Warum eine wertschätzende und gewaltfreie Kommunikation für Dich so bereichernd sein kann

Du sehnst Dich nach einer aufrichtigen und authentischen Kommunikation, bei der Du deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse und die Deines Gegenüber wahrnehmen und ausdrücken kannst?

In Alltagssituationen, auf Partys oder beruflichen Zusammentreffen, verstecken wir uns sehr oft hinter unseren (Schutz) Masken. Wir zeigen uns nicht richtig, sondern nur einen kleinen Anteil von uns. Hinter dieser Maske verbergen sich unsere ursprünglichen Absichten, Gefühle, Bedürfnisse, Prägungen und Verletzungen.

Es entsteht kein wirklicher Kontakt, keine Verbindung zu dem gegenüber. Niemand hört dem anderen wirklich zu, alle warten nur auf die nächste Gelegenheit wieder selbst zu sprechen. Ein Schauspiel unserer aufgesetzten Masken. Eine perfekte Show.

In den letzten Jahren konnte ich dieses Schauspiel sehr oft erleben – bei mir und bei anderen. Auch ich setzte in vielen Situtationen diese Maske auf und spielte eine gewisse Rolle. Ich zeigte mich nicht wirklich – aus Angst, mein Gegenüber könnte meine dahinterliegenden Gefühle, Absichten und Ängste erkennen.

Für mich als hochsensiblen Menschen gehört es zu einen meiner größten Herzenswünsche, mich auf tiefer Ebene mit anderen Menschen zu verbinden. Ich sehne mich nach bereichernden und weiterbringenden Gesprächen, die mich inspirieren und im besten Fall auch mein Gegenüber. Nach Verbindung und Kontakt auf Herzensebene, weil dies eine der schönsten Erfahrungen ist, die wir als Menschen im Austausch mit anderen machen können.

Dies alles wurde mir vor zwei Woche einmal mehr so richtig klar, als ich auf meiner Heldenreise war. Wie sehr ich mich immer noch verstecke – vor mir selbst und vor anderen.  Welche Befreiuung und Verbindung entstehen kann, wenn ich mich einmal wirklich traue, mich offen und verletzlich zu zeigen. Diese Erfahrung war einfach nur schön und befreiend, kann ich dir sagen – und hält immer noch an.

Kennst Du diese Sehnsucht auch?

Diese Sehnsucht nach authentischen und wertschätzenden Beziehungen haben viele Hochsensible. Doch leider bleibt diese Sehnsucht oftmals unerfüllt, weil wir nur einen ganz kleinen Anteil von uns zeigen.

Das Eisbergmodell

Dieses Modell* geht auf den Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, zurück. Bei einem Eisberg sind nur ca. 20 % seiner Masse oberhalb der Wasseroberfläche sichtbar. Die restlichen 80 % befinden sich unterhalb der Wasseroberfläche und sind somit für den Betrachter nicht sichtbar. Ganz ähnlich verhält es sich  bei uns Menschen in Konfliktsituationen. In diesen zeigen wir nur etwa 20% unserer oberflächlichen Motive, unserer rationalen Argumente. Der weitaus größere Anteil unserer dahinterliegenden Motive, Gefühle und Bedürfnisse wird jedoch meist unbewusst zurückgehalten und dem gegenüber nicht gezeigt. Sie bleiben unterhalb der Oberfläche und brodeln dort weiter vor sich hin. Und beeinflussen unser nach außen gezeigtes Verhalten weitaus stärker als uns oftmals bewusst und lieb ist.

Das Resultat aus diesem psychologischen Mechanismus ist, dass wir bei einem Konflikt den sichtbaren Teil unseres Gegenübers bewerten, da er uns ja nur diesen zu erkennen gibt. Wir ordnen ihn in Kategorien und Bewertungen ein: verrückt, naiv, selbstherrlich, kindisch, unverantwortlich, egoistisch usw.

Grafik: no-right-no-wrong.com

Grafik: no-right-no-wrong.com

 

 

 

 

 

 

Ein Beispiel:

Ein Ehepaar streitet sich über ein gemeinsam gelesenes Buch. Der Ehemann findet es höchst interessant, die Ehefrau total langweilig. Sie sind unterschiedlicher Meinung und streiten sich darüber, wer Recht hat. Der Ehemann möchte die Frau von seiner Meinung überzeugen, umgekehrt möchte die Ehefrau das natürlich auch. Es folgen gegenseitige Bewertungen und Argumente, wer Recht hat und wer nicht

Was ist hier passiert? Beiden sehen nur die Spitze des Eisbergs des jeweils anderen. Und kämpfen mit  rationalen und vernünftigen Argumenten dagegen an. Bildlich gesprochen stürzt sich jeder schreiend auf die Spitze des anderen – auf das, was in diesem Konflikt sichtbar ist. Dahinterliegende Gefühle, Bedürfnisse und Motive werden dabei nicht wahrgenommen, weil sie von dem anderen nicht gezeigt werden und unter der Bewusstseinsoberfläche bleiben.

Doch erst dieser unsichtbare (unbewusste) Anteil in uns – mit all seinen kulturellen Prägungen, Gefühlen, Verletzungen, Mustern und Bedürfnissen – macht den sichtbaren (bewussten) Anteil in uns verstehbar.
Ohne die 80 % unterhalb der Wasseroberfläche würde es die Spitze des Eisberges erst gar nicht geben.

Dies veranlasste Freud zu dem mittlerweile bekannten Ausspruch: „Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus“. Das Ich (der sichtbare Anteil) wird in jeder Form der Begegnung und Kommunikation von dem Unbewussten (dem nicht sichtbaren Anteil) sehr stark beeinflußt und manchmal sogar regiert. Dies gilt ganz besonders während eines Konflikts.

Wir würden nicht jenes oder dieses Verhalten an den Tag legen, hätten wir nicht bestimmte nicht sichtbare Gefühle, Motive und Annahmen, die unser nach außen gerichtetes Verhalten maßgeblich beeinflussen.

Aus dieser Annahme heraus resultieren die meisten unserer menschlichen Konflikte. Wir zeigen nur den Anteil, den wir zeigen wollen, weil er uns am sichersten erscheint, oder weil wir vielleicht sehr schmerzhafte Erfahrungen damit gemacht haben, unsere Gefühle und Bedürfnisse im jeweiligen Moment ganz offen zu zeigen. Deshalb haben wir diese unter die Bewusstseinsoberfläche verbannt. Aber damit sind sie nicht verschwunden, sondern beherrschen uns weiter. Und wundern uns dann immer wieder von Neuem, warum es soviel Auseinandersetzungen und Unverständnis in unserer Kommunikation gibt.

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg* versucht dieses Dilemma in unserer Kommunikation aufzulösen.

Was bedeutet es, Gewaltfrei zu kommunizieren?

„Die Antwort auf die Frage nach der Ursache von Gewalt liegt in der Art und Weise, wie wir gelernt haben zu denken, zu kommunizieren und mit Macht umzugehen.“
– Marshall B. Rosenberg –

Unter Gewalt verstehen wir meist nur körperliche Gewalt gegenüber anderen oder Gegenständen. Doch kann auch Sprache ein Ausdruck von Gewalt sein, wie wir eben gesehen haben. Vor mehr als 40 Jahren erkannte dies der Psychologe Dr. Marshall B. Rosenberg. In Anlehnung an Mahatma Gandhis gewaltfreien Widerstand, entwickelte er ein Kommunikationsmodell, welches sich durch Wertschätzung und Klarheit auszeichnet.

Gewalt entsteht immer dann, wenn wir glauben, dass unsere Gefühle durch das Verhalten anderer verursacht werden und nicht durch etwas, was in uns selbst verborgen liegt (der Eisberg) – nämlich unsere Bedürfnisse.
Kern der gewaltfreien Kommunikation sind unsere menschlichen Bedürfnisse und der jeweilige Ausdruck der selbigen in einer Begegnung. Die Aussage von Marshall Rosenberg Alles, was ein Mensch jemals tut (oder lässt), ist ein Versuch, sich mindestens ein Bedürfnis zu erfüllen“ gehört zu den Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation.

Grundvoraussetzung für verbindende und wertschätzende Kommunikation ist nach Marshall B. Rosenberg die Empathie. Um Einfühlung sowohl für mich selbst als auch für andere entwickeln zu können, brauchen wir eine andere Sprache. Die Gewaltfreie Kommunikation hilft, sich authentisch und ehrlich auszudrücken sowie empathisch zuzuhören, und dient dem Aufbau von gelingenden Beziehungen.

Diese Empathie sollten wir zunächst einmal uns selbst gegenüber aufbringen. Unsere unterdrückten, unter der Oberfläche gehaltenen Gefühle, signalisieren unsere elementaren Bedürfnisse.

Sind diese Bedürfnisse erfüllt, empfinden wir Gefühle wie Freude, Kraft, Begeisterung, Dankbarkeit, Lebendigkeit, Motivation etc. Ist hingegen ein uns momentan wichtiges Bedürfnis nicht erfüllt, fühlen wir Ärger, Anspannung, Frustation, Zorn, Verbitterung usw.

Hier entsteht nun oftmals der Konflikt in der Kommunikation. Für diese unerfüllten Bedürfnisse machen wir gerne unseren Partner, Freund oder Kollegen verantwortlich. Aber wie soll dieser davon wissen, wenn du diese Bedürfnisse nicht klar kommunizierst (erinnere dich an den Eisberg)?

Daraus resultiert eine zweite Säule der gewaltfreien Kommunikation:
Radikale Selbstverantwortung für unsere Gefühle!

Was wir im Außen wahrnehmen, das uns nicht gefällt, ist zwar der Auslöser unserer Gefühle, aber nicht der Ursprung. Der Ursprung liegt in dem Nicht-Sichtbaren. Erst wenn du mit diesen oftmals unbewussten Bedürfnissen in Kontakt kommst, werden deine Gefühle und dein Verhalten für dein Gegenüber verstehbar. Wenn du also mit dem Unsichtbaren deines Gegenübers in Kontakt trittst, hilft dir das, gegenseitiges Verständnis, Empathie und Mitgefühl füreinander zu entwickeln.

Ein praktisches Beispiel dazu:

„Ich bin genervt, weil Du mir schon wieder nichts von dem Termin gesagt hast!“

Du bist es gewohnt, die anderen für deine Gefühle verantwortlich zu machen.

Ein Anliegen der Gewaltfreien Kommunikation ist es, ein anderes Bewusstsein von Verantwortung für deine Gefühle zu fördern.

Als Folge davon beginnst du, anders zu denken und miteinander zu reden:

„Ich bin genervt, weil ich meine Zeit sinnvoll planen möchte.“

Bei diesem Satz erkennst du: Die Ursache für meine Gefühle liegt in mir.
Es geht um meine Bedürfnisse.

In 4 Schritten zu einer wertschätzenden und verbindenden Kommunikation

Wenn du jahrelang nur die Spitze deines Eisberges gezeigt hast, und dir dadurch Sprachgewohnheiten voller Vorwürfe, Beschuldigungen und Wertungen angeeignet hast, fällt es zunächst einmal schwer, diese von heute auf morgen zu ändern. Deshalb bedarf es Geduld und einer gewissen regelmäßigen Übung, um dir neue Sprachgewohnheiten anzueignen. Entwicklung und Veränderung passiert immer langsam und in kleinen Schritten.

Wie kannst du nun diese Gewaltfreie Kommunikation einüben?

Das Modell basiert auf vier Schritten:

  1. wertfreies Wahrnehmen/Beobachten
  2. Gefühle wahrnehmen/benennen
  3. Bedürfnisse wahrnehmen/benennen
  4. Bitte zur Erfüllung des Bedürfnisses äußern

Diese Schritte werden in der Praxis verwendet:

a) als Selbstmitteilung

b) als Einfühlung in mein Gegenüber – wie geht es ihr/ihm, was ist ihr/ihm wichtig?

Mit der Selbstmitteilung äußerst du deine Wahrnehmung, wie es in dir selbst gerade aussieht und was du jetzt gerne hättest oder bräuchtest. Mit der Einfühlung in den anderen versuchst du, Gefühle und Bedürfnisse deines Gesprächspartners zu erkennen. Du willst verstehen, wie seine Welt gerade aussieht. Beides kann ohne viel Worte geschehen und führt dennoch zu Veränderungen.

Ein wesentlicher Vorgang im Prozess einer gewaltfreien Kommunikation ist, das Abwechseln zwischen Aufrichtigkeit (was fühle ich gerade) und mitfühlendem Verständnis (ich sehe dein Bedürfnis). Erst auf dieser grundlegenden Basis ist ein kooperatives Verhalten möglich und wahrscheinlich.

In einem Satz zusammengefasst können die 4 Schritte einer wertschätzenden Kommunikation in etwa so lauten:

„Wenn ich a sehe, fühle ich b, weil ich c brauche. Bist Du bereit, mir d zu geben?“

Entscheidend ist auch, dass es zu meiner Selbstfürsorge  gehört, mein Bedürfnis zu spüren und mich auch traue, es meinem (Gesprächs) Partner gegenüber auszudrücken, aber ich nicht verlangen oder erwarten kann, dass dieser es mir erfüllt. Die Verantwortung für die Erfüllung oder Nicht-Erfüllung eines Bedürfnisses trage ich nur ganz alleine!

Fazit

Die gute Nachricht lautet: im Gegensatz zu einem Eisberg kannst du frei wählen, worauf du deine Aufmerksamkeit lenken willst –  auf die 20 oder 80 %.

Wenn du lernst, die Botschaft hinter den Worten zu hören, die Bedürfnisse, um die es deinem Gegenüber geht, die es nur nicht ausdrücken kann, weil es das nicht gelernt oder wieder verlernt hat (so erging es mir), eröffnet sich für dich ein ganz neuer Raum der Begegnung und Wertschätzung.

Durch empathisches Zuhören und Aufrichtigkeit, ohne zu verletzen, gewinnst du neben lebendigen Beziehungen, Wertschätzung, Lebensfreude und Selbstvertrauen. Sowohl dein Partner wie Kollegen, Familienmitglieder und Freunde werden von dieser Art der Kommunikation und Lebenshaltung profitieren.

Habe Geduld mit dir, wenn es dir nicht immer gelingt oder du wieder in alte Sprachgewohnheiten zurückfällst. Diese Art der Kommunikation ist ein ständiges Üben und sich ausprobieren. Auch ich befinde mich auf diesem Weg.

Der unausweichlich wichtigste erste Schritt für eine Gewaltfreie Kommunikation ist, dass du mit deinen eigenen Absichten und Bedürfnissen in Verbindung kommst. Es erfordert also den Mut, sich verletzlich zu zeigen.

Ich kann dir aber erst aus jüngster Erfahrung versprechen, dass sich dieser Mut lohnt!

Die Macht der Verletzlichkeit:

 

Fühl dich einfach wohl !
Dein Oliver

 

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Quellen:
no right no wrong: 8 Erkenntnisse, die dir helfen, bereichende Gespräche zu führen.
no right no wrong: Wie dir das Eisbergmodell bei Konflikten helfen kann.
zeitzuleben: Gewaltfreie Kommunikation

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Bild: Andrea Damm  / pixelio.de

 

Veröffentlicht von

www.simplyfeelit.de

Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker. Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit. Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. ICH MÖCHTE DIR FÜR DEINEN WUNDERVOLLEN BEITRAG GANZ HERZLICH D A N K E N UND WÜNSCHE ICH DIR EIN WUNDERVOLLES WOCHENENDE !
    ICH FREUE MICH SCHON JETZT AUF DEINEN NÄCHSTEN ARTIKEL !!!
    ALLES LIEBE UND GUTE

  2. Hey Oliver,dein Artikel war für mich sehr herzerwärmend!Ich merke richtig das Du aus vollem Herzen schreibst!!!
    Herzlichen Dank und noch ein schönen Montag,
    liebe Grüße
    Birgit

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