Warum Hochsensible in Beziehungen immer wieder an Narzissten geraten

Fragst Du Dich manchmal, warum Du in Deinen Beziehungen immer wieder an Narzissten gerätst?

Wow! Damit hätte ich nicht gerechnet. Mein erster Artikel über die Ursachen, Merkmale und Therapierbarkeit eines pathologischen Narzissmus stieß auf sehr große Resonanz. Seit August hat er über 6.700 Aufrufe und mittlerweile 47 Kommentare. Aufgrund der anhaltenden Resonanz und der vielen Kommentare, möchte ich heute einen weiteren Artikel über Narzissmus veröffentlichen. Das Interesse daran scheint medial und öffentlich weiterhin groß zu sein, ebenso die Bandbreite an verschiedenen Erscheinungsformen von Narzissmus, über die man berichten kann. Auch ganz persönlich habe ich große Lust, mich weiterhin mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Nachdem ich im ersten Artikel auf die Entstehung und Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeit eingegangen war, einhergehend mit einem gewissen Verständnis für den Betroffenen, möchte ich im heutigen Beitrag den Schwerpunkt mehr auf die unheilvolle Anziehung von Hochsensiblen auf Narzissten legen. Es ist nämlich so, dass gerade in partnerschaftlichen Beziehungen wir feinfühligen und verständnisvollen Hochsensiblen oftmals an Narzissten geraten. Wir sind der ideale Partner. Ein Narzisst sucht einen Lebenspartner, der ihm unterlegen ist. Bei dem er treue Gefolgschaft und Bewunderung erwarten kann. Diese Charakterzüge kann ein Narzisst bei einer selbstbewussten und starken Persönlichkeit eher nicht erwarten, da er damit rechnen muss, dass seine Fassade auffliegt oder er einfach nur für sein Imponiergehabe belächelt wird.

Wenn ich im Folgenden der einfachhaltshalber von Narzissmus oder einem Narzissten spreche, meine ich damit ausschließlich Personen, bei denen man von einer pathologischen Form von Narzissmus ausgehen kann, einer sogenannten narzisstischen Persönlichkeit, was letztlich nichts anderes ist als eine klassifizierbare und schwerwiegende Persönlichkeitsstörung im Sinne des DSM. Also kein Pappenstiel, sondern wirklich gefährliche Personen. (in den USA werden Narzissten mittlerweile in einigen Verhaltensweisen mit Soziopathen/Psychopathen gleichgesetzt). Den Unterschied zu betonen, zwischen normalen, narzisstischen Tendenzen, die jeder von uns hat und einer ausgeprägten Persönlichkeitsstörung, ist mir nach wie vor ausgesprochen wichtig. Weil der Ausdruck „Narzisst“ mittlerweile allzu landläufig gebraucht wird.

Die Anziehung von Hochsensiblen auf Narzissten

 

Rufen wir uns zunächst noch einmal ins Gedächtnis, welche Charakterzüge ein Narzisst an den Tag legt:

  • übertriebene Selbstbezogenheit
  • ausgeprägte Kränkbarkeit
  • Unfähig zu verzeihen
  • ein unersättliches Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung
  • ein – zumindest zeitweise – ins Grandiose tendierendes Selbstbild
  • starke Schwankungen zwischen Idealisierung und Entwertung anderer
  • Kontrollbedürfnisse und Machtstreben
  • Vollkommene Kritikunfähigkeit
  • Angst vor Scham, Abhängigkeit, Trennung, Alleinsein, Abschied
  • Erschaffung einer alternativen (eigenen) Realität, in der sich alles nur um das eigene Selbst dreht (dessen Wichtigkeit, Herrlichkeit, Richtigkeit und Unfehlbarkeit)
  • Ausbeuterisches Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen (Beziehungen werden ausschließlich als Mittel zum Zweck angesehen, das gegenüber eher als ein Objekt als ein Individuum mit eigenen Gefühlen, Werten etc.)
  • Ausgeprägter Mangel an Einfühlungsvermögen (nicht in der Lage, sich in andere hineinzuversetzen, andere Meinungen, Gefühle, Werte, Sichtweisen anzuerkennen)
  • ein empfindlich gestörtes Selbstwertgefühl als tieferliegende Wunde, zu deren Behandlung die o.g. Bestrebungen, Abwehrmechanismen, Bedürfnisse dienen.

Ein Narzisst sucht in seinen zwischenmenschlichen Beziehung nach totaler Kontrolle und Perfektion, weil er nur dadurch sein nicht vorhandenes Selbstwertgefühl kompensieren bzw. steuern kann, indem er durch ein geschicktes Masken- und Mimenschauspiel sein Gegenüber manipuliert und steuert. Nichts fürchtet er so sehr, als „entlarvt“ zu werden, was bedeutet, dass der Schmerz, die Leere und die Einsamkeit hinter seinen Masken in Erscheinung tritt. Dies wäre für ihn ein Gefühl wie sterben, da es ihn an die schmerzhaften Erfahrungen aus der frühen Kindheit erinnert, bei denen er oftmals mit seiner Scham, seinen Niederlagen und seiner Frustration von seinen engsten Bezugspersonen alleine gelassen wurde. Nichts fürchtet er mehr – und deshalb setzt er heute als Erwachsener alles daran, diese schmerzlichen Gefühle nie wieder fühlen zu müssen.

Dieser überzogene Anspruch ist natürlich in zwischenmenschlichen Beziehungen, allen voran in einer Paarbeziehung, nicht aufrechtzuerhalten. Zu jeder reifen und intimen Beziehung gehören Konflikte, Reibungen, Selbsterkenntnis, sich so zu zeigen, wie man wirklich ist. Doch das möchte ein Narzisst nicht, insgeheim fürchtet er sich davor, wie der Teufel vorm Weihwasser. Kommt es doch zu Konflikten, was unvermeidlich ist, tritt die gekränkte Wut eines Narzissten auf den Plan. Nun kann es für den Partner sehr ungemütlich werden. Ein Narzisst kennt in dieser Phase kein Pardon. Er reagiert mit Arroganz, Schuldprojektion, Erniedrigung und Entwertung dem Partner gegenüber. Weitere Reaktionsmöglichkeiten können Rückzug, Schweigen, Flucht und Rachegefühle sein, bis hin zum Beziehungsabbruch (der dann meist schnell bereut wird) oder der ständigen Drohung einer Trennung.

Nach dieser Skizzierung mag es nicht verwundern, dass Narzissten sich oft Partner suchen, ob beruflich oder privat, die ein eher schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl haben, sich anpassen und unterordnen und sich gleichzeitig damit komplett selbst aufgeben. Und nun kommen wir Menschen mit einer hochsensiblen Veranlagung ins Spiel.

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Das entgrenzte Ich

In Beziehungen sind wir Hochsensiblen das perfekte „Opfer“ von ausgeprägten Narzissten. Warum? Weil Hochsensible eine Reihe von Charaktereigenschaften aufweisen, welche die Autorin Sylvia Harke einmal unter dem Begriff „entgrenztes Ich“  zusammengefasst hat.

Merkmale eines entgrenzten Ichs:

  • Stabiles Selbst, lässt sich jedoch schnell von sich und den eigenen Bedürfnissen ablenken
  • Stark beeinflussbar von äußeren Eindrücken, Menschen, Reaktionen
  • Altruismus, erweitertes Ich: Identifikation mit den Gefühlen (Leid) anderer
  • Damit einhergehend mangelnde Fähigkeit zwischen eigenen und fremden Gefühlen zu unterscheiden, sich abzugrenzen
  • Enormes Verantwortungsgefühl, wiederum oftmals mehr für andere als für sich selbst
  • Konfliktscheu
  • Eigene Meinung, wird bei Konflikten aber schnell unsicher und zieht seine Meinung zurück
  • Großes Harmonie- und Kompromissbedürfnis
  • In Beziehungen mit dominanten Partnern Probleme, eigene Wünsche und Standpunkte durchzusetzen
  • Vertraut zu wenig der eigenen Wahrnehmung und Intuition
  • Anfällig für Schuldgefühle

Alleine an dieser kurzen Aufzählung mag man schon erkennen, warum Narzissten sich in Beziehungen gerne Hochsensible aussuchen. Ein Narzisst sucht und braucht ständig Bestätigung und Bewunderung und setzt dafür Masken und vorgetäuschte Gefühle ein. Er ist ein wahrer Meister des Schauspiels und kann situationsbedingt innerhalb von Sekunden sein Verhalten ändern. Und wir Hochsensiblen, mit unserem großen Einfühlungsvermögen, Verständnis und Altruismus geben ihm genau diese benötigte Bewunderung. Ein Narzisst beschimpft und entwertet während eines Konflikts seinen Partner, die hochsensible Person lässt es sich aufgrund der großen konfliktscheu und der mangelnden Fähigkeit zur Abgrenzung gefallen. Ein Narzisst prallt mal wieder in seinem rechthaberischen und dominanten Tonfall über ein Ereignis, der Hochsensible hat eine andere Meinung dazu, traut sich aber nicht, diese zu äußern bzw. gegen den selbstherrlichen Redeschwall anzukommen.

Im Vergleich dazu einige Merkmale eines starken Ichs:

  • Hat ein stabiles Selbstwertgefühl und lässt sich von außen nicht leicht ablenken
  • Spürt und kennt seine Bedürfnisse, kann diese seiner Umwelt mitteilen
  • Weiß, wer er ist, was er kann und nicht kann
  • Weitesgehend unabhängig von anderen Meinungen, Bewertungen (Lob/Tadel)
  • Kann Konflikte auf sachlicher/objektiver Ebene austragen
  • Kann eigene Meinung in Diskussionen aufrechthalten und mitunter auch verteidigen
  • Fähigkeit zu einer gesunden Abgrenzung von belastenden Situationen/Personen
  • Fähigkeit Nähe und Autonomie in einer intimen Beziehung zuzulassen
  • Kaum noch das Bedürfnis, andere zu beeinflussen oder von etwas zu überzeugen

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Eine unmögliche Verbindung?

Als hochsensibler Mensch mit einem Narzissten in einer Beziehung zu sein, ist eine ständige Herausforderung, mitunter auch eine permanente Qual. Wenn beide in ihrem „Element“ sind, ist es wie Feuer und Wasser, wobei der Hochsensible dabei meist der Unterlegene ist. Falls es überhaupt eine Chance gibt, die Beziehung weiterzuentwickeln, ist das nur möglich, wenn der Hochsensible lernt, sich immer besser abzugrenzen, sich nicht auf die Schuldvorwürfe des Narzissten einzulassen und sich generell mehr in Richtung eines starken Ichs zu entwickeln.

Narzissten sind in der Regel äußerst uneinsichtig und therapieresistent. Ein ausgeprägter Narzisst wird solange wie irgend möglich sein Masken- und Kontrollspiel fortsetzen. Einzig alleine bei einer tiefgehenden narzisstischen Krise, indem er zum Beispiel verlassen wird, sich immer mehr Leute von ihm abwenden, eine herbe (berufliche) Niederlage einfährt, besteht die Chance, dass sein Maskenspiel zusammenbricht und der dahinterliegende unsagbare Schmerz sich Bahn schlägt. Nun kann es zu seltenen Momenten von echter Authentizität kommen und nun könnte ein sensibler und gefestigter Partner ihn mit seinem Mitgefühl und seinem Verständnis auffangen, ja regelrecht empfangen. Ein ganz anderer Mensch kommt zum Vorschein. Es können (erste) Momente von echter Nähe, Vertrautheit und Verbundenheit entstehen – jenseits der jahrelang getragenen (Schutz-)Masken.

In allen anderen Fällen ist für einen hochsensiblen Menschen wohl eher ratsam, die Notbremse zu ziehen, einen letzten Rest Selbstfürsorge und Kraft aufzubringen, um sich aus einer dysfunktionalen Beziehung mit einem Narzissten zu lösen (auch wenn dabei die gekränkte Wut eines Narzissten geweckt wird). Nach einigem Abstand, trotz all der erfahrenen Kränkungen und Enttäuschungen, mag es sogar gelingen, darüber nachzudenken, was man aus dieser Beziehung über sich selbst gelernt hat, welche Reifung in der Persönlichkeit nun eintreten kann – oder schon eingetreten ist. Eine (ehemalige) Beziehung mit einem Narzissten auch als Chance zum Wachsen zu sehen.

Warst du schon einmal in einer Beziehung mit einem Narzissten?
Was hast du daraus gelernt?

 

P.S. Wenn dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn du ihn bei Facebook likest oder mit deinen Freunden teilst.


Quellenachweise:
Sylvia Harke: Hochsensibel – was tun? & Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet*
Ulrike Hensel: Mit viel Feingefühl: Hochsensibilität verstehen und wertschätzen*
Claude-Bettina Anhoeck: Diskurs über HSP im Vergleich mit NPS
Bilder: pixabay by geralt, unsplash by ryan moreno

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Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker. Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit. Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

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22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Oliver,auch dein zweiter Teil über Narzissmus,hat mir auch gut gefallen.Ich lerne immer sehr viel über deine Blogs.So kann ich dann auch einige Menschen besser verstehn und ihre Beweggründe erkennen!
    Liebe Grüße
    Birgit

  2. Ja, da gibt es wohl leider einen Zusammenhang. Ist mir auch passiert, aber zum Glück nicht nochmal. Die Jahre mit einem narzissten haben mich so geprägt/ traumatisiert dass ich sie danach schon von weitem erkannt hab. damals hatte ich weder von narzissmuss noch von hochsensibel je was gehört. Das wäre sicher leichter gewesen
    Leider entkommt man ihnen z.b. im Job nicht immer. Aber eine Beziehung sicher nie wieder! Man kann gar nicht genug darüber schreiben um andere zu warnen.

    • Hi Mitch,

      vielen Dank!

      Du darfst gerne den Beitrag auf deiner Webseite verlinken. Bitte nur nicht den ganzen Text eins zu eins kopieren und veröffentlichen, das ist doppelt Content und wird von Google abgestraft!

      Viele Grüße auf die Peloponnes, ich war da auch schon, ist herrlich 🙂
      Oliver

  3. Was ich aus den Beziehungen mit Narzissten als Hochsensible gelernt habe?! Frei zu sein, mir zu vertrauen und zu mir zu stehen. Außerdem fällt mir das Loslassen wesentlich leichter. Alles in Allem waren diese schmerzhaften Erfahrungen notwendig, um zu mir selbst zu finden. MANCHMAL, wenn ich ganz leise versucht habe zu mir zu stehen, kam die Angst hoch selbst ein Narzisst zu sein. Das hat mich immer wieder zurück gehalten. Aber letzten Endes habe ich es geschafft. Fazit: das Schlechte hatte auch was Gutes :-).

    Danke für diesen Artikel .

  4. Hallo Oliver,

    ein wirklich guter und interessanter Beitrag zum Thema Hochsensibilität und Narzissmus. Eine gute Ergänzung zum vorhergehenden Artikel über das Thema, bei dem ich auch schon einen Kommentar hinterlassen habe.

    Ich lese dein Blog wirklich mit großem Interesse und habe auch dein Buch in meiner Sammlung. Insgesamt finde ich deine Denkansätze immer sehr inspirierend, auch wenn ich nicht in jedem Detail damit übereinstimme (was ja auch nicht Sinn und Zweck ist).

    In der Beschreibung des entgrenzten Ichs finde ich viele Eigenschaften meiner Persönlichkeit wieder. Ich würde mich nicht zu 100% als hochsensibel bezeichnen, habe aber auch Probleme meine starke und männliche Seite nach außen zu tragen. Gründe dafür liegen eher in meiner Vergangenheit als in meinen Genen (wobei auch mein Vater mir ähnliche Charakteristika aufwies). Zum einen litt ich in meiner Schulzeit an einer Krankheit, die mich „demütigte“ und in eine (körperliche) Außenseiterposition zwang. Daraufhin entwickelte ich die Taktik, meine äußerlichen Defizite mit inneren Werten, Hilfsbereitschaft, Emotionalität, Empathie und hohen moralischen Ansprüchen auszugleichen (was ich dann wohl übertrieb). Zum anderen verlor ich im Alter von 14 Jahren meinen Vater durch einen Motorradunfall. Meine männliche Identifikationsfigur war urplötzlich weg, es blieben mir noch meine (autoritäre) Mutter und meine Schwester. Diese Ereignisse, zusammen mit kleinen Kränkungen und Krisen, die sicher jeder hat, prägen mich bis heute.

    Ich bin froh, dass ich es geschafft habe jetzt in stabilen Verhältnissen zu leben mit einem Job, der mir Spaß macht, und einem sehr intakten Familien- und Freundeskreis. Mein Verhalten und mein Charakter erschweren mein Leben aber trotzdem immer wieder, weshalb ich wohl auch das „Glück“ hatte, dass eine Narzisstin in einer 5jährigen Beziehung mein Leben bestimmte.

    Wie du es so schön beschreibst ist es ein Suchen und Finden. Wir ergänzten uns ja ganz gut. Ich war beeindruckt von ihrer Stärke und ihrem Selbstbewusstsein bekam zuerst einmal alles, was ich mir wünschte von ihr „gespiegelt“. Sie bekam ebenso ihre benötigte Zufuhr an Bestätigung und Anerkennung von mir. Im Laufe der Zeit wird es unmerklich destruktiver, wenn der Alltag einkehrt und alles etwas nüchterner wird und man auch mal kritisch hinterfragen muss. Ein Vorgang den man auf diversen Websites und in diversen Büchern gut nachlesen kann. Es spielt sich wohl immer gleich ab. Für einen „Wissenden“ oder sehr selbstbewussten Menschen wohl leicht zu erkennen…für einen „Unwissenden“ mit „passender“ Persönlichkeit unfassbar.

    Für mich ist nun der Absprung geschafft. Ich lebe seit 2 Monaten getrennt, seit einem Monat komplett ohne Kontakt. Für mich ist es eine Art Befreiung und ich fühle mich erleichtert und recht wohl in meiner Haut. Nach den Schamgefühlen kurz danach fühle ich mich nun eher stolz, dass ich mich trotzdem sehr oft gegen die manipulativen und verletzenden Übergriffe gewehrt und meine Freunde und meine Familie nie vernachlässigt habe. Oft denke ich nun auch über mich und mein Verhalten in der Beziehung nach, reflektiere und weiß, dass ich etwas ändern muss. Zur Zeit achte ich bewusst darauf, nicht alles zu akzeptieren, nein zu sagen und Grenzen deutlich zu machen. Es fällt mir schwer und braucht Übung, aber jeder Erfolg bringt mich ein Stück weiter.

    Daher kann ich mich dem Kommentar vor mir nur anschließen. Das Schlechte hat auch etwas Gutes gebracht: Eine große Portion Selbsterkenntnis und die Einsicht, dass ein kleines bisschen gesunder Narzissmus nicht schaden kann.

    Zum Schluss nochmal einen Gruß und Dank an dich, Oliver. Mach weiter so!

    • Hi Daniel,

      ganz herzlichen Dank für deinen wertschätzenden und ausführlichen Kommentar. Schön, dass dich meine Arbeit so inspiriert.

      Zum Thema Ursachen/Ursprung einer Hochsensibilität. Es ist die alte Frage: Was war zuerst da: Ei oder Hehne? Bis heute beschäftige ich mich mit der Frage, ob meine Hochsensibilität nicht einfach eine Folge meiner schwierigen Vergangenheit ist. Ganz ähnlich deinen Beschreibungen. Ausnahmslos jede HSP, die ich in den letzten 2 Jahren kennengelernt habe, hatte eine schwierige, mitunter traumatische Vergangenheit, soweit ich das erfahren habe. Ich bleibe bei dem, was ich gelesen und für mich reflektiert habe: Es ist ein Charakterzug, der sich aber durch traumatische Erlebnisse in Sachen Reizempfindlichkeit etc. erheblich verstärken kann. Neuere Forschungen von Elaine Aron (der Pionierin) belegen, dass auch Menschen mit einer vergleichsweisen „normalen“ oder glücklichen Vergangenheit (Kindheit/Jugend) eine hochsensible Anlage haben können.

      Aber warum immer in der Vergangenheit und nach Erklärungen forschen, so mein neuer Ansatz? Fakt ist, du, ich und viele andere HSP haben nun mal dieses besonders ausgeprägte Nervensystem mit all seinen Merkmalen. Was machen wir HEUTE daraus? In den kritischen Kommentaren und Berichten gegenüber der Entstehung von Hochsensibilität, lese ich eigentlich immer nur Pathologisches heraus, einer psychischen Erkrankung gleichgesetzt. Dabei werden völlig die positiven Aspekte einer HS außer Acht gelassen. Wie du es auch erlebt hast: Empathie, Moral, Verständnis, Verantwortung etc.

      Für mich geht es immer mehr darum, zu schauen, was ich mit meinen Werten, Überzeugungen, Verhaltensweisen bewirken kann, wie ich mich einbringen kann in mein Umfeld, anstatt andauernd nach dem Woher/Warum zu fragen, wobei ich das immer noch spannend finde, aber es ändert sich gerade.

      Glückwunsch zum Absprung. Deine Beschreibungen zu den Verhaltensweisen, der Anfangsphase eurer Beziehung, sind wohl ziemlich typisch für eine narzisstische Persönlichkeit. Wobei ich ja, wie du sicherlich gelesen hast, immer wieder dafür plädiere, nicht vorschnell jemanden den Stempel „Narzisst“ aufzudrücken. Zwischen narzisstischen (normalen) Tendenzen und einer destruktiven, narzisstischen Persönlichkeit besteht ein himmelweiter Unterschied! Aber das weißt du sicherlich 🙂

      Ich lerne ja auch ständig durch das Schreiben der Artikel dazu. Im Grunde ist es fast so, dass ich die Artikel für mich schreiben, weil mich ein Thema brennend interessiert, mitunter auch umtreibt und ich darüber lernen möchte 🙂 Das Thema brennt in mir und möchte in die Welt, so mein Eindruck!
      Ein Kommentator auf Facebook meinte, Narzissmus sei nur die Schatten/Anti-Seite von Hochsensibilität. Das sehe ich nicht so, das ist mir zu vereinfacht, undifferenziert. Aber eine Anziehung besteht, von beiden Seiten, HSP wie Narzisst, und darüber gilt es nachzudenken, zu reflektieren.

      Deshalb möchte ich in einem nächsten Artikel genau diese vermeintlichen Ähnlichkeiten von Narzissten und Hochsensiblen genauer untersuchen, als eine weitere Fortführung des Themas.

      Also, nochmals Danke für deinen Kommentar und alles Liebe – und ja, ich versuche so weiterzumachen 🙂

      Liebe Grüße an dich, oliver

  5. Hey Oliver,

    Danke für deine wertvolle Arbeit hier.

    hier mein Erfahrungsbericht:

    Ich stand auf der Liste eines Narzissten, der seit 10 Jahren in Therapie ist, wobei er jede Woche eine Stunde lang seine GRANDIOSITÄT trainieren kann. Die Beziehung scheiterte aufgrund meiner Toleranz und Diplomatie (als Schwächen) erst nach einem Jahr.

    Was ich gelernt habe:
    • Ich werde mich niemals wieder so abwerten lassen.
    • Ich werde niemals wieder so naiv sein und mich so täuschen lassen.
    • Nie wieder wird mich jemand so respektlos behandeln. Nie wieder!
    • Nie wieder wird mich jemand so demütigen.
    • Nie wieder werde ich Liebe mit Schmerz verwechseln.
    • beziehungsbedürftig ist ungleich beziehungsfähig
    • Zeitverschwendung, Energieverschwendung, wahnsinniger Aufwand.

    Positive Seiten:
    • Ich konnte meine Schuldgefühle, vor allem sexuelle erkennen, annehmen und loslassen
    • Ich habe die Welt besser kennen gelernt.
    • Differenzieren gelernt. Mit welchen Menschen, Gedanken und Problemen werde ich mich in Zukunft umgeben, um meine Energie nicht zu verschwenden?
    • Ich muss mich nicht erniedrigen lassen, um meinen Selbstwert zu erkennen. Er ist auch so da und will gepflegt und genährt werden, was mit einem narzisstischen Sadisten als Partner sicher nicht funktioniert. Das ist eine Tatsache.
    • Liebe ist ungleich Schmerz und Hass. Die Form von Liebe, die ich mir ersehne, die ist bedingungslos, gebend und nährend…
    • Ich hab mich selbst wieder.
    • Ich habe mich von belastenden Phantasien (psychischen Störfrequenzen) befreien können.
    • Dadurch, dass ich so tief verletzt worden bin (emotionale Erinnerung) konnte ich alte Traumen aufarbeiten.
    • Die Einstellung zu Sex und meinem Körper hat sich wesentlich verbessert, indem ich einen intensiven Kontakt zu meinem Selbst auf drei Ebenen hergestellt habe.

    Es war harte Schule, die ich nicht missen aber auch nicht wiederholen möchte. Ist Freiheit eigentlich das Gegenteil von Sicherheit? Ist Sicherheit Gefangenschaft? In mir finde ich Geborgenheit und Sicherheit. Es ist in mir, in jedem.

    alles Liebe

    • Hallo Barbara,

      Als Betroffener kann ich nur sagen, dass Du für mich mit den aufgezählten Punkten den Nagel auf den Kopf triffst. Danke, Liebe Grüße Hans Peter

  6. Hallo Oliver, danke für diesen wertvollen Beitrag! Schon beim Lesen des Titels ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen.
    Meine Erfahrung aus einer solchen Beziehung: ich bin gewachsen. Schritt um Schritt bis ich zu 100% auf meine Wahrnehmung vertraut habe und zu mir gestanden bin. Insofern war es die wichtigste Beziehung meines Lebens.
    Als ich gerade den Artikel gelesen habe, ist mir klar geworden: ich habe diese Resonanz nicht mehr. Jetzt fühle ich mich zu anderen Männern hingezogen und andere Männer kommen auf mich zu.
    Danke Oliver, dass du mir das bewusst gemacht hast und danke mir, dass ich diesen Weg konsequent zu mir gegangen bin 🙂

    • Liebe Karoline,

      das ist sehr schön zu lesen, und zeigt, dass es tatsächlich möglich ist, sich aus solchen destruktiven inneren Glaubenssätzen zu befreien, und letztendlich dadurch eine ganz neue Ausstrahlung zu erlangen!

      Danke für deinen Kommentar.

      Alles Liebe, Oliver

  7. Es gibt Ratgeber wie man sich vom Narzissten trennt oder wie man mit einem Narzissten umgeht. Ebenso wird in vielen Internetforen oder Gruppen bei Facebook darüber diskutiert, wie man mit seinem narzisstischen Partner umgeht bzw.. wie er mit einem umgegangen ist. Darin findet man aber häufig nichts vom Umgang mit sich oder seinen eigenen narzisstischen Bedürftigkeiten, die vor der Beziehung schon vorhanden waren und/ oder während der Beziehung gefüttert wurden. Leider sind solche Ratgeber oder Gruppen wenig hilfreich, wenn es darum geht selbst zu reflektieren. Der Narzisst wird „immer“ als der Böse Teil oder Täter dargestellt, obwohl es niemals seine Absicht war, böse zu sein, es sei denn er ist maligne, nur dann liegt wie bekannt nicht bloß eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vor.
    Die Frau dagegen ist das Opfer, obwohl sie eigentlich während der Beziehung als Co-Narzisstin in Erscheinung trat bzw. zur Co-Narzisstin wurde.
    „Warum war ich so lange mit dem Narzissten zusammen? Warum habe ich mich manipulieren lassen? Ich hätte mich schon viel früher trennen können, aber ich konnte nicht, warum konnte ich das nicht?“
    Diese Fragen werden nicht beantwortet, geschweige denn überhaupt gestellt. Als Opfer ist es wunderbar einfach, die alleinige Schuld beim Täter zu suchen, denn Selbstreflektion ist zu anstrengend und teilweise auch gar nicht mehr möglich.
    Jeder Mensch hat narzisstische Anteile in sich, das ist bewiesen, nur nicht jeder Mensch ist dadurch im Sinne des ICD-10 an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erkrankt. Viele Narzissten sind sich oftmals nicht bewusst, dass sie daran erkrankt sind und ihr Umfeld unter ihnen leidet.
    In der „narzisstischen Kollusion“ treffen sich Narzisst und „Co“- bzw. „Komplementärnarzisst“ zur wechselseitigen Befriedigung ihrer Bedürfniswelten. Während der eine die Bewunderung, Verehrung und Bestätigung genießt, fühlt sich der andere sich durch die demonstrierte Grandiosität und ggf. die materiellen Erfolge des Partners mit aufgewertet. Dabei hat der Co-Narzisst meistens die gleichen seelischen Probleme (hohe Kränkbarkeit, Sehnsucht nach Akzeptanz, Liebe und Verständnis), wählt nur einen anderen Weg, um sein Defizit zu stillen. Er identifiziert sich mit dem überlegenen Partner, um über die Zugehörigkeit zum Idealisierten eine Aufwertung der eigenen Person zu erfahren. Daher müssen der Glorienschein erhalten und Mängel ignoriert oder ausgeglichen werden.
    Der Komplementärnarzisst (Partnerin oder Partner) empfinden die eigennützige Behandlung zunächst nicht als eine Zurücksetzung, sondern empfinden eine große Genugtuung, ihnen zu Diensten zu sein und ihnen dadurch Freude zu bereiten, wollen es dem Narzissten in jeder Hinsicht recht zu machen und ärgern sich oder klagen sich selbst an, wenn es ihnen nicht gelingt.
    Diese Form der Idealisierung innerhalb einer Beziehung hat viel mit der Beziehung des Narzissten zur eigenen Mutter zu tun. Der Narzisst (oder auch das kleine Kind) denkt, er bekomme nur unter bestimmten Vorraussetzungen die Liebe und Anerkennung seiner Mutter und unterdrückt somit seine eigenen Gefühle. Er bekommt den Eindruck vermittelt, dass sich echte Gefühle wie Trauer oder Wut nicht lohnen oder dass die eigene Verletzlichkeit nicht gern gesehen wird. Andersherum ist das Kind dazu da, die narzisstischen Anteile der Mutter zu füttern, um dadurch die benötigte Aufmerksamkeit zu erfahren. Um das Bild der Liebe der Mutter zu schützen, idealisiert de Narzisst seine Mutter und lässt keine negativen Gefühle zu oder verleugnet die Fehler, denn nur so bekommt er die Liebe von seiner Mutter, wenn er ihren Erwartungen entspricht und auf seine Bedürfnisse keinerlei Rücksicht nimmt. Dieses Abhängigkeitsverhalten überträgt sich dann am Ende auch auf die Partnerin oder Co-Narzisstin. Der Narzisst tut am Anfang alles um die Liebe seiner Partnerin zu erhalten. Er umgarnt sie mit viel Charme. Die Partnerin genießt die Aufmerksamkeit und Bestätigung ihres Partners in vollen Zügen. Gleichzeitig aber hat der Narzisst Angst vor der Einmischung in seine Autonomität, weil er in dem Punkt eine große Verletzlichkeit offenbart. Im Ergebnis erleben die Partnerinnen von Menschen mit hohen narzisstischen Persönlichkeitsanteilen meist ein Wechselbad der Gefühle von Anziehung und Abstoßung. Erobernde Werbung oder kalte Zurückweisung werden danach gesteuert, wo die ersehnte Bewunderung gerade am vielversprechendsten oder am „sättigendsten“ erscheint: ob vom Partner oder in der „freien Wildbahn“. Ist der narzisstische Partner zulange auf Bestätigungs-Entzug, wird er schnell zu einem Ausbund an schlechter Laune und ewiger Kritik. Die Partnerin wird emotional entbehrlich, weil sie ungewollt, viele Persönlichkeitsmerkmale der narzisstischen Kindsmutter angenommen hat. Gleichzeitig werden Ihre eigenen narzisstischen Anteile gefüttert. Sie hat sich an die Bestätigung und Anerkennung gewöhnt. In dem Falle hat die Übertragung bereits angefangen.
    Die oft typischen (nicht immer) Partnerinnen von Narzissten sind bescheidene Menschen, die es gewohnt sind, sich anzupassen und ein geringes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Diese Menschen sind von Kindheit an gewohnt, zurückzustehen und entwertet zu werden, haben gelernt, ihre eigenen Wünsche nicht so wichtig zu nehmen und sich auf die Bedürfnisse anderer einzustellen. Diese Menschen neigen dazu, ihr Ideal-Selbst, d.h. die Vorstellung davon, wie sie sein möchten, auf einen idealisierten Partner zu projizieren, um sich so mit ihm zu identifizieren und zu einem eigenen akzeptablen Selbst zu gelangen. Die Partnerinnen leben den Modus der Unterwerfung.
    Die Partnerinnen können nicht mehr ohne diese Form der Zuwendung leben und machen sich von ihrem Partner abhängig. Sie tun nun auch alles, um die Bestätigung ihres Narzissten zu erhalten. Sie unterwerfen sich, oftmals aus Angst vor weiteren Verletzungen und vor Zurückweisung. Der Narzisst suggeriert ihnen dann in abwertenderweise, dass sie ohne ihn nicht können und die Partnerin glaubt ihm oftmals. Sie nimmt in diesem Falle die Rolle des Opfers ein, die der Narzisst in der Beziehung zu seinen Eltern inne hatte, mit dem feinen Unterschied, dass die Partnerin kein Kind mehr ist.
    Zu einer Partnerschaft gehören allerdings immer zwei – und jeder trägt für das, was er tut und lässt, oder was er zu erdulden bereit ist, selbst Verantwortung. Für Beziehungen, in denen die jeweiligen neurotischen Schwächen der Partner wie Schlüssel und Schloss zusammen passen, hat der eidgenössische Paartherapeut Jürg Willi den Begriff der „Kollusion“ geprägt.
    Man darf dabei nicht unterschätzen, dass der Narzisst ob seines ungehemmten Egoismus auch Schuldgefühle hat. Diese werden jedoch in aller Regel verdrängt oder projiziert bzw. wandeln sich um in Aggression, Kritiksucht und sogar Demütigung des Co-Narzissten. Opfert sich dieser daraufhin noch mehr auf, wird noch devoter, verstärken sich wiederum sowohl Schuldgefühle als auch Kritik des Narzissten. D.h. er wird umso mehr Täter, je mehr der andere Opfer wird und umgekehrt.
    Im einen Fall empfindet der Narzisst entweder die abhängige, teils demütige Haltung des kritiklosen Bewunderers als einengend, unwürdig oder gar verachtenswert. Oder er findet einen gesellschaftlich höherwertigeren Bewunderer, der die Brüchigkeit seines Charme-Repertoires noch nicht durchschaut. Im anderen Fall reift beim Co-Narzissten irgendwann der Impuls heran, selbstständiger zu werden. Dann beginnt er, sich gegen die als demütigend erlebte Selbstherrlichkeit des narzisstischen Partners zu wehren und begehrt gegen dessen kalte Rücksichtslosigkeit auf. Im darauf folgenden Stadium gegenseitiger Schuldzuweisungen bleibt den Betroffenen der entscheidende Erkenntnisschritt in aller Regel verwehrt: Den aktuellen Konflikt in Bezug zu setzen mit den anfänglichen, jeweils beziehungsstiftenden Bedürftigkeiten. Die meisten diagnostizierten Narzissten haben aus diesem Grund auch den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen, weil die Mutter sich nach wie vor in das Leben des Narzissten einmischt, seine Autonomie mit Füßen tritt um am Ende ihre eigene Bedürftigkeit nach Anerkennung und Bestätigung zu stillen, während der Narzisst gezwungenermaßen auf seine Bedürfnisse verzichtet, um die Liebe der Mutter nicht zu verlieren.
    Im Ergebnis benötigen nun beide eine Therapie. Der Narzisst wegen seiner Mutter und die Partnerin wegen ihrem Narzissten.

    Genauso verhält sich die Beziehung der narzisstischen Persönlichkeiten mit der Gesellschaft. Die Gesellschaft erwartet ein entsprechendes Auftreten. Getreu dem Motto „Haste nix, biste nix“ werden nun Marionetten gezeugt, die sich im Sinne der Gesellschaft darstellen und präsentieren- keine Schwächen zulassen, wenn man auf der Gewinnerseite mitschwimmen will. Seine Schuldgefühle kompensiert der Narzisst mit weiteren dysfunktionalen Verhaltensweisen, die eine Aufarbeitung seiner Persönlichkeitsmerkmale weiterhin verhindert, denn nur ein Narzisst der unter seiner Erkrankung leidet, weil er die direkten Rückmeldungen seines Umfeldes nicht mehr verkraften oder kompensieren kann, lässt sich helfen in Form einer Therapie oder stationären Behandlung.

    • Dieser Kommentar ist sehr interessant, allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass in dem Moment, als ich mich entschied, kein Opfer mehr zu sein, ich noch gar nicht wusste, worum es sich eigentlich handelte. Dass ich mit einem NPSLER 16 Jahre zusammen war, entdeckte ich 3 Jahre nach! der Trennung. Bevor ich das entdeckte, kreisten meine Gedanken dauernd um die eigenen Anteile und der Suche meiner Schuld am Scheitern der Ehe. Schließlich wollte ich daraus lernen!
      Und nun erkenne ich viele Stellen, an denen mein Ex andocken konnte bei mir. Das Problem vieler Ex-Opfer ist die Wut und der Hass auf das, was ihnen angetan wurde. (Und das sind ja oftmals richtig schlimme Gewalterfahrungen! )
      Opfer ist man IN so einer Beziehung, danach bist du es nicht mehr, weil der Opferstatus beendet wurde. Auch heute muss ich mir das ab und an noch bewusst machen.
      Es bedarf jahrelanger Aufarbeitung einer solchen Beziehung. Nicht jeder Überlebende einer solchen Beziehung hat die Kraft , die Zeit und vor allem den Mut dazu. Oft schämt man sich ja auch, sich so lange so mies behandelt haben zu lassen.
      Ich finde es gut, dass es solche Gruppen gibt mit Menschen, die dasselbe erlebt haben. Für viele sind diese wirklich überlebenswichtig, glaube ich.
      Das Thema wird zwar immer bekannter, aber es ist immer noch ein einsames Wandeln mit diesen unsichtbaren Narben.
      Und wenn dort die Opfer klagen, dann ist das auch ihr gutes Recht. Denn zu lange haben sie richtig richtig schlimm gelitten. Jahrzehnte lang. Eigene Kinder entfremdet, sexueller Missbrauch sind da Themen. Die Frage „Was ist denn Dein eigener Anteil daran?“ Muss m.M.n.mit sehr großem Respekt gestellt werden. …denn die Selbstreflexion kann sehr schmerzhaft sein. Das ist mit jahrelanger „Arbeit“an einem selbst verbunden!
      Und ….wenn man durch so eine schlimme Erfahrung geschliffen wurde, will man oft einfach es auch wieder leicht und schön haben.
      Ich persönlich war sehr froh über die Erkenntnis, daß die große Unbekannte der Narzissmus war, und nicht mein Unvermögen, auf meinen Ex richtig einzugehen.
      Und zu erkennen, dass meine eigene Geschichte zwar Anteil daran hatte, ist mir auch nicht neu gewesen, aber dass die fehlende Mutterliebe /Liebe nur durch Leistung etc meines Exmannes uns SO einen Strick draus drehen würde…. das war schlicht und einfach wesentlich stärker.
      Daraus habe ich gelernt bedingungslos zu lieben. Meine Kinder, mich, mein Leben.
      Ich habe eine Beziehung mit einem NPSLER überlebt und meine Kinder gerettet.
      Schreib das mal 🙂 so als Ex-Opfer.
      Liebe Grüße, Eva

  8. Hallo Oliver,
    Danke für Ihre super Beiträge zum Thema!

    Darf ich einen Wunsch äußern, so kurz vor Weihmachten? Ich würde von Ihnen gerne etwas über die Rolle Narziss als Elternteil, vor allem im Trennungsfall, lesen. Das wäre für mich sehr wichtig

    Viele Grüße und einen schönen ersten Advent
    Sandra

  9. Hallo Oliver, von ganzem Herzen DANKE für diesen Beitrag!
    Bisher dachte ich, mein Ex-Mann sei ein Psychopath. Einiges jedoch passte nicht. Z.B. enorme Feigheit gegenüber mutiger Stärke, wie auch unfähig zu Eigen-Initiative.
    Nun wurde mir durch deine Erklärung einiges Bewusst. Narzisst, genau das trifft es. Jahrelang war ich zutiefst Traumatisiert, und konnte so vieles nicht verstehn. Ich litt unter schlimmster Angst-Erkrankung ( Panik Attacken ) konnte das Haus lange Zeit nicht mehr verlassen. Trotzdem fing ich an, mich durchzusetzen. Da er ja unfähig ist, alleine zu sein, suchte und fand er eine Freundin, wollte jedoch weiterhin bleiben. Familie, Ehefrau und Freundin. Gott sei Dank hatte ich dadurch den Mut, mich zu trennen. Auch, weil er anfing, Gewalttätig zu werden, weil ich mich nicht mehr fügte. Und weil ich meinen Kindern ein gutes Vorbild sein wollte.
    Warum er dann weiter Psycho-Terror betrieb, verstand ich Anfangs nicht. Dies gelang ihm jedoch nur solange, bis ich verstand ,, Er kann mich nur so lange quälen, solange ich dies mit mir machen lasse ,,!
    Also stellte ich mich aufrecht hin, machte mir meine Stärke und meinen Wert bewusst, und liess mich nicht mehr Erniedrigen! Von da an, konnte er mir nicht mehr in die Augen sehn und hatte sogar Angst vor mir.
    Jedenfalls, das Ganze führte dazu, dass sich aus meiner Hochsensibilität eine starke, gute Gabe entwickelte. Das Erlebte zeigte mir, dass Hochsensibilität ein wundervolles Geschenk ist. Ich arbeitete an mir, lernte vieles dazu, und entwickelte ein starkes, mutiges ICH 🙂
    Es ist keine Trauer mehr in mir! Da ich verstand, warum er so ist, wie sehr er gelitten hat als Kind, gibt es auch keine Hassgefühle. Gott sei Dank!
    Ich wusste zuvor nicht, dass es Menschen gibt, die keinerlei Einfühlungsvermögen haben. Und ich war meinen intensiven Gefühlen, zu sehr ausgeliefert.
    Heute bin ich sehr froh, um meine Hochsensibilität, da Sie mich sehr Stark machte!
    Liebs Grüessli Els

  10. Ich setze mich gerade sehr intensiv mit diesem ganzen Themenkreis auseinander, ich bin dankbar diese Informationen und Hintergründe so deutlich vor Augen geführt zu bekommen, Danke

    • Lieber Friedeman,

      das freut mich, dass ich dir mit diesem Artikel weiterhelfen konnte.

      Weiterhin viel Erfolg & Erkenntnis mit diesem Thema.

      LG, Oliver

  11. Hallo

    Natürlich sind wir selbst die Jenen, die sich einlassen oder in Narzissten verlieben. Dennoch bleibt es von Anfang an eine LÜGE, eine Maske und nicht mehr. Und deshalb denke ich, ist es nicht verwunderlich, dass ein Narzisst dann auch genau den Schwachpunkt bei seinem Partner sucht und findet, denn jeder Mensch hat irgendwann eine Erfahrung gemacht, die ihn geprägt hat. Narzissten suchen sich bedürftige Partner, evtl. z.B. einen der schon lange Single ist, frisch geschieden ect…und da liegt die Bösartigkeit. Denn diese PSler wissen was sie tun und reißen die Wunde noch mehr auf. Zerstörer, so benannte er sich selbst in unserer Zeit. Ich habe daraus gelernt, erkenne diese Menschen schon Kilometer- weit, kognitiv aufgearbeitet. Aber auch in mir wieder aufgeräumt, denn ich war frisch getrennt als ich ihn traf und nun gehe ich ihm absolut aus dem Weg, kein Kontakt. Was er für Storys erzählt ist mir egal, dass muss man zuletzt lernen. Eine hochsensible Person reißt es weg, wenn Signale ignoriert werden. Signale sind Drohungen wie :“Irgendwann wirst du mich hassen!“. Das hat er gesagt und ich hasse nichts und niemanden….nun blöd für ihn, denn so kann er sich selbst mit seiner Wut auseinandersetzen.

  12. Hallo.
    Nun, ob und was aus Cluster B ist nun nur noch wichtig um zu sehen wie weiter.
    Narzissten schleichen sich immer wieder mal in dein Leben nach der Beziehung, Borderliner haben kein emotionales Gedächtnis und du warst „nie da“, alles schöne vergessen, als ob du eine entfernte Bekannte seist.
    Hier liegt der UNterschied, denn Narzissten neigen dazu, immer mal wieder vorhanden zu sein in deinem Leben. Was für PSler er ist egal, nur die Zukunft ist dabei im Auge zu behalten : kein Kontakt mehr, egal was kommt:-)

  13. Hallo, ich möchte hierbei kurz anmerken, dass auch Frauen Narzissten oder Psychopathen sein können.. wobei es sich bei meiner Exfreundin wohl um einen negativen Narzissten handeln dürfte. Das ist scheinbar bei Frauen eher der Fall und äußert sich nicht so offensichtlich. Das durfte ich nun nach 1,5 Jahren schmerzlich feststellen. Es ist schier unfassbar, wie mir die Augen aufgingen, als ich mit einer Freundin darüber sprach und sie meinte, ich solle mal nach Narzissten oder Psychopath googeln. Plötzlich ergab alles einen Sinn, es passte wie die wohlbekannte Faust aufs Auge. Nahezu jede Taktik, jedes Verhaltensmerkmal konnte ich bei meiner – nun mittlerweile seit fünf Wochen – Ex-Freundin wiederfinden. Sie hat sich die Welt zurechtgedreht und gebogen, wie es ihr beliebte und ich hatte zu funktionieren und leidete darunter. Vor Freunden hinter meinem Rücken schlechtgemacht, isoliert und immer war ich schuld. Es ist unglaublich, wie lange man das mit sich selbst machen lässt, zumindest im Nachhinein betrachtet. Sie hat mich über die kompletten 1,5 Jahre mit einem verheirateten Mann betrogen, den sie nebenher laufen lies. Keine Skrupel, keine Gewissensbisse. Liebe und Aufmerksamkeit von zwei Männern, muss toll für sie gewesen sein. Ich hatte zwar immer wieder sehr viele Ungereimtheiten entdeckt und idiotischerweise eigentlich sogar Beweise dafür, aber sie hat mich immer wieder davon überzeugt, dass da nichts sei, sie nur mich liebt und hat den Spieß umgedreht. Du gehst mir fremd, hast kein Vertrauen, bist wahnsinnig etc und das obwohl ich sie nazu dabei erwischt habe. Ohne jeden Skrupel von meinem Bett in seines und zurück, über Monate hinweg und redete von Kindern und Hochzeit. Narzissten haben immer! eine Ausrede und machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt. Sie schaffen es, dich in den Grundpfeilern deiner Überzeugung zu erschüttern und bringen dich soweit, dass du deinen eigenen Augen nicht glaubst! Dachte niemals, dass dies möglich sei. Vielleicht ist es dumm, naiv, aber sie erwischte mich immer in „schwachen Phasen“ und das Spiel begann von neuem. Ich muss dazu sagen, dass meine Mutter damals nach kurzer aber schlimmen Krankheit verstarb. Ich hatte mich mehrfach getrennt, dann begannen ihre Spielchen und das geschickte Setzen von Weichen, damit man fast dazu geleitet wird, wieder in die Falle zu tappen. Kurzum, ich habe ihr wieder eine x-te Chance geben, weil sie heulend ankam, von Kindern und Liebe redete und nach nichtmal fünf Wochen hat sie mich wieder belogen und betrogen. Sie erzählte mir, sie sei mit ihrer Freundin im Urlaub, schöne Geschichte, total ausgeschmückt, nur dass ich in dieser Zeit ihre Freundin in der Stadt getroffen habe.. 🙁 Ihrer Aussage nach bin ich nun ein Stalker und irre, weil sie eine wahnwitzige Erklärung mit mehrfachen Lücken für das ganze parat hatte..
    Ich habe den Kontakt abgebrochen und werde dies auch beibehalten. Das war wohl der so häufig erwähnte Tropfen.. Sie zeigt null Reue, überhaupt keine Einsicht, sondern versucht wie beschrieben, ihre Maske gegen alle Fakten und die Realität aufrecht zu halten.
    Das Problem an der ganzen Sache ist einfach nur, dass man nicht davon ausgeht, derart schlechte Menschen zu treffen und auf diese Psychospielchen und Manipulationen einfach anspringt.. Meine Frage ist, sind derartige Menschen böse? Agieren sie bewusst so, bzw. wissen sie, was sie machen? Oder sind sie sich dessen nicht bewusst und lediglich Opfer ihrer Krankheit/Störung? Glauben sie ihre an die Wirklichkeit, die sie auch ihren Partner verkaufen wollen, um den Schein zu wahren?

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