Warum Hochsensible in Beziehungen immer wieder an Narzissten geraten

Fragst Du Dich manchmal, warum Du in Deinen Beziehungen immer wieder an Narzissten gerätst?

Wow! Damit hätte ich nicht gerechnet. Mein erster Artikel über die Ursachen, Merkmale und Therapierbarkeit eines pathologischen Narzissmus stieß auf sehr große Resonanz. Seit August hat er über 6.700 Aufrufe und mittlerweile 47 Kommentare. Aufgrund der anhaltenden Resonanz und der vielen Kommentare, möchte ich heute einen weiteren Artikel über Narzissmus veröffentlichen. Das Interesse daran scheint medial und öffentlich weiterhin groß zu sein, ebenso die Bandbreite an verschiedenen Erscheinungsformen von Narzissmus, über die man berichten kann. Auch ganz persönlich habe ich große Lust, mich weiterhin mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Nachdem ich im ersten Artikel auf die Entstehung und Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeit eingegangen war, einhergehend mit einem gewissen Verständnis für den Betroffenen, möchte ich im heutigen Beitrag den Schwerpunkt mehr auf die unheilvolle Anziehung von Hochsensiblen auf Narzissten legen. Es ist nämlich so, dass gerade in partnerschaftlichen Beziehungen wir feinfühligen und verständnisvollen Hochsensiblen oftmals an Narzissten geraten. Wir sind der ideale Partner. Ein Narzisst sucht einen Lebenspartner, der ihm unterlegen ist. Bei dem er treue Gefolgschaft und Bewunderung erwarten kann. Diese Charakterzüge kann ein Narzisst bei einer selbstbewussten und starken Persönlichkeit eher nicht erwarten, da er damit rechnen muss, dass seine Fassade auffliegt oder er einfach nur für sein Imponiergehabe belächelt wird.

Wenn ich im Folgenden der einfachhaltshalber von Narzissmus oder einem Narzissten spreche, meine ich damit ausschließlich Personen, bei denen man von einer pathologischen Form von Narzissmus ausgehen kann, einer sogenannten narzisstischen Persönlichkeit, was letztlich nichts anderes ist als eine klassifizierbare und schwerwiegende Persönlichkeitsstörung im Sinne des DSM. Also kein Pappenstiel, sondern wirklich gefährliche Personen. (in den USA werden Narzissten mittlerweile in einigen Verhaltensweisen mit Soziopathen/Psychopathen gleichgesetzt). Den Unterschied zu betonen, zwischen normalen, narzisstischen Tendenzen, die jeder von uns hat und einer ausgeprägten Persönlichkeitsstörung, ist mir nach wie vor ausgesprochen wichtig. Weil der Ausdruck „Narzisst“ mittlerweile allzu landläufig gebraucht wird.

Die Anziehung von Hochsensiblen auf Narzissten

 

Rufen wir uns zunächst noch einmal ins Gedächtnis, welche Charakterzüge ein Narzisst an den Tag legt:

  • übertriebene Selbstbezogenheit
  • ausgeprägte Kränkbarkeit
  • Unfähig zu verzeihen
  • ein unersättliches Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung
  • ein – zumindest zeitweise – ins Grandiose tendierendes Selbstbild
  • starke Schwankungen zwischen Idealisierung und Entwertung anderer
  • Kontrollbedürfnisse und Machtstreben
  • Vollkommene Kritikunfähigkeit
  • Angst vor Scham, Abhängigkeit, Trennung, Alleinsein, Abschied
  • Erschaffung einer alternativen (eigenen) Realität, in der sich alles nur um das eigene Selbst dreht (dessen Wichtigkeit, Herrlichkeit, Richtigkeit und Unfehlbarkeit)
  • Ausbeuterisches Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen (Beziehungen werden ausschließlich als Mittel zum Zweck angesehen, das gegenüber eher als ein Objekt als ein Individuum mit eigenen Gefühlen, Werten etc.)
  • Ausgeprägter Mangel an Einfühlungsvermögen (nicht in der Lage, sich in andere hineinzuversetzen, andere Meinungen, Gefühle, Werte, Sichtweisen anzuerkennen)
  • ein empfindlich gestörtes Selbstwertgefühl als tieferliegende Wunde, zu deren Behandlung die o.g. Bestrebungen, Abwehrmechanismen, Bedürfnisse dienen.

Ein Narzisst sucht in seinen zwischenmenschlichen Beziehung nach totaler Kontrolle und Perfektion, weil er nur dadurch sein nicht vorhandenes Selbstwertgefühl kompensieren bzw. steuern kann, indem er durch ein geschicktes Masken- und Mimenschauspiel sein Gegenüber manipuliert und steuert. Nichts fürchtet er so sehr, als „entlarvt“ zu werden, was bedeutet, dass der Schmerz, die Leere und die Einsamkeit hinter seinen Masken in Erscheinung tritt. Dies wäre für ihn ein Gefühl wie sterben, da es ihn an die schmerzhaften Erfahrungen aus der frühen Kindheit erinnert, bei denen er oftmals mit seiner Scham, seinen Niederlagen und seiner Frustration von seinen engsten Bezugspersonen alleine gelassen wurde. Nichts fürchtet er mehr – und deshalb setzt er heute als Erwachsener alles daran, diese schmerzlichen Gefühle nie wieder fühlen zu müssen.

Dieser überzogene Anspruch ist natürlich in zwischenmenschlichen Beziehungen, allen voran in einer Paarbeziehung, nicht aufrechtzuerhalten. Zu jeder reifen und intimen Beziehung gehören Konflikte, Reibungen, Selbsterkenntnis, sich so zu zeigen, wie man wirklich ist. Doch das möchte ein Narzisst nicht, insgeheim fürchtet er sich davor, wie der Teufel vorm Weihwasser. Kommt es doch zu Konflikten, was unvermeidlich ist, tritt die gekränkte Wut eines Narzissten auf den Plan. Nun kann es für den Partner sehr ungemütlich werden. Ein Narzisst kennt in dieser Phase kein Pardon. Er reagiert mit Arroganz, Schuldprojektion, Erniedrigung und Entwertung dem Partner gegenüber. Weitere Reaktionsmöglichkeiten können Rückzug, Schweigen, Flucht und Rachegefühle sein, bis hin zum Beziehungsabbruch (der dann meist schnell bereut wird) oder der ständigen Drohung einer Trennung.

Nach dieser Skizzierung mag es nicht verwundern, dass Narzissten sich oft Partner suchen, ob beruflich oder privat, die ein eher schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl haben, sich anpassen und unterordnen und sich gleichzeitig damit komplett selbst aufgeben. Und nun kommen wir Menschen mit einer hochsensiblen Veranlagung ins Spiel.

unsplash_ryan-moreno

Das entgrenzte Ich

In Beziehungen sind wir Hochsensiblen das perfekte „Opfer“ von ausgeprägten Narzissten. Warum? Weil Hochsensible eine Reihe von Charaktereigenschaften aufweisen, welche die Autorin Sylvia Harke einmal unter dem Begriff „entgrenztes Ich“  zusammengefasst hat.

Merkmale eines entgrenzten Ichs:

  • Stabiles Selbst, lässt sich jedoch schnell von sich und den eigenen Bedürfnissen ablenken
  • Stark beeinflussbar von äußeren Eindrücken, Menschen, Reaktionen
  • Altruismus, erweitertes Ich: Identifikation mit den Gefühlen (Leid) anderer
  • Damit einhergehend mangelnde Fähigkeit zwischen eigenen und fremden Gefühlen zu unterscheiden, sich abzugrenzen
  • Enormes Verantwortungsgefühl, wiederum oftmals mehr für andere als für sich selbst
  • Konfliktscheu
  • Eigene Meinung, wird bei Konflikten aber schnell unsicher und zieht seine Meinung zurück
  • Großes Harmonie- und Kompromissbedürfnis
  • In Beziehungen mit dominanten Partnern Probleme, eigene Wünsche und Standpunkte durchzusetzen
  • Vertraut zu wenig der eigenen Wahrnehmung und Intuition
  • Anfällig für Schuldgefühle

Alleine an dieser kurzen Aufzählung mag man schon erkennen, warum Narzissten sich in Beziehungen gerne Hochsensible aussuchen. Ein Narzisst sucht und braucht ständig Bestätigung und Bewunderung und setzt dafür Masken und vorgetäuschte Gefühle ein. Er ist ein wahrer Meister des Schauspiels und kann situationsbedingt innerhalb von Sekunden sein Verhalten ändern. Und wir Hochsensiblen, mit unserem großen Einfühlungsvermögen, Verständnis und Altruismus geben ihm genau diese benötigte Bewunderung. Ein Narzisst beschimpft und entwertet während eines Konflikts seinen Partner, die hochsensible Person lässt es sich aufgrund der großen konfliktscheu und der mangelnden Fähigkeit zur Abgrenzung gefallen. Ein Narzisst prallt mal wieder in seinem rechthaberischen und dominanten Tonfall über ein Ereignis, der Hochsensible hat eine andere Meinung dazu, traut sich aber nicht, diese zu äußern bzw. gegen den selbstherrlichen Redeschwall anzukommen.

Im Vergleich dazu einige Merkmale eines starken Ichs:

  • Hat ein stabiles Selbstwertgefühl und lässt sich von außen nicht leicht ablenken
  • Spürt und kennt seine Bedürfnisse, kann diese seiner Umwelt mitteilen
  • Weiß, wer er ist, was er kann und nicht kann
  • Weitesgehend unabhängig von anderen Meinungen, Bewertungen (Lob/Tadel)
  • Kann Konflikte auf sachlicher/objektiver Ebene austragen
  • Kann eigene Meinung in Diskussionen aufrechthalten und mitunter auch verteidigen
  • Fähigkeit zu einer gesunden Abgrenzung von belastenden Situationen/Personen
  • Fähigkeit Nähe und Autonomie in einer intimen Beziehung zuzulassen
  • Kaum noch das Bedürfnis, andere zu beeinflussen oder von etwas zu überzeugen

unsplash_holding-hands

Eine unmögliche Verbindung?

Als hochsensibler Mensch mit einem Narzissten in einer Beziehung zu sein, ist eine ständige Herausforderung, mitunter auch eine permanente Qual. Wenn beide in ihrem „Element“ sind, ist es wie Feuer und Wasser, wobei der Hochsensible dabei meist der Unterlegene ist. Falls es überhaupt eine Chance gibt, die Beziehung weiterzuentwickeln, ist das nur möglich, wenn der Hochsensible lernt, sich immer besser abzugrenzen, sich nicht auf die Schuldvorwürfe des Narzissten einzulassen und sich generell mehr in Richtung eines starken Ichs zu entwickeln.

Narzissten sind in der Regel äußerst uneinsichtig und therapieresistent. Ein ausgeprägter Narzisst wird solange wie irgend möglich sein Masken- und Kontrollspiel fortsetzen. Einzig alleine bei einer tiefgehenden narzisstischen Krise, indem er zum Beispiel verlassen wird, sich immer mehr Leute von ihm abwenden, eine herbe (berufliche) Niederlage einfährt, besteht die Chance, dass sein Maskenspiel zusammenbricht und der dahinterliegende unsagbare Schmerz sich Bahn schlägt. Nun kann es zu seltenen Momenten von echter Authentizität kommen und nun könnte ein sensibler und gefestigter Partner ihn mit seinem Mitgefühl und seinem Verständnis auffangen, ja regelrecht empfangen. Ein ganz anderer Mensch kommt zum Vorschein. Es können (erste) Momente von echter Nähe, Vertrautheit und Verbundenheit entstehen – jenseits der jahrelang getragenen (Schutz-)Masken.

In allen anderen Fällen ist für einen hochsensiblen Menschen wohl eher ratsam, die Notbremse zu ziehen, einen letzten Rest Selbstfürsorge und Kraft aufzubringen, um sich aus einer dysfunktionalen Beziehung mit einem Narzissten zu lösen (auch wenn dabei die gekränkte Wut eines Narzissten geweckt wird). Nach einigem Abstand, trotz all der erfahrenen Kränkungen und Enttäuschungen, mag es sogar gelingen, darüber nachzudenken, was man aus dieser Beziehung über sich selbst gelernt hat, welche Reifung in der Persönlichkeit nun eintreten kann – oder schon eingetreten ist. Eine (ehemalige) Beziehung mit einem Narzissten auch als Chance zum Wachsen zu sehen.

Warst du schon einmal in einer Beziehung mit einem Narzissten?
Was hast du daraus gelernt?

 

P.S. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn du ihn bei Facebook likest oder mit deinen Freunden teilst.


Quellenachweise:
Sylvia Harke: Hochsensibel – was tun? & Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet*
Ulrike Hensel: Mit viel Feingefühl: Hochsensibilität verstehen und wertschätzen*
Claude-Bettina Anhoeck: Diskurs über HSP im Vergleich mit NPS
Bilder: pixabay by geralt, unsplash by ryan moreno

Veröffentlicht von

www.simplyfeelit.de

Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker.

Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit.

Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

Wie du als Mann in deine ganze Männlichkeit kommst

  • Geballtes Wissen auf 250 Seiten
  • Lerne deine sensible wie kraftvolle Männlichkeit ganz neu kennen
  • Erfahre, warum eine konstruktive Aggression nichts mit Gewalt zu tun hat
  • Erkenne, was es heutzutage bedeutet, ein Mann mit Rückgrat und Herz zu sein
  • Erlange eine erfülltere Partnerschaft und Sexualität

Als Taschenbuch und E-Book erhältlich!

Klicke hier um mehr zu erfahren
Das könnte Dich auch interessieren:

49 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Oliver,auch dein zweiter Teil über Narzissmus,hat mir auch gut gefallen.Ich lerne immer sehr viel über deine Blogs.So kann ich dann auch einige Menschen besser verstehn und ihre Beweggründe erkennen!
    Liebe Grüße
    Birgit

  2. Ja, da gibt es wohl leider einen Zusammenhang. Ist mir auch passiert, aber zum Glück nicht nochmal. Die Jahre mit einem narzissten haben mich so geprägt/ traumatisiert dass ich sie danach schon von weitem erkannt hab. damals hatte ich weder von narzissmuss noch von hochsensibel je was gehört. Das wäre sicher leichter gewesen
    Leider entkommt man ihnen z.b. im Job nicht immer. Aber eine Beziehung sicher nie wieder! Man kann gar nicht genug darüber schreiben um andere zu warnen.

    • Hi Mitch,

      vielen Dank!

      Du darfst gerne den Beitrag auf deiner Webseite verlinken. Bitte nur nicht den ganzen Text eins zu eins kopieren und veröffentlichen, das ist doppelt Content und wird von Google abgestraft!

      Viele Grüße auf die Peloponnes, ich war da auch schon, ist herrlich 🙂
      Oliver

  3. Was ich aus den Beziehungen mit Narzissten als Hochsensible gelernt habe?! Frei zu sein, mir zu vertrauen und zu mir zu stehen. Außerdem fällt mir das Loslassen wesentlich leichter. Alles in Allem waren diese schmerzhaften Erfahrungen notwendig, um zu mir selbst zu finden. MANCHMAL, wenn ich ganz leise versucht habe zu mir zu stehen, kam die Angst hoch selbst ein Narzisst zu sein. Das hat mich immer wieder zurück gehalten. Aber letzten Endes habe ich es geschafft. Fazit: das Schlechte hatte auch was Gutes :-).

    Danke für diesen Artikel .

    • @Pippi Lotta, genau diese Gedanken habe ich auch..selbst der Narzisst zu sein.Ich glaube, das macht das Schuldgefühl. Es macht Mut zu lesen, dass es möglich ist wieder zu sich zu finden..auch wenn es wohl dauert und so schwer scheint, sich wieder zusammen zu setzen.
      Vielen Dank für diesen Artikel und auch an den Autor. 😏

  4. Hallo Oliver,

    ein wirklich guter und interessanter Beitrag zum Thema Hochsensibilität und Narzissmus. Eine gute Ergänzung zum vorhergehenden Artikel über das Thema, bei dem ich auch schon einen Kommentar hinterlassen habe.

    Ich lese dein Blog wirklich mit großem Interesse und habe auch dein Buch in meiner Sammlung. Insgesamt finde ich deine Denkansätze immer sehr inspirierend, auch wenn ich nicht in jedem Detail damit übereinstimme (was ja auch nicht Sinn und Zweck ist).

    In der Beschreibung des entgrenzten Ichs finde ich viele Eigenschaften meiner Persönlichkeit wieder. Ich würde mich nicht zu 100% als hochsensibel bezeichnen, habe aber auch Probleme meine starke und männliche Seite nach außen zu tragen. Gründe dafür liegen eher in meiner Vergangenheit als in meinen Genen (wobei auch mein Vater mir ähnliche Charakteristika aufwies). Zum einen litt ich in meiner Schulzeit an einer Krankheit, die mich „demütigte“ und in eine (körperliche) Außenseiterposition zwang. Daraufhin entwickelte ich die Taktik, meine äußerlichen Defizite mit inneren Werten, Hilfsbereitschaft, Emotionalität, Empathie und hohen moralischen Ansprüchen auszugleichen (was ich dann wohl übertrieb). Zum anderen verlor ich im Alter von 14 Jahren meinen Vater durch einen Motorradunfall. Meine männliche Identifikationsfigur war urplötzlich weg, es blieben mir noch meine (autoritäre) Mutter und meine Schwester. Diese Ereignisse, zusammen mit kleinen Kränkungen und Krisen, die sicher jeder hat, prägen mich bis heute.

    Ich bin froh, dass ich es geschafft habe jetzt in stabilen Verhältnissen zu leben mit einem Job, der mir Spaß macht, und einem sehr intakten Familien- und Freundeskreis. Mein Verhalten und mein Charakter erschweren mein Leben aber trotzdem immer wieder, weshalb ich wohl auch das „Glück“ hatte, dass eine Narzisstin in einer 5jährigen Beziehung mein Leben bestimmte.

    Wie du es so schön beschreibst ist es ein Suchen und Finden. Wir ergänzten uns ja ganz gut. Ich war beeindruckt von ihrer Stärke und ihrem Selbstbewusstsein bekam zuerst einmal alles, was ich mir wünschte von ihr „gespiegelt“. Sie bekam ebenso ihre benötigte Zufuhr an Bestätigung und Anerkennung von mir. Im Laufe der Zeit wird es unmerklich destruktiver, wenn der Alltag einkehrt und alles etwas nüchterner wird und man auch mal kritisch hinterfragen muss. Ein Vorgang den man auf diversen Websites und in diversen Büchern gut nachlesen kann. Es spielt sich wohl immer gleich ab. Für einen „Wissenden“ oder sehr selbstbewussten Menschen wohl leicht zu erkennen…für einen „Unwissenden“ mit „passender“ Persönlichkeit unfassbar.

    Für mich ist nun der Absprung geschafft. Ich lebe seit 2 Monaten getrennt, seit einem Monat komplett ohne Kontakt. Für mich ist es eine Art Befreiung und ich fühle mich erleichtert und recht wohl in meiner Haut. Nach den Schamgefühlen kurz danach fühle ich mich nun eher stolz, dass ich mich trotzdem sehr oft gegen die manipulativen und verletzenden Übergriffe gewehrt und meine Freunde und meine Familie nie vernachlässigt habe. Oft denke ich nun auch über mich und mein Verhalten in der Beziehung nach, reflektiere und weiß, dass ich etwas ändern muss. Zur Zeit achte ich bewusst darauf, nicht alles zu akzeptieren, nein zu sagen und Grenzen deutlich zu machen. Es fällt mir schwer und braucht Übung, aber jeder Erfolg bringt mich ein Stück weiter.

    Daher kann ich mich dem Kommentar vor mir nur anschließen. Das Schlechte hat auch etwas Gutes gebracht: Eine große Portion Selbsterkenntnis und die Einsicht, dass ein kleines bisschen gesunder Narzissmus nicht schaden kann.

    Zum Schluss nochmal einen Gruß und Dank an dich, Oliver. Mach weiter so!

    • Hi Daniel,

      ganz herzlichen Dank für deinen wertschätzenden und ausführlichen Kommentar. Schön, dass dich meine Arbeit so inspiriert.

      Zum Thema Ursachen/Ursprung einer Hochsensibilität. Es ist die alte Frage: Was war zuerst da: Ei oder Hehne? Bis heute beschäftige ich mich mit der Frage, ob meine Hochsensibilität nicht einfach eine Folge meiner schwierigen Vergangenheit ist. Ganz ähnlich deinen Beschreibungen. Ausnahmslos jede HSP, die ich in den letzten 2 Jahren kennengelernt habe, hatte eine schwierige, mitunter traumatische Vergangenheit, soweit ich das erfahren habe. Ich bleibe bei dem, was ich gelesen und für mich reflektiert habe: Es ist ein Charakterzug, der sich aber durch traumatische Erlebnisse in Sachen Reizempfindlichkeit etc. erheblich verstärken kann. Neuere Forschungen von Elaine Aron (der Pionierin) belegen, dass auch Menschen mit einer vergleichsweisen „normalen“ oder glücklichen Vergangenheit (Kindheit/Jugend) eine hochsensible Anlage haben können.

      Aber warum immer in der Vergangenheit und nach Erklärungen forschen, so mein neuer Ansatz? Fakt ist, du, ich und viele andere HSP haben nun mal dieses besonders ausgeprägte Nervensystem mit all seinen Merkmalen. Was machen wir HEUTE daraus? In den kritischen Kommentaren und Berichten gegenüber der Entstehung von Hochsensibilität, lese ich eigentlich immer nur Pathologisches heraus, einer psychischen Erkrankung gleichgesetzt. Dabei werden völlig die positiven Aspekte einer HS außer Acht gelassen. Wie du es auch erlebt hast: Empathie, Moral, Verständnis, Verantwortung etc.

      Für mich geht es immer mehr darum, zu schauen, was ich mit meinen Werten, Überzeugungen, Verhaltensweisen bewirken kann, wie ich mich einbringen kann in mein Umfeld, anstatt andauernd nach dem Woher/Warum zu fragen, wobei ich das immer noch spannend finde, aber es ändert sich gerade.

      Glückwunsch zum Absprung. Deine Beschreibungen zu den Verhaltensweisen, der Anfangsphase eurer Beziehung, sind wohl ziemlich typisch für eine narzisstische Persönlichkeit. Wobei ich ja, wie du sicherlich gelesen hast, immer wieder dafür plädiere, nicht vorschnell jemanden den Stempel „Narzisst“ aufzudrücken. Zwischen narzisstischen (normalen) Tendenzen und einer destruktiven, narzisstischen Persönlichkeit besteht ein himmelweiter Unterschied! Aber das weißt du sicherlich 🙂

      Ich lerne ja auch ständig durch das Schreiben der Artikel dazu. Im Grunde ist es fast so, dass ich die Artikel für mich schreiben, weil mich ein Thema brennend interessiert, mitunter auch umtreibt und ich darüber lernen möchte 🙂 Das Thema brennt in mir und möchte in die Welt, so mein Eindruck!
      Ein Kommentator auf Facebook meinte, Narzissmus sei nur die Schatten/Anti-Seite von Hochsensibilität. Das sehe ich nicht so, das ist mir zu vereinfacht, undifferenziert. Aber eine Anziehung besteht, von beiden Seiten, HSP wie Narzisst, und darüber gilt es nachzudenken, zu reflektieren.

      Deshalb möchte ich in einem nächsten Artikel genau diese vermeintlichen Ähnlichkeiten von Narzissten und Hochsensiblen genauer untersuchen, als eine weitere Fortführung des Themas.

      Also, nochmals Danke für deinen Kommentar und alles Liebe – und ja, ich versuche so weiterzumachen 🙂

      Liebe Grüße an dich, oliver

    • Ich danke Dir, lieber Oliver ♥

      Schön, dass Du dieses Thema aufgegriffen hast.
      Mein Gedanke ist auch oft die, die nach diesen Antworten suchen
      haben oft kaum narzistische Störungen.
      Meist suchen doch Jene nach Antworten, die Lösungen finden wollen.
      Wer innerlich leidet, der sucht nach Erkenntnissen.
      Die echten Narzissten, suchen höchst selten danach.
      Sie zweifeln nicht.
      Die Sensiblen suchen, weil sie merken, dass etwas nicht stimmt.
      Sie wissen nur sehr lange nicht – WAS es ist.

      Der GESUNDE sucht und zweifelt !!!

      Der stark Gestörte oder Narzist wird sich selbst immer für gesund halten.
      Das hat mir mal eine Ärztin geschrieben, mit der ich im Internet Kontakt hatte.
      Viele Jahre dachte ich, ich wäre komplett verrückt.
      Abgetrennt von der Welt, Zärtlichkeit, Freunden und echter Fürsorge, seelischer Sicherheit , habe ich fast den Verstand verloren.

      Dein Blog hier ist unglaublich wichtig.

      Ich danke Dir ♥
      (sorry wegen der Rechtschreibung)
      Claudia

  5. Hey Oliver,

    Danke für deine wertvolle Arbeit hier.

    hier mein Erfahrungsbericht:

    Ich stand auf der Liste eines Narzissten, der seit 10 Jahren in Therapie ist, wobei er jede Woche eine Stunde lang seine GRANDIOSITÄT trainieren kann. Die Beziehung scheiterte aufgrund meiner Toleranz und Diplomatie (als Schwächen) erst nach einem Jahr.

    Was ich gelernt habe:
    • Ich werde mich niemals wieder so abwerten lassen.
    • Ich werde niemals wieder so naiv sein und mich so täuschen lassen.
    • Nie wieder wird mich jemand so respektlos behandeln. Nie wieder!
    • Nie wieder wird mich jemand so demütigen.
    • Nie wieder werde ich Liebe mit Schmerz verwechseln.
    • beziehungsbedürftig ist ungleich beziehungsfähig
    • Zeitverschwendung, Energieverschwendung, wahnsinniger Aufwand.

    Positive Seiten:
    • Ich konnte meine Schuldgefühle, vor allem sexuelle erkennen, annehmen und loslassen
    • Ich habe die Welt besser kennen gelernt.
    • Differenzieren gelernt. Mit welchen Menschen, Gedanken und Problemen werde ich mich in Zukunft umgeben, um meine Energie nicht zu verschwenden?
    • Ich muss mich nicht erniedrigen lassen, um meinen Selbstwert zu erkennen. Er ist auch so da und will gepflegt und genährt werden, was mit einem narzisstischen Sadisten als Partner sicher nicht funktioniert. Das ist eine Tatsache.
    • Liebe ist ungleich Schmerz und Hass. Die Form von Liebe, die ich mir ersehne, die ist bedingungslos, gebend und nährend…
    • Ich hab mich selbst wieder.
    • Ich habe mich von belastenden Phantasien (psychischen Störfrequenzen) befreien können.
    • Dadurch, dass ich so tief verletzt worden bin (emotionale Erinnerung) konnte ich alte Traumen aufarbeiten.
    • Die Einstellung zu Sex und meinem Körper hat sich wesentlich verbessert, indem ich einen intensiven Kontakt zu meinem Selbst auf drei Ebenen hergestellt habe.

    Es war harte Schule, die ich nicht missen aber auch nicht wiederholen möchte. Ist Freiheit eigentlich das Gegenteil von Sicherheit? Ist Sicherheit Gefangenschaft? In mir finde ich Geborgenheit und Sicherheit. Es ist in mir, in jedem.

    alles Liebe

    • Hallo Barbara,

      Als Betroffener kann ich nur sagen, dass Du für mich mit den aufgezählten Punkten den Nagel auf den Kopf triffst. Danke, Liebe Grüße Hans Peter

      • Darf ich noch etwas schreiben?
        Ich bin so aufgeregt, dass ich diesen Blog hier gefunden habe.
        Eigentlich hätte ich gern mit fast allen Schreibern hier mehr Kontakt.

        Alles was ihr schreibt, kommt mir sehr bekannt vor.
        Auch dieser ganze Zweifel zB über die eigenen sexuellen Wünsche.

        Die eigenen Schuldgefühle, das ist ein sehr großes Problem.
        Vor allem, wenn man sich dann mal etwas traut und ein Tag
        später hat man ein unglaublich schlechtes Gefühl.
        Man prangert sich quasi selbst an. Eine Art Selbstzensur.
        Und dann schießt man irgendwann wieder über das Ziel hinaus
        und hat wieder schlechte Gefühle.

        Aber wie soll man sein ?
        Darf ich auch mal im Mittelpunkt stehen ?
        Oder nur andere Menschen….

        Was erlaube ich mir selbst?
        Ich neige seit Jahren dazu,
        mich selbst zu parodieren.
        So eine Art trauriger Clown.
        Es ist ein Ritual geworden, wobei ich mich
        selbst zum lachen bringe und manchmal auch andere.
        ( zB lustige Fotos ins Internet stellen )

        Danke an Barbara

  6. Hallo Oliver, danke für diesen wertvollen Beitrag! Schon beim Lesen des Titels ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen.
    Meine Erfahrung aus einer solchen Beziehung: ich bin gewachsen. Schritt um Schritt bis ich zu 100% auf meine Wahrnehmung vertraut habe und zu mir gestanden bin. Insofern war es die wichtigste Beziehung meines Lebens.
    Als ich gerade den Artikel gelesen habe, ist mir klar geworden: ich habe diese Resonanz nicht mehr. Jetzt fühle ich mich zu anderen Männern hingezogen und andere Männer kommen auf mich zu.
    Danke Oliver, dass du mir das bewusst gemacht hast und danke mir, dass ich diesen Weg konsequent zu mir gegangen bin 🙂

    • Liebe Karoline,

      das ist sehr schön zu lesen, und zeigt, dass es tatsächlich möglich ist, sich aus solchen destruktiven inneren Glaubenssätzen zu befreien, und letztendlich dadurch eine ganz neue Ausstrahlung zu erlangen!

      Danke für deinen Kommentar.

      Alles Liebe, Oliver

  7. Hallo Oliver,
    Danke für Ihre super Beiträge zum Thema!

    Darf ich einen Wunsch äußern, so kurz vor Weihmachten? Ich würde von Ihnen gerne etwas über die Rolle Narziss als Elternteil, vor allem im Trennungsfall, lesen. Das wäre für mich sehr wichtig

    Viele Grüße und einen schönen ersten Advent
    Sandra

  8. Hallo Oliver, von ganzem Herzen DANKE für diesen Beitrag!
    Bisher dachte ich, mein Ex-Mann sei ein Psychopath. Einiges jedoch passte nicht. Z.B. enorme Feigheit gegenüber mutiger Stärke, wie auch unfähig zu Eigen-Initiative.
    Nun wurde mir durch deine Erklärung einiges Bewusst. Narzisst, genau das trifft es. Jahrelang war ich zutiefst Traumatisiert, und konnte so vieles nicht verstehn. Ich litt unter schlimmster Angst-Erkrankung ( Panik Attacken ) konnte das Haus lange Zeit nicht mehr verlassen. Trotzdem fing ich an, mich durchzusetzen. Da er ja unfähig ist, alleine zu sein, suchte und fand er eine Freundin, wollte jedoch weiterhin bleiben. Familie, Ehefrau und Freundin. Gott sei Dank hatte ich dadurch den Mut, mich zu trennen. Auch, weil er anfing, Gewalttätig zu werden, weil ich mich nicht mehr fügte. Und weil ich meinen Kindern ein gutes Vorbild sein wollte.
    Warum er dann weiter Psycho-Terror betrieb, verstand ich Anfangs nicht. Dies gelang ihm jedoch nur solange, bis ich verstand ,, Er kann mich nur so lange quälen, solange ich dies mit mir machen lasse ,,!
    Also stellte ich mich aufrecht hin, machte mir meine Stärke und meinen Wert bewusst, und liess mich nicht mehr Erniedrigen! Von da an, konnte er mir nicht mehr in die Augen sehn und hatte sogar Angst vor mir.
    Jedenfalls, das Ganze führte dazu, dass sich aus meiner Hochsensibilität eine starke, gute Gabe entwickelte. Das Erlebte zeigte mir, dass Hochsensibilität ein wundervolles Geschenk ist. Ich arbeitete an mir, lernte vieles dazu, und entwickelte ein starkes, mutiges ICH 🙂
    Es ist keine Trauer mehr in mir! Da ich verstand, warum er so ist, wie sehr er gelitten hat als Kind, gibt es auch keine Hassgefühle. Gott sei Dank!
    Ich wusste zuvor nicht, dass es Menschen gibt, die keinerlei Einfühlungsvermögen haben. Und ich war meinen intensiven Gefühlen, zu sehr ausgeliefert.
    Heute bin ich sehr froh, um meine Hochsensibilität, da Sie mich sehr Stark machte!
    Liebs Grüessli Els

  9. Ich setze mich gerade sehr intensiv mit diesem ganzen Themenkreis auseinander, ich bin dankbar diese Informationen und Hintergründe so deutlich vor Augen geführt zu bekommen, Danke

    • Lieber Friedeman,

      das freut mich, dass ich dir mit diesem Artikel weiterhelfen konnte.

      Weiterhin viel Erfolg & Erkenntnis mit diesem Thema.

      LG, Oliver

  10. Hallo

    Natürlich sind wir selbst die Jenen, die sich einlassen oder in Narzissten verlieben. Dennoch bleibt es von Anfang an eine LÜGE, eine Maske und nicht mehr. Und deshalb denke ich, ist es nicht verwunderlich, dass ein Narzisst dann auch genau den Schwachpunkt bei seinem Partner sucht und findet, denn jeder Mensch hat irgendwann eine Erfahrung gemacht, die ihn geprägt hat. Narzissten suchen sich bedürftige Partner, evtl. z.B. einen der schon lange Single ist, frisch geschieden ect…und da liegt die Bösartigkeit. Denn diese PSler wissen was sie tun und reißen die Wunde noch mehr auf. Zerstörer, so benannte er sich selbst in unserer Zeit. Ich habe daraus gelernt, erkenne diese Menschen schon Kilometer- weit, kognitiv aufgearbeitet. Aber auch in mir wieder aufgeräumt, denn ich war frisch getrennt als ich ihn traf und nun gehe ich ihm absolut aus dem Weg, kein Kontakt. Was er für Storys erzählt ist mir egal, dass muss man zuletzt lernen. Eine hochsensible Person reißt es weg, wenn Signale ignoriert werden. Signale sind Drohungen wie :“Irgendwann wirst du mich hassen!“. Das hat er gesagt und ich hasse nichts und niemanden….nun blöd für ihn, denn so kann er sich selbst mit seiner Wut auseinandersetzen.

  11. Hallo.
    Nun, ob und was aus Cluster B ist nun nur noch wichtig um zu sehen wie weiter.
    Narzissten schleichen sich immer wieder mal in dein Leben nach der Beziehung, Borderliner haben kein emotionales Gedächtnis und du warst „nie da“, alles schöne vergessen, als ob du eine entfernte Bekannte seist.
    Hier liegt der UNterschied, denn Narzissten neigen dazu, immer mal wieder vorhanden zu sein in deinem Leben. Was für PSler er ist egal, nur die Zukunft ist dabei im Auge zu behalten : kein Kontakt mehr, egal was kommt:-)

  12. Hallo, ich möchte hierbei kurz anmerken, dass auch Frauen Narzissten oder Psychopathen sein können.. wobei es sich bei meiner Exfreundin wohl um einen negativen Narzissten handeln dürfte. Das ist scheinbar bei Frauen eher der Fall und äußert sich nicht so offensichtlich. Das durfte ich nun nach 1,5 Jahren schmerzlich feststellen. Es ist schier unfassbar, wie mir die Augen aufgingen, als ich mit einer Freundin darüber sprach und sie meinte, ich solle mal nach Narzissten oder Psychopath googeln. Plötzlich ergab alles einen Sinn, es passte wie die wohlbekannte Faust aufs Auge. Nahezu jede Taktik, jedes Verhaltensmerkmal konnte ich bei meiner – nun mittlerweile seit fünf Wochen – Ex-Freundin wiederfinden. Sie hat sich die Welt zurechtgedreht und gebogen, wie es ihr beliebte und ich hatte zu funktionieren und leidete darunter. Vor Freunden hinter meinem Rücken schlechtgemacht, isoliert und immer war ich schuld. Es ist unglaublich, wie lange man das mit sich selbst machen lässt, zumindest im Nachhinein betrachtet. Sie hat mich über die kompletten 1,5 Jahre mit einem verheirateten Mann betrogen, den sie nebenher laufen lies. Keine Skrupel, keine Gewissensbisse. Liebe und Aufmerksamkeit von zwei Männern, muss toll für sie gewesen sein. Ich hatte zwar immer wieder sehr viele Ungereimtheiten entdeckt und idiotischerweise eigentlich sogar Beweise dafür, aber sie hat mich immer wieder davon überzeugt, dass da nichts sei, sie nur mich liebt und hat den Spieß umgedreht. Du gehst mir fremd, hast kein Vertrauen, bist wahnsinnig etc und das obwohl ich sie nazu dabei erwischt habe. Ohne jeden Skrupel von meinem Bett in seines und zurück, über Monate hinweg und redete von Kindern und Hochzeit. Narzissten haben immer! eine Ausrede und machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt. Sie schaffen es, dich in den Grundpfeilern deiner Überzeugung zu erschüttern und bringen dich soweit, dass du deinen eigenen Augen nicht glaubst! Dachte niemals, dass dies möglich sei. Vielleicht ist es dumm, naiv, aber sie erwischte mich immer in „schwachen Phasen“ und das Spiel begann von neuem. Ich muss dazu sagen, dass meine Mutter damals nach kurzer aber schlimmen Krankheit verstarb. Ich hatte mich mehrfach getrennt, dann begannen ihre Spielchen und das geschickte Setzen von Weichen, damit man fast dazu geleitet wird, wieder in die Falle zu tappen. Kurzum, ich habe ihr wieder eine x-te Chance geben, weil sie heulend ankam, von Kindern und Liebe redete und nach nichtmal fünf Wochen hat sie mich wieder belogen und betrogen. Sie erzählte mir, sie sei mit ihrer Freundin im Urlaub, schöne Geschichte, total ausgeschmückt, nur dass ich in dieser Zeit ihre Freundin in der Stadt getroffen habe.. 🙁 Ihrer Aussage nach bin ich nun ein Stalker und irre, weil sie eine wahnwitzige Erklärung mit mehrfachen Lücken für das ganze parat hatte..
    Ich habe den Kontakt abgebrochen und werde dies auch beibehalten. Das war wohl der so häufig erwähnte Tropfen.. Sie zeigt null Reue, überhaupt keine Einsicht, sondern versucht wie beschrieben, ihre Maske gegen alle Fakten und die Realität aufrecht zu halten.
    Das Problem an der ganzen Sache ist einfach nur, dass man nicht davon ausgeht, derart schlechte Menschen zu treffen und auf diese Psychospielchen und Manipulationen einfach anspringt.. Meine Frage ist, sind derartige Menschen böse? Agieren sie bewusst so, bzw. wissen sie, was sie machen? Oder sind sie sich dessen nicht bewusst und lediglich Opfer ihrer Krankheit/Störung? Glauben sie ihre an die Wirklichkeit, die sie auch ihren Partner verkaufen wollen, um den Schein zu wahren?

  13. Lieber Timtim, das ist eine gute Frage, ob sie das alles bewusster tun. Ich weiß es auch nicht, aber ich denke, dass sie wirklich an ihre Lügen glauben. In ihrer Welt lieben sie einen vielleicht sogar. Das Problem ist nur, dass sie nicht wissen, was wahre Liebe ist. Also nur in der Theorie wissen sie es. Ähnlich wie Autisten sich bestimmte Gefühlsäusserungen antrainieren können (Sheldon) tun dies wohl auch Narzissten. Aber das, was sie spielen und das was sie fühlen stimmt nicht überein.
    Meine Frage wäre: was macht man als Gesellschaft mit solchen im Prinzip „behinderten“ Menschen? Jeder von uns kann das Pech haben, mit dieser Veranlagung geboren zu werden. Es ist vor allem genetisch determiniert. Und es sind unheimlich viele Menschen narzisstisch gestört, es ist nicht irgendeine Randgruppe.

    • Sorry nochmal an den Blogbetreiber.
      Ich lese und lese und will immer antworten, weil ich auch schon so lange
      mit Analysen dieser Art Zeit verbringe.

      Ich habe den Eindruck, dass uns auch das www ein Stück weit krank macht.
      Gesellschaftliche zwischenmenschliche Entwicklungen hängen eng mit den
      technischen Möglichkeiten zusammen.
      Und heute ist so viel *scheinbar* möglich, dass manche gänzlich abgekoppelt leben.

      Globalisierung ist eins der Hauptprobleme.
      Das Familienleben geht vor die Hunde.

      Sich bewußt mit allen Konsequenzen für eine
      bewußt lebenden Menschengruppe zu entscheiden,
      die regional lebt, wäre das gesündeste.

      Der Mensch kann verreisen, aber das globale vieldimensionale Leben
      ist einfach total ungesund.
      Und das bringt auch viele Störungen hervor.
      Die Großstädte waren schon immer Sammelplatz für
      psychische Störungen. Durch das www wird es noch gewaltiger.
      Denn das www hat ***scheinbar*** alle Möglichkeiten offen.

      Dabei wäre regionales Kleinstadtleben viel gesünder und
      auch die gesunde Langeweile mit immer den selben
      Menschen, wäre gesünder. 🙂

      Man könnte ein Dorf mit sensiblen Menschen
      gründen ♥ 🙂

  14. Lieber Oliver, danke für den interessanten Artikel. Allerdings bin ich der Meinung, daß hochsensibel zu sein, nicht zwangsläufig heißt, nicht zu seiner Meinung zu stehen. Es ist nur sehr viel anstrengender … Vor allem an der Seite eines Narzißten … Ein anderer Punkt dürfte der sein, daß viele Hochsensible bereits in narzißtischen Elternhäusern aufgewachsen sind, in denen sie regelrecht gedrillt wurden, das Husten einer Fliege richtig zu deuten und sich entsprechend gefällig zu verhalten, um keinen Unmut auf sich zu ziehen. Kein Wunder, daß daraus hochintelligente Nervöschen erwachsen. Überdies resultieren auch zwei weitere fatale Folgeerscheinungen daraus: Erstens wird ein solches Kind auch im Erwachsenenalter narzißtisches Verhalten anderer aus Gewohnheit als normal empfinden und seine Rolle eher als die des aufmerksamen Wunscherfüllers und Dienstleisters sehen – und zweitens kann es einem narzißtischen Partner aufgrund mangelnder Unterstützung durch die Familie oft schlicht auch einfach nichts entgegensetzen. Vor allem, wenn der Isolations- und Abhängigkeitsprozß bereits im vollen Gange ist – eine leider äußerst ungute Spirale des Machtmißbrauchs, die nicht nur etwas mit der Sensibilität per se zu tun hat, sondern leider schlicht auch mit den Gesamtumständen …

    • Jedes Ihrer Worte trifft auf erschreckende Weise auf meine jetzige Situation zu. Ich beschäftige mich erst seit Oktober mit dem Thema Narzissmus und bekomme gerade ein weiteres Puzzlestück für mein „fehlendes Ganzes“.
      Und ich kann behaupten, schon sehr viele Fliegen husten gehört zu haben 😐

  15. Hochsensible sind nicht automatisch entgrenzte Ichs. Dies ist zu einseitig beleuchtet. Hochsensibel bedeutet lediglich, mindestens einen überentwickelten Sinn zu haben – plus einem Thalamus, der dieses Mehr an Reizen nicht filtern kann.
    Wie sich dieses genetisch bedingte Merkmal ausprägt liegt einerseits an der Veranlagung (eher sensomotorisch, eher kognitiv, eher emotional), andererseits an den persönlichen Erfahrungen.

    • Den Begriff des entgrenzten Ichs habe ich von der bekannten Autorin Sylvia Harke übernommen. Und deckt sich mit meinen Erfahrungen und den Beobachtungen bei anderen HSP, die ich in den Jahren kennengelernt habe, insbesondere was Themen wie Abrenzung, Selbstwertgefühl oder Gefühle/Stimmungen von anderen Personen im Umfeld angeht.

      Viele Grüße, Oliver

    • Hallo B. Landwehr und Oliver,

      Es gibt viele Mischformen, die nicht unbedingt schadhaft sind für andere Menschen. Die echten vernichtenden Narzissten sind schnell daran zu erkennen, das keine andere Meinung gilt und das sie Dein Leid nicht erkennen.
      Auch nicht, nachdem Du es ihnen immer wieder erklärst.
      Nächsten Tag geht alles weiter wie gewohnt.
      Keine Änderungen für den Leidenden.

      Ähnliches kann aber auch passieren, wenn zwei
      Hochsensible zusammen leben.
      Die können sich unter Umständen überhaupt nicht helfen.
      Beide sind darauf bedacht, sich emotional stabil zu halten
      und müssen sich deshalb abgrenzen.

      Ich zB kann mich nicht unterhalten, wenn ich
      Musik höre oder der TV läuft.
      Das mit dem Filter stimmt.
      Allerdings war es bei mir früher mal anders, als ich jünger war.

      Viele Ereignisse haben dazu geführt, dass ich am
      liebsten nur noch im Wald wäre ohne Menschen.
      Am liebsten auch ohne Nachbarn.

      Zurückgezogen ist manchmal der einzige Weg,
      um irgendwie bei mir selbst zu bleiben.
      Im Internet habe ich schon viele Menschen getroffen,
      sie so ähnliche Probleme haben.
      Glück ist dann, wenn man einen Rückzugsort hat,
      der von anderen respektiert wird.

      Danke nochmal an die Schreiber hier und
      an Oliver

      Schade das es keine Seite auf Facebook gibt.
      Eine Feel it Gruppe 🙂

  16. Lieber Oliver,
    ein hochinteressanter Artikel. Ich bin über diesen „gestolpert“ weil mich genau diese Frage umtreibt. Ich bin eine hochsensible Frau und habe GsD schon recht früh verstanden dass ein narzisstisch veranlagter Mann kein Partner für mich sein kann. Aber (!) ich habe einen Chef der so drauf ist- und das tut mir nicht gut. Die ersten Jahre ging es, da war ich fast uneingeschränkter Fan obwohl ich schon erkannte wo seine persönlichen Defizite lagen. Aber ich mit meinem totalen Verständnis und meiner Sicht auf die positiven Seiten von ihm konnte damit leben.
    Doch seit einiger Zeit (ich habe mich weiterentwickelt und keine Lust mehr ständig im Speichellecker & Bewunderungsmodus festzustecken) bekommt er nun nicht mehr meine uneingeschränkte Bewunderung und die Folge davon ist dass er auf recht subtile Art & Weise versucht „mir ordentlich eins reinzuwürgen“. Es würde jetzt zu weit führen das alles darzulegen und ich will auch keinen langweilen. Fakt ist, ich habe das erkannt. Es ist- wie Du ja auch beschreibst- äußerst anstrengend in der Gegenwart eines Menschen zu sein der sein Umfeld versucht zu entwerten, klein zu halten, zu kontrollieren. Vor allem wenn man nicht in seiner vollen Kraft ist- was bei mir durch den Tod meines Vaters vor 8 Monaten der Fall ist.

    Das Ding ist- der Job selbst gefällt mir, ich bin auch nicht mehr SO jung (50) dass es easy-peasy ist einen neuen vergleichbaren Job zu finden. Aber -es ist nicht unmöglich, das weiß ich.

    Nun was ich sagen möchte ist folgendes: Durch diesen Narzissten bin ich nun gezwungen mich aus meiner geliebten Comfort-Zone zu begeben und nach neuen Tätigkeitsfeldern Ausschau zu halten. Und das wo ich dachte ich zieh das Ding jetzt durch bis zur Rente. Bequem, pragmatisch, sicher- so dachte ich. Aber meine derzeitige Jobsituation ist offensichtlich so unkomfortabel für mich geworden dass ich einen Sprung in Neuland wage. Und ich glaube das ist positiv.

    Wichtig ist mir noch zu betonen dass ich diesem in meiner erwähnten Narzissten-Chef keinerlei Schuld in die Schuhe schieben möchte. Er ist wie er ist und fertig, ich habe das ziemlich flott erkannt und zugelassen dass er meine Grenzen überschreitet.
    Wie Du schreibst, man lässt sich solange verar…en bis man es kapiert hat. (kein wörtliches Zitat aber Du weiß auf welchen Satz ich hinaus will).

    Vielen Dank für Deine Inspiration und alles Gute für Dich,

    Petra

  17. Lieber Oliver,
    ich habe 20 Jahre mit einem Mann gelebt, der eine sog. Dyssoziale Persönlichkeitsstörung hatte, er war tatsächlich ein Narzisst …
    Diese Beziehung hat mich um meine psychische, seelische und emotionale Gesundheit gebracht.
    Aber: Diese Begegnung war ganz offensichtlich not-wendig, um meine „Not“ im Umgang mit mir selbst zu „wenden“ und mir anzuschauen, wie ich teilweise selbst mit mir umgehe – dies hat mir mein Gegenüber, mein psychopathischer Mann, gespiegelt!
    Die schlimmste und unheilvollste Zeit meines Lebens, die zu der erfüllendsten und wichtigsten Entwicklung meines Lebens führte …
    Am meisten beeindruckt hat mich Deine Schilderung der „Zeit des Erwachens“ – wie ich sie nenne -: Wenn der Narzisst seine Authentizität zeigt, für einen Moment Nähe und Zuwendung zulässt … das war der Mensch, den ich eigentlich liebte …

    Danke für Deine Gedanken und Worte!

    Christina

    • Liebe Christina,

      danke für deine Schilderung und Kommentar!

      Hat dein Ex-Mann sicher die Diagnose pathologischer Narzisst erhalten? Oder hast du sie ihm gegeben aufgrund deiner Einschätzung? 😉

      Verstehe mich richtig: Ich glaube dir, nur wird aus meiner Erfahrung viel zu schnell und zu oft mit dem Begriff Narzisst herumgewirbelt (ja, auch ich machte dies in der Vergangenheit oft).

      Letztlich kann ich dir nur gratulieren, da du aus diesen 20 Jahren genau die richtige Selbsterkenntnis gezogen hast, und eben nicht in der Opferrolle stecken geblieben bist („Ich konnte nichts tun, er hat mich nur ausgenutzt etc.“). Genau wie ich es auch in dem Artikel beschreibe. Es hat immer Gründe, die in der eigenen Persönlichkeit verankert sind, wenn man über so einen langen Zeitraum sich der Destruktivität und Manipulationen eines Narzissten aussetzt, trotz allem Verständnis für seine traumatische Vergangenheit (Liebesmangel!), die wir als Begleiter oder Partner ihm aber niemals ersetzen können – sondern letztlich können wir uns nur selbst aus der Helfer und Kompensationsrolle befreien – und uns dabei selbst erkennen, wie du es offenbar getan hast. Glückwünsch!

      Ein Narzisst kann sich in gewisser Weise nur selbst helfen, soweit er gewillt ist, es endlich erkennt, dass der Verlust irreversibel ist, und von da an die Wunde betrauert – und schlussendlich akzeptiert und integriert!

  18. Hallo lieber Oliver,
    Dieser Artikel bringt das Thema zwischen diesen Beziehungen mal echt auf dem Punkt.
    Man denk oh ,nun man Menschen gefunden die einen so annehmen wie man ist.Man wird ja in solchen Beziehungen egal ob zum Cafe Trinken oder Kino besuche oder aud der ebene die nur in der Dämerung statt findet.Bin dazu noch Introvertiert was zu Hochsensiblität auch gut ins Opfer Bild passt,ja es passt.Für Die Narzisstische Person.

    Wie Habe ich gemerkt das es Narzissten waren:Deren Bedürfnisse waren immer ganz Oben egal bei Was,welchen Film man schaut in welchen Restaurant man geht.Ok damit konnte noch mit Leben…aber als diese Personen anfingen sich bei mir im Haus so zu benehem wie die Bosse….oder ein versuchten einen klamm heimlich Kosten unter zu jubeln.Ich bezahl das und lädst mich dafür zum Essen ein.Oder Bucht Ausflüge aber nach möglichkeit noch in Vorkasse gehen bis erste Kosten weg sind…die der Narzisst gerne auf ein überträgt oder es Bar ein raus gbt aber im selben moment bestimmen man müsse nun Mittagessen gehen wo Geld raus gehauen wird..und Ausflug immer vom Konto abgeht also wurde alles immer unten hin und her gerechnet..das wiedergebe Geld Bar der Narzisst duch Essen gehen wieder rein holte…weil der Ausflug wird via Ec gezahlt aber nicht von der Karte des Narzissten ,nein der des Opfers.Wenn denn doch nicht deren Meinung vertritt und auf seine eigene Meinung besteht spielen Narzissten sich gerne in die Opferrolle und geben den Hochsensiblen die Schuld ,ist der Böse.Da nicht den Narzissten ging…..was ich am schlimmsten fand das die immer meinen Recht zuhaben und über andere bestimmen…dieses manipulierte Verhalten.Was ich sehr traurig fand diese Person redete in mein bei sein von mir in 3ter Person,lachte mich aus…du stehst da wie ein Baum,siehst aus wie ein Bauer…….wollen auch immer sagen wann die Veranstaltung verlässt,auch wenn man selber noch bleiben möchte.Oder spielen Krank ,bis diese vole Aufmerksamkeit bekommen…hat sich zwar angeb den Margen verdorben..aber fettes Stoffeis ging dann plötzlich wieder.Nach möglichkeit wird noch Reisebüro und Packesel erklärt weil die Narzistische Person kein Bock hat gepäck zutragen oder die Jacke.Wenn da Nein sag werden diese auch noch Sauer.Weil man kein Bollerwagen mit nehmen möcht &jeder sein Zeug selber schlepp.

    Als ich da langsam zu Wehr setzte,wurde es bröcklig und als Kommisch abgestemmpelt.

    Was habe ich gelernt ,gehe erstmal mit Abstand auf neue Bekannte zu.Bevor es richtige Freunde werden.

    Beim ersten Anzeichen eines Narzissten wird sofort reagiert,grenzen gesetzt bis zu kein ausnutzen kommt.

    Es ist ein Teufelkreis weil Narzissten denken oft ,man gönne nicht ohne Sie.Bringen ein in eine gezwugene Abhängikeit.Nach dem Motto hänge mit dir hab und bin mit dir Befreundet wenn meine Bedürfnisse vor deinen kommen..und du dich drann häst ist Freundschaft gekündigt.

    So war es bei mir.

  19. Wirklich toller Artikel.
    Hab mich da wirklich wiedergefunden.

    Ich hatte das Pech mit 15 auf einen Narzissten (und wie ich jetzt weiß hat er noch zusätzlich eine dissoziale Persönlichkeitsstörung) reinzufallen und es nicht zu erkennen.
    Dadurch habe ich jetzt 12 Jahre Beziehungen mit allen möglichen Persönlichkeitsstörungen durch,weil ich dachte das sei normal.
    Anfang des Jahres hatte ich dann den endgültigen Zusammenbruch wo das dann alles aufgedeckt wurde (die Geschichte ist natürlich etwas umfassender und trauriger als sie jetzt vielleicht klingen mag).

    Im Endeffekt habe ich eine ganz wichtige Sache dabei gelernt: auf mein Bauchgefühl hören. Ich lag damit immer richtig,habe es aber ignoriert,weil ich dachte dass das was der andere sagt,nicht zu dem passt,was ich fühle.

  20. Hallo! Besteht eigentlich auch die Chance, dass 2 Hochsensible ein tragfähiges Paar werden? Sowohl meine Frau, wie auch ich hatten sehr schmerzhafte Beziehungen zu narzisstischen Partnern bevor wir zusammengekommen sind, die dann auch zu größeren emotionalen Scherbenhaufen geführt haben. Das ist uns aber erst seit kurzer Zeit bewusst.

    • Hallo Radulf,

      absolut besteht die Möglichkeit, dass zwei Hochsensible ein erfülltes Paarleben haben können.

      Beiden sollten halt auf die jeweiligen Eigenarten und besonderen Bedürfnisse des anderen achten (z.b. was Rückzug angeht). Im Grunde nicht sehr unterschiedlich wie bei einer „normalen“ Paarbeziehung. Und bei alledem die Wunden aus der Vergangenheit nichts aus den Augen verlieren, bei jedem Einzelnen, und dafür selbst die Verantwortung zu übernehmen, und nicht den Partner dafür verantwortlich machen.

      LG, Oliver

    • Das ist eine sehr sehr gute Frage.
      Wenn beide um die Dinge wissen, dann kann es klappen.

      Ich zB brauche fast den ganzen Tag für mich selbst.
      Eine ständige selbstverständliche Ansprechbarkeit mit Kleinigkeiten, lasse ich nicht mehr zu.
      Wenn allerdings der Andere in seelisch schlechter Verfassung ist, krank ist oder echten Zuspruch oder Rat benötigt, dann IMMER verfügbar.

      Aber keine Inszenierungen!

      Im Alltag möchte jeder sein´s machen.
      Wenn ich überlege, wie lange ich gekämpft und diskutiert habe, um in 14m“ Quadratmetern mein eigenes Reich zu haben und die Tür auch gern mal abschließe…… !!!

      Diese Dauerverfügbarkeit des hochsensiblen Menschen ist genau DAS,
      was ihn kaputt macht. Gegenseitige Hilfe und Arbeitsaufteilung finde ich hingegen wichtig.

      Manchmal habe ich das Bedürfnis mich zu verkleiden.
      ( kein Witz) Aber dieses Bedürfnis einfach mal in ein
      Kostüm zu schlüpfen wurde bisher immer belächelt.
      Dabei ist es eine künstlerische Ausdrucksform !!!

      Und ja ! Der Sensible Mensch darf auf jeden Fall auch
      einen gewissen Narzissmus und Egoismus haben.
      Anteile davon sind sogar gesund.

      Ich hätte gern einen Partner gehabt, wo man sich gegenseitig
      bewundert. DAS ! wäre klasse ….
      Nicht als Dauerbewunderung, aber das ausgesprochene Lob !
      Oder gemeinsame echte Erkenntnisse !
      Oder …..oder . …. einfach das bewußte umgehen
      auch mit Zärtlichkeit !

      Kann sich jemand vorstellen, mein Mann sagt nie meinen Namen.
      Höchstens im Streit. Echte Zärtlichkeit kenne ich nur noch
      zwischen mir und meiner Tastatur.

      Im Prinzip ist mein Leben versaut.
      Kann man so sagen…….

      Aber letztlich JA ! – zwei Menschen die das alles wissen
      und beide sehr sensibel sind, die haben eine echte Chance,
      wenn der Rahmen und die Abmachungen stimmen.

      🙂 ulf !

  21. Hallo, das ist ein wunderbarer Blog und ein sehr wichtiges Thema.
    Ich bin so froh, dass ich diese Beschreibungen der Persönlichkeiten und auch die Mischformen davon gelesen habe.

    Mein Leben lang wurde mir von vielen Seiten meiner (ex) Familie immer vorgeworfen ,ich sei egoistisch und auf mich selbst bezogen.
    Später kam raus, dass ich im grunde genommen mit diesen Aussagen *klein* gehalten wurde.

    Alles in allem habe ich sehr sehr lange gebraucht, um zu merken das ICH Übersensibel bin und nur wenige narzistische Anteile in mir trage.
    Es ist so schwer, wenn der eigene Lebensweg durch ein falsch vermitteltes Selbstbild ein gestörter Weg wird.

    Bei mir hat das alles letzlich in einer schweren Angsterkrankung
    und gesundheitlichen Eskalation geendet, die mich 10 Jahre meines Lebens gekostet hat.

    Um nach ewigem Selbststudium zu begreifen, das ICH der Hochsensible bin und nicht wie von außen oft behauptet ein Egoist.

    Am meisten kam die Bestätigung über die Aussage, dass der sensible Mensch sehr leicht zu beeinflussen ist und je nach Umfeld sich anpasst.
    Früher habe ich scherzhaft gesagt: Ich bin ein Chamäleon.

    Es gibt so viele Menschen die keinen inneren und äußeren Halt finden,
    da sie durch das Umfeld ausgebeutet werden. Und kaum wollen sie etwas nur für sich selbst tun und durchsetzen, heißt es: Man ist egoistisch und möchte nur im Mittelpunkt stehen.

    Ich danke dem Autor und jenen, die hier ehrlich antworten.
    Für sich selbst etwas zu wollen und dabei ständig Schuldgefühle zu haben ist schrecklich.
    Wie kann ich einen gesunden Egoismus legitimieren?
    Letztlich wird man zum traurigen Clown seines eigenen Lebens,
    wenn man merkt, dass man 48 ist und nie gemerkt hat,
    was sich eigentlich wirklich abspielt in der Familie und Freundeskreisen.

    Wo findet man jetzt noch die richtigen Menschen,
    die echte Freundschaft und echtes Miteinander ebenfalls suchen?

    …… Ein versautes Leben durch immer wieder
    die falschen Bestrebungen…

    Da kann man schon Angst bekommen.
    Das Unterbewußtsein hat mich nicht belogen.
    Ich habe nur nicht darauf gehört, weil ich immer dachte
    ich bin es dem Anderen schuldig und das ich irgendwelche
    Dinge im Leben von anderen erfüllen müßte.

    Ich glaube – Jetzt bin ich mal dran.

    Lg Claudi

  22. Also egal was passiert ist, es war eine Erfahrung und es ist schwer, wenn man seinen Standpunkt vertritt gegenüber einer Narzisstin oder nicht, letztendlich spielt die Liebe eine bedeutende Rolle, das wir das böse Spiel solange mitgemacht haben, aber wenn man merkt, das man selbst und andere im Familienumfeld in Gefahr geraten (Selbstmordgedanken) dann sollte man loslassen, ich hatte drei mal diese Gedanken und dann kam der kalte Entzug von meiner Narzisstin, es ist hart, das stimmt, wir haben das Internet, wir haben die Telefonseelsorge und es gibt Therapiemöglichkeiten, aber mit Sicherheit gibt es keine Zukunft mit einer Narzisstin, Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Zum Glück ist es vorbei, ich spüre von Tag zu Tag wie es mir besser geht und bald wird man diese Frische auch wieder in meinen Antlitz sehen, es ist eine ständige Belastung für alle, mit diesen armen Kreaturen leben zu müssen, nach außen hin erscheinen sie „grandios“ im privaten Bereich: Renne bloß 🙂 Liebesgedichte hatte ich ihr geschrieben, sie zeigte sie mir kurz vor der Trennung, ich sah nicht mal mehr hin, ich wusste meine Gedichte waren herzlich, aber es machte keinen Sinn, die Erfahrung mit ihr war schön und zugleich schmerzlich, die Narzisstin hat es einfach nicht verstanden, was das stand, denn sie kennt ja nicht dieses Gefühl und versteht diese schön geschrieben Texte nicht, dazu gehört Empathie, das sich einfühlen können und ich denke an die nächste hübsche Frau in meinen Leben und hoffe das sie das dann auch innerlich ist, nochmal möchte ich das nicht erleben Zuckerbrot und Peitsche, das ist doch kein Leben. Ich beneide niemanden nun an ihrer Seite, das sagte ich ihr auch, sie schrie mich an und beleidigte mich, ich packte meine Sachen und befreite mich dann, nein ich bin ein Mensch und keine Marionette oder dein Hampelmann. Zum Schluss merken Sie sich bitte gut, verspüren Sie weder Hass noch Wut, ich spürte Schmerz und Trauer ich verlor sie ja schon einmal durch die Berliner Mauer, und ich meide Sie nun, wo ich nur kann, und eins merken Sie sich sehr gut, Sie sind nicht Schuld daran. Alles wird gut, bleiben sie stark und auf der Hut und hören sie besser auf ihr Bauchgefühl, okay bei mir hat es nicht genützt, es war meine Jugendliebe da hatte sie einen Bonus und viele Chancen hatte ich ihr gegeben, sie schimpfte noch zum Schluss, ich sei ein Versager und sie sei mir so überlegen, wäre sie das wirklich, dann wäre ich heute noch bei ihr, ich habe den Hamsterlauf beendet im Rad, ich will lieber glücklich sein, anstatt ein armes Schwein. 🙂 Zum Schluss noch ein Zitat: Werde glücklich mit all meinen Geschenken, du hast mir alles genommen, ich bin aber dem Tod entkommen, was nützen einen dann weder Geld und Gegenstände, werde glücklich damit, ich fange lieber wieder von vorne an und bin mit Sicherheit ein gebildeter Mann, ich habe alles gegeben und alles versucht, eine Narzisstin zu sein, ist wohl ein böser Fluch. Und ich wiederhole hier und jetzt meine Gedanken: Nicht ich werde sie für alles bestrafen das nennt man Intuition, sie hat nur gelacht und dachte, ich meinte sie komme nicht klar ohne mich oder ich tue ihr was an, was für ein Quatsch das macht schon eine andere Frau oder vielleicht auch ein Mann, an ihre eigenen Kinder möchte ich dabei jetzt nicht denken, oh Gott war sie böse und ich scharf auf ihre Möse, aber irgendwann ist auch mal gut, ich habe sie geliebt und das tat mir nicht gut, die Aussenwelt hatte mich gewarnt, diese Frau tut Ihnen nicht gut, ich lachte und weinte nur und ahnte es, ich kämpfte und versuchte es bis zuletzt. So bin ich halt, ein Kämpfer bis dann kam der Dämpfer, egal es ist vorbei und jetzt pell ich mir ein Ei. 🙂

  23. Hallo Oliver,
    erstmals vielen Dank für deinen Blog und die Themen, die du behandelst.
    Mir wird gerade erst bewusst, dass ich diesen Muster seit meiner Kindheit kenne und er sich wohl in der Familie durchzieht, vor allem bei Männern. Mein Vater und der Vater meiner Mutter. Ich habe es im weiteren Leben bei einem Lebenspartner gehabt, bei einer Chefin, wohl mehrere Lernstationen, bei denen ich mal kürzer, mal länger geblieben bin.
    Momentan ist es eher so, dass ich leider weiterhin solche Männer anziehe, allerdings für immer kürzere Abstände und die prallen dann mittlerweile an mich ab. Trotzdem beschäftigt es mich, wieso trotz des mittlerweile gut ausgebauten und sicheren Selbst ich solche Menschen anziehe.
    Was haben die Begegnungen mit mehr oder weniger ausgeprägten Narzisten aus mir gemacht? Die, die ich heute bin. Ich liebe mich, ich sorge für mich, ich respektiere mich. Und erstmals ist Pause von Beziehungen angesagt.
    Ich muss mittlerweile über die abstrusen und absurden Verhaltensweisen von „Narzisten“ lachen. Erst heute befahl mir eine erst vor kurzem entstandene „Freundschaft“ – ich soll absofort nur dann schreiben, wenn ich gut gelaunt bin. Ich kriegte mich vor Lachen nicht mehr ein.
    Solche Menschen machen die Fliege oder fangen mit Beleidigungen jeglicher Art an, sobald man klare Grenzen setzt. Dafür lerne ich immer mehr liebe wundervolle Menschen, die so denken wie ich, kennen. Es ist wie das Stroh vom Weizen zu trennen.
    Liebe Grüße aus Berlin,
    Anna

    • Liebe Anna,

      danke für deine Schilderung & Kommentar.

      Auch ich habe es so erlebt wie du: Sobald man Menschen mit einer narzisstischen Ader eine Grenze setzt, brechen sie den Kontakt ab. Dabei habe ich nur mein Gefühl ausgedrückt, was ihre Art mit mir macht. Und das Wort Narzissmus vorsichtig in den Raum geworfen. Erst vor wenigen Monaten mit einem Paar erlebt. Bezeichnenderweise selbsternannte Hochsensible. Natürlich haben sie alles abgestritten, ich wäre ein „Wiederkäuer“ und würde meinen Narzissmus auf sie projizieren (der Klassiker).

      Trotzdem empfehlen einige anerkannte Narzissmus-Autoren es genauso so zu machen wie du und ich: Ausdrücken, was das herabsetzende, manipulative Verhalten mit einem macht. Ohne jegliche Selbstvorwürfe. Die einem einzureden, darin sind Narzissten Meister!

      Falls kein Anzeichen einer Änderung ersichtlich ist, bleibt nur noch der Weg der Trennung und des Selbstschutzes: Ob Freund, Kollege, Partner. In manchen Kontexten ist das nicht so einfach, ich weiß. Deshalb werde ich darauf noch vertiefter in meinem bald erscheinenden Buch eingehen, in dem es um Narzissmus aus hochsensibler Sicht geht und vielen mehr. Insbesondere der Vorfall mit dem einst befreundeten HSP-Paar hat mich in Bezug auf HSP und Narzissmus stark zum Nachdenken gebracht.

      Alles Liebe, Oliver

Schreibe einen Kommentar