher bestätigen, dass Worte, Gespräche nur sehr begrenzt sind. Ja, genau, um das Wahrnehmen, das (erstmalige) Fühlen von jahrelang „gedeckelten“ Schmerz und Trauer geht es – damit diese Energie endlich im System freigesetzt, integriert wird. Ich bin total offen für diese Ansätze, doch bleibt trotzdem die Frage: Was hilft wirklich? Was trägt über einen längeren Zeitraum, als ein paar Tagen nach solchen Seminare/Workshops? Ich bin hier ehrlich und ratlos … und ein Stück weit trägt mich diese Frage in einen transpersonellen Bereich (Was bleibt jenseits aller Verletzungen? Was gibt es jenseits des Ichs?).

      Aber ganz klar: Wir haben alle einen schweren Rucksack zu tragen, aufgrund der Geschehnisse während zweier Weltkriege. Du hast das schön beschrieben, dass dieses Verständnis bei uns „Kriegskindern oder Enkeln“ ein tieferes Verständnis für unsere Eltern, Großeltern hervorrufen kann, die ja alle diesen Schrecken und Traumatas völlig hilflos ausgeliefert waren – und zwar ohne die therapeutischen Möglichkeiten und auch Offenheit unserer heutigen Zeit. Es gilt wohl noch viel aufzuarbeiten, und ich habe den Eindruck, dass unsere Generation im 21. JH nun dafür bereit ist – oder es einfach an der Zeit ist!

      Herzliche Grüße, Oliver

  8. … ich hatte 2005 einen schwereren Unfall.

    Daraufhin musste ich zu dem einen oder anderen Gutachten.
    Eine Gutachterin laß‘ meinen Klinik-Bericht und schüttelte nur ihren Kopf über die Diagnosen, die dort standen.

    Narzisstische Persönlichkeits-Störung
    Emotional Instabile Persönlichkeits-Störung
    etc.

    Sie sind doch ein Schauspieler, das sind doch die Grundlagen Ihres Berufes, das sind doch keine Störungen.

    So kann das laufen.
    Naja, ich hatte ihr zumindest nicht verraten, dass auch das Theater im Grunde nur eine Art Auffang-Lager für Seelisch Entrückte ist, von denen in Ermangelung eines solchen Ortes, ansonsten einige die Psychiatrien füllen würden.

    So viel Platz ist da allerdings gar nicht!
    Zum Glück gibt es also noch die Theater u. ä.

    Heute habe ich mich von diesen Diagnosen weitestgehend distanziert.
    Sie sind wenig zielführend.

    Ich bin ein Mensch und ich hatte Verletzungen erlitten.
    Diese Netzen hinterließen Narben.
    Diese Narben zeichnen mich, doch sie verunstalten mich nicht und stigmatisieren mich vor allem auch nicht.

    Tobias

    • Hi Tobias,

      danke für deinen authentischen Bericht.

      Ich halte ebenso wenig von vorschnellen Diagnosen und Schubladendenken – insbesondere, wenn es um psychische Erkrankungen/Störungen geht. Der bereits erwähnte versierte Psychiater M. Lütz sieht das sehr ähnlich. Wer oder was ist schon normal, fragt er?

      Auch ich habe Narben. Jeder von uns. Die Frage ist für mich nicht, wie ich diese wegkriege, durch „kosmetische Eingriffe“, sondern wie ich mit diesen Malen durch mein Leben gehe. Früher galten Narben bei Männern als Ausdruck von Tapferkeit und Lebenserfahrung (meist du tätliche Auseinandersetzungen). Als Ausdruck von Reife & Inititaionen. Auch hier stimme ich dir zu, bin ganz bei dir. Kein Stigma, sondern Ausdruck einer gereiften Seele – so versuche ich es heute zu sehen. Wer oder was ist schon makellos?

      Danke für deinen interessanten Einblick hinter die Kulissen der Theaterwelt. Ich habe Schauspieler schon immer als besonders wahrgenommen (um es ganz urteilsfrei auszudrücken!)

      Alles Gute für dich!
      Oliver

      • Grins, grins, grins….
        (o;

        Vielleicht sind alle Künstler „anders“? Um es mal so neutral wie möglich auszudrücken. Es gibt sicherlich Variationen und Auswüchse, nur so schlimm sind die Theaterleute nun wirklich nicht alle wie Tobias das geschrieben hat.

        Kreativität ist ein unglaublicher Schatz und den finden wir meistens in der Kultur. Kultur ist für mich ein Weg des Friedens geworden, erst im Inneren und dann wirkt er nach außen.

        Herzlichen Gruß
        Andrea

        P.S.: Wie kann mensch seinen Selbstwert entwickeln?
        Dazu hier ein Zitat von Jesper Juul:

        „Langeweile ist der Schlüssel zur inneren Balance – egal in welchem Alter. Diejenigen, die die Unruhe vorbeiziehen lassen, kommen in Kontakt mit ihrer Kreativität. Unsere Kreativität ist der Raum, in dem wir uns spüren, uns selbst kennenlernen, uns selbst ausdrücken und die Erfahrung von Selbstverwirklichung machen. Was sich noch vor einer Stunde wie eine unangenehme Stille anfühlte, erzeugt plötzlich inneren Frieden und wird zur emotionalen Aufladestation.

        Für Kinder ist es wichtig, ihrer inneren Kreativität zu folgen. Es macht sie unabhängig von äußerer Anerkennung und Zustimmung. Kreativität ist zentral, um Selbstwert zu entwickeln. Kinder, die sich gelegentlich langweilen, werden eine größere innere Ruhe spüren, die ihre soziale Kompetenz fördert.“

        • Liebe Andrea,

          herzlichen Dank für deinen Kommentar und den damit verbundenen weiteren Einblick in die Seele von Künstlern (Schauspielern). In gewisser Weise bezeichne ich mich selbst als Künstler, und insofern kann ich den Begriff „anders“ gut bestätigen. 🙂
          Das J. Juul Zitat gefällt mir sehr gut, wie viele seiner Ansätze und Aussagen. Ich habe gerade ein Buch von ihm auf dem Küchentisch liegen. Insbesondere was er zur Langeweile sagt, finde ich sehr spannend und erhellend.

          LG
          Oliver

  9. Bin jetzt 51 Jahre alt und ungewollt zur Welt gekommen. Meine Mutter ist ihren Pflichten als Mutter nach gekommen(putzen,waschen, kochen und was zum Haushalt gehört) mehr tat sie nicht. Mein Vater war nur arbeiten, damit der Haushalt finanziell funktioniert. Nähe und Wärme habe ich weder von ihr noch von ihm erfahren. Dank dieses Beitrags weiß ich jetzt noch mehr, warum ich so bin wie ich bin! DANKE!!!

  10. Vielen Dank für diese äußerst interessanten Artikel. Ich war mit einem Narzisten verheiratet der , nach der Trennung sehr, sehr bösartig wurde und auch vor Morddrohungen nicht zurückschreckte. Was ich nach der Trennung alles erfahren habe, brachte mich an den Abgrund. Ich suchte mir damals sofort therapeutische Hilfe. Aber mein Leben hat sich seitdem grundlegend verändert. Mir war immer wichtig, nicht in die Opferrolle reinzugehen. Ich traf weiterhin Entscheidungen. Ich wurde privat, familär und beruflich gestalkt, wurde gekündigt. Dies liess ich nicht auf mir sitzen und bekam eine Abfindung, deren Höhe ich aushandelte. Mein e Möbel verkaufte er im Internet, er urinierte auf meine Kleider. Er räumte mein Konto leer . Ich erhielt über 600 SMS mit 9 versch, Nummern. Die Polizei stand dem ganzen recht hilflos gegenüber. Immer wieder riet man mir mit den Kindern unbekannt zu verziehen. Ich habe nun eine lebenslange ger. Verfügung, eine große Meldesperre beim Einwohnermeldeamt. Heute kann ich wieder lachen und mein Leben geniessen. Nie wieder möchte ich eine Beziehung mit einem Narzisten.

  11. Hallo Oliver,

    vielen Dank für diesen Artikel!

    Ich habe mich selbst als HSP und Noch-Ehefrau eines waschechten Narzissten lange und intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und dazu reichlich auf meinem Blog http://www.mahamati-prozessbegleitung.de geschrieben.

    Diese Ehe war die Tortur meines Lebens. Ich bin mehr und mehr in mir zusammengebrochen, je mehr ich die eigentlichen Motive erkannte…vor allem die, mich loszuwerden, weil ich meinem Noch-Ehemann nicht die narzisstische Zufuhr zukommen ließ, sondern genau das Gegenteil. Dafür gab es halt in den letzten Monaten auch Gewaltanwendung von seiner Seite.

    Ich bin danach erst mal nach Südfrankreich gezogen, um mich zu erholen. Dann bin ich an den weiblichen Typus geraten und musste erkennen: DAS hat de facto etwas mit mir selbst zu tun.

    Seit über zwei Monaten bin ich wieder in D, habe mich beruflich und mit eigener Wohnung wieder aufgestellt und arbeite nun auf. Mir war das Allerwichtigste: wie löse ich den Knoten in mir selbst? Warum gerate ich an einen solchen Menschen über Jahre und für kurze Zeit später nochmal in Form einer Frau?

    Ich habe den Knoten heute lösen können, und von da aus geht es für mich weiter.

    Diese Beziehung hat mir alles gegeben, was ich brauchte, um endlich wach zu werden, nämlich meine eigene Kraft wirklich in mir zu entwickeln und zu leben. Es ist nicht so, daß ich eine sog. schwache Frau bin; immerhin war ich immer „zu stark“ für den Narzissten. Aber schlussendlich bin ich immer eingeknickt vor seinen Manipulationen, seinen Fiesheiten und Gemeinheiten, die immer mehr zunahmen. Ich habe sein Ziel, seine eigentliche Intention – nämlich mich wie alle anderen Frauen vor mir loszuwerden – nicht erkannt. Ich habe immer noch an diese Beziehung geglaubt…bis ich selbst krank und immer schwächer wurde.

    Langsam wachse ich wieder, denn ich erinnere mich an mein Selbst-Bewusstsein, daß ich vor dieser Ehe hatte und an meine Stärke.

    Dieser Mann war einer meiner besten Lehrer – wenn nicht der beste.
    Ich liebe ihn immer noch, aber auf eine ganz tiefe Art und Weise, die jenseits von „Beziehung“ liegt. Er hat mir gezeigt, WIE VIEL Stärke und Kraft in mir liegt, und diese gilt es jetzt wieder ins Leben zu bringen.

    Ich befasse mich weiterhin mit dem Thema Narzissmus und möchte dazu auch noch weiter mit Betroffenen arbeiten, denn ich glaube, daß diese Störung auf mehreren Füssen steht. Ebenso wie Du sehe ich auch die Ent-Grenzung (dazu schrieb ich auch einen Artikel auf meinem Blog).

    Beste Grüsse,

    Mahamati

  12. Hallo Oliver, ich bedanke mich für diesen tollen Artikel. Ich habe ihn auf meiner FB Seite geteilt und die Resonanz ist toll. Ich bin gerade dabei, aus der enorm schnell wachsenden Situation etwas sinnvolles zu machen. In Kürze ist das Forum fertig, es wird natürlich ein Blog geben, ich schreibe an einem Buch und mit einem Podcast habe ich auch begonnen. Vielleicht kann ich dich ja mal für ein Interview gewinnen. Würde mich freuen. Hier der Link zur FB Seite: https://www.facebook.com/narzissmusundbindungsangst/posts/178088655948249
    Liebe Grüße Mauro

    • Lieber Mauro,

      ganz herzlichen Dank für das Teilen meines Beitrags auf deiner FB-Seite und deinem Kommentar. Ich habe eben den geteilten Beitrag auf deiner Seite kommentiert.

      Er geht ja ab wie Schmitz‘ Katze – das zeigt mir, wie aktuell und verbreitet das Thema Narzissmus in unserer Gesellschaft ist.

      Ich finde es total spannend und wichtig, dass du so vor Ideen sprühst zu diesem wichtigen Thema. Es wäre mir eine Freude, in einem Interview Rede und Antwort zu stehen – das Thema Narzissmus in all seinen Ausprägungen und Komplexität beschäftigt mich weiterhin und ist noch lange nicht ausgeschöpft!

      Auf bald und liebe Grüße, Oliver

  13. Auch ich war leider mit einem Narzissten verheiratet. Beim Lesen des Artikels stand er quasi vor mir….. Seine größte Liebe war er selbst und dann kam seine Mutter und dann sein Motorrad und sein Auto und seine Schallplatten und seine Musikinstrumente und dann seine Leitungsposition….. Es war die furchtbarste Zeit meines Lebens. Ich habe mich wie eine Gefangene gefühlt, die nur so funktionieren durfte wie er es erwartete. Jahrelange Beleidigungen, Erniedrigungen und Schläge. Alles gehörte ihm, er war der Beste, der Tollste, vollkommen unfähig mit Kritik in irgendeiner Art und Weise umzugehen. Tja……. jetzt lebe ich endlich in Frieden mit meinen Kindern. Dieser Mensch darf niemals mehr in meine Nähe komme. Nur die Hilfe von Freunden und einem sehr konsequenten Verhalten von meiner Seite hat eine Trennung möglich gemacht. Doch ich werde mein ganzes Leben immer mit der Angst leben genau so etwas noch einmal erleben zu müssen. Es hat furchtbare Spuren hinterlassen. Ich bin so misstrauisch geworden. Wenn ich daran denke wie überfreundlich und manipulativ er sich außerhalb der Beziehung anderen Menschen gegenüber verhalten hat……. Ich weiß gar nicht ob ich überhaupt noch einmal ohne Angst lieben kann. In dieser Beziehung fühlte ich mich wie in einem Netz von einer Spinne gefangen. Sorry aber ein krankhafter Narzisst kann so einen großen Schaden bewirken. Ich hoffe sehr nie mehr mit so einen Menschen in Kontakt zu kommen.

    • Liebe Sarah,

      herzlichen Dank für deine Schilderung. Aufgrund meiner Recherchen und den vielen Kommentaren von Betroffenen eines krankhaften Narzissten, ist mir vollkommen klar geworden, dass das Zusammenleben mit einem Narzissten (wie du es auch beschreibst) die reinste Hölle ist. Niemals wollte ich das in irgendeiner Weise beschönigen! Insbesondere auch die Langzeitfolgen (wie dein Misstrauen, deine Angst). Das ist wirklich schlimm, und ein Mensch, der soetwas tut, ist wirklich ernsthaft krank (ein Soziopath).

      Trotzdem wollte ich die Ursachen ergründen und letztlich auch ein wenig beleuchten, dass solch ein schlimmer Mensch mit all seinen schrecklichen Verhaltensweisen nicht immer so war – unberührt davon, dass die traumatischen Erfahrungen in frühster Kindheit keine Entschuldigung für das heutige Verhalten als Erwachsener sein können (höchstens eine Erklärung). Von solch einem Menschen kann man sich nur abgrenzen und fernhalten – und ihm letztlich seinem Schicksal überlassen – bis er vielleicht eines Tages in eine tiefe Krise kommt, was nach meinem Kenntnisstand überhaupt nur der Ausgangspunkt für so etwas wie Selbstreflexion oder gar Therapie sein kann.

      Ich wünsche dir von Herzen, trotz der leidvollen Erfahrungen, dass du eines Tages wieder ohne Angst lieben und vertrauen kannst.

      Alles Liebe
      Oliver

  14. Hallo Oliver,

    ich bin ebenfalls HS und beschäftige mich mit dem Thema NSP und ASS. – Du beschreibst in deinem Artikel, dass u.a. das Nicht-Annehmen des kleinen Kindes zur NSP führen; man wird nicht so geliebt, wie man ist, sondern nur, wenn man ganz bestimmte Erwartungen der Eltern erfüllt. Dazu möchte ich nur anmerken, dass es zumindest im deutschsprachigen Kulturraum als Folge der Erziehungsideale im 3. Reich etc. in der ganzen Kriegskindergeneration bis Ende der 60er Jahrgänge völlig normal war, dass man als Kind eben nicht so, wie man war, angenommen und geliebt wurde. Eine andere Erziehungskultur – Babys nach Bedarf zu füttern, Kinder so zu lieben, wie sie sind – kam erst mit den 68 ern. – Im übrigen gibt es auch eine Theorie, dass sich eine NPS vor allem in der Pubertät entwickelt. – Persönlich neige ich zu der Auffassung, dass es unabhängig von der klassischen Einteilung in weibliche, männliche, maligne NPS andere Unterschiede gibt, welche sehr grossen Einfluss auf die Therapierbarkeit haben. Ich denke, es gibt (mindestens?) 3 Typen: die, deren NPS sich in der frühen Kindheit entwickelt hat, die, deren NPS sich erst in der Pubertät entwickelt hat, und die – ich sag das mal so salopp dahin- keine echte, sondern eine durch Nachahmung erworbene NPS haben. – Ein Kind, das bei einer narzisstischen Mutter aufwächst, wird diese nachahmen und selbst Narzisstisches Verhalten zeigen. – Aber: Narzissmus ist eben keine Krankheit wie eine Depression, sondern eine Störung in derPersönlichkeitsentwicklung; man könnte auch sagen, eine Charaktereigenschaft. Genau deswegen ist eine echte NPS nicht zu heilen, nicht wegzutherapieren; sondern man kann nur lernen, sein Verhalten zu ändern; damit zu leben. Eine „nachgeahmte“, gelernte NPS dagegen ist heilbar. Dass eine NPS von Mutter oder Vater tiefe Verletzungen in der Kinderseele hinterlässt, ist klar, führt aber nicht zwangsläufig zu einer Persönlichkeitsstörung. – Evtl liegt der Schlüssel in der Empathie. Ich selbst bin absolut davon überzeugt, dass man als Empath geboren wird, oder eben nicht. – Ich benutze den Begriff Empathie hier in der gängigen Weise, was eigentlich falsch ist. Richtiger wäre „Mitfühlender“. Ich habe NPSler kennengelernt, die sehr wohl Mitfühlende sind – alle stehen zu ihrer Störung (ob sie wirklich NPSler sind? – Das problem der Diagnostik, wer sie macht; Psychotherapieausbildung in De spielt da mit herein..), machen Therapie mit sehr guten Fortschritten. Ich habe auch NPSler kennengelernt, denen jedes Mitgefühl fehlt, die keinerlei Einsicht in ihre Störung haben. – Ausserdem möchte ich noch bemerken, dass ich selbst typischerweise dazu neige, durch mein grosses Mitgefühl mich zu überfordern in Hilfsangeboten. Allerdings für maligne NPSler, denen jedes Mitgefühl fehlt, kann ich bis jetzt keine Empathie aufbringen.
    Liebe GRüsse, Jutta

    • Liebe Jutta,

      wow, danke für diesen ausführlichen und kompetenten Kommentar zu dem Thema NPS. In meinen Augen der bisher fundierteste, der das Thema noch einmal aus einer ganz anderen Blickrichtung betrachtet und damit schön ergänzt.

      Ich lerne bei Thema Narzissmus ständig dazu, durch solch schöne Rückmeldungen wie deine. Dass eine NPS auch in der Pubertät entstehen kann, war mir bis dato komplett unbekannt. Insbesondere haben mir deine Ausführungen in Sachen Therapiebarkeit einer echten NPS gut gefallen, der Begriff Charaktereigenschaft, und das man nur lernen kann, damit zu leben.

      Ich glaube Empathie ist in diesem Kontext das große Schlüsselwort. Insbesondere wenn ich meine eigenen narzisstischen Tendenzen anschaue, gepaart mit der Einsicht in die „Störung“. Das ist vielleicht der feine Grat zwischen „gesunden“ NPS, die mit ihrer Störung ganz gut leben können, und eben pathologisch-gefährlichen NPS, denen jegliches Empathiegefühl abhandengekommen ist, ganz zu schweigen von einer Einsicht in ihre Erkrankung, und dann zu solchen destruktiven Verhaltensweisen neigen, wie in zig vorherigen Kommentaren beschrieben.

      Für solche Menschen, ebenso wie bei dir, fehlt mir bis jetzt jegliche Form des Mitgefühls (auch wenn ich die Ursachen für das Verhalten verstanden habe) – allen voran bei politischen Akteuren, bei denen dieser Verdacht nahe liegt (Trump & Co.). Wenn solche NPS an die Macht kommen, oder schon sind, kann das brandgefährlich und gnadenlos für alle werden!

      Danke nocheinmal für deinen differenzierten Kommentar! Eine Bereicherung für alle interssierten Leser.

      Liebe Grüße, Oliver

    • Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich finde mich sehr stark in deinen Sätzen wieder und freue mich auf eine Frau im Netz gestoßen zu sein, die differnezieren kann und nicht nur auf die Mutter-Kind Beziehung beharrt. Für mich sind das gute Ansätze, die ich in meinem Buch weiter verarbeiten kann und werde. Danke !!!!

  15. Hallo Oliver,

    zuerst einmal möchte ich ein Lob aussprechen für diesen herausragend gut recherchierten Beitrag. Das Thema ist so komplex dass es meist ganze Bücher füllt, aber die Zusammenfassung hier ist wirklich differenziert und lesenswert.

    Besonders interessant fand ich aber den Aspekt HSP. Ich weiß noch nicht ob ich vielleicht selbst hochsensibel bin, aber es ist ein Thema, das ich näher ins Auge fassen sollte. Vielleicht hilft es, mich selbst zu verstehen.

    Warum muss ich mich selbst verstehen. Auch ich, um den Bogen wieder zum eigentlichen Thema zu spannen, war 5 Jahre mit einer Narzisstin zusammen.

    Leider habe ich erst kurz nach der Trennung von diesem eigenartigen Menschentypus erfahren. Hätte ich mein jetziges Wissen schon vor der Beziehung gehabt, so hätte sie kein Jahr gehalten. Es war wirklich die Hölle, den Manipulationen und der seelischen Gewalt ausgesetzt zu sein, ohne zu wissen was mit einem passiert. Man merkt es gar nicht wirklich, man hat Angst, ist unterwürfig und fühlt sich wie unter Stress, aber man weiß nicht warum. Als ich dann herausfand, was mit all die Jahre passiert war, war dies eine riesiger Erleichterung. Ich wusste, dass ich nicht Schuld bin, nicht minderwertig bin (das wurde mir ja immer eingeredet), sondern dass ich das Opfer eines gestörten Menschen war. Ich finde es daher gut, wenn dieses Thema immer mehr öffentlich gemacht wird. Zum einen als Informationsquelle und Forum für die Opfer, zum anderen sollte jeder Mensch wissen, was es für gefährliche Mitmenschen gibt und wie man sie entlarvt. Ich plädiere daher für wesentlich mehr Aufklärung.

    Um das Wesen von Narzissten wirklich zu erleben, muss man in einer engen Beziehung mit ihnen leben. In der Öffentlichkeit sieht man nur meist eine sehr schöne, charmante Fassade. Diese Maske wird nur in privater Zweisamkeit fallen gelassen. Ich behaupte, man kann sich so eine destruktive Beziehung nicht wirklich vorstellen, wenn man sie nicht selbst erlebt hat. So etwas ist jenseit der Vorstellungskraft eines gesunden Menschen. Die Gefühlskälte, die Berechung, das Lügen und Schauspielern, das Ausnutzen der Schwächen des Anderen, das langsame Verunsichern, das verdrehen der Realität, diese eigene „unrealistische“ Welt ohne Verantwortung, die mit brachialer Wut gegen jegliche Kritik und jeglichen Zweifel verteidigt wird. Manchmal dachte ich, ich hab es mit einem Kind zu tun, einem Kind das mit aller Macht das bekommen will, was es braucht, das weint, wenn es kritisiert wird und denkt es könnte alles machen.

    Ich denke, dass ich dort auch immer ihren inneren Selbsthass gespürt habe. Diese Unsicherheit, einbetoniert hinter einer Mauer aus übersteigerter Selbstverliebtheit. Eigentlich tat sie mir leid. Ich spürte immer, dass sie sich total selbst überschätzte und sich gar nicht selbst reflektieren konnte und so half ich immer wo ich konnte, mit allem was ich hatte. Oder war das auch nur eine Manipulation, ein triggern meiner Hilfsbereitschaft?

    Man merkt schon, ich kann schwer objektiv über dieses Thema berichten. Dazu sitzt die Verletzung einfach zu tief. Das hinter jedem Narzissten auch nur ein verletzter traumatisierter Mensch steckt ist mir bewusst. Aber ich werde Ihr nicht helfen können (sie sind nicht einsichtig), ich kann nur mir selbst helfen und meine Lehren aus den letzten 5 Jahren ziehen. Zu jeder Beziehung gehören immer zwei und ich habe zugelassen, dass meine Grenzen verletzt werden. Nun muss ich dafür sorgen, dass das nie wieder passiert und dass ich aus dieser Zeit nicht als Wrack sondern als gestärkter Mensch hervorgehe.

    Langer Kommentar, kurzer Sinn:

    – einer Beziehung zu einem stark narzisstischen Menschen (sofern man das erkennt) sollte man tunlichst vermeiden
    – nicht jeder Narzisst schillert auf einer Bühne. Meine Ex war eher zurückhaltend und suchte sich sehr genau Ihre Bezugspersonen und Ihr Betätigungsfeld (versteckter Narzissmus), besonders effektive Plattform für Anerkennung: Facebook
    – Das Buch „Wie schleichendes Gift“ von Christine Merzeder beschreibt sehr detailliert Narzissmus in Beziehungen und vor allem die Formen der Manipulation und die seelische Gewalt
    – Opfer von Narzissten sollte dieses „Erlebnis“ nutzen um sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Es ist auch eine Chance sich selbst in einem anderen, besseren Licht zu sehen und neu kennenzulernen.

    Viele Grüße, Daniel

    PS. Dein Blog ist in meinen Favoriten und wird von nun an regelmäßig gelesen.

    • Lieber Daniel,

      ich freue mich dich als neuen und regelmäßigen Leser begrüßen zu dürfen. Herzlich Willkommen!

      Hab recht herzlichen Dank für diese weitere authentische Schilderung eines Betroffenen von pathologischen Narzissmus. Die Bandbreite von verschiedenen Schilderungen im Zusammenleben mit einem ausgeprägten Narzissten, die es mittlerweile zu dem Beitrag gibt, kann sicherlich für viele LeserInnen nur hilfreich sein.
      Besonders gut hat mir deine reflektierte Schilderung gefallen, dass du auch hinter die „Maske“ deiner Freundin schauen konntest, und vor allem, was du daraus lernen kannst!

      Ich halte das Thema Narzissmus und HSP ebenfalls für sehr spannend und möchte mich damit in nächster Zeit tiefer auseinandersetzen, sicherlich wird es einen weiteren Post zu dem Thema von mir geben.

      Schönen Abend & viele Grüße, Oliver

  16. Hallo Oliver,
    Hallo Mitleser 🙂

    Durch Zufall bin ich auf diesen Artikel sicherlich nicht gestossen, da ich seit geraumer Zeit dieses heikle Thema erforsche und versuche zu verstehen. Dennoch möchte ich mich für diesen Artikel bei dem Author bedanken, er hat mir sehr geholfen „Narzissmus“ besser zu verstehen und sich auch mal in den Narzissten hineinzuversetzen.

    Ich wäre hier nicht gelandet wenn mich dieses Thema nicht direkt betreffen würde, aber seit einigen Wochen kann ich an nichts anderes denken. Und zwar habe ich zu dem „komischen“, „komplizierten“, „launischen“, „dominanten“, „nachtragenden“ und „manipulativen“ Wesen meines Vaters endlich eine Erklärung. Manchmal glaube ich sogar dass er zu der ganz üblen Sorte von Narzissten gehört. Ich hatte immer irgendwie Angst vor ihm, war eingeschüchtert durch seine Macht und wusste nicht wovor ich Angst hatte. Heute weiss ich dass er uns alle manipuliert hat.

    Ich gehöre auch zu den „Hochsensiblen“ Menschen da draussen und das Verhalten meines Vaters hat sicherlich seinen Schaden hinterlassen. Meine Mutter hingegen ist das komplette Gegenteil von ihm. Sie ist selbstbewusst, liebevoll, überhaupt nicht arrogant oder überheblich.

    Trotz dessen das meine Eltern seit ca 14 Jahren geschieden sind und ich mittlerweile 30 Jahre alt bin, lässt mich das alles irgendwie nicht los und ich weiss nicht wie ich mit meinem Vater umgehen soll. Je weniger ich ihn sehe umso besser geht es mir. Oft habe ich versucht ihn für „tot“ zu erklären (in meinem Inneren), so als ob er nicht mehr da ist. Denn seine Gegenwart ist nur schwer ertragbar. Mein Bruder hat einen Weg gefunden damit umzugehen, jedoch meine Mutter und ich können in seiner Gegenwart nicht wirklich wir selbst sein.

    Oft ertappe ich mich dabei mir zu wünschen eine normale Bindung zu meinem Vater zu haben, und dass er sich für mich freuen kann, in allen Lebenslagen.

    Aber die Realität sieht anders aus. Wir kommunizieren so gut wie gar nicht und wenn, dann geht es um seine Pläne und er versucht durch uns (mich und meinen Bruder) an seine Vorteile zu kommen, meistens haben diese mit Geld zu tun.

    In vielen Artikeln habe ich gelesen dass „Narzissmus“ so gut wie gar nicht heilbar ist, sicherlich liegt es auch daran dass diese Menschen dass entweder selbst nicht erkennen wollen oder dass es ihnen sogar passt sich so zu verhalten. Wie auch immer.. es ist eine Persönlichkeitsstörung die das Leben der Mitmenschen stark beeinträchtigt. Schliesslich hat man es mit einem Psychopathen zu tun.

    In letzter Zeit denke ich immer wieder über eine Psychotherapie nach, weil ich das Gefühl habe dass das Verhalten meines Vaters auch dazu beigetragen hat dass mein „Selbstwert“ und „Selbstbewusstsein“ gelitten haben. Ich würde sagen ich bin schon selbstbewusst, aber Niederlagen und Ablehnung gehen nicht ganz spurlos an mir vorbei. Vor allem versuche ich ständig an meiner Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten und meinen Selbstwert zu heben indem ich Literatur zu diesen Thema lese, jedoch glaube ich dass es mir nicht so viel gebracht hat das eigentliche Kernproblem zu beseitigen – diese dumpfe Gefühl von „nicht gut genug“ zu sein.

    Hat jemand ähnliches erlebt mit einem Elternteil ? und was würdet ihr mir raten – Therapie ja / nein??

    Liebe Grüsse,
    Julia

    • Hi Julia,

      herzlichen Dank für deine Schilderungen.

      Nur ein kurzer Impuls von mir: Bücher lesen zu einem bestimmten Thema, wie z. B. Selbstwert erhöhen (tat ich auch jahrelang) kratzt meist nur an der Oberfläche. Sie geben sicherlich gute Einsichten, aber um an das tiefer liegende Gefühl/Glaubenssatz zu kommen, bedarf es meist therapeutischer Begleitung – und einer gewissen Zeit. Ich plädiere immer dafür, sich seinen Themen zu stellen, mitunter auch mit professioneller Hilfe. Es ist heute keine Schande mehr zu einem Therapeuten zu gehen, viele tun das, ich persönlich sehe es sogar als Akt der Selbstverantwortung (Fürsorge), wenn der Leidensdruck zu groß wird oder man immer wieder in den gleichen Mustern festhängt oder hineingerät.

      Alles Liebe für dich, Oliver

    • Liebe Julia

      nicht ein Elternteil, dafür der Bruder. Ja auch ich plädiere für eine Therapie. Eine Gesprächstherapie, bei einem Menschen mit dem es Dir wohl ist. Jemandem bei dem Du Dich öffnen kannst. Und dann macht es sogar so etwas wie Spass, Du entdeckst Dich auf eine neue Weise und das hilft. Und hier aus meiner eigenen Forschung eine Empfehlung (falls Du gut unterwegs bist mit Englisch), schau Dir Fishhead https://www.youtube.com/watch?v=-Gg7fyYH0e8&list=PLDBkKi-wCidmZWQ0RRcy2BLlSDLNv4Zwz auf YouTube an, sehr empfehlenswert. Und dieses Zitat hat mir am meisten geholfen vorübergehen zu lassen; Zitat: „Menschen, die eine auffallende narzisstische Persönlichkeitsstörung haben, sind in der Regel nicht therapierbar. Sie weigern sich energisch gegen jegliche Beratung und Hilfe. Ein Narzisst empfindet sein Verhalten ja nicht als problematisch und schon gar nicht als behandlungsbedürftig. Er leidet schließlich nicht unter seinen Eigenschaften, im Gegenteil, er hält sich für intelligenter, besser und gesünder als der Rest der Welt und kann gar nicht nachvollziehen, was man an ihm auszusetzen hat. Dabei dürfte ohnehin fraglich sein, wie man es einem Narzissten anraten soll, sich behandeln zu lassen ohne dabei einen Hauch der Kritik zu äußern.“ – Aus Umgang-mit-Narzissten.de –
      Dir viel Stärke und glauben an Dich selber.
      Mit sensiblen Grüssen claude

    • Narzissmus und Psychopathie passt sowas von gar nicht zusammen. Die meisten Psychopathen und das sagen Kernberg und Haller, zwei Experten auf dem Gebiet, sind Menschen mit wahnhaften oder schizophrenen Erkrankungen. Narzissmus, wie auch Borderline, Dissozialität, die schizoide, die paranoide, die Zwanghafte, die Histrionische, Persönlichkeitsstörung u.a. treten bei einem Psychopathen, wenn nur anteilig auf und werden dann als Kombistörungen signifiziert. Auch muss man dazu sagen, dass die wenigsten festgestellten Psychopathen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung die auch als solche erkannt oder anerkannt werden, haben.
      Ich wünsche Dir nicht desto Trotz alles Gute für deine Zukunft und mögest du deine Wunden irgendwie heilen können…

  17. Liebe Julia,

    ja, ich habe auch sowas erlebt wie Du mit Deinem Vater. Ähnliches und es ist auch mein Vater.
    Raten oder empfehlen möchte ich Dir nicht, ob Du eine Therapie machen solltest. Diese Entscheidung kannst nur Du selbst treffen.
    Für mich gab es nur die Flucht. Nach dem Zurückkehren wurde es jedes Mal schlimmer, ganz heftige Bestrafungen, keine Freude o.ä., nur gönnerhafte Texte. Dann habe ich den Satz gelesen: „Im kranken Geist des Täters dient diese Grenzprüfung als Strafe für das sich-wehren gegen den Missbrauch und auch dafür, wieder zurückgekommen zu sein.“ Das sass.
    Es gibt nur die Flucht, das Ablösen, denn sonst wird es nur immer schlimmer, bis einer von uns stirbt. Das hat ganz lange gebraucht, zu begreifen, dass es nie besser wird. Darauf zu hoffen ist ein Selbstbetrug. Nun bin ich über ein Jahrzehnt abgelöst, habe keinen Kontakt. Das ist sehr viel besser und hat auch bei der Vergebung geholfen und dabei mein Leben zu leben.

    Wünsche Dir alles Liebe.
    Frederic

  18. Hallo Oliver,

    das sehe ich mittlerweile genauso wie Du. Der Weg führt an einer Therapie nicht vorbei. Ich bin mir auch im Klaren darüber, dass es professionelle Hilfe bedarf und diese werde ich nun auch hoffentlich demnächst wahrnehmen können.

    Ich denke es ist auch wichtig nicht meinen Vater dafür verantwortlich zu machen, da es mehr Hass und Wut verursacht als Harmonie und die Hoffnung auf einen normalen Umgang mit ihm.

    Vielmehr sollte es darum gehen wie du so schön gesagt hast „als Akt der Selbstverantwortung (Fürsorge)“. Und wenn ich mit mir selbst glücklich bin, dann kann ich auch mit seinem Verhalten wesentlich besser umgehen – denn Tatsache ist dass es immer wieder Menschen in unserem Leben geben wird die wir nicht einfach so aus unserem Leben streichen können, aber wir können was dafür tun mit Ihnen besser umgehen zu können.

    Danke für deine Meinung zu diesem Thema!

    Liebe Grüsse,

    Julia

  19. Liebe Julia,

    ich wünsche dir eine gute Auswahl für den Therapeuten / die Therapeutin. Falls sich ein ungutes Gefühl einschleicht würde ich das sehr ernst nehmen. Besonders mit Hochsensiblen gibt es viele Verwechslungen von den Experten und plötzlich bist du in einer noch schwierigeren Situation. Dann lieber gehen und wechseln. Soweit meine Erfahrungen, wenn beides eine Rolle spielt.

    Kannst Du mir das erklären:
    „Ich denke es ist auch wichtig nicht meinen Vater dafür verantwortlich zu machen, da es mehr Hass und Wut verursacht als Harmonie und die Hoffnung auf einen normalen Umgang mit ihm.“

    Ich frage mich dazu folgendes:
    Willst du ihm für seine Handlungen auf dich komplett die Verantwortung erlassen?
    Glaubst Du, dass es diese Hoffnung gibt? Auf einen normalen Umgang mit ihm?

    Klar, wird es immer wieder Menschen geben mit denen wir nicht gut umgehen können und ob man die streichen kann, fragt sich.
    Da frage ich mich (gerne kann auch Oliver oder andere auch antworten):
    Ist das nicht ein Unterschied, wenn es nicht die Eltern oder ein Elternteil ist?
    Warum kann man manche Menschen nicht einfach streichen (ich sage lieber: aus seinem Leben gehen lassen oder rausschmeißen)?

    Jemand, der diese schmerzlichen Erfahrungen nicht gemacht hat, kann vermutlich viel besser mit solchen Menschen umgehen. Das ist doch besser für beide: Für denjenigen selbst, da er/sie noch nicht gezeichnet ist und für den Narzissten auch, da dieser gar nicht die Vorbelastung des anderen mit ab bekommt, er kann eh besser mit weniger emotionsgeladenen Leuten umgehen.

    Alles Liebe.
    Frederic

    • Lieber Frederic

      ich habe nur ein Bedürfnis in Kommentar zu setzen. Du schreibst; Ist das nicht ein Unterschied, wenn es nicht die Eltern oder ein Elternteil ist?
      Warum kann man manche Menschen nicht einfach streichen (ich sage lieber: aus seinem Leben gehen lassen oder rausschmeißen)?
      Ich denke wir müssen uns alle einfach auch gewahr sein, dass Narzissten trotz allem Grenzen gesetzt werden müssen. Jedoch liegt genau dort die Schwierigkeit. Diese Grenzen nehmen Narzissten nicht wahr, oder sie sind neidisch darauf, dass du Grenzen setzen kannst und tust. Problem in beiden Fällen sie halten sich an nichts und haben ja kein empathisches Empfinden, dich mit garantierter Sicherheit entweder verletzend zu entwerten, ignorieren, oder gar bloss zu stellen. Sie lassen nicht los – weil jegliche Einigung nicht eingehalten wird. Denn sie wollen ja bestimmen wann, wo, wie, wieso und überhaupt. Willst du also loslassen, klammern sie. Passt du dich an, belächeln sie dich. Reagierst du nicht, finden sie einen Weg dich Mitleid weckend zu benutzen, gar auszunutzen.
      Mit dieser Form von Umgang müssen wir lernen zu kommunizieren.

      mit sensiblen Grüssen – claude

  20. Danke Claude.
    Vielleicht hast Du recht.
    Ich kann nur sagen, dass ich ohne den Kontaktabbruch tot wäre, das haben auch die Ärzte gesagt. Bisher klappt das, mein Vater hat meine Grenze nicht mehr überschritten.
    Vielleicht wäre das hier ein gutes Thema, ein weiterführender Beitrag dazu, wie man mit Narzissten umgehen kann, ohne zu leiden.

    Nachdenklich.
    Frederic

    • Hi Frederic & Julia,

      ja, dass mit dem Streichen von Menschen aus dem Leben ist so ein Thema. Ich bin da etwas zwiespältig, hin und hergerissen, keinen eindeutigen Standpunkt. Irgendwie ist beides richtig. Es gibt Fälle, aus meiner Erfahrung, da ist es definitiv das beste für das eigene Wohlbefinden, sich rigoros von belastenden Menschen zu trennen, erst recht bei solchen (Narzissten), die jewede Grenzziehung missachten – trotz mehrfacher Ermahnungen.

      Ob das bei den eigenen Eltern genauso funktioniert, ist fraglich. Räumlich und mental kann man sich ja von ihnen trennen, in besonders „schweren“ Fällen, wie es bei dir der Fall zu sein scheint, lieber Frederic. Doch ob das auch systemisch, seelisch, funktioniert, das weiß ich nicht. Mir fällt dazu natürlich gleich das „unsichtbare Feld“ aus den Familienaufstellungen ein. Ich meine mich zu erinnern, dass Bert Hellinger (einer der Pioniere) immer wieder in seinen Veröffentlichungen betont hat, dass man diese „natürliche Ordnung (Hierachie)“ im unsichtbaren Feld als Kind nicht aufheben kann. Heißt, auch wenn man jahrelang keinen Kontakt hatte, alles abgebrochen hat, dann ist man immer noch mit den Eltern verbunden – und wenn es „nur“ auf einer systemsichen, unbewussten, subtilen Ebene ist.

      Letztlich geht es doch wohl nur darum, mit seiner Biografie und Herkunft (Prägung) in irgendeiner Form Frieden zu schließen, um ein erfülltes und glückliches Leben als gereifte Persönlichkeit zu führen – die Wege dorthin sind vielfältig und individuell – so meine Sicht!

      In jedem Fall viel Kraft und Vertrauen.

      Und ja, Frederic, dein Wunsch sei mir Befehl 😉 Ich möchte definitiv weiterführende Beiträge zu Narzissmus schreiben, einer ist gerade online gegangen: Narzissten in Beziehungen zu Hochsensiblen – warum beide immer wieder zusammenfinden, was die „Anziehung“ ausmacht. Und: Wie man in solch einer Beziehung mit einem Narzissten umgehen kann (falls überhaupt), und welche Konsequenzen man im Zweifel daraus ziehen sollte (inkl. Lernprozessen).
      Weitere, vertiefende Artikel sind geplant!

      Alles Liebe für euch beide, Oliver

  21. Lieber Oliver,

    danke.
    Was ist besonders schwer? Zwei knapp überlebte Tötungsversuche am eigenen Kind, reichen die aus? Wo fängt es an, wo hört es auf mit der „Schwere“?

    Hellinger ist bekannt, mir auch. Es gibt dazu Gegenstimmen. Auch wenn es immer Verbindung gibt, unsichtbar. Auch geht kein Leugnen dieser Geschichte, aber es gibt auch seelisch diese Ablösung, zumindest insofern: Es ist kein Leid mehr zu spüren. Ist ähnlich wie Vergebung bei/mit bereits Verstorbenen.

    Ja, jeder Weg ist in Ordnung. Auf jeden Fall.

    Schlimm ist es für mich, wenn der Satz vom Umfeld kommt: „Das ist doch Dein Vater, das kannst Du doch nicht machen“?“ Außenstehenden dies klar zu machen oder so stark zu sein „Deine Sicht ist mir schnurz“ zu sagen und weiter zu machen, ist manchmal noch schwerer. Denn all der Mißbrauch ist nicht so schlimm wie das Verschweigen. Noch schlimmer als das Verschweigen ist, es zu sagen und da ist keinerlei Verständnis bei den anderen. Im allerschlimmsten Fall kommt sogar noch: Das kann nicht sein, was Du da sagst. Oder auch sehr beliebt: Das hast Du sicher falsch verstanden, das hat Dein Vater gar nicht so gemeint. Oder: Jetzt tut ihm das bestimmt leid, das wollte er doch nicht.

    Mir tun diese Menschen mit dieser Haltung leid, ich rede mit denen nicht mehr darüber. Habe jedoch auch klar gemacht, was ich von ihrer Sicht halte und wähle andere Themen.
    Ich wünsche es keinem, doch wer sowas sagt, der hat keine Ahnung und müßte es evt. einmal durchleiden….. Das finde ich auch besonders schlimm: Es sprechen viele darüber, die gar nichts davon wissen. Nur mitreden will jeder. Ist en vogue.

    Bin neugierig auf deine neuen Artikel.

    Frederic

    • Lieber Frederic,

      ich bin ganz bei dir! Nur für den Fall, dass du mich missverstanden ist.

      Ich kann ebenso wie du diese Leute mit ihren schlauen, von dir schön aufgezählten Sätzen nicht leiden! Weil sie es überhaupt nicht nachvollziehen können, wie du es schreibst, weil selbst nicht erlitten/erfahren, und die versteifen sich dann auf Allgemeinplätze („Man muss doch mit seinen Eltern auskommen“, etc.pp.)

      Auch das Thema Vergebung ist ein solches. Tausendmal gehört, gelesen, wieviel Kraft frei wird, wenn man vergibt, aber lesen ist das eine, umsetzen das andere. Irgendwo, von irgendwem, hab ich mal aufgeschnappt, dass es auch eine bewusste Entscheidung für mehr Seelenfrieden sein kann, NICHT zu vergeben, im besten Fall zu verstehen, aber nicht zu vergeben, was geschehen ist, oder getan wurde. Wie bei so vielen Themen, gibt es mehrere Herangehensweisen. Ja, kritische Meinungen zu Hellinger sind mir auch bekannt, obgleich ich zu wenig in der Materie drin bin, persönlich noch keine Aufstellung gemacht habe.

      Ich bin in dieser Hinsicht selbst noch am üben/herausfinden 🙂

      Liebe Grüße, Oliver

  22. Moin Oliver,

    ich selber bin diagnostizierter Narzisst. Ich habe 12 Wochen Schematherapie stationär in Mainz gemacht und mache seit einem Jahr ambulante Schematherapie. Ich habe deinen Beitrag gelesen. Ich fühle mich nicht angegriffen. Vieles von dem, was du beschrieben hast, kann ich nachvollziehen und auch verstehen. Leider fehlt mir bei Dir eine tiefergehdene Differnzierung zwischen gesundem Narzissmus, ungesundem Narzissmus (also die gestörte Persönlichkeitsstörung nach DSM-5 oder dem ICD-10/ Cluster B) und dem bösen Narzissmus (NPS und/ oder anti- bzw. dissoziale Persönlichkeitsstörung). Reine Narzissten haben wie du erkannt hast, ein erhöhtes Geltungsbedürfnis, es ist quasi ein Schrei nach Liebe und Anerkennung, weil er die in seiner Kindheit zu wenig oder zu viel erhalten hat. Allerdings kann es auch daran liegen, dass das Kind jahrelang gehänselt und gemobbt wurde, nicht ausreichend bestärkt wurde und entsprechende Verhaltensweisen nun zeigt. Ich schreibe gerade aus meiner Sicht ein Buch, untermalt mit fachlichen und gesellschaftlichen Ansätzen. Auf die Füße getreten hast du mir nicht. Im Großen und Ganzen ist dir der Beitrag darüber gelungen, mit eben einer Ausnahme. Ein Narzisst der krank ist, muss deswegen nicht böse, maligne sein bzw. ein Psychopath oder Sadist sein. Ich nehme dir das aber nicht übel, dafür gibt es noch krassere Beiträge zu lesen, wo ich mich eher angegriffen fühle. Vielleicht tauschen wir uns mal aus. Würde mich freuen…

    MfG
    Daniel

    • Lieber Daniel,

      ganz herzlichen Dank für deine ausführlichen Schilderungen als Betroffener. Diese Tatsache finde ich besonders spannend, dass sich zu dem Thema nun endlich ein diagnostizierter Narzisst meldet, und nicht nur die Opfer von selbigen. Seine Sichtweise mit uns teilt. Und vor allem sich traut, dazu „öffentlich“ zu stehen, und so reflektiert darüber schreibt.

      Ja, für mich war die Annäherung an dieses Thema ja neu. Mittlerweile habe ich verstanden, dass nicht jeder pathologische Narzisst sofort ein Psychopath, also wirklich gefährlich ist. Man ganz allgemein mit dem mittlerweile inflationär gebrauchten Begriff „Narzisst“ vorsichtig umgehen sollte. In weiteren Beiträgen möchte ich das gerne genauer ausdifferenzieren, bzw. du hast das ja mit deinen Kommentaren schon ganz gut gemacht!

      Sehr gerne können wir uns mal austauschen. Schreib mir dazu am besten eine Email!

      Alles Gute für dich und deinen weiteren Weg.
      Oliver

      PS: Was sagst du als Betroffener und Experte zu Donald Trump? Trifft da aus der Ferne die Bezeichnung maligner (gefährlicher) Narzisst (Soziopath) zu??

      • Hallo Lisa,
        Geh auf die Seite http://www.narzissmus.net
        dann schreibst du an die dort stehende Kontaktadresse
        diese Mail wird dann an mich weiter geleitet
        und dann werde ich Dir auch antworten…..
        solltest du mich nicht abwerten oder mir einen Virus schicken 😉

        MfG
        Daniel

  23. Entstehungsgeschichte einer gestörten Narzisstischen PS

    Man geht davon aus, dass eine narzisstisch pathologisierte und erkannte Persönlichkeitsstörung ihren Ursprung in der frühkindlichen Entwicklungsphase hat. Der gestörte Narzissmus kann aber auch durch eine traumatisierende/ prägende Kindheit mit Gewalt und Mobbing in der Schule oder Konflikte mit gleichaltrigen zustande kommen. Von außen betrachtet wird der Narzisst oft als fordernd und unsympathisch empfunden, ebenso wird ein erhöhtes Anspruchdenken wahrgenommen, geprägt durch einen oftmals mangelnden Selbstwert. Angriff ist schließlich die beste Verteidigung. Es bestehen noch keine systematischen Studien zur Entstehung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Es gibt nur einige Faktoren die eine Störung dieser Art forcieren.

    Häufig hatten Narzissten in ihrer Kindheit durch ihre Eltern oder andere an der Erziehung beteiligte Personen ein Modell, dass den Modus der Selbstüberhöhung vorlebte und ihnen vermittelte, dass man entweder ein Gewinner oder ein Verlierer ist und wie man sich zu verhalten hat, damit man zu den Gewinnern zählt.
    Ebenso erhielt der Betroffene als Kind, nicht die gewünschte und erforderte bedingungslose Akzeptanz. Belohnt wurde das Kind oft nur bei besonderen Leistungen. Zuwendung und Liebe gab es nur unter besonderen Bedingungen. Beim Zeigen von Schwächen und Verletzlichkeit (z.b. in Mobbingszenarien oder beim nicht verstehen einer schulischen Aufgabe), bei Misserfolgen und Fehlern, wurden Betroffene (das Kind, welches nun als Erwachsener ein Narzisst ist) häufig nicht beachtet, verspottet, ausgelacht, abgelehnt oder beschämt. Das Kind wurde in seiner Autonomie nicht anerkannt und akzeptiert. Gefühlsäußerungen wurden nicht ernst genommen, so dass der Betroffene noch heute darunter leidet, sich nicht zugehörig zu fühlen, missverstanden zu werden oder anderen zu misstrauen. Lehrer und andere an der Erziehung beteiligte Personen außerhalb des Elternhauses beschreiben das Kind als schwierig, mit geringer Selbsteinschätzung und niedriger Frustrationstoleranz. Das Kind solle lernen besser Mit Niederlagen umzugehen. Wie das Geht, sagt keiner. Oft wissen sie sich nicht anders zu helfen, als das Kind unempathisch zu begrenzen. Das Kind brauch Grenzen aufgezeigt, aber gleichzeitig auch eine emotionale Bestärkung, dass die Reaktion bzw. das Gefühl berechtigt ist und das Kind auch traurig oder böse sein darf, bestenfalls aber ohne andere zu verletzen.

    Viele Betroffene machen diese Erfahrungen auch im Erwachsenenalter, dass ihre Autonomie mit Füßen getreten wird, oftmals von denselben Bezugspersonen wie damals. Eine Bezugsperson ist eine Vorbildsperson, damit können die Eltern gemeint sein, ein anderer Verwandter oder eine Vertrauensperson aus dem Umfeld, wie z.B. Lehrer, Ausbilder, Mentor oder Arzt.

    Heute ist der Narzisst sehr perfektionistisch. Er erträgt keine Niederlagen mehr und kann sich selber nicht verzeihen, weil er nie gelernt hat, dass Fehler an sich keine Schande sind. Er hat auch nie gelernt Hilfe anzunehmen, denn er hat meistens auch keine Hilfe angeboten bekommen. Daher wirkt der Narzisst auch oftmals kalt, distanziert und teilweise auch gefühllos. Nach dem Vernehmen anderer wird beim Narzissten ein Mangel an Empathie, eine gewisse Rücksichtslosigkeit und ein sehr einnehmendes Wesen wahrgenommen. Er erhöht sich über andere und gibt ihnen ein Gefühl der Unzulänglichkeit. Er geht in seinem Innersten davon aus, nur wenn er Abliefert, bekommt er Lob und Aufmerksamkeit, sowie Respekt und Anerkennung. Aus diesem Gefühl heraus entsteht auch die Sehnsucht nach ungeteilter Aufmerksamkeit. Lob und Anerkennung werden zur Triebfeder des Narzissten. Ebenso geht er auch davon aus, wenn er schwächelt, weniger wertvoll zu sein, als andere und abgelehnt zu werden. Also arbeitet er auch vorrangig allein und nur sehr ungern im Team, weil er als Kind die Erfahrung machen musste, in den entscheidenden Momenten im Stich gelassen zu werden und alleine mit allem klar zu kommen.

    Der Modus der Selbsterhöhung ist eine Verschleierung der eigentlichen, verletzlichen Gefühle des Narzissten. Von außen werden Narzissten die im Modus der Selbsterhöhung agieren, als eitel und selbstverliebt wahrgenommen. Gleichzeitig werden andere Menschen entwertet. Nicht immer ist die Selbsterhöhung (Bewältigungsmodus) als Abwertung zu verstehen. Manchmal dient sie auch als wichtiger Schutzmantel (Überlebensstrategie) für den Betroffenen, gerade dann, wenn er sich nicht ausreichend wahrgenommen fühlt oder er suggeriert bekommt, dass er nicht genügt.
    Die Reaktion des Umfeldes, nämlich der Rückzug, oder die Verurteilung seiner Verhaltensweisen, bestätigt dem Narzissten am Ende wertlos und ungeliebt zu sein, sowie zu den Verlieren zu zählen, was er als erneuten Anlass sieht, sich dysfunktional zu verhalten.

    • Lieber Daniel

      kann Deine Meinung nicht ganz nachvollziehen, denn die meisten mir bekannten Narzissten wurden in ihrer frühen Kindheit so sehr betüddelt, so sehr in den Mittelpunkt gestellt, so oft aus Situationen herausgerettet die sie selber fabrizierten, so oft als sensibel anstatt empfindlich dargestellt, dass sie nie lernten selber Verantwortung für ihren (Entschuldige bitte) gebauten Mist zu übernehmen. Sie haben sozusagen nie Sanktionen erlebt. Sicher wurde von den einen oder anderen Höchstleistung erwartet, beste Schulnoten etc., was auch nicht gerade sozial förderlich ist. Aber ich denke wir alle sollten auch irgendwann einmal darüber reden, welche Verletzungen, welche Grenzüberschreitungen, welche üblen Nachreden sie hinterlassen. Wir sollten mehr Mitgefühl für diejenigen entwickeln die durch pathologische Narzissten übel sehr übel und sehr tief verletzt wurden. Ich möchte nicht unbedingt eine Mitleidkultur für die „armen“ Narzissten entstehen lassen. Denn wie Marie France Hirigoyen in „die Masken der Niedertracht“ sehr deutlich beschreibt, sind diese pervers veranlagten Menschen nicht Kritikfähig und keineswegs bereit an sich zu arbeiten. Wozu auch – sie sind ja perfekt – und Schuld sind immer die anderen, die Welt, die Umstände und darin sind sie enorm erfinderisch. Auch im Vorspielen sie würden sich anpassend ändern. Laut Prof. R. Haller gehen pathologische Narzissten bei Kritik sogar soweit Rache auf sehr üble Weise, bis hin zur totalen Vernichtung einer gesunden Seele zu üben, weil sie eifersüchtig darauf sind. Wir alle werden es erneut erleben – mit Mr. Trump, der sich jetzt gerade moderat verhält, was nur Strategie ist….
      Mit sensiblen Grüssen – claude

      • Liebe Claude,

        nicht der Antwort von Daniel vorweggreifend, möchte ich doch ein paar Gedanken zu deinen Zeilen teilen.

        Du legst dich in all deine Ausführungen sehr auf den pathologischen Narzissten fest, der gefährlich, durchtrieben und eben völlig ohne Mitgefühl ist. Dies ist sicherlich ein Hinweis und Warnen (siehe Trump), der sehr wichtig ist.

        Doch wie Daniel sehr fundiert dargelegt hat, und ich im übrigen auch immer wieder darauf hinweise, gibt es durchaus unterschiedliche Grade von Narzissmus. Ich habe auch narzisstische Persönlichkeitsanteile, du sicherlich auch – und trotzdem sind wir beide (so hoffe ich 😉 ) keine pathologischen, gefährlichen Narzissten! Mir geht es bei diesem Thema sehr ums Differenzieren, und ganz sicher nicht um das Sympathisieren in irgendeiner Art mit einem pathologischen Narzissten (siehe Artikel über Narzissmus und Politik).

        Bei allem Verständnis für die traumatischen Ursachen einer solchen schweren Persönlichkeitsstörung, halte ich es ebenso wie du für immens wichtig, mit dem heutigen Verhalten einer solchen NPS umzugehen, oder eher dagegen vorzugehen -, ihr Einhalt zu gebieten, bevor Schlimmeres passieren könnte, er sein Umfeld auf allen Ebenen zerstört. (wiederum siehe Trump. Deine Einschätzung bezüglich seines jetzigen moderaten Verhaltens teile ich übrigens zu 100%).

        Aber sollten wir nicht aufpassen sofort jede narzisstische Ausprägung (Tendenz) als pathologisch und gefährlich einzustufen?? Wie du sicherlich weißt, hat und braucht jeder von uns bis zu einem gewissen Grad narzisstische, oder egoistische Tendenzen, um unseren Selbstwert zu regulieren.

        Ich kenne Daniel nicht persönlich, Worte sind geduldig, aber nach seinen Ausführungen bekam ich den Eindruck, dass hier ein Mensch sein Problem erkannt hat und daran arbeiten will, oder schon getan hat. Er stellt sich seinen Wunden und Verletzungen. Nach meiner Recherche ist zwar eine narzisstische Störung schwer zu therapieren, aber eben nicht völlig unmöglich. Als aller Erstes gehört eine Einsicht in die eigene Erkrankung dazu, Reflexion, Kritik & Rückmeldungen annehmen zu können, seine destruktiven Verhaltensmuster zu erkennen etc.

        Ein ausgeprägter Narzisst wäre dazu niemals in der Lage, ja, aber bei „schwächeren“ Formen dieser Störung, sehr wohl. Oder täusche ich mich da? Wie siehst du es??

        Liebe Grüße, Oliver

  24. Lieber Oliver

    Pathologisch setze ich für krankhaft ein, was aus meiner gelesenen Literatur noch nicht mit psychopathisch, soziopathisch, dissozial und so weiter zu tun hat. Ich sehe es als eine Annäherung an eine ungesunde Form von Narzissmus. Auf was ich aber unbedingt hinaus möchte ist; wenn wir alle immer wieder darüber sprechen woher das kommt, wie es hat entstehen können und so weiter, dann geben wir meiner Meinung nach eben genau wieder Fläche, Wichtigkeit, Aufmerksamkeit in jene Richtung welche Narzissmus füttert. Verstehe ich Prof. Rainer Haller richtig, der übrigens auch meint, man müsse das Weite suchen, so ist das Hindernis ja schlussendlich nicht aus der Welt geräumt. Kurz; wenn nicht mehr wir das, oder die Opfer sind oder werden, weil wir gegangen sind, dann garantiert jemand anderes. Können wir das zulassen und so tun, als ob es uns nichts angeht? Wäre das Mitgefühl? Oder sollten wir nicht die Verwundeten, die Gebrochenen, die Diffamierten, die Ehrverletzten ins Zentrum der Betrachtung ziehen um mehr zu verstehen und überhaupt in Handlung zu kommen? Deshalb empfinde ich es als äusserst wichtig, dass der Narzisst sich selber ebenso gewahr werden soll, wie, wo, wann, warum und weshalb er aus Eifersucht heraus, Entwertet, Empathie-Losigkeit, Empfindlichkeit, Egozentrik und pure Egomanie walten lässt. Eben, was dies bei den Opfern auslöst. Wir alle und vor allem sämtliche Narzissten sollten sich überlegen, was sie dem Anderen, dem Gegenüber, egal wo und egal wer antun. Sie sollten eine Empfindung erlernen was es für die durch ihr Tun traumatisierten, verletzten, gedemütigten, verdrängten Menschen bedeutet. Wie sich das anfühlt. Das würde meiner Meinung nach auch zu einem Therapieprogramm dazu gehören. Ich bin zur Überzeugung gekommen (Wendy Behary – „Der Feind an deiner Seite“), dass nur durch das widerholte Erklären eventuell jene Ecke in der Kognition der Narzissten geweckt werden kann und zu einer für alle annehmbaren Heilung führen kann. Aber genauso bin ich der Überzeugung, dass die Opfer gehört werden müssen. Dass deren Geschichten Fläche benötigen, dass deren Erleben ins Zentrum der mitfühlenden Wahrnehmung aller (der Gesellschaft) gerückt werden muss. Keine Samthandschuhe für Täter. Weichen wir alle immer wieder aus, auf die Ebene der Narzissten, ob in der Trennung, oder im darauf eingehen, helfen wir den Opfern nicht wirklich. Und mein Mitgefühl gilt den Opfern von Narzissten und nicht den Narzissten die sich durch Erklären aus welcher Kindheit sie kommen etc. schon wieder ins Licht stellen. Wir verschieben nur das Hindernis und dieses behindert weiterhin. Ich bin mir manchmal sogar nicht einmal sicher, wie öffentlich wir alle darüber reden sollten, denn der Narzisst lebt ja davon sich zu informieren, um egozentrisch walten zu können. Übrigens ist mein Diskurs online unter; lisamoldes/wordpress.com
    Lieber Oliver, ich hoffe sehr meine Antwort gibt einen weiteren Aspekt und du kannst erkennen, dass ich den krankhaften Trump eher als psychopathischen Narzissten bezeichnen würde.
    mit sehr sensiblen Grüssen – claude

  25. Das ist jetzt nicht nett Daniel – du urteilst ja doch – und ich befasse mich journalistisch seit mehreren Jahren mit diesem Thema – bin selber weit entfernt von Narzissmus. Aber ich kenne eine Unmenge Menschen – egal ob schwul, lesbisch, weiblich, oder männlich, sie alle haben gelitten unter diagnostizierten Narzissten. Sei dies nun weil diese zu egoistisch, oder zu empfindlich waren, oder zu wenig Einfühlungsvermögen an den Tag gelegt hatten. Dein langer Text spricht für sich – von wegen ver-urteilen. Der Claude ist übrigens eine sie – die sich gerade mit über 40 durch Narzissten tief verletzten Menschen, vorwiegend Frauen auseinandersetzt. Ich habe dich nicht persönlich angegriffen – sondern versuche dieser, der anderen Seite Gewicht zu geben. Gerade weil das Netz übersprudelt und alle über Narzissten, in welcher Form auch immer debattieren, jedoch wenige darüber, was sie hinterlassen. Ich meine gerade wie du eben auch.
    mit immer noch sensiblen Grüsse claude

    • Auch wenn das jetzt sicher impulsiv klingt. Ich hab jetzt alle deine Beiträge gelsen. Du klingst voller Hass. Und du zeigst NULL Empathie gegenüber Menschen die an einer PS erkrankt sind. Mehr noch,g ibst du Ihnen sogar die Schuld dafür, dass sie so sind, wie sie sind. Ich überlege gerade ganz stark, nach meinem Gespräch, was ich mit Professor Haller führen werde, ob ich dagegen vorgehe. Du schreibst voll und ganz aus Opfersicht.
      Nur, durch Schuldzuweisung, werden deine erlittenen Schmerzen auch nicht weniger.
      Ich wünsche dir für deine Zukunft alles Gute….
      Hochsensibel sein, heißt auch Verzeihen können… das lese ich nicht heraus
      Daniel S. B.

  26. Du hast deine Ansicht. Ich habe meine Ansicht. Nichts davon ist richtog oder falsch. Es ist rein subjektiv. Narissten sind Opfer der Gesellschaft! Also bedank dich bei der Gesellschaft, dass deine Frauen, mit denen du dich befasst, so schwer verletzt wurden. Und bitte unterscheide. Ich bin nicht schuld daran, dass es den Frauen so schlecht geht. Ich ziehe mir also diesen Schuh nicht an.

    • Krasser Kommentar! Und so aufschlussreich, was die skizzierten Abwehrmechanismen im Artikel angeht. Dieser Kommentar ist ein schönes Beispiel für die narzisstische Wut und Kränkung und die Schuldprojektion auf andere. Und vor allen Dingen, dem sich schnell angegriffen fühlen, es persönlich nehmen, obgleich es wahrscheinlich gar nicht persönlich gemeint war. Ein krankhafter Narzisst nimmt aber sofort alles persönlich und bezieht es auf sich – und entwertet dann sofort andere.

      Ich habe überlegt, deinen Kommentar kommentarlos zu löschen – werden ihn aber stehen lassen – im Sinne eines allgemeinen Lehrbeispiels über das Verhalten von narzisstisch veranlagten Menschen!

  27. Zum Verständnis…..
    (Falls ich irgendwen persönlich angegriffen oder abgewertet habe, entschuldige ich mich in aller Form, denn irgendwen von Euch zu verletzen war nicht meine Absicht!!!)

    Ich habe erwähnt, dass ich meine Schwester liebe, aber als sie dann älter wurde, habe ich sie gehasst und das nicht nur weil sie meine Schwachstellen herausfand und mich damit aufzog/ ärgerte/ drangsalierte. Angefangen mich zu ärgern begann sie mit ca. 3 Jahren. Damals hatte meine Mutter ein Tageskind im Alter meiner Schwester. Und wie Mädchen nun mal so sind, ärgern sie auch kleine Jungs.
    Als meine Schwester 4 wurde, hat meine Mutter in einem Kindergarten in unserer Nähe angefangen zu arbeiten. Meine Schwester besuchte die Sternengruppe, ich kam in den Hort der Sonnengruppe und meine Mutter fing an zu arbeiten als Erzieherin in der Mondgruppe.
    Trotzdem hat meine Schwester mich zu Hause immer mal wieder mit ihren Freundinnen geärgert und provoziert. Und jedes Mal, wirklich jedes Mal bin ich darauf angesprungen.
    Ich habe somit auch zu Hause nicht den Schutz erfahren, den ich brauchte. Nein, in der Schule waren es die anderen Kinder, und zu Hause war es meine Schwester, die mich auch geärgert hat, nachdem ich sie weinenderweise gebeten habe, aufzuhören. Meine Mutter hat dazu immerzu versucht mich zur Ordnung zu disziplinieren und mir mit Hausarrest gedroht oder Fernsehverbot, wenn ich mal nicht aufräumen wollte. Ebenso sagte sie, ich solle mich von meiner Schwester und all den Kindern nicht provozieren lassen. Wie soll das gehen, wenn mich fast jeder grundlos geärgert hat? Irgendwann bin ich dann immer an die Decke gegangen, auf 180 und hab mich gewehrt, war laut, habe geschrien. Ich bekam natürlich immer den Ärger, während meine Schwester und auch die anderen Kinder damit durchkamen. Ich war lauter, entsprechend wurde mir nicht geglaubt. Und ich war allein. Irgendwann habe ich dann auch angefangen zu lügen, habe andere Kinder grundlos geschlagen und immer behauptet, ich hätte nix gemacht. Manchmal kam ich damit durch, aber oft wurde ich des Lügens überführt. Also hab ich meine Strategie wieder verändern müssen und war von da an, immer ehrlich. Ich hatte keine Lust auf zusätzliche Prügel oder Bestrafung durch meine Mutter oder Sanktionen durch die Lehrer. Dennoch habe ich mich als kleiner Junge ganz oft in den Schlaf geweint. Ich habe mich immer wieder fragen müssen, warum die anderen Kinder mich einfach nicht in Ruhe lassen? Was musste ich tun, um dazu zu gehören? Selbst meine damalige Kinderärztin sagte, ich soll mich nicht immer so aufregen, sonst würde ich keine 20 werden und an einem Herzinfarkt sterben. Sie fragte mich immer, ob ich wirklich schon so früh sterben wolle.
    Und wo bin ich dann mit meiner Wut hin? Ich habe sie an einem Tageskind meiner Mutter ausgelassen. Mittlerweile bereue ich es zutiefst, aber damals als Kind war meine Resilienz nicht groß, so dass ich mir meinen persönlichen Blitzableiter suchte. Ich habe nicht nur das kleine Tageskind meiner Mutter öfters im Schwitzkasten gehabt, sondern ich habe auch andere Kinder meine Wut spüren lassen, wenn sie mich provoziert haben. Ich griff zu Kraftausdrücken oder drohte Ihnen an, sie verprügeln zu lassen, von meinen imaginären Beschützern. Wenn man immer nur auf die Fresse kriegt, fängt man irgendwann auch an, sich zu wehren. Und das tat ich, ich wehrte mich. Ich wehrte mich teilweise mit Mitteln, die nicht gerechtfertigt waren, aber mir blieb keine Wahl. Anderenfalls hätte ich mir eine dritte Wange ans Kinn tackern müssen, um noch eine weitere Stelle zum Hinhalten zur Verfügung zu haben.

    Jetzt als Erwachsener Narzisst in Therapie kann ich für beide Seiten Verständnis aufbringen (also sowohl für den Narzissten (oder auch meinen kleinen Daniel), als auch für die Partnerin, die unter diesem nun leidet bzw. leiden musste, ein Narzisst macht nämlich nichts anderes mit seiner Partnerin, als was er gelernt hat, bzw. was er erfahren hat).

  28. Hallo zusammen,

    aus privaten Gründen (siehe unten) habe ich kürzlich viel zum Thema Narzissmus gelesen. Diesen Artikel fand ich besonders gut, da er die Sache von beiden Seiten beleuchtet.

    Für mich muss ich im Moment vorsichtig sein, denn wenn man viel über das Thema liest, sieht man tatsächlich überall nur noch Narzissten herumlaufen. Aber, es steht ja schon in der Bibel: liebe den anderen wie Dich selbst. Dafür muss man sich selbst aber erstmal lieben.
    Daher die wichtige und schwierige Unterscheidung zwischen: sich selbst lieben und in sich selbst verliebt sein.
    Nun komme ich gerade aus einer drei jährigen Beziehung, die mich mehr zerreißt denn je und die in mir selbst Charakterzüge geweckt hat, die ich nicht mag und auch nicht kannte. Über eine Freundin, kam ich dann auf Narzissmus. Warum gerät man an jemanden, der mit Zuckerbrot und Peitsche, so viel Anziehungskraft hat? „It takes two to tango“. Die Degradierungen, Erniedrigungen und die Illoyalität waren unglaublich (vielleicht aber auch nur schlechter Charakter?!). Es hat in mir Wut und Zorn und emotionale Ausbrüche ausgelöst, die ich nie kannte und die umgekehrt für ihn nicht schön waren. Zunächst sah ich die Narzisstin in mir und nahm die gesamte Schuld auf mich und sah mich genauso schlecht, wie ich von meinem Partner beschrieben wurde. Zum Glück habe ich einen guten Freundeskreis, der mir die Augen öffnete. Lange dachte ich aber die sagen mir nur, was ich hören möchte; mein Partner hält mir hingegen den wahren Spiegel vor. Ich bin mir auch immer noch nicht sicher beziehungsweise möchte eine gesunde Selbstkritik nicht aufgeben. Mein Partner ist sehr dominant, selbstbewusst und ein erfolgreicher Mann. Wahrscheinlich – so sagt man mir – wirke ich nach außen auch selbstbewusst, sogar manchmal arrogant.
    Er ist die Perfektion in Person – so sagt er auch von sich selbst. Tatsächlich ist ihm viel gelungen. Die Selbstherrlichkeit störte mich dann irgendwann schon. Und warum muss er von dieser guten Position so provokativ und fies sein und andauernd nach Anerkennung streben, aber nie welche verteilen?!? Druck erzeugt Gegendruck: Wenn er Anerkennung forderte, bekam er sie von mir nicht. Es entstand ein Teufelskreis, denn dafür wurde ich natürlich mit Degradierungen bestraft; da waren natürlich auch Beleidigungen dabei, die einen Wahrheitsgehalt hatten.
    Haben wir einfach nur die apokalyptischen Reiter eine Beziehung mit schlechter Kommunikation durchlebt? Oder ist er Narzisst und ich Co-Narzisst? Wir hatten auch die klassischen Nähe-/Distanz-Themen. Nähe und vor allen Dingen Distanz musste ausschließlich von ihm bestimmt werden. Einerseits schien er meine absolute Abhängigkeit zu brauche, andererseits, wenn ich mal etwas Nähe oder Bindung wollte, bekam er Panik und ging auf Distanz.
    Vielleicht ist es am Ende auch nicht wichtig, wie es genau war. Nur für die Zukunft würde ich gerne verstehen, warum ich da rein gerutscht bin, warum mich das so viel mehr mitnimmt, warum ich mein Selbstwert verloren habe und wo ich an mir arbeiten muss.

    Mit der ganzen Recherche komme ich dann außerdem zu der erschreckenden Erkenntins, dass wir gerade eine narzisstische Gesellschaft entwickeln. Ich habe einen kleinen Sohn und muss mir genau überlegen, was ich da tun kann, damit er nicht auch zu einem wird. Hoffen wir, dass es nicht zu spät ist.
    Auf jeden Fall vielen Dank für den guten Artikel und die diversen bereichernden Kommentare. N.

    • Hi Nico,

      danke für deine ausführlichen Schilderungen und Kommentar.

      Zu dem Thema Co-Narzissmus in Partnerschaften kann ich noch nicht viel sagen, da zu wenig damit auseinandergesetzt. In meinem Artikel über den Zusammenhang (bzw. Differenzierung) von HSP und Narzissmus ging ich darauf im letzten Drittel ein wenig ein.

      Es ist nie zu spät aus meiner festen Grundüberzeugung 😉 Ja, wir leben in einer narzisstisch geprägten Gesellschaft hier im Westen. Dies hat diverse Gründe, aber darum geht es jetzt nicht. Du fragst dich selbst, was du tun kannst, damit dein Sohn kein Narzisst wird?

      Nun, aus meiner bescheidenen Wahrnehmung heraus ist die Bindung das allerwichtigste. Dein Sohn (wie jedes Kind) möchte von dir gespiegelt werden in seinem Verhalten. Es geht weder darum ein Kind zu verhätscheln und zu verwöhnen noch es in seinen Emotionen und Äußerungen nicht ernst zu nehmen. Eine authentische, echte Bindung/Beziehung ist das allerwichtigste. Dies beinhaltet auch, dass man als Elternteil sich in seinen Emotionen und Grenzen zeigt. Ein befreundeter, sehr erfahrener Pädagoge hat mir das gesagt.

      Wir als Eltern sind immer für die Stabilität der Bindung verantwortlich, dazu gehört aber auch, dass man sich verletztlich oder schwach zeigen darf, ein Kind würde das verstehen. Man muss nicht immer den Coolen und Kontrollfreak mimen.

      So mein Impuls – eine Meinung von vielen 🙂

      Alles Liebe und eine wunderbare Weihnachtszeit mit deinem Sohn.
      Oliver

  29. Wir können den Narzissmus nicht aufhalten! Wir können unsere Kinder nur davor bewahren, indem wir sie Kinder sein lassen und sie nicht ausnutzen oder missbrauchen, um unsere in unserer Kindheit erlittenen Verletzungen zu kompensieren.

    • Hallo Daniel,

      das sehe ich ein wenig anders. Ich gebe dir Recht, dass wir unsere Kinder nicht für unsere eigenen Mangelzustände missbrauchen/kompensieren sollten. Überhaupt sollten wir das bei niemanden tun. Eigenverantwortung und Bewusstheit sind hier für mich die großen Schlüsselwörter. Ein Kind will so gesehen und geliebt werden, wie es ist, nicht wie wir es haben wollen!

      Trotzdem glaube ich, dass wir Narzissmus in der Gesellschaft eindämmen können. Ganz klar, aufgrund unserer Konsum und Darstellungsgesellschaft nähren wir narzisstische Tendenzen. Aber die Gesellschaft sind wir! Und wenn wir immer mehr erkennen, dass Narzissmus quasi nur ein Schrei der inneren Leere ist, und diese nicht weiter mit Konsumkrempel auffüllen wollen, sondern uns dieser stellen, sehe ich eine Chance. Es fängt immer im ganz Kleinen an, bei jedem selbst – so meine Erfahrung.

      Grüße, Oliver

  30. Hallo Oliver,

    das war ein so guter Artikel, dann eine Reihe guter Beiträge und jetzt gucke ich nach Wochen rein: bin entsetzt. Schade.
    Ich hätte mir was anderes gewünscht, vor allem Intervention. Sehr schade.

    Gruß
    Frederic

    • Hallo Frederic,

      über was genau bist du denn so entsetzt? Was hättest du dir gewünscht?
      Dass ich Daniel S.B. (der bekennende Narzisst) zu viel Raum gegeben habe? Dass es hier unterschiedliche Meinungen/Auffassungen zum Umgang mit Narzissmus und dem Narzissmus in Partnerschaften (Stichwort:Co-Narzissmus) gibt?

      In den letzten Wochen habe ich die Kommentare relativ unkommentiert freigegeben, ja. Dies hatte zwei Gründe: Zum einen hatte ich viele andere Sachen zu tun, zum anderen wollte ich eine gewisse Dynamik entstehen lassen unter den Lesern (Kommentatoren).

      Des Weiteren verfolge ich mit den Kommentaren eine Linie der freien Meinungsäußerung, der Vielfalt der Meinungen und Perspektiven. Natürlich alles in gewissen Rahmen und Spielregeln (z.b. persönliche Beleidigungen). So werden sie von mir moderat kommentiert.

      Falls es dir um Daniel S.B. geht? Mir war von Beginn an bewusst, dass ich mit dem Thema Narzissmus ein heißes Feld betreten werde. Und früher oder später einen richtigen Narzissten anziehen würde, der einiges anders sieht, Verantwortung von sich schiebt, verteidigt, projiziert, entwertet etc. Wie in meinen Artikeln erwähnt, war mir wichtig, auch die „andere Seite“, also die des Betroffenen, die oftmals in anderen Artikeln zu kurz kommt, oder erst gar nicht gehört wird, gelten zu lassen. Dies habe ich getan. Und habe von Daniels Seite zur Kenntnis genommen, dass es ihm oftmals zu einseitig ist, „nur“ die Opfer gesehen werden und die Opfer vor allem oftmals selbst starke narzisstische Züge haben (so Daniel) und das eine reine Schuldzuweisung nur auf die Narzissten nicht zielführend ist.

      Darüber kann man natürlich streiten und ganz anderer Meinung sein, allen voran als Opfer eines pathologischen Narzissten. Diese Auseinandersetzung habe ich mit Daniel auch geführt, u.a. in einem privaten Austausch auf Facebook, und er hat mich auch im Zuge dessen angegriffen und entwertet (und sich anschließend wieder entschuldigt). Trotzdem möchte ich diese Sichtweise hier stehen lassen. Jeder der gewillt ist, sich so „objektiv“ und umfassend mit dem Thema auseinanderzusetzen kann dies mit Hilfe der verschiedenen Kommentare (Artikel) tun. Dies ist mein Anspruch: So gut es eben geht nicht zu einseitig zu werden (bei all meinen Blogthemen!) und trotzdem darauf achten, dass gewisse Personen meinen Blog nicht instrumentalisieren oder für ihren Hass, Wut und Projektion missbrauchen!

      Falls das aus deiner Sicht geschehen ist, sag mir bitte Bescheid, mit einer genauen Beschreibung. Trotzdem werde ich die zum Teil sehr langen Kommentare von Daniel jetzt noch einmal genau durchgehen.

      Viele Grüße, Oliver

      • Hallo Oliver,

        danke für deinen Kommentar. Ich arbeite z.Zt. in Doppelschichten, daher melde ich mich erst in ein paar Tagen.

        Schnellen Gruß
        Frederic

          • Hallo Oliver,

            bin etwas spät, nur alles lief anders vor und während Weihnachten völlig unerwartet, daher ging es nicht früher.

            Inzwischen hat sich schon vieles aufgeklärt. Ich habe einfach früher gespürt, daß das aus dem Ruder läuft mit Daniel S.B. und die Therapie bei ihm nicht angeschlagen hat. Hier war für mich klar, daß sich jemand als Narzisst profiliert, der es öffentlich zugibt einer zu sein. Damit ist er ja dann auch wieder besonders „besonders“.
            Dein langer Post vor kurzem hat mich daher nicht überrascht, es war vorhersehbar für mich und ich hatte mich die ganze Zeit schon gefragt, was da unsichtbar hinter den Kulissen abläuft.
            Intervention und eine klare Haltung ist daher jetzt geschehen und das begrüße ich.

            Auf meinem Weg nach Lösungen war für mich klar, daß hier die Diskussion sonst einschläft bzw. nur noch von Dir und Daniel S.B. bestritten worden wäre und das hätte ich schade gefunden, denn ich hoffe darauf, gemeinsam Wege zu finden, vor allem im gesellschaftlichen Kontext.

            Das war es schon von mir.

            Viele Grüße
            Frederic

          • Hi Frederic,

            schön, von dir zu lesen. Unter anderem deine kurze Anmerkung in Bezug darauf, dass du „entsetzt bist“, hat mich schwer zum Nach- und Umdenken gebracht. Ja, vieles ist bereits von mir in dem längeren Kommentar gesagt worden. Leider habe ich es erst zu spät bemerkt bzw. hat Daniel es perfide verstanden, dass er mich mit meiner offenen Haltung für beide Seiten (Opfer wie Betroffene) an den „Hörnern“ packen kann. Und dem von dir erwähnten „gemeinsamen Weg“, was gesellschaftliche Lösungsstrategien angeht.

            So bin ich auf sein Spiel reingefallen, habe mich verunsichern lassen, was meine Quellen, meine Arbeit und meine Haltung angeht. Auch hat er es geschafft, mich zu provozieren, mich auf das emotionale Feld zu locken, ja, das gebe ich zu. Derzeit habe ich jeglichen Kontakt abgebrochen/blockiert, weil ein sachlicher Diskurs seit längerem nicht mehr möglich war – und es nebenbei meine Nerven schont.

            Dass er mir jetzt mit anwaltlichen Konsequenzen droht, falls ich seine Kommentare nicht lösche, ist nur eine weitere Drohgebärde, ein weiterer Versuch der Einschüchterung, quasi der „Schlussakt“ in diesem Drama – und zeigt offenbar, dass seine Therapie nicht angeschlagen hat, ja, er sich in den alten Mustern verliert. Ich werde dem Ganzen weiterhin sachlich und ruhig entgegensehen – auch einem etwaigen (!) Anwaltsbrief.

            Einen guten Rutsch ins neue Jahr & viele Grüße
            Oliver

  31. Wahnsinn wie Du beschrieben hast, dass ich dich entwertet und dann entschuldigt habe, ohne den Auslöser zu benennen bzw… den Lesern zu schreiben, was du geschrieben hast, worauf ich dann so reagiert habe. Ja ich habe dich abgewertet, dies geschah nicht um Dich zu dämonisieren, sondern um Dir zu zeigen, wie schwer mich deine Aussagen getroffen haben. Ich würde mich freuen, wenn Du schon über mich schreibst, auch erwähnst, was du geschrieben hast, was dazu führte, dass ich mich angegriffen fühlte. (Empathie für Narzissten und Reflektion sind hier die Stichwörter)

    Ich bin seit 13 Jahren in Therapie. Seit 2 Jahren weiß ich von meinem Narzissmus. Vorher gabs viele Diagnosen wie z.B. Borderline oder soz. Anpassungsstörung, die alle nicht zutrafen. Ich habe das, was die Opfer hier betreiben (das verbale Auskotzen- die Schuldzuweisung- Die Schilderung ihres Erlebten), hinter mir. Ich war genauso. Ich habe auch die Schuld bei den Leuten gesucht, die mir weh getan haben. Ich habe meiner narzisstischen Mutter, ebenfalls sehr weh getan. Ich habe sie bekämpft und jede Situation eiskalt ausgenutzt, sie bloß zu stellen.
    Mittlerweile und darüber bin ich sehr froh, haben meine Mutter und ich Frieden geschlossen. Wir beide haben uns gegenseitig verletzt, aber jeder ist da dann auch für sich selbst verantwortlich. Man kann sich trennen, die Distanz suchen, sich somit schützen. Man kann aber auch sich weiter damit beschäftigen und rein steigern, was dann eben zu diesen verbalen Auskotzattacken führen, was nur bedingt interveniert wurde.
    Ich habe großes Mitgefühl und Verständnis, für alle die, die mit einem Menschen zusammen waren, die einen selbst narzisstisch besetzt haben und somit erheblich verletzt haben. Ich habe allerdings kein Verständnis für die Schuldzuweisungen und sich ein Alibi damit erschaffen, warum man denn keine Verantwortung hat und jetzt jede Krise, jeden Wutausbruch oder jede depressive Phase mit der Erklärung entschuldigt, dass das nunmal die Folgen der Beziehung mit einem Narzissten sind, der einen zu dem gemacht hat, was man jetzt ist. Ein Wrack, ein Opfer. Jemand, der jedes Recht hat, seinen Ex derart abzuwerten, obwohl dieser mitltlerweile keine Rolle mehr spielt in ihrem Leben.

    Und zu guter Letzt…
    Ich bekenne mich zum Narzissmus, und ich werde weiter gegen Pseudo-Ratgeber Seiuten vorgehen, die den Narzissten verteufeln, obwohl sie in Wahrheit den Psychopathen meinen. Und weil ich wieder einen Roman geschrieben habe, erwähne ich nochmals…: Die meisten Psychopathen leiden nicht unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. (das ist eine Aussage, die Otto Kernberg getroffen hat)

    • Liebe Leser und Leserinnen, liebe Kommentatoren,

      ich schreibe hier explizit allgemein an euch alle und antworte Daniel S.B. nicht direkt auf seinen weiteren Kommentar.

      Warum? Weil ich mich nach 3 Tagen des inneren Kampfes und Abwägens dazu entschieden habe, dass dies der letzte Kommentar sein wird, den ich von Daniel S.B. veröffentliche werde!

      Ich bin das Spiel von Zuspruch, Entwertung und anschließender Entschuldigung – alles im stetigen Wechsel – leid. Es strengt mich zu sehr an und ich kann und will es auch nicht mehr. Mit diesem längeren Kommentar möchte ich einen Schritt nach vorne gehen, in die Öffentlichkeit gehen, Transparenz walten lassen.

      Zuletzt, in unveröffentlichten Kommentaren und FB-Nachrichten, hat Daniel versucht, mir ein schlechtes Gewissen einzureden, mich zu verunsichern, in Bezug einer bewussten Falschdarstellung des Phänomens Narzissmus in meinen Artikeln (Stichwort: Einseitigkeit), unterfüttert mit angeblichen Bestätigungen seiner Behauptung von anerkannten Narzissmus-Experten wie einem Prof. Haller, mit denen er angeblich Kontakt hat (z.B. Telefon). Den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen kann ich nicht beurteilen. Deshalb habe ich es ganz einfach gemacht: Ich habe selbst Kontakt zu einem dieser genannten Experten aufgenommen. Falls eine Antwort kommen sollte, und sich Daniel’s Aussagen und Behauptungen bestätigen sollten, würde ich sofort die Aussagen eines renommierten Experten hier veröffentlichen und natürlich meine getroffenen Aussagen im Artikel entsprechend anpassen. Mitunter auch entschuldigen. So wie es sich für jeden anständigen, journalistisch arbeitenden Blogger & Autor gehört! Das Thema war neu für mich, und trotz sorgfältiger Recherche können sich Fehler oder Missverständnisse einschleichen – völlig klar.

      Des Weiteren hat Daniel versucht, mir meine Quellen für die Artikel madig zu machen, in Hinsicht darauf, dass sie Narzissmus nicht richtig darstellen würden, wieder einmal der Vorwurf der Einseitigkeit und fachlichen Inkompetenz, und sogar bewusst lügen, verleudmen und fälschen würden! Eine dieser angeblichen falschen Quellen soll die Seite Umgang mit Narzissten sein. Auch hier habe ich Kontakt mit dem Betreiber der Seite aufgenommen. Es stellte sich heraus, dass an den Vorwürfen nichts dran ist (wobei sie mir auch schon ohne Nachfrage völlig abstrus vorkamen).

      Mein Anliegen war und ist von Beginn an, dieses weitreichende Phänomen von beiden Seiten darzustellen. Soviel Perspektiven und Meinungen zuzulassen, ein Ansatz, den ich bei all meinen Arbeiten verfolge. Genau deshalb habe ich mich auf den Diskurs mit Daniel eingelassen, ihm hier Raum für seine Ansichten und Meinungen gegeben. Deshalb habe ich den Austauch gesucht und versucht, so etwas wie einen Dialog zu führen, da ich davon ausging, dass er seine Erkrankung ganz gut im „Griff hat“. Wie er es ja selbst immer wieder bekundet hat (ein therapierter Narzisst). Eventuell mag das auch so sein, dies kann ich aus der Entfernung nicht beurteilen. Was ich berurteilen kann und auch als meine Pflicht als verantwortungsvoller Blogger ansehe, ist seine Kommentare und Aussagen zu bewerten und entsprechend zu reagieren.

      Nachdem ich mir noch einmal all seine Kommentare der letzten 5 Wochen durchgelesen habe, ist mir so einiges klar geworden. Wie schnell er zwischen Zuspruch und Ablehnung (Abwertung) wechselte. Bis heute, wie auch in diesem erneuten Kommentar, macht er mir den (Haupt) Vorwurf, dass ich, wie die meisten Seiten über Narzissmus (was meine Seite ja noch nicht mal ist), zu einseitig schreiben würde. Narzissten verteufeln und dämonisieren würde, ihnen alleine die Schuld zuweise, die Opfer in Schutz nehmen und ihre Eigenverantwortung, ihren Anteil an der Misere nicht erkennen und benennen würde. Dieser Vorwurf ist alleine schon deshalb nicht haltbar, weil ich durch die Arbeit an dem Thema ja meine eigenen narzisstischen Tendenzen richtig erkannt habe, und dafür Mitgefühl und Verständnis aufgebracht habe – Ergo auch automatisch für alle anderen Narzissten, die ja letztlich, von der Entstehung her, hilflose, ausgelieferte Opfer ihrer engsten Bezugspersonen waren. Und ich mehrfach erwähnte, dass mir die Darstellungen im Internet oft zu einseitig waren. (vergleiche ersten Abschnitt in meinem Artikel).

      Jeder, der gewillt ist, meine Beiträge objektiv und reflektiert zu lesen, wird dem zustimmen können. Dass ich mich Zeile um Zeile bemüht habe, so objektiv wie möglich zu sein. Ich habe auch erkannt, dass es rein gar nichts bringt, außer meine Nerven und Zeit weiter aufzureiben, ihm vom Gegenteil überzeugen zu wollen, sprich, mit ihm vernünftig darüber zu reden. Im Übrigen ist dies geschehen, zum Teil hier durch die Kommentare, zum großen Teil aber in einem privaten Austausch auf Facebook. Zum anderen musste ich erkennen, dass Daniel S.B. mich mit seinem Kommentaren zunehmend versucht zu beeinflussen, ja ich würde sogar sagen, mich zu manipulieren, mich als seinen „Komplizen“ zu gewinnen. Ich möchte hierbei noch einmal auf das „sanfte und leidende Verhalten“ eines Narzissten hinweisen, als Instrument und Taktik, andere zu manipulieren und zu beeinflussen:

      Sanftes Verhalten: Ausspielen des Charmes, Überzeugen durch sachliche Argumente, gute und wenn nötig auch verführerische Manieren einsetzen, rhetorisches Geschick, faires, aber hartnäckiges Diskutieren und Verhandeln, leichtes manipulieren, versteckte Kritik, Verwendung überzeugend klingender Unwahrheiten oder Gerüchte, Verteilung von Lob und Komplimente.

      Leidendes Verhalten: Bitten und notfalls auch Betteln, Verständnis und Loyalität einfordern, ans Gewissen appellieren, Mitleid erzeugen, Krankheiten und Schicksalsschläge vorspielen oder übertrieben darstellen, schluchzen und weinen, heulen, beleidigt sein.

      Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diesen Schritt gehen soll, ob ich nicht eine Chance vertue, das Phänomen aus Sicht eines auf dem ersten Blick scheinbar reflektierten Betroffenen zu betrachten. Vielleicht vertue ich sogar gerade diese Chance. Doch letztlich muss ich bei all diesen Diskussionen auch an mich denken, wieviel Kraft, Zeit und Energie es mich kostet, und, ob es für die Allgemeinheit der Leser, die mehr erfahren wollen, noch einen Nutzen bringt – oder ob es zunehmend aus dem Ruder läuft (wie mir zwei Leser schon zurückgemeldet haben). Damit jeder sich ein eigenes Bild machen kann, habe ich mich dazu entschlossen, den Großteil der Kommentare von Daniel hier stehen zu lassen.

      Unter Strich finde ich diese Entwicklung sehr bedauernswert. Doch war dies meine erste, ernstere Auseinandersetzung und Konfrontation mit einem bekennenden Narzissten – und insofern eine Lernerfahrung für all künftigen Diskussionen. So viel kann ich sagen: Ich habe in den letzten Tagen viel über mich, meine Anteile und die geführte Diskussion nachgedacht, auch dazu gelernt, doch gleichzeitig lasse ich mich nicht in einigen wesentlichen Punkten verunsichern – und schon gar nicht vereinnahmen, beleidigen oder manipulieren.

      Ich wünsche Daniel S.B. alles Gute für seinen weiteren Entwicklungsweg, und wünsche ihm, dass durch diese Entscheidung seine narzisstische Kränkung nicht zu sehr hervor gerufen wird, und falls doch, dass er damit reflektiert und selbstlernend umgehen kann – und nicht nach außen projiziert (z.B. auf mich oder immer wieder die Frauen). Falls doch: Ich bin auf alles eingestellt und werde entsprechend handeln!

      Liebe Grüße
      Oliver

      Nachtrag 26.12.
      Daniel S.B. hat mir heute mit einem Anwalt gedroht, falls ich nicht alle seine Kommentare hier lösche. Damit entpuppt er sein wahres Gesicht und bestätigt leider all dies, was über die Verhaltensweisen eines diagnostizierten Narzissten geschrieben wurde. In den ersten Kommentaren gab er sich versöhnlich und verständnisvoll, was im Nachgang nur als Strategie zu bezeichnen ist. Nun ist seine narzisstische Kränkung voll am laufen und er versucht mich mit allen Mitteln einzuschüchtern und zu manipulieren. Ich sehe dem gelassen entgegen, auch einem etwaigen Anwaltsbrief. Im Zuge des allgemeinen Interesses und Aufklärungsarbeit werde ich alle weiteren Entwicklungen hier weiterhin öffentlich dokumentieren! Alles andere wäre sonst genau das, was ein Narzisst will: Macht und Kontrolle und letztlich den Sieg über den anderen. Doch ich bleibe standhaft und lasse mich nicht einschüchtern!

      Ich finde es wirklich bedauerlich, dass es soweit gekommen ist, und noch mehr, dass ich es zu spät erkannt habe. Doch ist all dies ein Lern und Erfahrungsprozess für mich und andere. Ich wollte die „andere Seite“, sprich die Sicht des Betroffenen zeigen, eine Stimme geben – und die zeigt sich nun, in all ihren Facetten!

  32. Hallo Oliver,

    ein interessanter Artikel, definitiv weitaus besser als die meisten anderem zu diesem Thema, die mir im Internet bisher „vor die Füße gefallen“ sind. Vor allem der Versuch, den Narzissmus differenziert zu betrachtet, empfinde ich als sehr angenehm.

    Der Grund für meine prinzipielle Skepsis bei dieser Thematik ist, dass wir meiner Meinung nach heutzutage parallel zum „Narzissmuskult“ einen „Opferkult“ pflegen. Beides scheint sich auf wundersame Weise gegenseitig zu durchdringen. Dieser „Opferkult“ fühlt sich (auch für mich) immer erst einmal „richtig“ an, wird dann aber bis zum Exzess getrieben. – Augenfälliges Beispiel: Rücksichtnahme (ein wertvolles Gut) verkommt zur „political correctness“ – also zu einer moralischen Waffe gegen jeden, der eine andere Meinung hat.

    So ähnlich scheint es bei der Diskussion über Narzissmus auch manchmal zuzugehen. Ich begegne [zumeist im Internet, bin aber aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen im realen Leben für diesen Aspekt sensibilisiert] häufig Menschen (zumeist Frauen), die sich unter dem Vorwand, ein „Helfersyndrom“ zu haben, in das Leben anderer Leute eingemischt haben – und später tief verletzt waren, weil ihnen dies nicht (wie erwartet) mit grenzenloser Liebe oder Bewunderung honoriert wurde.

    Wenn „Opfer von Narzissmus“ ihren Leidensweg beschreiben, dann fällt regelmäßig der Hinweis, dass sie „ihrem Narzissten“ [so nennen sie diesen Menschen, klingt ja fast wie ein Haustier!] doch nur helfen wollten, dass sie seine emotionalen Defizite offenlegen und ihm [eine poetische Formulierung, die die Rücksichtslosigkeit dahinter verschleiert] „das Geröll aus seinem Herzen räumen“ wollten.

    Sie wollten ihn also therapieren. Und haben verständnislos reagiert, als dieser Mensch sich gewehrt hat. Sie halten sich jetzt für das Opfer. Aber ich (in dieser Sache offenbar Vertreterin einer krassen Minderheit) sehe in ihnen Täter: Niemand hat das Recht, ohne Einverständnis des anderen in dessen Seele herumzupfuschen. Das verbietet der Respekt vor anderen Menschen. Aber offenbar glauben einige Leute (vor allem Frauen?), dass das Gefühl von Liebe oder Verliebtheit ihnen das Recht gibt, emotional und mental ‚übergriffig‘ zu werden. Sie meinen ernsthaft: „Der Zweck heiligt die Mittel.“

    Möglicherweise stimmt das Sprichwort „gleich und gleich gesellt sich gern“ in diesem Fall: Opfer von Narzissmus sind regelmäßig selbst Narzissten. (Einschränkung: Dies gilt nicht für Kinder oder andere abhängige Personen.)
    Ich habe in anderen Foren, in denen zumeist Frauen über ihre Erfahrungen mit Narzissten geschrieben haben, fast ausschließlich ichbezogene, irrationale, emotional-manipulative Beiträge gelesen. Diese Frauen bestätigen sich in diesen Foren gegenseitig als „Opfer“ und kritische Beiträge lese ich praktisch nie – das hat schon beinahe sektiererische Züge. Die Zuschreibung „Narzisst“ ist dort regelrecht ein Kampfbegriff, um den anderen Menschen als „krankhaft“ abstempeln und sich selbst als „überlegen“ fühlen zu können. Hat das nicht ebenfalls narzisstische Züge?

    Ich kann zumindest für mich und mein Leben [ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit für andere Menschen] folgendes schreiben:
    Solange ich selbst ein mangelndes Selbstwertgefühl hatte, hatte ich klare narzisstische Tendenzen (so unangenehm es ist, das zuzugeben) und war gleichzeitig auch das Opfer der narzisstischen Neigungen anderer. Jetzt bin ich nicht unbedingt „frei“ von Narzissmus, aber selbstkritischer und gleichzeitig (!) freundlicher mir gegenüber. Beispielsweise reagiere ich inzwischen konsequent auf von mir als ‚emotional übergriffig‘ empfundene Situationen abwehrend und überlege nicht mehr permanent, ob ich dem anderen möglicherweise Unrecht tue mit meiner Einschätzung.

    So mancher Mensch wird mein aktuelles Verhalten (im Vergleich zu früher) daher als egoistischer (und womöglich narzisstisch) betrachten. Aber tatsächlich ist es genau umgekehrt: Gerade weil ich Grenzen ziehe, die mir (mentale und emotionale) Sicherheit und Stabilität verschaffen, kann ich auch fürsorglich und um andere Menschen besorgt sein. Und das bin ich: aber nur bei echten Freunden, nicht bei bloßen Bekannten. Für die bin ich nicht veranwortlich. Und ich möchte auch nicht für ihr Wohlergehen verantwortlich gemacht werden. Das ist nämlich der Königsweg zum Burnout.

    Wenn ich mich jedoch stattdessen auf meinen Status als „Opfer böser Menschen“ konzentriert hätte, dann wäre ich jetzt einfach nur voller Selbstmitleid und hilflos den Launen anderer Leute ausgeliefert. Gleichzeitig wäre ich durch meine permanente Fixierung auf mich selbst („schon wieder bin ich Opfer, schon wieder muss ich weinen“) ein lupenreiner Narzisst.
    Opferkult ist verkappter Narzissmus.

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!
    Katrin

    • Liebe Katrin,

      ganz herzlichen Dank für deine klaren und authentischen Worte. Dies ist mit Abstand der reflektierteste und schlüssigste Kommentar, den ich bisher zu dem Thema „Narzisst und seine Opfer“ gelesen habe. Bravo, ehrlich!

      Mir ging es ganz ähnlich wie dir. Auch, was du über den geringen Selbstwert und dem damit erhöhten Auftreten von narzisstischen Tendenzen geschrieben hast. Ich bemerkte das so auch bei mir.

      Aber vor allem meine ich deine Beobachtung zum Fröhnen des Opferkultes in unserer Gesellschaft. Ebenso weit verbreitet wie der Narzissmuskult. Da stimme ich mit dir zu 100% überein. Und genau dies war auch mein inneres Anliegen, meine tiefste Motivation, als ich anfing, mich näher mit Narzissmus zu beschäftigen. Grundsätzlich bekomme ich Bauchschmerzen, ein ungutes Gefühl, wenn ich nur von Opfer höre, die über ihre Täter schimpfen, wie ausgeliefert und hilflos sie waren, und wie unglücklich sie in die Situation hineingeschlidert sind. Dies hat mich schon immer zum Nachdenken gebracht – egal zu welchem Thema.

      Deine Ausführungen und Erfahrungen im Austausch mit anderen Opfern zeigen diese gegenseitige Anziehung aus meiner Sicht ziemlich präzise. Es bestätigt mein Gefühl, dass es oftmals zu einseitig ist, die Schuld nur bei dem „bösen Narzissten“ zu suchen. Ich stimme darin überein, dass hier oftmals ein „Helfersyndrom“ vorliegt, oder man ganz platt gesprochen, genau hinschauen sollte, welches Thema bei einem selbst angesprochen wird, wenn man mal wieder „Opfer“ wurde. Natürlich kann man das nie pauschalisieren, wie bei vielem, und muss genau hinschauen und es mag wirklich Situationen geben, in denen man einfach ausgeliefert war (wie die von dir erwähnten Kindheitserfahrungen). Aber deine Ausführungen geben für mich ein sehr fundiertes und nachvollziehbares Bild ab, was den Zusammenhang von Opfern und Tätern angeht.

      Dein Kommentar freut mich um so mehr, da es mein Anliegen von Beginn an bestätigt, so objektiv wie möglich zu sein, und nicht vorschnell in die eine oder andere Richtung zu verfallen, parteiisch zu werden. Nicht zuletzt deshalb, ist der an mich oft herangetragene Vorwurf der Einseitigkeit, der reinen Opfersicht und der Dämonisierung von Narzissten nicht zu halten!

      Gleichwohl geht es auch darum, Grenzen zu ziehen und sich vor den Machenschaften eines ausgeprägten Narzissten zu schützen, wenn es übergriffig wird, oder zunehmend Energie kostet (wie es von mir gerade im Umgang mit Daniel vollzogen wurde). Da bin ich ein weiteres Mal ganz bei dir! Beide Sichtweisen stehenzulassen, sie als gleichberechtigt anzusehen, also das reine Opfersein zu kritisieren UND gleichzeitig vor den Verhaltensweisen / Psychotricks von Narzissten zu warnen, ist aus meiner Sicht möglich, schließt sich nicht gegenseitig aus!

      Nochmals danke für diese wichtige Erweiterung / Sichtweise zu diesem heiklen Thema!

      Auch dir einen guten Rutsch und alles Gute im neuen Jahr.

      Liebe Grüße, Oliver

      • Hallo Oliver,

        danke für deine netten Worte! 🙂

        Beim Lesen musste ich doch auch ein bisschen lächeln – und zwar über zwei Dinge. Erstens: Du empfindest meinen Beitrag als reflektiert, weil ich schreibe, was du selbst so oder so ähnlich denkst. 😉 Zweitens: Du bemühst dich (wie immer) sehr, jeden zu verstehen und jedem gerecht zu werden.

        Ersteres ist amüsant. Geht mir auch immer so. Ich mag Menschen, die meine Meinung teilen, mehr als andere. 😀

        Letzteres ist ziemlich typisch für (hoch)sensible Menschen und prinzipiell eine gute Sache – zumindest solange es dir nicht schadet. Empathisch zu sein geht nur, solange man dabei seine innere Balance nicht verliert. Deshalb kann ich nicht erkennen, dass du im Umgang mit Daniel S. B. irgend etwas hättest anders machen sollen.

        Am allerwenigsten hätte ich mehr Verständnis und Nachsicht von dir verlangt.
        Ich persönlich halte den Hang zur „Selbstlosigkeit“ für mindestens genauso gefährlich wie den „Narzissmus“ – beides hat aggressive und auto-aggressive Komponenten.

        Umgekehrt halte ich aber auch jede Form von Zensur für schädlich. Daniel S. B. Raum zu geben für seine Beiträge, bringt doch mehr Klarheit und Wahrheit (zumal ich seine Beiträge inhaltlich durchaus interessant fand) als jeder Versuch, diesen Blog „rein“ zu halten von störenden Elementen. Sich nur mit Menschen zu umgeben, die einen permanent bestätigen, ist zu einfach. Und irgendwie narzisstisch. 😉

        Liebe Grüße
        Katrin

        • HI Katrin,

          zu dem Thema, es jedem recht zu machen: Ja, sicherlich ein Thema bei HSP und mir. Obgleich ich hierzu einiges dazu gelernt habe, und mir mittlerweile völlig klar ist, dass dieser Anspruch nicht zu halten ist. So begehe ich manchmal einen Spagat, der zum zerreißen gespannt ist. Andererseits kommt aus meinem integralen Denken der Anspruch, dass es nie nur eine Perspektive/Sichtweise auf die Dinge / Welt gibt. Mit dieser „multiperspektivischen Brille“ gehe ich an meine Arbeit heran – versuche es zumindest so gut wie möglich.

          Zu Daniel S.B.: Dies alles bis zu gewissen Grenzen – und die hat Daniel ausgereizt. Ich würde in keinem Fall von Zensur sprechen. So wie du sehe ich es auch so, dass kontroverse Meinungen mehr Klarheit und Wahrheit zu einem Thema bringen. Deshalb habe ich die meisten seiner Kommentare hier stehen lassen, ja veröffentlicht – auch wenn das bei anderen Lesern sehr kontrovers aufgenommen wurde. Und nicht nur dass, zudem habe ich versucht auf ihn und seine Sichtweise einzugehen und fand den einen oder anderen Impuls sogar interessant. Nur fand noch ein weiterer Austausch hinter den Kulissen statt, wie in einem Kommentar von mir erwähnt, von dem die „Öffentlichkeit“ nichts mitbekam.

          Zunächst fand ich das noch sehr interessant, ging mit einigem konform, doch dann musste ich erkennen, dass er versucht, mich zunehmend zu manipulieren, in seine Richtung zu ziehen und zu verunsichern, zum Beispiel was meine Quellen angeht. Dass er immer mehr seine Verantwortung abgibt und nur die Schuld bei anderen sucht (Gesellschaft, Frauen etc.). Dass er zuletzt sogar ohne ersichtlichen/nachvollziehbaren Grund von mir verlangt hat, ALLE seine Kommentare hier zu löschen, steht im völligen Widerspruch zu all dem, was er hier von sich gab und behauptet hat.

          Wenn ich hier nur Kommentare zulassen würde, die „permanent meine Meinung bestätigen“ würde es schätzungsweise ein Drittel der veröffentlichten Kommentare nicht geben! 😉

          Guten Rutsch & LG,
          Oliver

          • Ich glaube, ich habe mich missverständlich ausgedrückt: Wenn du ihn sofort geblockt HÄTTEST, wenn du ihm keine Chance gegeben HÄTTEST – dann wäre das eine Art Zensur gewesen. Ich meinte meinen letzten Absatz also darauf bezogen, dass möglicherweise irgendjemand meint, ihm überhaupt eine Plattform für seine Selbstdarstellung gegeben zu haben, wäre ein Fehler gewesen.

            Eben das sehe ich nicht so. Ich halte es für richtig, seinen Mitmenschen Freiraum zu geben. Und genauso halte ich es für richtig, klare Grenzen zu setzen, wenn das eigene Wohlergehen beeinträchtigt wird.

            Herrje, jetzt reicht das Thema aber auch mal. Ich reite leider gerne mal tote Pferde. 😉

        • Hallo Katrin,
          hallo Oliver,

          ist das jetzt wirklich Deine bzw. Eure persönliche Überzeugung, daß Narzissmus und HSM dasselbe ist? So wie es da beschrieben und erklärt wird (beziehe mich auf den Link)?

          Dann wäre ich hier wirklich falsch und es täte mir dann auch sehr leid, um das, was viele vernünftige Leute auf diesem Gebiet schon geleistet haben, denn das wird damit so einfach weggewischt. Jedoch: Vielleicht täusche ich mich ja. Gerne lasse ich mir das von Euch erläutern. Ich schließe nicht aus, daß JEDER und somit natürlich auch ein HSM zu einem Narzissten werden kann, nur per se gleich sowas zu behaupten, widerstrebt mir sehr.

          Wie dem auch sei. Es gibt inzwischen interessante neue Aspekte hier in den Kommentaren, finde ich interessant.
          Insbesondere bei der Thematik, daß der sogenannte Opferstatus (müßte auch sauber defniert werden, da dies teils ein fatales Pauschalurteil ist) teilweise einen Co-Narzissmus aufweist oder andere Abhängigkeiten, kann ich zumindest teilweise mitgehen.

          Ich finde es sehr schwierig pauschal zu werden, da es einfach sehr fatale Folgen haben kann. Insgesamt finde ich es immer wieder besser individuell zu entscheiden, was und wie mensch mit anderen Menschen umgehen will und mit welchen Menschen er/sie sich umgeben will. Achtsamkeit heißt eben in der Tat nicht, sich alles gefallen zu lassen. Auch dieser Begriff ist mMn schon sehr oft mißbraucht worden, leider.

          Ach, Oliver, Respekt vor Deiner klaren Haltung hier bzgl. Daniel. Sehe es Dir selbst nach, daß Du ihm für einen Moment „auf den Leim gegangen“ bist. Das finde ich bei Deinem doch sehr hohen Anspruch absolut nachvollziehbar. Ich bin seit längerem dabei diesen hohen Anspruch abzulegen, da es zu anstrengend ist und ich ja niemanden zwinge meiner Meinung zu sein. Das fühlt sich übrigens im Ergebnis sehr, sehr gut an. (o; Wenn irgendetwas anfängt sich nicht gut anzufühlen, dann kann es nicht zu meinem Wohle sein. Auch eine öffentliche Plattform und deren Thema kann nicht diesen Preis wert sein, oder? Nur so ein Gedanke von mir. ;o)

          Auch ich wünsche Euch einen guten Rutsch und alles Gute fürs Neue Jahr!

          Herzliche Grüße
          Andrea

          • Liebe Andrea,

            Danke für deinen Kommentar.

            Oh nein, da hast du wohl etwas falsch verstanden bei mir. Keineswegs setze ich HSP mit Narzissmus gleich. Mit Opferstatus meinte ich, dass Jammern grundsätzlich nie weiter führt bzw. man sich damit nur weiter schwächt.

            Doch gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, die ich ja schon in einem Artikel versucht habe herauszuarbeiten. Wie du bin ich ein großer Verfechter von Differenzierung.

            Ich lese seit heute das erste Buch von Prof. Haller, einem der renommiersten Experten auf dem Gebiet des Narzissmus. Schon nach wenigen Seiten ist mir klar, dass es zum Thema Narzissmus viel zu viele pauschale Meinungen gibt. Er pauschal als die Antwort auf all die Probleme für unser Miteinander herangezogen wird. Auch ich spreche mich davon nicht frei bei meinen ersten Artikel darüber. Zitat Prof. Haller: „Narzissmus gibt es in vielfältiger Gestalt, in unterschiedlichster Ausprägung und in vielen Funktionen. (..) Ein Stück weit bleibt er immer geheimnisvoll. In bekömmlichem Maß ist er Nahrung für das Ich und fördert den gesunden Selbstwert. In verdünnter Form macht er sich im Umfeld, in der Familie und am Arbeitsplatz breit.“

            Du siehst, auch ich lerne ständig dazu – auch durch die Kommentare hier. Da mich das Thema selbst so interessiert, möchte ich dem weiter auf den Grund gehen, ob es aus fachlicher Sicht eine Art Co-narzissmus bei HSP gibt und falls ja, ob man so etwas überhaupt als krankhaft oder behandlungswürdig einstufen kann – oder eben nur als weitere (normale) Ausprägung. Das Thema bleibt spannend 🙂

            Du siehst mich als zu kompromissbereit? Ja, ist manchmal anstrengend. Vielleicht wird es einer meiner Vorsätze für 2017 mehr in die Konfrontation und Polarisierung der Meinungen zu gehen – mal sehen 😉

            Einen guten Rutsch für dich und liebe Grüße,
            Oliver

          • Hallo Andrea,

            an welcher Stelle genau interpretierst du Frau Juna Grossmann (die Bloggerin, die hinter meinem Link steckt) auf die von dir beschriebene Weise? Ich kann nicht erkennen, dass sie Narzissmus und Hochsensilibität gleichsetzt. — Ganz im Gegenteil: Sie beschreibt als eine mögliche Gemeinsamkeit aller HSP, dass diese quasi wie ein Magnet auf Narzissten wirken. Eine solche Aussage macht wenig Sinn, wenn man beides für dasselbe hält.

            Was mich persönlich angeht: Ich bin einfach immer skeptisch. Egal, worum es geht. Die Einordnung eines Menschen in ein Raster behagt mir nicht – egal, welches es ist. Aus diesem Grund ist mir Frau Grossmanns Artikel so sympathisch: Sie hadert mit den Zuschreibungen und Erwartungshaltungen, die ihr aufgedrängt werden. — Wenn man dies für sich selbst als falsch ansieht, dann ist es folgerichtig, das auch für seine Mitmenschen als falsch anzusehen. Die Etikettierung als „HSP“ oder „Narzisst“ oder von mir aus auch als „Entwicklungshelfer“ oder „Mörder“ ist allenfalls als sprachliches Hilfskonstrukt akzeptabel. Dieses Hilfskonstrukt birgt jedoch immer die Gefahr, das bloße Wort mit dem Menschen dahinter zu verwechseln.

            Aus dieser Haltung heraus unterschreibe ich unbedingt deinen Hinweis, dass es wenig sinnvoll ist, „pauschal“ zu werden. Das sehe ich haargenauso.

            Und genau deshalb werde ich jetzt undiplomatisch-direkt [wenn ich dir damit auf die Füße trete, habe ich dein Echo dazu auf jeden Fall verdient] folgendes anmerken:
            Du schreibst, dass du niemanden dazu zwingst, deiner Meinung zu sein.
            Du schreibst jedoch außerdem, dass du „hier falsch wärst“, wenn jemand der Überzeugung wäre, dass Narzissmus und HSP dasselbe sind. (Mit anderen Worten: Du würdest eine solche Äußerung mit Missachtung bestrafen.)
            Das bedeutet folgendes: Du legst fest, welche Überzeugungen akzeptabel sind und welche nicht; letztere werden geahndet. Das darf man tun, und man sollte das auch tun!
            Die Frage ist jedoch, wann man es tut.
            Wenn jemand so etwas schreiben würde wie „Schwule gehören vergast“, würde ich deine empörte Reaktion verstehen, weil sie wirklich FERNAB unseres gemeinsamen Wertekanons steht. Da wird eine Grenze überschritten, die nicht diskutiert werden kann, ohne in völlige Beliebigkeit zu verfallen.
            Wenn jemand jedoch schreiben würde, dass HSP allesamt Narzissten sind, dann ist das eine Aussage, die in keinster Weise in Widerspruch steht zu unseren Werten. Und damit muss sie (ob sie dir persönlich gefällt oder nicht) akzeptiert werden.
            [Tatsächlich denke ich sogar, dass eine Auseinandersetzung mit dieser Behauptung – z.B. ihre fundierte Widerlegung! – ungeheuer wertvoll wäre für jede Diskussion.]

            Möglicherweise teilst du meine Postulate oder deren Schlussfolgerungen nicht. Mich würde interessieren, wie du das siehst.

            Auch dir herzliche Grüße zurück
            und einen guten Rutsch ins neue Jahr! 🙂
            Katrin

  33. Sehr geehrter Herr Dornröse,
    liebe Leser dieses Blogs,

    erstmal frohes Neues Jahr.
    Ich habe Verständnis für beide Seiten.
    Ich verstehe Daniel S.B., weil er ja unter jedem ihrer Beiträge über Narzissmus Stellung bezogen hat und nicht das Mitgefühl bekommen hat, was er brauchte und was ihm auch zusteht. Mehr noch wurde er von einigen ihrer Leser angegriffen.
    Er hat sich geoutet. Er war so mutig und frei. Das würde sonst kein andeer tun. Jetzt im Zeitalter der Narzissmuskultur und der Opferkultur. Jetzt hat man endlich einen Sündenbock, den Narzisten, den dem man manipulatives Verhalten unterstellt, aber nicht ih fragt, warum er so reagiert. Stattdessen wird hier munter und frölich diskutiert, spekuliert ohne selber zu reflektieren. Wenn Daniel S.B. sich nicht geoutet hätte? Wie wären sie dann mit ihm umgegangen? Wenn sie nicht wüssten, dass er ein Narzisst ist, was dann?
    Woher wissen sie ob seine Therapie angeschlagen hat? Sie spekulieren hierund nehme sich das Recht raus.
    Andererseits kann ich aber auch Sie verstehen. Daniel S.B. hat wohl überreagiert. Wir nennen das Überkompensation. Er fühlte sich angegriffen und ist voll in seinem Modus üvergegangen. Er hat sie abgewertet. Was privat lief, weiß ich nicht. Würde auch gerne die Seite von Daniel S.B. kennen, nicht nur ihre. Einseitige Berichterstattung von einem Blogger, der mit einem sich geoutetenNarzissten angelegt hat und unreflektiert nur erzählt hat, was Daniel S.B. geschrieben hat? Ich weiß nicht?
    Wie würden sie sich an Daniel S. B. stelle fühöen? Haben sie die nötige Empathie ihn zu verstehen, vor allem zu verstehen, warum er so überreagiert hat? Oder mutmaßen sie das nur, aufgrund ihres Wissens über malignen Narzissmus.
    Für mich klingt Daniel S.B. traurig. Sie sehen die Wut! Das kann ich nachvollziehen.
    Ich würde mir wirklich wünschen, wenn Sie aufhören eine Erklärung für das Verhalten von Daniel zu suchen. Fragen sie ihn einfach. Und frage sie nicht, weil er ein Narzisst ist, sondern fragen sie, weil er auch ein Mensch ist. Und jeder Mensch verdient Mitgefühl.

    Liebe Grüße
    Lennart Frankenfeld

    • Liebe Frau Frankenfeld,

      darf ich sie fragen, ob sie therapeutisch in dem Bereich Narzissmus tätig sind? Ihr Beitrag hört sich ein wenig danach an.

      All das von Ihnen beschriebene oder an mich herangetragene habe ich mehr oder weniger getan. Ich habe von Beginn an Mitgefühl und Verständnis für Daniel S.B. aufgebracht, dies auch mehrfach hier in Kommentaren kommuniziert. Ebenso, dass ich es sehr mutig, wichtig und respektvoll finde, dass er sich hier öffentlich geoutet hat. Natürlich kann ich nicht wissen, ob seine Therapie angeschlagen hat. Ich frug ihn danach im privaten Austausch. Er bestätigte mir das mehrfach, dass er ein reflektierter/therapierter Narzisst ist, er seine Verhaltensmuster verstanden hat (wie z.B. Überkompensation). Diese Aussagen von ihm, denen ich zunächst einmal glauben schenkte, gepaart mit meinem Anspruch, auch die „andere“ Seite zu hören, war der Grund, warum ich über 4 Wochen lang im Austausch mit ihm war, soviele seiner Kommentare hier freigab und kommentierte. Und bis heute finde ich einige seiner „Einwürfe“ und Aussagen interessant und wichtig für ein Gesamtbild bzw. eine andere Sichtweise, eben nicht nur der „Opferseite“. Ich bin ganz bei Ihnen, und im Grunde auch bei Daniel S.B., wenn sie sagen, dass es heutzutage einen regelrechten „Narzissmus und Opferkult“ gibt. Dies schreibt auch Professor Haller, einem der führenden der Experten auf dem Gebiet. Und genau hier versuche ich mit meiner Arbeit genauer zu differenzieren.

      Nein, ich sehe nich nur die Wut. Ich sehe auch die Trauer und den Schmerz hinter dem Verhalten von Daniel S.B. Alleine deshalb, weil ich es von mir selbst kenne, wenn ich mal „überkompensiere“. Nur war irgendwann die rote Linie erreicht, als es immer mehr in Versuchen der Manipulation und Kontrolle überging, was ich erst sehr spät bemerkte. Ich könnte hier den ganzen FB-Chat zwischen Daniel S.B. und mir reinkopieren, tue ich aber aus Datenschutzgründen nicht. So bleibt nur, meinen Aussagen zu vertrauen, wenn ich hier Auszüge des privaten Austauschs wiedergebe. Ich habe nach wie vor Verständnis & Empathie für Daniel S.B. und ganz sicher auch für die Einseitigkeit der Berichterstattung in den Medien und im Internet, aber irgendwann musste ich mich abgrenzen, da mich das „wechselhafte“ Verhalten von ihm immer mehr Energie und Kraft kostete – da bin ich ganz ehrlich.

      Für Sie auch noch ein frohes und gesundes neues Jahr!

      LG, Oliver Domröse

      • Hallo Herr Frankenfeld,

        zunächst einmal muss ich mich entschuldigen, da ich sie irrtümlicherweise für eine Frau gehalten habe.

        Nun. Ich habe mir die letzten Kommentaren zu Daniel S.B. noch einmal angeschaut. Insbesondere meine Antwort auf Frederic.

        In diesem Punkt gebe ich Ihnen recht: Ich kann aus der Ferne nicht beurteilen, ob seine Therapie angeschlagen hat. Ist auch nicht meine Aufgabe! Da war ich zu vorschnell mit meiner Äußerung bzw. der gleichen Einschätzung wie Frederic.

        WAS ich aber beurteilen bzw. interpretieren kann, ist seine Wortwahl und sein inhaltliches Statement hier in den Kommentaren. Und bei vielen von denen, wie auch in meinem längeren Kommentar geschrieben, erkenne ich die Kontroll- und Manipulationsversuche einer narzisstischen Persönlichkeit! Das sehe ich bis heute so und habe mich deshalb für eine Kontaktvermeidung entschieden. Im Übrigen kann ich nicht erkennen, dass andere Leser ihn (persönlich) angegriffen haben, sondern im Gegenteil, ihre Worte sehr bedacht gewählt haben

        Freundliche Grüße, O. Domröse

    • Hallo Herr Frankenfeld,

      mein ursprüngliches Motiv, hier zu schreiben, lag darin begründet, dass mich die selbstmitleidige und auch selbstgerechte Haltung (angeblicher) Opfer von Narzissten empört hat. Deshalb läge es nahe, Ihnen (resp. Ihrem Beitrag) vollkommen zuzustimmen. Warum ich es dennoch nicht tue [von der Tatsache mal abgesehen, dass ich das halt nie mache ;-)]? Weil mich das umgekehrte Prinzip („wir müssen doch für alles und jeden Verständnis haben“) genauso stört.

      Ein Mensch, der immer für alles Verständnis hat, ist nicht authentisch – und im Gespräch einfach nur aalglatt. Ein Mensch, der immer für alles Verständnis hat, ist nicht mutig genug, einen Standpunkt zu vertreten – und sich auf diese Weise angreifbar zu machen. Ein Mensch, der immer für alles Verständnis hat, kann dies nur, wenn er frei ist von Emotionen (oder diese unterdrückt) – im Grunde hat er somit eine ‚Scheißegal-Mentalität‘.

      Für alles Verständnis zu haben, das ist etwas ganz anderes als der Versuch, allen Menschen auf Augenhöhe (also mit Respekt und vielleicht sogar Wertschätzung) zu begegnen – und zwar auch dann, wenn man sie nicht versteht oder ihr Verhalten gar missbilligt. Und genau darum geht es meines Erachtens: Ich kann das Verhalten eines anderen Menschen einfach nur sch***e finden (und für mich entsprechende Konsequenzen ziehen!), aber ich darf ihn nicht als Person abwerten oder gar sein Existenzrecht in Frage stellen.

      Keine Frage: Die Abgrenzung ist schwierig und nicht immer eindeutig machbar. (Und manchmal gehen einem die Pferde durch, und dann man wird unfair. Das passiert alle naselang, wenn man eben nicht nur wohl kalkuliert handelt, sondern ehrlich und aufrichtig ist.) Aber dennoch bestehe ich darauf: Jeder Mensch darf auf das Verhalten eines anderen verständnislos und sogar ablehnend reagieren, ohne dadurch in Rechtfertigungsnöte zu geraten.

      Auch Ihnen ein frohes neues Jahr! 🙂
      Katrin

  34. Ich fand den Artikel sehr interessant und habe auch in letzter Zeit sehr viele Berichte über Narzissmus gelesen. Ich fand die Information, dass Narzissten ihre Gefühle abspalten um zu überleben, da sie sonst emotional verhungern würden sehr interessant. Auch die Erklärung dieses Verhalten sei ein Urschrei nach Liebe und eine Krankheit. Das macht alles ganz viel Sinn. Stell dir aber mal vor, in einer solchen Familie ist mehr als ein Kind. Eines macht diesen besagten emotionalen Cut. Das andere „darf“ es nicht, weil es die Rolle des Schuldenbuckel in dieser Familie auferlegt bekommen hat. Dieses Kind ist zu allem Übel auch noch eine HSP. Es wächst in einem eiskalten Umfeld auf und trägt für all das Misslingen un der Familie die Schuld. Es wächst auf mit dem Gefühl, denn es hat ja Gefühle und darf die auch nicht ablegen, dass es falsch ist. Das alles was es tut verkehrt ist. Egal was es tut, wie es sich verhält, nie wird es einen Lob erhalten. Im Gegenzug dazu erhält es aber die Schläge für die ganze Sippschaft. Dieses Kind wächst auf mit dem Gedanken, niemanden etwas recht machen zu können und seinen Rücken für die „ganze Welt“ hinhalten zu müssen. Das es nie gelernt hat selbstbewusst zu sein steht außer Frage. Dieses Kind wird erwachsen und sucht auf Grund der erfahrenen Defizite genau die selben Beziehungsmuster die es kennt.
    Es wird immer unglücklicher, wird bei der Arbeit gemobbt und kann sich nicht durchsetzen. Irgendwann, nach Jahren der Depression und zahllosen Therapien kommt es mit 54 Jahren zu dem Ergebnis, dass es nicht schuld war, sondern die Schuld im kranken Familiensystem lag und diese die Schuld einfach nur weiterprojezierten. Juhu. Nun nahm das Drama erst so richtig seinen Lauf: „Du bist depressiv, du machst dich nur wichtig und willst im Mittelpunkt stehen“ „Du bist ja so krank“ „Das ist nicht genetisch bedingt, du warst schon immer anders“ „Du wirst dich sowieso irgendwann umbringen, und das nur weil du dich ein letztes Mal wichtig machen willst“ „In deinem Abschiedsbrief wird dann stehen: Die anderen sind schuld“ „Deine Arbeitskollegen mögen dich auch nicht“ „Du bist das Böse“ „Du bist nur neidisch auf uns“ „Mit sowas wie dir möchten wir nichts zu tun haben“
    ES wurde ICH und ich habe angefangen mich endlich zu wehren. Die Resonanz ist unbeschreiblich kalt und abwertend. Aber es ist mir mittlerweile egal. Drei meiner engsten Familienmitglieder zeigen ganz eindeutige Anzeichen von krankem Narzissmus und das beachtenswerte dabei ist: Sie fühlen sich wohl dabei. Sie kränken und diffamieren ihr Umfeld, machen ihre engsten Familienmitglieder und Freunde krank und merken es nicht einmal. Sie merken nur, wenn man sê konfrontiert, denn das nehmen sie so richtig persönlich. Das ist ein Tabu, welches ein Narzizisst nicht bereit ist hinzunehmen. Dann kommen die Gefühle, die sie eigentlich ja abgespalten haben ganz schnell und ausgeprägt zur Geltung. Denn dann geht es an die eigene Persönlichkeit und diese sollte für das Untervolk doch eigentlich unantastbar sein.
    Ich verstehe nun Vieles. Ich kann meine Familienmitglieder anschauen und ihnen ins Gesicht sagen wenn sie lügen. Ihnen mitzuteilen, dass man sie lesen kann wie ein offenes Buch macht sie angreifbar und sehr unsicher. Allerdings werden sie sich das nicht bieten lassen und zum gnadenlosen Gegenangriff ansetzen. Denn ein Leben ohne Maske ist für sie wie für Andere ein Leben ohne Kleidung.
    Narzissten sind krank – richtig krank und sehen es nicht. Im Gegenzug machen sie ihr Umfeld krank, denn nicht nur ich bin betroffen. Ich habe in meiner Familie und meinem Freundeskreis Borderliner, Hochnervöse, Angst -und Panickatacken und jede Menge Co -Narzissten die neben ihrer Persönlichkeit ihre Gesundheit aufgeben mussten um in diesem Spiel mitspielen zu können. Ich frage mich, was einen Narzissten so attraktiv werden lässt, dass man in diesem Teufelskreis so lange blind gefangen sein möchte. Was ist der Anreiz?

    • Hallo Sylke,

      zu deiner persönlichen Lebensgeschichte möchte ich gar nicht so viel schreiben. Ich denke, dass du dir das von der Seele schreiben wolltest, aber nicht unbedingt eine detaillierte (noch dazu laienhafte) Analyse ‚von außen‘ dazu lesen möchtest.

      Was ich dir allerdings schreiben kann, sind folgende zwei Punkte:

      1. Du erklärst es ja sogar selbst (und eigentlich wissen es alle): Narzissten haben sehr wohl Gefühle (immerhin sind auch Hass und Ablehnung Gefühle). Sie haben jedoch keinen Zugang zu einem bestimmten Teil Ihrer Gefühle – in erster Linie den positiven Emotionen, die mit einem stabilen Selbstwertgefühl verbunden sind. Dort, wo du deine Familie zitierst mit ihren abwertenden Äußerungen (die wirklich unglaublich schäbig sind), klingen sogar sehr starke Emotionen an. Negative.
      Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass die positiven Emotionen ebenfalls da sind. Irgendwo. Und womöglich ist jeder Versuch, sie an die Oberfläche zu holen, zum Scheitern verurteilt. Aber womöglich auch nicht.

      2. Welchem Reiz die Opfer oder Co-Narzissten unterliegen? Als Kind bist du einfach hilflos und kannst dich nicht wehren. Ein Kind kann nichts dafür, wenn es Opfer geworden ist.
      Als Erwachsener gilt jedoch: Fast alle Menschen (ich glaube nicht, dass ich mehr als zwei oder drei kenne, bei denen es anders wäre) haben ihre ganz persönlichen Defizite und inneren Verletzungen.
      Kaum jemand ist frei von massiven (!) Selbstzweifeln; alle sind getrieben und suchen ihr Glück im Haben, im Können, im äußeren Schein, in der Bewunderung und Bestätigung durch andere. Es findet permanent eine Bewertung von außen statt. Es findet auch permanent der Zwang, sich zu bewähren, statt!
      Ein Narzisst lebt genau das, was uns allen von Kindesbein an als gut und richtig eingeimpft worden ist: Wettbewerb. Der Narzisst scheint die Verkörperung des Versprechens: Wenn du der Größte, Stärkste, Schnellste oder auch der Beliebteste, Bekannteste, Berühmteste bist, bist du glücklich. Und dieses Versprechen wollen wir glauben. Würden wir es nicht tun, würden wir plötzlich ganz viele Dinge in Frage stellen. Mit ungewissem Ausgang…
      Wäre dieses Versprechen wahr, wären Narzissten ausgeglichene und zufriedene Menschen.

      Dir persönlich habe ich mit meinen Worten vermutlich wenig helfen können, aber es scheint so zu sein, dass du auch ohne mich auf einem guten Weg bist. Und mit ‚gut‘ meine ich einfach nur: weitermachen und sich nicht unterkriegen lassen. 🙂

      Liebe Grüße
      Katrin

    • Hallo liebe Sylke,

      herzlichen Dank für die ausführliche Schilderung deiner Geschichte und dem Teilhaben daran.

      Du fragst, was den Reiz des Narzissten ausmacht? Nun, dies ist wohl eine der spannendsten Fragen überhaupt zu dem Thema. Deshalb möchte ich an dieser Stelle Prof. Haller aus einem Buch „Die Narzissmusfalle“ zitieren (Seite 27): „Wollen wir mit narzisstischen Menschen zurechtkommen, ist es unabdingbar, Übertragungen und Gegenübertragungen zu erfassen, unsere möglicherweise komplementäre Rolle zu reflektieren und sich von der Atmosphäre des Narzissten zumindest emotional zu distanzieren. Dies werden wir nur erreichen, wenn wir den ganzen Bogen der narzisstischen Störungen, von Glanz bis Elend reichend, kennen. (..) Wir werden dadurch neutraler, wissender, autonomer und – ganz entscheidend – weniger manipulierbar. Bestimmend ist die Frage, ob wir, die Nicht-Narzissten (sind wir das?), dem betörenden Duft des Narziss erliegen oder uns aus diesem lösen können?“

      Dem ist aus meiner Sicht nicht viel hinzufügen und erklärt und ergänzt für mich auch einiges aus den vorherigen Kommentaren – und meinem „erliegen“ des Duftes eines Narziss hier in der Diskussion.

      Einen schönen Abend & Liebe Grüße
      Oliver

  35. Pingback: Die narzisstische Persönlichkeit: Ein Ur-Schrei nach nicht erhaltener Liebe - Narzissmus & Bindungsangst

  36. Hallo Katrin,

    danke für deine ausführliche, aussagekräftige und in der Tat sehr hilfreiche Antwort.

    Du hast recht, dieser Artikel und das Forum haben mich geradezu herausgefordert, einen kleinen Teil meiner Geschichte zu erzählen, weil dieses Thema sehr viel unverarbeitete Wut in mir hervorruft. Meine Schilderung war durch Zulassen von Emotionen etwas wackelig und unprofessionell, wenn ich mir die anderen Beiträge anschaue.
    Ich habe versucht eine Art “Mirroring” sein um darzustellen, was Narzissmus anrichten kann und wie er erlebt wird. Leider befinde ich mich hier noch eher in den Kinderschuhen, weil ich ich bis im letzten Jahr nicht als Opfer sondern als selber schuld an dieser Ablehnung gesehen habe. Bis ich mich mit Narzissmus befasst habe, war ich der Meinung ich bin falsch und muss mich ändern, anpassen, den Mund halten und alles was kommt so negativ wie es auch ist, über mich ergehen lassen.
    Durch diese Blitzableiterrolle habe ich einen Selbsthass entwickelt, der neben Depressionen auch eine Autoimmunerkrankung herbeiführte. Ich wurde abgelehnt, hatte mit der Depression auch eine Wut gegen mich selbst aufgebaut und nun arbeitete auch noch der eigene Körper gegen mich.
    Kannst du dir vorstellen, wie “falsch” man sich dann fühlt? Man bestätigt ja damit die Ablehnung der Familie nicht nur, man nimmt sie ja wirklich an.
    Narzissten haben auch Gefühle, da stimme ich dir zu. Dass sie keine Gefühle zu stabilem Selbstwert haben würde ich nicht rein dem Narzissmus zuschreiben. Ich habe Probleme mit dem Selbstwert, weil er von außen untergraben wurde. Andere wurden gemobbt oder sind als Kind nicht entsprechend gefördert worden und haben somit auch keinen stabilen Selbstwert erworben. Ich erlebe Narzissten als Personen, die sehr viel Selbstwert ausstrahlen, aber eigentlich ganz klein sind. Sie leben in einem geistigen Zustand des improvisierten Größenwahns und die Gefühle die sie haben, haben sie. Definitiv. Sie können diese aber nicht reflektieren. Und Gefühle Anderer sind für sie wie eine Fremdsprache. Sie denken, jeder sieht sie so wie sie sich sehen und werden somit als das “Bessere” akzeptiert, eben so wie sie sich erleben.
    Ihnen fehlt besagter Spiegel. Und das ist meiner Meinung nach die Grundlage für das Fehlbild das sie in sich aufbauen. Sie sind und werden darum auch niemals einsichtig sein. Denn dazu müssten sie die Argumente von Anderen verstehen. Aber das tun sie nicht. Sie sehen alles nur aus ihrer Sicht und machen ihr Umfeld gefügig und akzeptieren es so lange dieses mitspielt.
    Es fehlt ihnen an Empathie. Ihre Gefühle werden sich immer um sich selbst zentrieren und nicht um die eigentliche Problematik, oder die Person mit der sie sich “auseinandersetzen” gilt. Für sie ist das Problem dann gelöst, wenn sie sich durchsetzen konnten. Und dafür ist jedes Mittel recht.
    Ich habe mir so viele Konversationen danach niedergeschrieben um diese zu reflektieren und mich damit besser auseinandersetzen zu können, weil jede analysieren wollte was schief läuft.
    Ergo: Sie sind einseitig, fruchtlos und auf Vorwürfen gegen meine Person und Hervorhebung ihrer Person gekennzeichnet. Sie machen ja nichts falsch!

    • Hallo Sylke,

      Wut ist gut, ist richtig, ist die angemessene Reaktion.
      http://psychotherapie-vanharen.de/wiki-vanharen/gefuehle/wut.html

      Beim Lesen deiner Worte frage ich mich jedoch, ob es genauso gut und richtig ist, sich weiterhin mit dem Verhalten deiner Familie zu befassen – oder ob es möglicherweise besser wäre, sich positiven Dingen zuzuwenden. Ich selbst muss alte Verletzungen auch immer noch lange ‚wiederkäuen‘. Aber jedes Mal kommt irgendwann der Punkt, an dem mich diese Fixierung nur noch hemmt und verhindert, dass ich mein Leben einfach weiterlebe. Wann dieser Punkt bei dir erreicht ist (wenn überhaupt), kannst allerdings nur du selbst wissen. Dazu brauchst du natürlich Zutrauen in dich selbst und in deine Gefühle. Und das scheinst du mittlerweile ja auch zu haben (oder zumindest wächst es gerade).

      Was ich jedoch unbedingt noch schreiben möchte: Jeder Versuch, bei anderen Menschen Einsicht zu ‚erzwingen‘, ist zum Scheitern verurteilt. Immer. Egal, worum es geht. Wenn also (und so wirken deine letzten Sätze auf mich) du dein Wohlergehen weiterhin davon abhängig machst, was deine Familie von dir denkt, dann wirst du womöglich nie auf einen grünen Zweig kommen…

      Aus deinen Beiträgen lese ich heraus, dass du die Kraft und das Beharrungsvermögen hast, um dein Leben selbstbestimmt und offen für neue Erfahrungen zu leben. Frei nach Albert Camus: Der absurde Mensch macht immer weiter. Und genau darin liegt seine menschliche Würde.

      Liebe Grüße
      und alles Gute für dich!
      Katrin

  37. Hallo Leute,muß mich jetzt auch mal melden,habe viele Beiträge gelesen,muß mal mit jemanden darüber reden weil es keiner so richtig versteht,war ein anderthalbes Jahr mit einem Narzisten zusammen,hat etwas gedauert bis ich es erkannt habe aber sein Verhalten war abnormal,ich bin eine selbstständige,selbstbewußte Frau und ich hatte das Gefühl das ihm das nicht recht war,er hat mich gedemütigt,ausgenuzt,terrorisiert,geschlagen,bevormundet,er hatte immer recht,war der Schönste,der Fleißigste,etwas Besonderes,alles habe ich falsch gemacht,egal was es war,wollte ich was erzählen,hat es ihm nicht interessiert,war ich ruhig,sollte ich was erzählen,ständig änderte er seine Meinung,jetzt so nächste Minute so,keine Wertschätzung,keinen Respekt,keine Entschuldigung,kein Mitgefühl,keine Emotionen,keine Nähe zulassen,nur beim Sex war er mal etwas liebevoll,ich habe viel für ihn getan aber sobald ich etwas für mich tun wollte war er beleidigt,es drehte sich eben nicht im ihn,wir haben nicht zusammen gewohnt,ständig hat er gestritten,wann ich denn zu ihm ziehe und ich würde ihn nicht lieben,dabei habe ich ihn abgöttisch geliebt,ansonsten hätte ich es nicht so lange ausgehalten mit ihm,er hatte Depressionen und trank sehr viel Alkohol,es war eine ständige Gehirnwäsche,ich wußte nicht mehr wie ich es richtig machen sollte,habe ihn dann darauf angesprochen,daß er Hilfe braucht professionelle,er hat mich ausgelacht und mich für blöd erklärt,ich sollte doch zum Phsychologen gehen,er würde nur eine Frau brauchen die ihn liebt,er würde sehr viel Liebe brauchen,aber mehr Liebe konnte ich ihm nicht geben,wir haben uns oft getrennt und er kam immer wieder und ich konnte ihm nicht wiederstehen,liebte und liebe ihn immer noch,er tut mir auch leid,weil er eben so ist und irgendwo auch leidet in seiner Seele,aber ich konnte ihm nicht mehr helfen und mein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich immer mehr,konnte manchmal nicht mehr arbeiten,hatte überall Schmerzen,hat ihm nicht interessiert,,ich könnte ja selbst dafür,er hat mir oft gedroht er würde mich fertig machen wenn ich mich von ihm trenne,jetzt habe ich es geschafft mich zu trennen,weiß nicht wie es weiter geht,aber ich glaube er akzeptiert es jetzt,ich liebe ihn noch und es tut sehr weh aber es hat keinen Sinn,er macht mich fertig,schade um diesen Mann und um unsere Beziehung,aber er läßt sich nicht helfen,es ist schlimm mit dem Narzismus,es nimmt über Hand und die Betroffenen erkennen leider nicht,daß sie Hilfe brauchen…

    Liebe Grüße Mary

  38. Hallo Mary,

    ich glaube, dass du eine sehr schwere Zeit hinter dir hast. Ob dein Ex nun ein Narzisst ist, steht allerdings in den Sternen, es gibt vielfältige Störungen oder Erkrankungen, die vielleicht eher auf ihn zutreffen – Borderline zum Beispiel oder schlicht Alkoholismus…

    Zu dir selbst (denn du solltest dich jetzt erst mal um dich selbst kümmern, nicht um ihn): Wenn du dir so lange Zeit dieses Tortur angetan hast, dann ist dies ein Hinweis darauf, dass du vielleicht vordergründig selbstbewusst bist, aber tief in dir drinnen womöglich (eigentlich sogar sehr wahrscheinlich) nicht. (Ich verstehe zum Beispiel gar nicht, was genau immer noch schade daran ist, dass diese Beziehung jetzt zu Ende ist.)

    Liebe bedeutet NICHT emotionale Abhängigkeit oder unbegrenzte Leidensfähigkeit. Liebe bedeutet auch nicht, den Verstand zu verlieren oder jeden Bezug zur Realität. Das sind alles Zeichen für VERliebtheit – und Verliebtheit ist eher vergleichbar mit einem Drogenrausch, denn mit Liebe.

    Ich denke, du solltest dich ganz ehrlich und aufrichtig mit der Frage befassen, warum du dir ein solches Verhalten so lange hast bieten lassen. Welche Ängste hast du, denen du dich stellen solltest? Welche Unzulänglichkeiten wirfst du dir insgeheim vor, so dass du vielleicht meinst, Abwertungen oder Beleidigungen irgendwie verdient zu haben? Warum empfindest du dir selbst gegenüber nicht genügend Wertschätzung, um das Recht auf Respekt und Anerkennung einzufordern und durchzusetzen? Wenn du an diesen Punkten ansetzt, dann wirst du als starke und wahrhaft selbstbewusste Frau aus diesen negativen Erfahrungen herausfinden.

    Und diesen Typen schießt du jetzt in den Wind und verschwendest keinen Gedanken mehr daran, dass er selbst Hilfe braucht.
    Warum? Ganz einfach: Helfen können nur Menschen, die selbst keine Hilfe (mehr) benötigen. Das ist wie im Flugzeug: Bei den Sicherheitseinweisungen erklärt die Stewardess jedes Mal ausdrücklich, dass im Notfall jeder Mensch ZUERST SICH SELBST die Sauerstoffmaske aufsetzen soll, bevor er bedürftigen Mitmenschen hilft. Dies gilt immer. Sich aufopfern, bis einem selbst die Puste ausgeht, führt nur dazu, dass ALLE Schaden erleiden.

    Ich hoffe, ich habe dir ein paar wertvolle Anregungen geben können. Bitte vergiss nicht: Was ich schreibe (oder irgend jemand anderes) muss nicht zwingend wahr oder für dich richtig sein. Also prüfe bitte sorgfältig (und selbstkritisch!), ob du dich in meinen Worten wiedererkennst.

    Alles Gute
    und viel Erfolg!
    Katrin

  39. Hallo Oliver, gratuliere zu diesem ausführlichen Beitrag.
    Ich setze mich seit einiger Zeit mit meiner doch dominanten Persönlichkeit auseinander und bin im Gespräch mit einem guten Freund zum Schluss gekommen das ich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung habe.
    Was sich jedoch nicht mit deinen Aussagen im Artikel dekt ist, dass ich mich an meinem Verhalten störe! Ich habe jetzt auch den Schritt in Richtung Therapie gemacht. Ich ertappe mich immer wieder selbst das ich zwischen den Persönlichkeiten wechsle, mal sehr angenehm als Mensch dann wieder der Unausstehliche…dies die Rückmeldung meiner Familie.
    Ist das typisch, oder liegt ein anderes Problem vor. Ich erfülle mehr als 5 Kriterien, und sehe mich 1:1 in der Beschreibung eines Narzissten.

  40. Hallo,

    ich habe mich durch Deinen Artikel und auch alle Kommentare durchgelesen.
    Ich bin selber gerade in der schwierigen Situation, mich entscheiden zu müssen ob ich mein Leben weiterhin mit meinem Partner oder ohne ihn verbringe. Mein Partner zeigt seit ca. 2,5 Jahren Symptome von ??? Ob es jetzt eine narzisstische Persönlichkeitsstörung oder Midlifecrises oder eine emotional instabile Persönlichkeit ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich befürchte jedoch Ersteres. Er ist im Moment stationär in der Psychiatrie, da seine „Ausraster“ immer schlimmer geworden sind (Wutanfälle, Zerstörungswut). Die psychische Misshandlung mir gegenüber habe ich sehr lange toleriert und habe die Quittung inzwischen, dass ich selbst in psychologischer Therapie bin. Trotz seines Zwangsaufenthaltes in der Psychiatrie sieht er bis jetzt nicht ein, dass er behandlungsbedürftig ist (alle Ärzte und Therapeuten dort wären „Idioten“) und er denkt schon wieder darüber nach, wie er da am besten raus kommt.

    Ich finde deinen Artikel und auch die ganzen Kommentare wirklich interessant, da verschiedene Sichtweisen dargestellt werden und ich finde, dass man es sich zu einfach macht, einfach die Schuld am Scheitern der Beziehung dem „Narzissten zu unterstellen“. Ich tue mir sehr schwer damit, wirklich einen Schlusstrich unter unsere langjährige Beziehung zu ziehen, weil wir 15 sehr schöne Jahre miteinander hatten. Ok, er hatte schon immer ein paar Macken, aber wer hat die nicht? Allerdings hat er sich nun zu einem Menschen entwickelt, mit dem ein Zusammenleben kaum mehr möglich ist. Die Krönung war ein mir vorher theatralisch angekündigter Suizidversuch – als Erpressungsversuch. Vielleicht ist es aber auch seine Not und Verzweiflung über seine frustierende Situation. Denn er wird sich seit 2,5 Jahren immer bewusster, dass ihm „etwas fehlt“. Und diese Leere versucht er mit allem Möglichen und Unmöglichem zu füllen. Die Beschreibungen, dass Narzissten diese ungestillte Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung in sich tragen, beschreibt seinen Zustand haargenau (auch wenn er das so nicht zugeben würde). Was ich nicht begreife ist, warum hat es ihm 15 Jahre „gereicht“ und nun nicht mehr? Wir haben eine sehr gute Beziehung auf Augenhöhe geführt mit tiefen Gesprächen und grenzenlosem Vertrauen zueinander. Ich hätte bis vor 2,5 Jahren niemals in meinem Partner einen Narzissten gesehen – im Gegenteil, er war mein bester Freund, mein innigster Vertrauter.

    Ich sehe auch, dass da sicher zwei dazu gehören (zumindest wenn beide erwachsen sind). Denn ich habe mich manipulieren lassen, habe mich psychisch unter Druck setzen lassen usw. Aber ich konnte sehr lange nicht begreifen (und begreife es bis heute nicht), warum mein bis dahin sehr geschätzter und liebenswerter Partner langsam schleichend zu einem egozentrischen A…. mutiert ist.

    Ich bin völlig verunsichert, was ich tun soll. Muss ich mich damit abfinden, dass er nun ein Narzisst im Vollbild ist oder kann ich die Hoffnung haben, dass sich das therapieren lässt? Er war ja nicht immer so…

    Und Zweifel habe ich grosse. Kann man das einem Menschen verzeihen? Kann man wieder Vertrauen haben? Alle sagen zu mir, ich soll von ihm trennen. Aber wie kann ich unsere Partnerschaft, die so viele Jahre schön und erfüllend war, so einfach wegwerfen? Es hiess doch mal: „In guten und in schlechten Tagen…“

    Vielleicht ist das auch am Thema vorbei?

  41. Hallo Luna,

    deine Beschreibung deiner jetzigen Situation hat mich sehr berührt. Ich hatte auch fast 6 Jahre eine solche, zuerst schöne dann immer extremer werdende, Beziehung, die ich schweren Herzens beenden musste. Es ist gut, dass du dir selbst therapeutische Hilfe gesucht hast. Vielleicht hilft dir das, die Erlebnisse in deiner Partnerschaft aufzuarbeiten. Ich selbst scheue mich noch, mich in Behandlung zu begeben. Ich zeige keine Krankheitserscheinungen (Depressionen oder Psychosomatik), habe aber immer wieder mit den vergangenen Ereignissen zu kämpfen. Besonders mein Selbstwert ist am Boden und das Vertrauen gegenüber anderen Menschen und meiner eigenen Wahrnehmung hat sehr gelitten.

    Eine Persönlichkeitsstörung ist immer eine sehr starre, unflexible Störung des Verhaltens eines Menschen. So etwas kann man kaum 15 Jahre verstecken. Zwar hat das Verhalten unterschiedliche Gesichter, aber es ist fast immer sehr abweichend von normalen Verhalten (Beispiel: Idealisierung und Entwertung als zwei Extreme). Da diese Störungen ihren Ursprung in der Kindheit haben sind sie ab Ende der Pubertät ständig da, d.h. sie zeigen sich nicht plötzlich im Erwachsenenalter. Im übrigen gibt es bei der narzisstischen und emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung sehr viele Parallelen und oft auch Komorbität (beide Persönlichkeitsstörungen sind teilweise vorhanden).

    Wenn dein Partner wirklich erst in den letzten 2,5 Jahren auffälliges Verhalten gezeigt hat, so ist wohl ein anders geartetes Problem wahrscheinlicher. Damit könntest du auch davon ausgehen, dass eine Heilung/Verbesserung des Zustandes einfacher ist als bei einer Persönlichkeitsstörung (die in der Regel nur schwer und unvollständig zu therapieren ist). Dass keine Krankheitseinsicht besteht ist aber leider nicht von Vorteil.

    Im Bereich der Psychologie gibt es unzählige Krankheiten, die auch oft ähnliche Symptome aufweisen. In deiner Beschreibung kommen mir Psychose, Burn-Out oder eine posttraumatische Belastungsstörung in den Sinn. Aber ich bin kein Fachmann und generell stellt dieser Kommentar nur meinen (vielleicht auch unvollständigen oder nicht ganz richtigen) Kenntnisstand dar.

    Ich hoffe Ihm kann in der Psychatrie geholfen werden. Kümmer dich nun erstmal um dich und deine Seele, das ist jetzt unendlich wichtig! In solchen Situationen muss man auch mal egoistisch sein.

    Alles Gute,
    Daniel

  42. Lieber Oliver!
    Vielen Dank und Gratulation zu diesem kompetent und einfühlsam geschriebenen Artikel zu einem so komplexen, ernsten und schwierigen Thema!
    Ich schreibe seit August 2016 einen Blog über eine Außenbeziehung die ich mit einem schwer narzisstisch gestörten und als Kind massivst verletzten Mann geführt habe. Natürlich schreibe ich damit aus der Opferperspektive, versuche aber auf jeden Fall die Verletztheit und Schiksalsbeladenheit des Menschen mit dem ich es zu tun hatte wertschätzend und fair darzustellen. Der Blog ist zu finden unter http://www.loverslost.de.
    Einer der wenigen Blogs die aus der Sicht eines narzisstisch gestörten Menschen geschrieben sind und der einen ungeheuer tiefen Einblick in die Befindlichkeiten eines solchen Bewußtseins gibt heißt „Knowing the Narcissist“ von HG TUdo und ist jedem der sich hinreichend mit der englischen Sprache auskennt zu empfehlen.
    Ich werde Deinen Artikel in meinem Blog verlinken und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Resonanz bei Deinem Schreiben.
    Herzlichste Grüße von Ursula

    • Liebe Ursula,

      danke für deinen Kommentar und das Kompliment.

      Und natürlich die Verlinkung des Artikels in deinem Blog.

      Dir weiterhin auch viel Erfolg beim Schreiben.

      Liebe Grüße, Oliver

  43. Man sollte nicht immer in die Resonanz gehen und alles auf sich beziehen.
    Wenn jemand wütend ist, lassen sie ihm seine Wut. Manchmal ist die Wut das einzige Gefühl was er noch empfinden kann. Die Gründe dafür sind vielfältig.
    Allen anderen einen Tipp:
    Einen Narzissten kann man nicht ändern.
    Fangen sie also bei sich an.
    Denn Heilung finde im Inneren statt.
    Die Aussage „Ich habe es nicht bemerkt, dass er ein Narzisst ist“ halte ich für eine Schutzbehauptung.
    Manchmal ist auch der schwächere Part (der Komplementärnarzisst) der verletzendere Part und der Narzisst reagiert nur und zwar so, wie es aus seiner Sicht richtig erscheint.
    Richtig oder Falsch sind subjektiv.
    Karin W: Man muss nicht immer einer Meinung sein. ich finde es sogar gut, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt. Das macht Hoffung auf mehr Individualität und Toleranz.
    Oliver Domröse: Ich habe mittlerweile andere Beiträge von Daniel B. gelesen. Gluben sie mir, er ist reflektiert. Und seine Therapiefortschritte zeigen sich deutlich. Sie haben sich dennoch nicht falsch verahlten. Sie haben auch nur so reagiert, wie es aus ihrer Sicht richtig war.
    Wussten sie dass Reinhard Haller selber bekennender Narzisst ist?
    Das steht sogar in seinem Vorwort. „Für alle, denen ich ein Spiegel bin“
    Der Narzisst ist ein Geschenk für jede Co- Narzisstin und die Co- arzisstin ist ein Geschenk für den Narzissten. Der Weg zur Erkenntnis ist am schmerzhaftesten.

    Liebe Grüße
    L.F.

    • Hallo Herr Frankenfeld,

      als erstes möchte ich sie bitten, meinen Nachnamen richtig zu schreiben, ich erwähnte dies schon einmal in einem Kommentar. Es ist kein Allerweltsname, aber auch nicht so kompliziert. In ihren Kommentar habe ich den Namen berichtigt. Ich möchte keine Absicht ihrerseits unterstellen!

      Nun zu ihren Ausführungen. Ich muss sagen, dass ich beim Lesen ihrer Kommentare sehr zwiespältige Gefühle habe. Wie sie aus meiner Artikeln wissen, bin ich niemand, der pauschal alle Narzissten als Teufel verbannen möchte, sondern möchte in einem gewissen Rahmen, Verständnis für die Betroffenen aufbringen, da ich die Ursachen dieser schwerwiegenden Erkrankung erkannt habe – und aus eigener Betroffenheit ein Stück weit Mitgefühl aufbringe. Abgesehen davon, dass ich auch zu meinem narzisstischen Anteil stehe und damit so bewusst wie möglich umgehe! Trotzdem bin ich nach der kräftezerrenden Diskussion mit Daniel S.B. wachsamer und auch radikaler in Sachen Abgrenzung und auch Instrumentalisierung geworden. Im Nachhinein, trotz ihrer unterstellten Reflexion, habe ich mich von Daniel S.B. benutzt gefühlt! Auf solch einen öffentlichen Schauplatz werde ich mich nicht noch einmal begeben!

      Da sie schreiben, dass sie HP für Psychotherapie sind, gehe ich gerade davon aus, dass sie versuchen möchten, das Thema von mehreren Seiten zu beleuchten, jenseits einer Opfer-Täter Spirale oder einseitigen Schuldzuweisungen. Im Einklang mit ihrem narzisstischen Anteil 😉 Eigenverantwortung ist hier wohl das Stichwort.

      Was mich, und sicherlich auch viele Leser, interessiert, ist der Begriff Komplementärnarzissmus, der auch hier schon öfters gefallen ist und ich auch im Zuge meiner Recherchen für den HSP/Narzissten-Artikel gefunden habe. Können Sie mir diesen Begriff näher erläutern, was damit genau gemeint ist in der Fachwelt bzw. aus ihrer Sicht?

      Viele Grüße, O.D.

  44. Danke für den Gedanken, daß ja auch der Narzisst Opfer der Umstände ist. Man liest im Internet seitenweise über Menschen, die sich mit einem narzisstischen Menschen eingelassen haben und ihr blaues Wunder erleben. Wie grauenhaft aber die Welt des Betroffenen ist, bleibt den meisten verborgen. Daß man massiv benachteiligt ist, wenn einem nie die harmlose gegenseitige Liebe beigebracht wurde, man sich selbst und anderen fern bleibt, ständig bewertet wird, als hätte man normale Chancen gehabt. Die meisten Narzißten haben ein sehr anstrengendes Leben mit vielen emotionalen Krisen, Alkohol- oder Nikotinabhängigkeit, Burnout, Mobbing und ähnliche Themen, die sich aus der Sucht nach Anerkennung und der grausamen Verweigerung dieser durch die Welt der Gesunden ergibt. Keineswegs ist es das Ziel eines Narzißten, andere zu mißbrauchen. Das ergibt sich eher daraus, daß die meisten Menschen ihn nicht so lieben, wie er ist. Er war schon als Kind nicht niedlich und verfügt nunmal über kein angenehmes Naturell. Anerkennung kriegen solche Menschen nur, indem sie der Welt das vorspielen, was sie sehen will. Wären die Menschen tolerant genug, um auch einen schrägen, übersensiblen, kränkbaren, unsicheren Menschen in ihr Herz zu schließen, würde der Narzißt garnicht auf die Anstrengung verfallen, sich Liebe durch Verstellung zu erkaufen!

    • Hallo Vainillajango,

      als Sohn eines Narzissten kann ich dir in einem Punkt nicht zustimmen. Mein Vater ist sehr charismatisch und hat ein teilweise sehr angenehmes Naturell und ich habe ihm sehr viel Anerkennung gegeben, ja, sogar ganz viel Liebe und Rückenhalt, als andere schon lange weg waren. Bis zu einem bestimmten Punkt war ich immer für ihn da und habe ihn genau so genommen, wie er ist. Er war und ist nicht in der Lage diese Liebe und Annahme zu sehen, zu erkennen bzw. anzunehmen. Und sie reicht niemals aus. DAS liegt in der Natur der Sache vom Narzissmus.

      Was stimmt, zumindest bei meinem Vater: Ja, die Süchte, insbesondere Alkohol, die diese Menschen haben, kenne ich. Glasklar, dass mein Vater unglücklich war und ist. Das habe ich in seinen schwächsten Momenten gesehen. Er war so verletzlich wie ein Kleinkind und ich war da für ihn, immer ohne Vorwurf, sondern mit meiner ganzen Liebe und Fürsorge. Das hilft bzw. half leider nichts.

      Die Chance was zu verändert hat meiner Meinung nach immer jeder. Auch im hohen Alter. Der Wunsch und Wille dafür ist Voraussetzung. Zu glauben, es würde uns aus heiterem Himmel ein roter Teppich ausgerollt werden und schon kommt die Chance, kommt die Heilung, ist aber eine Illusion. Es ist Arbeit was zu verändern und es tut weh. Die meisten Menschen meiden diesen Schmerz und machen weiter wie bisher, so auch die Narzissten.

      Das alles ist auschließlich meine Meinung.

      Gruß
      Frederic

    • Ich würde gerne privaten Kontakt mit dir haben….
      Nicht um dich zu therapieren….
      Sondern einfachnur um mehr über Dich zu erfahren.
      Meinst du das ist möglich?

  45. Hallo Vainillajango,

    als Sohn eines Narzissten kann ich dir in einem Punkt nicht zustimmen. Mein Vater ist sehr charismatisch und hat ein teilweise sehr angenehmes Naturell und ich habe ihm sehr viel Anerkennung gegeben, ja, sogar ganz viel Liebe und Rückenhalt, als andere schon lange weg waren. Bis zu einem bestimmten Punkt war ich immer für ihn da und habe ihn genau so genommen, wie er ist. Er war und ist nicht in der Lage diese Liebe und Annahme zu sehen, zu erkennen bzw. anzunehmen. Und sie reicht niemals aus. DAS liegt in der Natur der Sache vom Narzissmus.

    Was stimmt, zumindest bei meinem Vater: Ja, die Süchte, insbesondere Alkohol, die diese Menschen haben, kenne ich. Glasklar, dass mein Vater unglücklich war und ist. Das habe ich in seinen schwächsten Momenten gesehen. Er war so verletzlich wie ein Kleinkind und ich war da für ihn, immer ohne Vorwurf, sondern mit meiner ganzen Liebe und Fürsorge. Das hilft bzw. half leider nichts.

    Die Chance was zu verändert hat meiner Meinung nach immer jeder. Auch im hohen Alter. Der Wunsch und Wille dafür ist Voraussetzung. Zu glauben, es würde uns aus heiterem Himmel ein roter Teppich ausgerollt werden und schon kommt die Chance, kommt die Heilung, ist aber eine Illusion. Es ist Arbeit was zu verändern und es tut weh. Die meisten Menschen meiden diesen Schmerz und machen weiter wie bisher, so auch die Narzissten.

    Das alles ist auschließlich meine Meinung.

    Gruß
    Frederic

  46. Sehr geehrter Herr Domröse,
    liebe Leser und Leserinnen,

    ich freue mich über soviele schöne (selbst-)reflektierende Beiträge, aber wundere mich immer noch darüber, dass den Co- Narzissten zuviel Raum gegeben wird, sich verbal auszukotzen.
    Nun möchte ich aber was zum Thema Bezieungen schreiben Und über die mangelnde Selbstliebe und warum ein Narzisst seine Gefühle abspaltet.

    Verliebtheit, sich gegenseitig verführen, verschmelzen in der gemeinsamen Grandiosität, das ist wie Feuerwerk. Die Gefühle sind heiß, die Begierde ist groß, das Erlöschen folgt auf dem Fuß. „Meine Beziehungen sind wie ein Lauffeuer. Das Feuer meiner Verliebtheit brennt so stark, dass es immer wieder zum Flächenbrand kommt. Meine Sehnsucht, Leidenschaft und Erwartungen sind so heftig, dass sie den anderen in die Flucht schlagen. Und dann bleibe ich in meinem Elend allein zurück und weiß, dass ich viel zu schnell viel zu viel wollte. Doch immer wieder falle ich drauf rein. (Bärbel Wardetzki, „Eitle Liebe“)

    Wer seine Hilflosigkeit mit allen Mitteln verteidigt, ist so mächtig, dass keine Unterstützung daran etwas ändern kann.

    Bevor ein Narzisst nicht in der Lage ist, sich selbst zu lieben, wird er somit auch nicht die Liebe seiner Partnerin annehmen können, geschweige denn seine Partnerin aufrichtig lieben können. Zu oberflächlichen Gefühlen und dazu zähle ich die „Verliebtheit“ ist der narzisstisch gestörte Mann durchaus in der Lage. Er wird aber sobald es intimer wird, also sobald der Alltag kommt, seine verletzlichen Gefühle abspalten. Auch wird er die verletzlichen Gefühle seiner Partnerin versuchen nicht an sich ran zu lassen, denn täte er das, würde er sich schuldig und hilflos zu gleich fühlen, weil er es auf sich bezieht und nicht weiß, wie er das verändern kann. Man spricht hier von der als eines der Hauptmerkmale identifizierten mangelnden Empathiefähigkeit gegenüber anderen. Der Mangel ansich ist aber nicht immer gleich Mangelhaft. Manchmal ist der Mangel nur sehr gering. Da der Narzisst schon selber mit seinen eigenen intensiven Gefühlen (und seinen vorangegangenen Erfahrungen der Nichtakzeptanz), auch am Anfang zu kämpfen hat, wird er alles dafür tun, dass es seiner Partnerin gut geht, sie also kein Grund hat aus seiner Sicht sich schlecht zu fühlen. Er wird sie permanent aufwerten und bestätigen, ihr Geschenke machen und seine eigentlichen Pflichten vernachlässigen, immer aus Angst seine Partnerin zu verlieren. Damit sein Bild von seiner Partnerin langfristig aufrecht erhalten bleibt, (sie ist seine Retterin) wird er irgendwann anfangen sie narzisstisch zu besetzen. Man spricht hier vom „expanded self“, ein Begriff der von Frank Petermann geprägt und erklärt wurde. Der Narzisst vereinnahmt sein Gegenüber für sich selbst. Das Gegenüber (die Partnerin) dient als Projektionsfläche seiner eigenen Gefühle. Die Gefühle der Partnerin werden nicht wirklich respektiert. Die Partnerin dient als „erweitertes Selbst“ . Was gut für mich ist, wird auch gut für sie sein. Wenn es mir gut geht, muss es ihr auch gut gehen und wenn es mir schlecht geht, muss auch sie mitleiden. Diese Erklärung muss für den Anfang erst mal ausreichen. Mein Tipp: Bleiben sie sie selbst, sagen sie ihrem Freund, dass sich an ihren Gefühlen zu ihm nichts ändert, auch wenn es ihnen nicht gut geht. Er brauch die Bestätigung ihrer Liebe um jeden Preis. Gleichzeitig brauch er aber auch die Sicherheit, dass es nicht seine Schuld ist, wenn es ihnen mal schlecht geht. Und zeigen sie ihm, dass sie trotzdem gerne mit ihm zusammen sind, wenn es ihnen mal schlecht geht.

    Verzichten sie nicht darauf gemeinsam angenehme Zeit miteinander zu verbringen.
    Narissten sind keine bösen Menschen. Sie wollen niemandem abwerten oder missbrauchen. Sie stellen sich manchmal nur sehr unglücklich damit an, sich vor Verletzungen zu schützen (Wendy Behary)

    Dabei wird aber nicht über Probleme geredet. Diese Einstellung enthält für beide Parteien eine wichtige Botschaft:

    „Du bist nicht mein Feind. Ich bin nicht dein Feind. Ich liebe Dich auch, wenn es dir nicht gut geht oder mir nicht gut geht. Ich bin gerne mit dir zusammen.“

    Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten treten in jeder Beziehung auf. Wichtig ist dann aber dass man bei sich bleibt und zu seinen Gefühlen steht.
    Wenn zwischen Ihnen beiden Probleme auftauchen, sozusagen dicke Luft herrscht, ist es wichtig, deswegen nicht alles gleich in Frage zu stellen. Lassen sie sich auch von diesen Problemen niemals davon abhalten, trotzdem gemeinsam etwas mit ihrem Partner zu unternehmen. Vermeiden sie dabei aber über das Problem zu reden. Machen sie ihm keine Vorwürfe. Problemgespräche führt man nicht zwischen Tür und Angel, nicht während einer angenehmen Akitivität und schon gar nicht bei einem romantischen Candlelightdinner. Kerzenlicht erweicht die Seele und der Wein die Zunge. Und sie wissen ja selbst, dass man angeschwipst eher dazu neigt, seine Hemmungen fallen zu lassen, den anderen seine Meinung zu sagen. Im Endergebnis ist der romantische Abend im Arsch. (für die ohne Schutzschild einfach nur im Eimer) Aber reden sie trotzdem irgendwann über ihr Problem, nur bitte nicht während sie mit ihrem Partner unterwegs sind. Am besten eignen sich in Zeiten von Streit und Unstimmigkeit, Akitivitäten die nicht unbedingt das Reden anregen wie z.B. schwimmen, Tennis spielen gehen oder ins Kino gehen. Bestrafen sie sich nicht mit Nicht- Beachtung, sondern versuchen sie trotzdem soviel angenehme Zeit wie möglich mit einander zu verbringen. Aus der Ferne dann und mit etwas Abstand, lässt sich dann viel leichter über das Problem reden, um es dann aus der Welt zu schaffen. Wie sie mittlerweile heraus gelesen haben, hat es der Narzisst sehr schwer offen über seine Gefühle zu reden. Lassen sie ihm Zeit. Und vor allem haben sie Vertrauen. Er hatte es nie leicht. Und jetzt muss er von jetzt auf gleich vertrauen, nach alledem was er erlebt hat? Sie selber brauchen auch diese Zeit. Seien sie empathisch, dann wird er es auch ein können.

    In diesem Sinne
    allen eine schöne Zeit
    Ihr Lennart Frankenfeld
    (Heilpraktiker mit Psychotherapieausbildung+ systemischer Zusatzausbildung)

  47. Guten Mittag allerseits,

    um ihre Frage nach dem Komplementärnarzissten aufzugreifen, muss ich sagen, dass es verschiedene Aussagen im Internet darüber gibt. Jeder meint was anderes und jeder behauptet im Recht zu sein, was subjektiv auch vollkommen in Ordnung geht.
    Ein Komplementärnarziss kann als Dependant gesehen werden, also als abhängiger Part, also Co- Narzisst, der aber schon vor der Beziehung psychische Probleme hatte und ähnliche Merkmale aufzeigte wie der Narzisst, diese aber nicht auf überkompensatorische Seite einforderte, sondern im Rahmen der Unterwerfung. Narzisst und Komplementärnarzisst befinden sich in einer Symbiose, einer sehr ungesunden Abhängigkeit, welche aber auch gut gehen kann, wenn beide Seiten sich in ihren Rollen wohl fühlen. Sobald der Komplementärnarzisst aufbegehrt, entsteht eine narzisstische Kollusion. Wenn man dann nicht interveniert oder sich von Außen hilft oder in den Strudel aus Mitleid, Vorwürfen und Schuldzuweisung gerät (50:50 nach dem Schüssel- Schloss Prinzip) oder die Partnerin immerzu versucht ihm zu helfen und mit seinen Abweisungen nicht zurecht kommt, ist eine Trennung mit viel Schmerz nicht mehr abzuwenden.
    Zu mir kommen Paare in die Praxis, deren Feuer erloschen ist und die keine angenehme Zeit mehr miteinander verbringen. Ich arbeite sowohl mit schematherapeutischen Elementen als auch mit den Anregungen von Martin Koschorke, einem anerkannten Paartherapeuten und Herausgeber diverser Besteller.
    Man sollte auch nicht den Fehler machen und jemanden als Narzissten betiteln, der in Wahrheit keiner ist. Es gibt 12 verschiedene Persönlichkeitsstörungen. Und da sich immer den Narzissten rauszupicken empfinde ich als zu einfach. Und in erster Linie ist der Narzisst ein Mensch. Ich sehe ihn als Mensch und sein Narissmus ist nur sein Schutzschild. Jemanden öffentlich als Narzisst zu betiteln finde ich dagegen narzisstisch und menschenverachtend.

    Ich hoffe ich konnte Ihnen helfen und meine Antwort brachte Licht ins Dunkeln….

    Bezüglich Daniel B: Belassen sie es dabei. Thematisieren sie ihn nicht mehr. Lassen sie los. Er tut Ihnen nichts mehr. Solange sie ihn thematisieren, belügen und manipulieren sie sich selbst, was sie absolut nicht nötig haben.

    Liebe Grüße
    L.F.

    • Hallo Herr Frankenfeld,

      danke für ihre interessanten Ausführungen und Einblick in Ihre Praxisarbeit. War für mich sehr erhellend. Ich empfinde es mittlerweile auch als Anmaßung vorschnell jemanden als Narzissten zu bezeichnen. Ich greife mir da an die eigene Nase! Durch meine Arbeit an dem Thema habe ich hierzu viel gelernt. Es ist DAS Modewort unserer Zeit, weil wir gleichzeitig im Westen in einer narzisstisch überhöhten Gesellschaft leben (Stichwort: Kapitalismus) – diese „Diagnose“ erlaube ich mir nach all meinen Recherchen und Beboachtungen. Und trotzdem ist es manchmal angebracht vor wirklich gefährlichen (sprich boshaften/malignen) Narzissten zu warnen, weil das weit über ein paar narzisstische Störungen hinausgeht. Siehe Fall Trump, der von einem der renommiersten Psychiatern der USA als boshafter Narzisst öffentlicht diagnostiziert wurde, und damit quasi gegen ungeschriebene Gesetze verstieß, weil dies noch nie jemand bei einem amtierenden Präsidenten gemacht hat. Trump ist eben in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall. Aber auch hier: Wieviel Trump steckt in uns allen (in mir!)?? Ich kann beides halten: Die Ferndiagnose und die Eigenreflexion.

      Alles Gute, Oliver D.

      PS: Ja, genauso handhabe ich es mit Daniel S.B. seit letztem Winter: Ich habe ihn losgelassen und gehe auf nichts mehr ein – und seitdem ist auch Ruhe.

  48. Lieber Herr Domröse,

    das Thema Trump geht mir (sorry?!?) langsam auf die Nerven. Trump liest Zeitung, Trump geht kacken, Trump schttelt Merkel die Hand… Trump.. Trump.. Trump..? Und wo sind sie? Wo stehe ich?
    Trump lenkt uns ab, vom wesentlichen. Er polarisiert. Na und!
    Gucken sie auf sich. Gucken wir auf aus. Wir können Trump nicht ändern. Und auch die Diagnose die öffentlich gestellt wurde, ist eine Ablenkung von einem Trump Gegner.
    Ich persönlich habe Mitgefühl für Trump.
    Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn Sie und ich und wir alle es schaffen würden, mehr in unserem Haus für Ordnung zu sorgen, als davor.

    Liebe Grüße
    L.F.

    • Lieber Herr Frankenfeld,

      grundsätzlich stimme ich Ihnen zu bezüglich ihrer Aussagen, man solle doch zunächst einmal vor der eigenen Haustüre schauen, bevor man bei anderen den Dreck sieht. Eigenverantwortlich und mutig sich seine eigenen Schattenseiten anschauen, bevor man auf andere schielt oder die eigenen Macken auf sie überträgt! Ja! Leider geschieht das heutzutage viel zu wenig und ich hasse Leute, die sich nur im Feld des anderen bewegen, anstatt herauszufinden, was das alles mit einem selbst zu tun hat. Stichwort Schattenarbeit!

      In aller Bescheidenheit behaupte ich von mir, dass ich mich mit meiner eigenen Schattenarbeit sehr viel auseinandersetze, obgleich es mir nicht immer in dem Ausmaß gelingen mag, wie ich es mir wünsche. Ich erwähnte bereits, dass die Polarisierung mit Trump ein Spiegel auf meinen eigenen „Trump in mir“ wirft!

      ABER: Für mich gehört es zu einem integeren, bewussten Menschen, zu seinen eigenen Werten zu stehen und diese mit aller Macht auch nach außen zu vertreten – selbst wenn der Gegenwind sehr stark bläst! Und Trump ist eben nicht nur ein weiterer Präsident der polarisiert (das taten schon Bush und auch Obama), über dessen Positionen und Ansichten man streiten kann. Trump ist ein psychisch kranker Mensch, der nun das mächtigste Amt der Welt bekleidet. Ja, ich sage, er ist ein Soziopath, dem jegliches Mitgefühl für andere abhanden geht (dazu gibt es genug Videos/Aussagen von ihm). Und tut mir leid, auch wenn der Vergleich hinkt, oder zu krass ist, ein Mensch mit solch einer gestörten Persönlichkeitsstruktur erinnert mich zwangsläufig an vergangene Autokraten bzw. Diktatoren wie Hitler, Mussolini oder Stalin. Ich sage nicht, dass es soweit mit Trump kommt (Gott bewahre!). Ich sage, dieser selbstsüchtige und mitgefühlslose Mensch bedroht die Werte unserer westlichen Hemisphäre, für die viele Menschen während der Zeit der Aufklärung gestritten und auch gestorben sind! Wehret den Anfängen – ist mein Plädoyer dazu. Und auch wenn „wir“ nichts dagegen tun können (was ich übrigens anders sehe, wäre aber ein Thema für sich), sehe ich es geradezu als meine Pflicht als aufgeklärter und integral denkender Mensch an, auf diese Umstände und diese Verhaltensweisen hinzuweisen. Wer sagt denn, dass ich Trump ändern möchte?? Ich möchte ihn absetzen und kann aus der Ferne nur auf die Verfassung und das Volk der USA vertrauen, sogar solch einen Präsidenten zu überstehen, und die Lehren aus dessen Wahl zu ziehen. Für irgendeine (evolutionäre) Entwicklung war sogar Trump als Präsident gut, hoffen wir darauf, dass es keine irreversiblen Entscheidungen & Entwicklungen (Katastrophen) unter ihm gibt! mit dieser Aussage distanziere ich mich ausdrücklich von jeglicher Art von Verschwörungstheorien, die im Zusammenhang mit Trump noch einmal eine ganz neue Blüte erfahren haben!

      LG, Oliver Domröse

  49. Lieber Herr Domröse,

    wie ich feststelle, wirken sie auf mich sehr Trumpmatisiert. Da mein Fokus tatsächlich auf der therapeutischen Auflösung symbiotischer Kollusionen liegt und nicht in der Rettung der Welt (obwohl man ja sagt: was ein Leben rettet, rettet in Wahrheit eine ganze Welt) klinke ich mich an dieser Stelle aus dem Thema aus. Ich helfe Menschen zu sich selbst zu finden, unterstütze bei der Bewältigung von narzisstischen, dependenten und depressiven Krisen, helfe Zugang zum inneren Kind zu finden und fördere die Emanzipation des Menschen (Integral Mann und Integral Frau).
    Gerne können wir uns dazu austauschen. Das Thema Trump ist zu vielschichtig. Und weder Sie noch ich kennen Herrn Trump privat. Wir kennen das, was die Medien berichten und was selbsternannte Narzissmusexperten von sich geben. Ich persönlich halte Donald TRUMP nicht für psychisch krank. Und sollte er es doch sein, dann bin ich es wohl auch. (Es gibt für jeden eine Diagnose, wenn man ihm die gibt oder danach sucht).

    Liebe Grüße
    Lennart Frankenfeld

    • Hallo Herr Frankenfeld,

      habe lange überlegt, ob ich noch einmal antworten soll. Wie erwähnt, bin ich viel achtsamer und in gewisser Weise auch kompromissloser geworden, nach der „Diskussion“ mit einer bekennenden NPS wie Daniel S.B.

      An manchen Passagen und Art der Sätze erkenne ich gewisse Parallelen bei Ihnen – ohne wieder eine Ferndiagnose stellen zu wollen! Ich kenne sie nicht. Eine Leserin hat mich darauf im Übrigen auch schon hingewiesen. Ich klinke mich ebenfalls aus der Diskussion mit Ihnen und über Trump aus. Meine Meinung zu Trump bleibt, die man übrigens auch ganz ohne narzisstische Diagnose haben kann, indem man einfach seine „politischen Ansichten“ sich objektiv und vor allem emotionslos (sprich vernünftig) anschaut.

      Weiterhin alles Gute für Ihre therapeutische Arbeit.

      Viele Grüße, Oliver Domröse

      • Wie ich es bereits vermutet hatte, entpuppte sich heute der gute Herr Frankenfeld als weiterer pathologischer Narzisst. Sein Name, sein angeblicher therapeutischer Beruf, alles Fake und ausgedacht. Es folgten Kommentare mit wüsten Beschimpfungen, dass ich ein weiteres Mal reingefallen bin, eine Pfeiffe und Lachnummer wäre und natürlich der größte Narzisst überhaupt! Ich stehe da locker drüber.

        All dies dokumentiere ich hier für die Öffentlichkeit und meiner Lernkurve bei diesem Thema. Im Sinne einer transparenten und professionellen Aufklärung. Jeder kann sich hierbei seine eigene Meinung bilden. Mir war vollkommen bewusst, dass ich mit der Veröffentlichung der Artikel auch wirklich schlimme (und eben unheilbar kranke) Narzissten anziehe. All die Verhaltensweisen und Symptome, die in dem Artikel und weiteren beschrieben wurden, treffen zu: Lügen, Masken, gezielte Manipulation, Falschaussagen, angebliche Fachkenntnisse, Beleidigungen, Entwertung, Kränkung, Macht, den anderen bloß stellen etc.

        Ja, leider ist es offenbar so, wie mir einige Leser, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigen, gesagt haben: Mit einer richtigen narzisstischen Persönlichkeit ist in keinster Weise ein Dialog/Austausch möglich. Ihre Wahrnehmung ist so verzerrt, die falsch angelegte Identität so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie gar nicht mehr anders können, als zu manipulieren, zu lügen, zu entwerten und zu kontrollieren.

        Dies ist meine Erkenntnis nach nahezu einem halben Jahr Auseinandersetzung mit dem Thema und im Kontakt mit diesen persönlichkeitsgestörten Menschen. Ich brauche mir in keinster Weise einen Vorwurf machen, dass ich es zumindest versucht habe, mit der „anderen Seite“ in Dialog zu treten. Meine Warnlampen werden künftig noch schneller aufflackern, alleine anhand der Person Trump und einer vehemmenten Verteidigung seiner Persönlichkeit erkenne ich nun ein Muster, Anzeichen, für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (weil man unter Krähen sich nicht gegenseitig die Augen auskratzt;). Dies war bei Daniel S.B. so, und nun auch bei dem Herrn „Frankenfeld“.

        Doch nachdem ich die Ursachen für all dieses kranke Verhalten verstanden habe, bleibt trotzdem ein Rest Mitgefühl: Hinter all den Masken sehe ich das einsame, verlassene innere Kind, das seit Jahren nach Liebe und Anerkennung schreit: Ein Ur-Schrei nach Liebe – es bleibt dabei!

        Alles Gute, Oliver

  50. Lieber Oliver,

    wichtige und richtige Worte, dennoch stimmt es mich traurig.
    Das gehört wohl dazu. Inhaltlich habe ich dazu Dir gegenüber ja schon ausreichend viel gesagt, daher sende ich Dir schlicht und ergreifend ein paar wohlige Sonnenstrahlen zu ;o).

    Herzliche Grüße
    Andrea

    • Liebe Andrea,

      ja, mich stimmt es auch etwas traurig. Höchst wahrscheinlich steckt hinter dem alten Ego „Frankenfeld“ sogar Daniel S.B., zumindest lassen darauf die beiden letzten Kommentare schließen, in denen der Narzisst seine Maske hat fallen lassen und sein wahres Gesicht zeigte („wieder reingefallen, größter Narzisst von allen“ und weitere Beleidigungen, die ich aber selbstredend nicht veröffentliche).

      All die Kommentare ergeben fast schon einen neuen Artikel und lassen vor allem anhand der Reaktionen und Täuschungsmnanöver eines pathologischen Narzissten die perfiden Machenschaften und Verhaltensweisen einer solchen Person erkennen – im Grunde ein anschauliches Praxisbeispiel, an dem Leser und Betroffene viel erkennen können!

      Danke für deine Worte und Unterstützung 🙂

      Herzlichst, Oliver

  51. Hi Oliver und Co.
    Habe mir zumindest erstmal die Kommentare durchgelesen. Fand ich sehr interessant beide Seiten zu sehen. Den Artikel habe ich mal vor längerem gelesen, werde mir diesen aber nochmal zu gemüte führen. Ich muss mich ebenfalls als narzisstische Persönlichkeit outen, aber stopp, ich habe es nicht so mit den lügen und manipulieren, zumindest denke und hoffe ich es. Müssen überhaupt alle Symptome zutreffen die einen zum Narzissten machen? Außerdem können Borderline und Narzissmus wie schon mal erwähnt worden ist, Paralelen aufweisen, da ich beides habe. Es gibt sicher verschiedene Ausprägungen, aber nicht alle lügen und manipulieren bis sich die Balken biegen.

  52. Hi,
    Bin es nochmal, vorher als Manu geschrieben. Habe mir den Artikel nochmals durchgelesen. Zur Ursache und Entwicklung stimme ich zu. Ich persönlich wurde mit beiden Extremen konfrontiert. Ich wurde einerseits verwöhnt vom Elternhaus, wobei es eher die Großeltern waren, als auch wurde ich ziemlich alleingelassen zwangsläufig da ich in ein Internat musste aus einigen Gründen. Es waren also beide Ursachen der Fall. Überbehütung auf einer Seite und allein mit allem klarkommen auf der anderen Seite. Das kann auch schon eine NPS begünstigen. Meine Symptome von Idealisierung, Abwertung, Neid auf andere die was Besseres sind und Anspruchsdenken waren schon früh vorhanden in der Pubertät. Hatte es aber bis vor ein paar jahren nicht erkannt. Nach depressiven Episoden, selbstschädigenden Alkmissbrauch machte ich eine Diagnostik, wovon ich nur von Borderline ausging, was sich auch bewahrheitete, aber zum Entsetzen was ich immer anderen vorgeworfen hatte, bekam ich auch die Diagnose NPS. Ich wollte es nicht wahrhaben. Warum sollte ich so eine egoistische Schlange sein? Dachte ich. Dass es aber vielschichtiger ist, weiß ich erst jetzt. Mittlerweile zeige und lebe ich nunja doch wohl ziemlich einige narzisstische Symptome aus wie Arroganz, sich für etwas Besseres halten als der Rest, Kritikunfähigkeit in hohem Maße, Idealisierung bei Lob und Nettigkeiten und Abwertungen bei Kritik und Nichtbeachtung, auf seinen Status bestehen (in meinen Falle nicht unbedingt Geld oder sonstwas Materielles, sondern Intelligenz und Kleverness). Achja Anspruchsdenken habe ich natürlich auch. Alles muss perfekt sein und andere Meinungen akzeptiere ich nur, wenn man Ahnung von der Materie hat. Nunja. Habe ich es reflektiert genug geschrieben? Hoffe ich doch. Habe bisher 1 Jahr Schematherapie gemacht und habe jetzt eine Pause, wo nur Gespräche dran sind. Ich muss sagen, dass mir die therapie nicht viel gebracht hat in Bezug auf die narzisstische Problematik, sondern nur auf die anderen Problembereiche der Borderlineproblematik wie Selbstschädigung etc. Eine weitere Gefahr sehe ich bei den Diagnosestellungen, dass sie erst jemanden auf die richtige Spur bringen könnten wie Krankheitsgewinn. So kann ich beispielsweise sagen „ach ich bin halt so, bin ja eine Narzisstin, also man kann mir ja nichts“ oder sowas. Solche Gedanken kommen mir schon, wenn ich mal wieder aus einer narzisstischen Kränkung heraus Wut habe und andere entwerten muss. Ich gehe damit offen um, auch wenn man dafür eher negative Aufmerksamkeit erhält, aber wie sagt man so schön, besser negative als gar keine Aufmerksamkeit, aber genauso tickt so jemand nunmal. Ich lese solche Artikel gern um zu schauen „na wie siht man jetzt die Narzissten oder auch deren Opfer“. Habe auch einige Internetseiten kennengelernt, die sich mit den Opfern von Narzissten beschäftigen. Eine Weile schaut man sich das auch mal an, aber diese sogenannten Opfer bemitleiden sich selbst wie furchtbar sie behandelt wurden. Da frage ich mich, ob es tatsächlich Narzissten oder eher egoistische Partnerwaren, die einfach nur A..löcher sind, oder die eher noch zusätzlich andere PS haben. Reicht erstmal oder?
    Gruß Manu

  53. Hallo Oliver,

    Danke fuer Deinen Bericht, er stimmt genau! Mein Vater macht uns seit vielen Jahren das Leben zur Hoelle, hat unsere Familie so ziemlich zerstoert. Von Manipulation, weinen, fluchen, sanfte Tour, laut, aggressiv bis zum Mordanschlag war schon alles dabei. Mutti hat sich immer geschaemt, alles so gut wie moeglich vor den Nachbarn versteckt (klappt auch nicht mehr so wirklich) und er schikaniert weiter. Sagt meinem Sohn, dass er (mein Sohn) der Teufel ist, eine Ausgeburt der Hoelle,von Daemonen besessen,
    die Welt waere besser wenn er tot waere. Mein Sohn hasst ihn. Er versucht handgreiflich zu werden, bildet sich ein jede Unterhaltung ist ueber ihn. Groessenwahnsinn, uebertriebene Selbstwichtigkeit, paranoide Schizophrenie, Jedenfalls glauben wir, dass er dringend in psychiatrische Behandlung gehoert. Aber er weigert sich, ist hochintelligent, weiss alles besser (sagt das auch z. B. dem Chefarzt, und Mami schaemt sich) Dazu 3 1/2 Stunden lange Monologe wo man nur manchmal zustimmen darf. Sonst wird er boese und danach weint er. Da stimmt vieles nicht, und ist vielleicht auch mehr als Narzissmus. Aber ich will Dir danken, weil was Du schreibst es so genau beschreibt. Und irgendwie ist es einfach gut, das zu lesen. Vielen herzlichen Dank.

  54. Hallo Oliver,

    bin erst heute über die ausführliche Erklärung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gestoßen. Trifft alles auf meinen Expartner zu. Befasse mich zwar bereits schon seit etwa einem Jahr mit Narzissmus, nur so gut erklärt, sah ich es noch nicht. Es wäre auch ideal wenn man hinzufügen würde, oder es als Extra niederschreibt, was mit den Opfern passiert und was sie mitmachen mussten. Es wird oft wie auch schon oben erwähnt oft von Narzissmus gesprochen, aber viele wissen gar nicht was es wirklich heißt, das Opfer zu sein. Oft wird man von Unwissenden als „selber schuld“ beschuldigt. Man hat keinen Ausweg vor Augen und muss alleine durch. Anlaufstellen in Deutschland und Österreich wären vorteilhaft. Das hätte ich mir zur Extremphase gewünscht. Sowie wenn es bis zur Gewalt kommt, was man tun kann, wie in meinem Fall. Es waren die schrecklichsten 3 Jahre meines Lebens. Und bin froh aus dieser Hölle raus zu sein. Heute ist mein 43. Tag der Kontaktsperre. Mit guter Unterstützung dem Gericht, Interventionsstelle und Inspektion habe ich es nun schon so weit gebracht. und es ist nicht einfach, wenn man tagtäglich trotz Blockierung Nachrichten und anonyme Anrufe erhält… Und einem Tag für Tag der Nebel des Narzissten schwindet und alles Erlebte noch mal durchströmt und man sich denkt wie konnte ich das nur nicht gemerkt haben, was das für ein Mensch ist? Obwohl es mir Family und Freunde schon gesagt haben…

    Die 3 Jahre, den ganzen Schmerz, den ganzen Psychoterror, den Jobverlust, den finanziellen Verlust, den Schaden den er angerichtet hat, all das kann ich nicht mehr rückgängig machen. Aber meine Frage ist, wie kann man zumindest die Wahrheit ans Licht bringen, wenn der Narzisst über 1 Jahr oder schon länger hinter meinem Rücken via social media Unwahrheiten öffentlich verbreitet, alles verdreht, komplett verzehrt darstellt, mich als eine Verrückte darstellt, die in die Psychiatrie eingeliefert gehört etc und es ihm der Großteil glaubt und somit meinen Ruf zerstört. Alle die jedoch etwas hinterfragen und ihm helfen wollen, werden zu Feinde und werden entfernt. so sucht er sich neue Freunde damit die Zahl der FacebookFreunde wieder passt.

    Vielen Dank! 🙂

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