Interview mit Autorin und Psychologin Sylvia Harke: „Erkenne, wer Du tief in Deinem Herzen bist!“

Sylvia ist Psychologin und Autorin des Bestsellers „Hochsensibel – Was tun?“ *.
Außerdem bietet sie zusammen mit ihrem Mann Arno auf ihrer Homepage individuelle Coachings und Seminare für hochsensible Menschen an.

Sylvia, freut mich, dass es geklappt hat und Du Dir Zeit für dieses Interview genommen hast.


Sylvia Harke: Ja, gern! Danke für die Einladung zum Interview, Oliver!

Wann hast Du Deine Hochsensibilität das erste Mal so richtig bewusst in Deinem Leben wahrgenommen?

Sylvia Harke: Es gab viele Momente in meiner Kindheit, in der ich mich bereits anders und empfindsamer wahrnahm. Doch tatsächlich dauerte es bis zum Jahr 2008, als ich den Begriff zum ersten Mal hörte und das Buch „Zart besaitet“ * von Georg Parlow las. Ich denke, mir erging es wie den meisten Hochsensiblen: Erst mit dem Zauberwort „Hochsensibilität“ wurde das versiegelte Wissen um meine eigene Persönlichkeit enthüllt. Ich verstand rückblickend mein Leben besser. Auf diese Weise stellte sich eine Erleichterung ein. Ich verspürte nicht mehr den Wunsch, mich ändern zu wollen, sondern begriff, dass ich mein Leben endlich nach meinen eigenen Bedürfnissen ausrichten musste, anstatt einem Ideal nachzulaufen, das ich nie erreichen würde und nun auch nicht mehr wollte. Doch hat es noch einige Jahre gedauert, bis ich mich ganz in der Tiefe mit dem Thema auseinandersetzen konnte und die vielen, versteckten Facetten darin entdeckte. Auch die Umsetzung tiefgreifender Erkenntnisse braucht Zeit, damit sie im Alltag geerdet ankommen können. Meine persönlichen und fachlichen Schlussfolgerungen zur Hochsensibilität wollte ich gern mit anderen Menschen teilen, deshalb begann ich im Jahr 2012 an meinem Buch „Hochsensibel – Was tun?“* zu schreiben. 2014 wurde es beim Verlag Via Nova veröffentlicht. Mittlerweile hat das Buch schon vielen Tausenden Lesern geholfen, ihre Hochsensibilität anzunehmen und das Potential darin zu entdecken.

Hast Du Dich in Deiner Kindheit und Jugend als Außenseiterin erlebt?

Sylvia Harke: In der Schulzeit und im Kindergarten hatte ich einen kleinen und festen Freundeskreis. Ich war eine anerkannte Schülerin in meiner Klasse und wurde sogar einmal zur Klassensprecherin gewählt. Als jüngeres Kind erlebte ich mich wesentlich kontaktfreudiger, als in der Jugend. Das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, stellte sich bei mir erst in der Oberstufe ein. Damals empfand ich mich wie ein Küken, völlig schüchtern, gehemmt und unreif. Ich zog mich mehr und mehr in meine eigene Welt zurück und hatte eine völlig unspektakuläre Pubertätsphase, die ich mit dem Schreiben von Gedichten, dem Lernen und Malen verbrachte. Ich interessierte mich mit 14 schon für Mandalas und spirituelle Literatur, die ich nach der Öffnung der Mauer in der ehemaligen DDR nun endlich uneingeschränkt kaufen konnte. In dieser Hinsicht unterschied ich mich von meinen Gleichaltrigen, die mir nur noch oberflächlich vorkamen. Mit 16 Jahren begann ich bereits, Yoga-Unterricht zu nehmen. Als Studentin konnte ich die Entwicklung meiner Einsamkeit wieder umkehren. Durch viele, neue Kontakte und ältere Personen im Freundeskreis konnte ich zu mir besser passende Menschen finden, was mir das gute Gefühl gab dazuzugehören.

Wie macht sich Deine Hochsensibilität heute im Alltag bemerkbar?

Sylvia Harke: Mittlerweile könnte ich jeden Lebensbereich nennen, es gibt keinen Aspekt, der nicht von meiner Hochsensibilität berührt wird. Auf jeden Fall lebe ich sehr zurückgezogen und meide es, mich in großen Menschenmassen aufzuhalten. Ich habe erkannt, dass meine Gabe in meinem Beruf als Psychologin äußerst fruchtbar ist. Ich bin in der Lage, mit hoher Präzision, die Welt meines Gegenübers wahrzunehmen, zu fühlen und zu analysieren. Da ich sehr vernetzt denke und wahrnehme, fällt es mir leicht, Personen und  Situationen richtig einzuschätzen. Dadurch konnte ich schon vielen meiner Coaching-Klienten weiterhelfen, die das Gefühl hatten, auf der Stelle zu treten. Ich habe schon oft die Rückmeldung erhalten, dass sich meine Klienten sehr gut von mir verstanden fühlten und dass ich in der Lage war, heikle Themen auf den Punkt zu bringen, die bisher im Dunklen verborgen lagen. Ich empfinde mich in dieser Hinsicht manchmal wie ein spitzfindiger Detektiv, der Licht in die Lebensthemen bringt, die am meisten zwicken. Die Hochsensibilität bringt insgesamt Vor- und Nachteile mit sich, doch ich möchte sie nicht in meinem Leben missen.

In welchen Lebensbereichen siehst Du Deine hochsensible Veranlagung als Bereicherung, wo eher als Last?

Sylvia Harke: Wie ich bereits gesagt habe: Meine Hochsensibilität steigert meine Wahrnehmungsfähigkeit. Gleichzeitig bedeutet dies, einen höheren Energieverbrauch zu haben. Ich könnte mir heute nicht mehr vorstellen, mehrere Stunden hintereinander am Tag Beratungsgespräche zu führen. In meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich endlich die Möglichkeit, so zu arbeiten, wie es meinem inneren Rhythmus entspricht. Ich habe mittlerweile gelernt, meine Kräfte einzuteilen und erwarte von mir nicht mehr, dass ich immer funktionieren muss. Dies würde ich auch gern den Lesern empfehlen, denn nach meiner Erfahrung setzen sich die meisten Hochsensiblen viel zu sehr unter Leistungsdruck.

Meine Geräuschempfindlichkeit ist seit einiger Zeit stärker geworden, das nervt mich schon, besonders wenn ich mich in öffentlichen Räumen aufhalte, zum Beispiel im Café: Das funktioniert nur noch mit Gehörschutz.

In meiner Tätigkeit als Schriftstellerin und Malerin ist meine hochsensible Veranlagung ein wahrer Schatz. Ich bin dann in einem anderen Bewusstseinsraum, man könnte sagen im „Flow“. Ich erlebe mich als empfänglich für Ideen, Texte und Bilder, die nur so aus mir herausfließen. Es kostet mich scheinbar weniger Anstrengung, weil es ein ekstatischer Zustand ist. Dabei ist es trotzdem wichtig, Pausen zu machen. Besonders das Schreiben verbraucht viel Glukose im Gehirn, es ist schon eine fast sportliche Angelegenheit. Zum Glück bin ich im Horoskop ein Steinbock, dem man viel Durchhaltevermögen nachsagt. In meinem Fall stimmt das auch. Für eine Tätigkeit als Schriftstellerin sind Ausdauer und Fleiß enorm wichtig. Du musst in der Lage sein, mit Frustrationen umzugehen und Dich durchzubeißen. Oliver, Du kennst ja das von Deinem Blog! Mein Perfektionsanspruch beim Schreiben hilft mir dabei, Texte mit Qualität zu schreiben. Ich überarbeite meine Manuskripte mehrmals, bis ich voll und ganz zufrieden bin. Gleichzeitig hilft mir der Blick fürs visuelle Detail, die grafische Gestaltung meiner Bücher und anderer kreativer Projekte zu optimieren.

Du hast einige Jahre als Therapeutin in einer Klinik mit unterschiedlichen Klienten gearbeitet. Darunter waren bestimmt auch einige Hochsensible. Was würdest Du aus dieser Erfahrung heraus sagen, sind die größten Herausforderungen eines Hochsensiblen in einer zunehmend Zeit- und leistungsorientierten Gesellschaft?

Sylvia Harke: Ich glaube, dass Hochsensible es schwerer haben, in unserer leistungsorientierten Welt klarzukommen. Doch es ist nicht so, dass HSPs nicht leistungsfähig wären, ganz im Gegenteil. Wenn sie etwas tun, geben sie 100% und mehr. Deshalb lässt sich dieses Niveau auch nicht konstant über eine längere Zeit halten. Wir HSPs brauchen nach meiner Meinung größere Pausen im Arbeitsleben, als sich das mit dem gängigen Urlaubsmodell umsetzen lässt. Hinzu kommt die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Gehalt und Lebenshaltungskosten. Die meisten verdienen gerade so viel Geld im Monat, um die nötigsten Kosten zu decken. Den Wenigsten ist es möglich, mit ihrem Arbeitslohn finanzielle Rücklagen für längere Rückzugsphasen zu bilden. Die Arbeitswelt gleicht da einem Hamsterrad, aus dem es kaum einen Ausweg zu geben scheint. So werden Existenzängste geschürt, die HSPs dazu veranlassen, noch mehr zu arbeiten. Deshalb brauchen Hochsensible pfiffige Ideen für ihre Zukunft und viel Mut, um ihre ganz spezielle Nische im Berufsleben zu finden.

Es gibt natürlich auch positive Entwicklungen in unserer Gesellschaft, die HSPs gezielt für sich nutzen könnten. Ich spreche vom Internet und den zahlreichen Möglichkeiten mit kreativen Ideen, dort eigenes Geld zu verdienen. Ich kann da nur zu mehr Eigenverantwortung raten. In unserer modernen Kultur ist es nicht mehr üblich, seine gesamte berufliche Karriere in einem Unternehmen zu absolvieren. In Zeiten der befristeten Verträge, 450,-€ Jobs, Praktika und der Leiharbeit brauchen wir nicht mehr erwarten, dass ein Arbeitsplatz uns absichern wird. Von uns wird maximale Flexibilität verlangt und kein Hahn kräht danach, wenn Lieschen Müller aus dem Unternehmen entlassen wird, auch wenn sie schon 10 Jahre dort gearbeitet hat.

In den Jahren meiner klinischen Tätigkeit habe ich hochsensible Patienten immer schneller erkannt. Als größte Herausforderungen habe ich immer wieder folgende Punkte beobachtet:

Mangelnde Selbstannahme
In unserer Gesellschaft werden wir schon früh mit anderen verglichen. Wann spricht das Kind, wann läuft es, hat es Auffälligkeiten? In der Schule werden wir mit Noten untereinander gemessen. Wir müssen stark sein und die Erwartungen unseres Umfelds erfüllen. Leider wird Kindern schon früh vermittelt, auf ihre eigenen Bedürfnisse verzichten zu müssen. Diese Entwurzelung führt dazu, dass ein Großteil der Menschen wie ferngesteuert durchs Leben eilt, ohne die eigenen Bedürfnisse überhaupt noch wahrnehmen zu können. Da sind Suchtstrukturen schon vorprogrammiert. Wir suchen uns Ersatzbefriedigungen, die uns gar nicht nähren können. Hochsensible, die irgendwann bemerken, dass etwas nicht stimmt, neigen dazu, eher sich selbst in Frage zu stellen, als das gesellschaftliche Konstrukt, in dem sie leben. Sie leiden unter ihrer Sensibilität und wünschen sich, „normal“ zu sein. Sie kämpfen mit sich, was nur zu einer weiteren Selbst-Entfremdung führt.

Partnerschaftsprobleme
Durch die bereits beschriebene Selbst-Entfremdung kommt es zwangsläufig bei einem Teil meiner Coaching-Klienten zu Partnerschaftsproblemen. Meist geht es darum, Glaubensmuster zu überwinden, die vermittelt haben, dass sie nicht liebenswert seien. Einige HSPs gehen in Partnerschaften zu viele Kompromisse ein und werden regelmäßig enttäuscht. Oder sie lassen sich in einer Affäre missbrauchen. Eine Beziehung, die nur einseitig verläuft und in der die Bedürfnisse eines Hochsensiblen keinen Platz haben, ist zum Scheitern verurteilt. Leider opfern sich viele HSPs in Beziehungen mit Partnern auf, die sie einfach nicht zu schätzen wissen und die nicht in der Lage sind, ihren hochsensiblen Partner in der Seele zu erkennen.

Überanpassung
Mit dem Thema Überanpassung mache ich gleich weiter, denn das ist der Grund, warum viele HSPs zu lange in Beziehungen, Jobs und Wohnsituationen ausharren, die ihnen nicht gut tun. Sie möchten um jeden Preis „normal“ sein und verdrängen ihre wahren Gefühle und ihr innerstes Wesen. Im Modus der Überanpassung kann ein Hochsensibler scheinbar problemlos viele Jahre „funktionieren“, doch er wird einen Preis dafür zahlen. Er trägt eine Maske, die ihm nicht erlaubt, er selbst zu sein. Vielfach suchen HSPs durch Überanpassung nach Wertschätzung und Anerkennung in ihrem Umfeld. Doch selbst das ist meist unmöglich, denn wer sich überanpasst, von dem wird dieses Verhalten ganz selbstverständlich weiter verlangt.

Reizüberflutung und Zeitbeschleunigung
Unsere moderne Welt spielt sich zunehmend in Großstädten und in der Umgebung von technischen Geräten ab. Dabei nehmen Hochsensible zu viele Reize und Informationen aus ihrem Umfeld auf. Als Kind und auch heute habe ich sehr gern Serien angeschaut, die zwischen 1850-1920 spielen. Dazu gehören zum Beispiel „Anne auf Greengables“ und „Dr. Quinn“. Heute fällt mir auf, dass dies eine Zeit mit sehr wenig Technik war, im Vergleich zu heute. Damals tickten die Uhren noch langsamer. Ich glaube, dass die gefühlte Zeitbeschleunigung Hochsensiblen heute besonders viele Probleme bereitet. Manchmal wünschte ich mir, auch mal Urlaub in einer vergangenen, entschleunigten Welt zu machen.

Naturverlust
Mit dem Ausbau der Technik haben wir zunehmend den Bezug zur Natur verloren. Das geht schon los mit den künstlichen Büroanlagen, die sich aus Beton und Klimaanlagen zusammensetzen, in denen Neonlicht scheint und die vielleicht noch in einem Hochhaus untergebracht sind. Wir entfernen uns immer mehr von der Natur und einer natürlichen Lebensweise. Hochsensible brauchen besonders viel Kontakt zu unberührter Natur, damit sie ihr Gleichgewicht finden können.

Burnout
Alle hier bereits aufgeführten Punkte haben zur Folge, dass HSPs ein erhöhtes Burnoutrisiko tragen. Viele Hochsensible, mit denen ich spreche, haben bereits eine solche Phase hinter sich oder stecken mitten drin. Leser, die sich hier erkennen, wären gut beraten, sich professionelle Hilfe zu holen. Denn mit Burnout ist nicht zu spaßen. Gleichzeitig bietet er die Chance, sein Leben vollkommen neu zu überdenken und mutige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

Wie kann ich als Hochsensibler diesen Herausforderungen begegnen? Welche Strategien und Tipps würdest Du uns empfehlen?

Sylvia Harke: Genau über diese Strategien habe ich in meinem Buch Hochsensibel-Was tun? geschrieben. Darin findet der Leser für alle Lebensbereiche wertvolle „Survival-Regeln“. Um es kurz zu fassen, möchte ich folgendes empfehlen:

  • Vertraue wieder Deiner ureigenen Wahrnehmung!
  • Höre auf, Dich mit anderen zu vergleichen!
  • Erkenne Deine Bedürfnisse und nehme Rücksicht auf sie!
  • Gehe weniger Kompromisse ein und finde heraus, was Du willst!
  • Nimm Rücksicht auf Deine Ruhebedürfnisse!
  • Gehe regelmäßig raus in die Natur!
  • Nimm Dich selbst wichtig!
  • Setze Dir nur Ziele, die wirklich zu Dir passen!
  • Nimm Deine Hochsensibilität an!
  • 80% Leistung reicht auch! Gib nicht immer 150%, sondern mache auch mal „Dienst nach Vorschrift“.

Partnerschaften sind für jeden Hochsensiblen ein sehr zentrales Thema in seinem Leben. Welche Entwicklungsaufgaben würdest Du jeden Hochsensiblen für seine Beziehung empfehlen – unabhängig davon, ob sein PartnerIn ebenfalls eine sensible Veranlagung besitzt.

Sylvia Harke:
1. Beginne keine Beziehung übereilt!
Viele Partnerschaften entstehen überstürzt aus unbewussten Impulsen, Reflexen und sexueller Anziehungskraft. Einer eingehenderen Prüfung würden sie jedoch kaum standhalten. Trotzdem halten die Partner aneinander fest, weil sie lieber mit irgendjemandem zusammen sein wollen, als die Einsamkeit des Singledaseins zu ertragen. Schaue Dir also genau an, wie der potentielle Partner ist, BEVOR Du verbindlich eine Beziehung eingehst!! Dazu gehört auch die unselige Dreieckskonstellation mit verheirateten Männern und Frauen, die im Grunde genommen nur eine neue Energietankstelle, Sexpartner oder sonstige Anerkennung suchen. Um nie mehr unbewusst in eine Beziehung hineinzutappen, ist es erforderlich, die eigenen Prägungen in Bezug auf Partnerschaft und Familie zu durchleuchten. Allein diese Vorsicht zu Beginn einer sich anbahnenden Beziehung könnte schon viel Leid ersparen.

2. Sei ehrlich zu Dir selbst und dem anderen!
Wie ich bereits gesagt habe, neigen HSPs zur Überanpassung. In diesem Modus gehen sie zu viele Kompromisse in Beziehungen ein. Sie beginnen damit, sich selbst und den anderen anzulügen. Dies geschieht meist nicht bewusst, sondern verläuft sehr subtil. Mit Anlügen meine ich die Verschleierung der wahren Gefühle und Bedürfnisse. Stattdessen versucht man eine Person zu sein, die man gar nicht ist und möchte dem Partner etwas vorspielen, von dem man denkt, dass er / sie das will.

3. Höre auf, perfekt sein zu wollen.
Oft fühlen sich HSPs unvollkommen und unwürdig, ihre wahre Liebe zu finden. Sie wollen sich optimieren, laufen zum Coaching und in die Therapie, was auch gut so ist. Doch irgendwann sollte der Punkt kommen, an dem Du Dich selbst bedingungslos so akzeptierst, wie Du bist: mit all Deinen Stärken und Schwächen, mit Deinen Macken und Deinem physischen Körper. Liebe ist bedingungslos. Je gelassener Du mit Dir sein kannst, umso gelassener kannst Du Deinem Partner begegnen und auch ihm  seine Ecken und Kanten lassen. Wir sind Persönlichkeiten mit einer gewachsenen Biografie. Der Mensch ändert sich kaum noch im Erwachsenenalter. Wenn wir es schaffen, wenigstens bewusster zu werden, haben wir schon viel gewonnen. Schließe Frieden mir Dir selbst! Erlaube auch Deinem Partner, nicht perfekt sein zu müssen. So könnt Ihr glücklich werden.

4. Erkenne, dass aufkommende Verletzungen weniger mit dem Partner, als mit Deiner Biografie zu tun haben.
Im Verlauf einer längeren Beziehung werden wir automatisch mit tiefer liegenden Verletzungen konfrontiert. Es wäre ein leichtes, den Partner dafür verantwortlich zu machen. Doch wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir, dass das Gefühl von „Ablehnung“, „Eifersucht“, „Angst“, „Kränkung“ usw. bereits schon in uns war, bevor die Beziehung begann. Versuche, die so aufkommenden Themen zu begrüßen und gemeinsam mit Deinem Partner zu heilen. So könnt Ihr Euch Stück für Stück von der Vergangenheit freimachen und im Hier und Jetzt in Eurer Partnerschaft ankommen. Dies gelingt nur in einer intakten Beziehung!

5. Höre auf, Dich zu opfern!
Besonders Hochsensible sind Weltmeister darin, in destruktiven Beziehungen Jahr um Jahr auszuharren. Erkenne, wenn Du ausgebeutet, erniedrigst, betrogen, gedemütigt und energetisch ausgesaugt wirst. Hochsensible sollten alle Kräfte in sich bündeln, um sich aus solchen Verbindungen zu befreien. Dazu müssen sie ehrlich zu sich selbst sein und zugeben, dass sie leiden, ohne dabei in Schuldgefühlen zu versinken. Du bist es Wert, geliebt zu werden und eine liebevolle Beziehung zu haben.

Was gibt Dir ganz persönlich Kraft und wo findest Du sie?

Sylvia Harke: Ich tanke auf beim Malen, im Yoga, in der Natur, beim Tanzen und in der Musik. Mir helfen die CDs von Shaina Noll*, Enya*, Loreena McKennitt* oder Erik Berklund. Ich interessiere mich sehr für Naturheilkunde und habe wohl für jede Situation einen passenden Tee in meiner Küche parat. Natürlich ist auch mein Mann Arno, ebenfalls hochsensibel, eine enorme Unterstützung für mich und eine  Quelle der Inspiration.

Zum Schluss: Welche drei knackigen Schlagwörter oder Sätze würdest Du jedem Hochsensiblen mit auf den Weg geben?

Sylvia Harke:
Nimm Dich an, so wie Du bist!
Setze Dich selbst ins Zentrum Deines Universums!
Erkenne, wer Du tief in Deinem Herzen bist und traue Dich,
das zu leben.

Sylvia, ich bedanke mich recht herzlich für dieses Interview.


Sylvia Harke

sylvia-harke-hsp-academy-photo-by-conny-ehmDie Autorin Sylvia Harke studierte Psychologie und absolvierte später Weiterbildungen als NLP-Praktitioner und Gordon-Neufeld Kursleiterin. Sie arbeitet freiberuflich als Autorin, Seminarleiterin und Coach. Zusammen mit ihrem Mann Arno bietet sie spezielle Seminare für Hochsensible zu Themen wie Potentialentfaltung und Beruf & Berufung an.

 

Zuletzt erschien von ihr die Audio-CD:
„Hochsensibilität leben: Mit geführten Meditationen zur eigenen Mitte finden“*
Sie ist Autorin des bekannten Buches:
„Hochsensibel – Was tun?“,* Via Nova 2014
Im Frühjahr 2016 erscheint ihr zweites Buch:
„Hochsensibel ist mehr als zart besaitet: Die 100 häufigsten Fragen und Antworten“*, Via Nova 2016

www.hsp-academy.de


 

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Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker. Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit. Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Oliver, auch ich weiß mittlerweile, das ich Hochsensibel bin.
    Ich hatte seid 1998 2 mal einen Burne Out und mehrere schwere depressive Episoden, war in 5 verschiedenen Kliniken zwischen 6 und 11 Wochen. Mehrere Schicksalsschläge, die ich nie richtig verarbeitet hatte, sowie ein ständiges Funktionieren nogten mich dann 2008 völlig aus. ich war sowohl körperlich als psychisch total am Ende. Nun bin ich seid 7 Jahren durchgehend Krank, seid 4 Jahren berentet. In dem Interview habe ich mich total wieder gefunden und bin froh, das jemand dieses Thema so offen anspricht.
    Leider haben wir Hochsensiblen noch keine Lobby in dieser Gesellschaft. Das sollte schnell anders werden.
    Liebe Grüße Doro

    • Liebe Doro,

      danke für deinen Kommentar.

      Du sagst es: Ist es gut und an der Zeit, dass Hochsensibilität eine Lobby bekommt, damit all die Fehldiagnosen und Einschätzungen weniger werden. Erst durch unser krankes Leistungs und Wirtschaftssystem werden vielen HSP’ler krank (und auch Nicht-Hochsensible), weil sie sich diesem Leistungsdruck nicht mehr beugen wollen. Viele können diesen permanenten Stress nur noch mit Tabletten und Alkohol ertragen, bzw. verdrängen, was ich mehrfach in meiner beruflichen Karriere hautnah miterlebt habe.

      Alles Gute für dich und deine Gesundheit – und bleibe dir treu.

      Liebe Grüße
      Oliver

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