Warum du dir einmal im Leben eine längere Auszeit gönnen solltest (inkl. Tipps zur Vorbereitung)

Wann hast du dir das letzte Mal eine Auszeit gegönnt?
Wann hast du das letzte Mal so richtig durchgeatmet?

Man mag es schon alleine daran erkennen, dass mein letzter Artikel vier Wochen alt ist. Dass bei mir gerade – oder immer noch – viel los ist.

Dass ich gerade sehr damit beschäftigt bin, meinen Lebensunterhalt als Selbstständiger zu bestreiten und deshalb vor zwei Wochen einen neuen Teilzeitjob angenommen habe. Dass dies alles mich mitunter sehr mitnimmt, streckenweise regelrecht überfordert. Mir fehlten in letzter Zeit einfach die Aus- und Ruhezeiten, fühlte mich von den Umständen getrieben und gehetzt. Fühlte eine zunehmende Leere und innere Müdigkeit. Keine wirkliche Lust, auf nichts, auch nicht aufs Schreiben. Kein guter Zustand, erst recht nicht als Hochsensibler. Da ich die Anfangssyptome eines Burnouts kenne, trete ich gerade an einigen Stellen gewaltig auf die Bremse.  Ich sorge für mich! Zur Zeit schaffe ich mir mehr Freiräume, sage öfters Nein in Beziehungen und Kontakten, höre mehr auf meine Intuition, versuche herauszufinden, was mir gut tut, mir Freude bereitet und versuche dem konsequent zu folgen.

Als erste Konsequenz daraus habe ich gestern meinen wöchentlichen Ehrenamtsjob an den Nagel gehangen, lästig gewordene Verantwortung abgegeben, mir im Alltag mehr Freiräume eingeplant – und heute seit Wochen endlich mal wieder einen reinen Schreib- und Oliver-Tag. Mir ist sehr bewusst, dass das Leben wie einem Pendelschlag gleicht, der einmal zu der einen und dann wieder zu der anderen Seite ausschlägt. Diese gewonnene Lebenserkenntnis hilft mir in schwierigen Momenten immer wieder. Oder wie es vor einigen Tagen der Blogger Patrick Hundt so treffend beschrieb: Es ist nicht immer alles schön.

Wie so oft in meinen Artikeln, versuche ich aus meiner momentanen Lage eine Essenz herauszuziehen, um diese dann meinen Lesern zu präsentieren. So kam ich ins Überlegen. Was fehlt mir gerade am meisten? Was gestehe ich mir nicht ein? Wer oder was treibt mich an?

Schnell fielen mir dazu einige Schlagwörter ein: Auszeit, Pause, Ausgleich, Entspannung, faul sein, nichts tun.

Keine einfachen Wörter für mich! Als ich dann weiter in mir forschte, meine Umgebung beobachtete, kam ich darauf, dass die eben erwähnten Wörter in unserer Gesellschaft oftmals negativ konnotiert sind. Wörter wie Leistung, Einsatz, Pflichtbewusstsein, Loyalität, Stärke, Selbstaufgabe werden dagegen als erstrebenswert angesehen und sind im (Berufs-)Alltags oftmals zu hören.

Als ich heute Morgen am Küchentisch saß und angestrengt darüber nachdachte, über was ich heute schreiben möchte, fiel mir meine Auszeit im Jahre 2009 ein. Fiel mir die damit verbundene Leichtigkeit ein und wie sehr mir diese gerade fehlt ein. Also habe ich mich dazu entschlossen, heute einen Artikel über Auszeiten zu schreiben: warum die kleinen Auszeiten im Alltag für unser (hochsensibles) Leben so wichtig sind und warum du sogar einmal im Leben über eine größere Auszeit nachdenken solltest.

Die Ausgangslage: Im Jammerland

Vor fünf Tagen in der Regionalbahn. Ein typischer Pendlerzug, es ist abends und entsprechend voll ist der Zug. Ich stehe im Gang und schnappe zwangsläufig ein Gespräch neben mir auf. Ein junger Typ, um die Mitte zwanzig, unterhält sich mit einem älteren Herrn. Der ältere Herr scheint schlecht deutsch zu sprechen, vielleicht ist er sogar ein Flüchtling. Der junge Typ dominiert das Gespräch, hält eher einen Monolog als einen Dialog. Er zeichnet dem älteren Herrn ein düsteres Bild unseres Landes. Er beklagt sich über die vielen Steuern, Abgaben und Pflichten. Wie sehr man sich heutzutage abstrampeln muss, um über die Runden zu kommen (bis dahin konnte ich ihm innerlich noch zu nicken). Doch dann kommt sein großes Finale. Er gibt dem älteren Herrn mit Migrationshintergrund seine drei ultimativen „Überlebenstipps“ mit auf den Weg: „In unserem Land kommt man nur mit dieser Einstellung durchs Leben: a) Leckt mich alle mal am Arsch b) Es könnte schlimmer kommen c) Ich denke nur an mich. Nur so gehts!“

Willkommen im Jammerland!

Wie oft habe ich solche und ähnliche Aussagen in den letzten Jahren schon gehört! Und wie sehr kann ich sie nicht mehr hören. Ja, ganz sicher ist in unserem Land nicht alles rosig, es gibt viele Ungereimtheiten, wie die ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen und einigem mehr, über das man sich aufregen könnte. Aber mir kommt es manchmal so vor, als wäre das Jammern ein regelrechter Volkssport der Deutschen geworden. Ich meine, von welchem Niveau aus jammern wir denn! Waren diese Jammer-Menschen jemals außerhalbs Europas? Außerhalb Ihrer Komfortzone? Ich war es.

Die meisten von uns sind satt bis über beide Ohren, haben ein Dach über den Kopf, 30 Tage Jahresurlaub (plus die Feiertage), einen deutschen Mittelklassewagen in der Garage stehen, sichere Straßen vor der Haustüre und ein Sozialsystem, das es so nirgends mehr auf der Welt gibt! Ja, mir kommt es manchmal so vor, als würden wir gerade wegen unseres Überflusses und Wohlstands so gerne jammern und uns in der Opferrolle suhlen. Weil wir uns ja sonst über nichts mehr beklagen können (einem indischen Straßenkind genügt eine warme Mahlzeit am Tag, um übers ganze Gesicht zu strahlen).

Bevor jetzt der eine oder die andere einen hochroten Kopf bekommt: Mir ist vollkommen bewusst, dass es immer schwieriger wird, seinen Lebensunterhalt in den unteren und mittleren Einkommensklassen zu bestreiten. Wer könnte das besser beurteilen als ich, der in den letzten vier Jahren im unteren Lohnsektor gearbeitet hat und somit viel Kontakt mit Menschen aus dieser Schicht hatte. Ein reiner Überlebenskampf, ja!

Aber: was ich gar nicht mehr ab kann: Nur jammern, aber nichts (ver) ändern!

Wer jammert, möchte nämlich gar nichts verändern, er möchte lediglich Aufmerksamkeit und Bemitleidung für seine Person erhaschen und auf keinen Fall seine Komfortzone verlassen. Ja, auch das kenne ich aus eigener Erfahrung, deshalb kann ich es ja so treffend beschreiben.

Es gibt immer einen (Aus) Weg!

Unsere Arbeitswelt verändert sich rasant. Viele Jobs wird es in naher Zukunft nicht mehr geben: Taxifahrer, Verkäufer, Lagerarbeiter aber auch Piloten, Buchhalter und Lokführer stehen auf der Streichliste. Sie werden regelrecht wegrationalisiert und wegdigitalisiert, durch unsere eigenen technischen Erfindungen. Doch dafür gibt es neue Möglichkeiten im IT und Internetbereich. Es werden neue Jobprofile und Schnittstellen entstehen. Einem Computer fehlen Empathie und analytisches Denken. Es werden neue Schnittstellen zwischen psychologischen und technologischen Wissen entstehen. Die Arbeit eines Therapeuten wird auch in 20 Jahren kein Roboter ersetzen können. Neue Kompetenzen sind gefragt: Gewissenhaftigkeit, Empathie, Authentizität, IT-Intelligenz.

Nach meiner Auszeit im Jahre 2012 habe ich das schnell erkannt. Die Zukunft liegt in digitalen, selbstständigen und ortsunabhängigen Arbeitsmodellen, ausgeführt von kompetenten und authentischen Individuen. Auch ich befand mich nach meiner Rückkehr in solch einem Jammer-Loch, doch habe ich mich hingesetzt und mir einige Gedanken gemacht. Das Resultat dieses Prozesses siehst du heute in Form dieses Blogs.

Wenn du nur rum jammerst, mit Vergnügungen und Zerstreuungen deine Lethargie kompensierst und die Schuld auf andere schiebst (Staat, Kirche, Eltern), wirst du es nie im Leben zu etwas schaffen. Wirst du nie deinen Traum leben, deine Erfüllung, deine Vision. Du wirst ein ewiger Lohnsklave im grenzenlosen Kapitalismus bleiben. 45 Jahre geschufftet und ausgebeutet, um dann mit einer mickrigen Rente abgespeist zu werden. Als Dank dafür hast du nun einen kranken und abgenutzten Körper, mit dem du deine letzten Lebensjahre verbringen kannst. Bei all dem Gesagten ist mir bewusst, dass es einige Menschen gibt, die gerne montags in ihre Firma gehen – aber es werden immer weniger – , nach meiner Wahrnehmung.

Es gibt immer einen Weg! Es gibt immer eine Alternative!

Manchmal braucht man halt etwas Zeit, um sich darüber im Klaren zu werden.

Gönne dir Auszeiten in deinem Leben: für mehr Klarheit und Gelassenheit

Im Grunde genommen schreibe ich diesen Artikel gerade auch für mich selbst. Mir kleine Auszeiten zu gönnen, im Rahmen meiner Möglichkeiten, das möchte ich die nächsten zwei Wochen machen. Es muss nicht immer gleich eine große Reise sein. Es kann auch etwas Kleines im Alltag sein, was sich leicht integrieren und umsetzen lässt: Ein Nachmittag im Eiscafe, in der Natur, ein kleiner Tagesausflug in die Berge, Besuch von alten Freunden übers Wochenende und so vieles mehr.

Kap Finisterre_2

Sonnenuntergang Kap Finisterre – Nordspanien

Trotzdem erinnere ich mich gerade an meine große Auszeit von 2009 bis 2012. Ich erinnere mich an meine Beweggründe und Motive, an die Energie, die ich aufbringen musste, um all die großen Veränderungen anzustoßen, nicht einzuknicken vor all den Widerständen. Ich erinnere mich gerade an diese brennende Lebensfrage in mir: Für was lebe ich?

Im Mai 2009, nach den Eindrücken und Erlebnissen von 30 Tagen auf dem Camino Frances (dem bekannten Jakobsweg) in Spanien, am Kap Finisterre, stieg in mir diese Klarheit und Entschiedenheit auf, es durchzuziehen. Nicht mehr zu jammern, nicht mehr auszuhalten, nicht mehr keine andere Möglichkeit als funktionieren zu sehen, sondern es zu TUN. Mein Leben in die Hand zu nehmen. Vom Kap  im Jahre 2009 bis zu meinem Business und meiner Vision im Jahre 2016, war es ein langer und auch steiniger Weg. Durch viele Höllen und Tiefen musste ich gehen, bevor ich bei mir ankam. Doch würde ich es immer wieder tun.

Foto: Andreas Jeitler

Ich finde es immer wieder schön und bereichernd, wenn es Menschen gibt, die sich trauen. Ihr Leben in die Hand zu nehmen, dafür Risiken eingehen und ihre Komfortzone verlassen. Sie sind meine Wegbegleiter im Geiste. Wie Christof Herrmann, mein alter Kumpel aus Nürnberg. Vor einigen Jahren hing er seinen gut bezahlten und sicheren Job als Programmierer an den Nagel, um sich auf die ungewisse Zukunft als Autor und Blogger einzulassen. Mittlerweile zählt sein Blog einfachbewusst zu den größten und bekanntesten Blogs im deutschsprachigen Raum. Ein schönes Beispiel dafür, dass es sich auszahlt, dran zu bleiben, Durststrecken zu überwinden und seinem Traum zu folgen. Nach drei erfolgreichen Alpenüberquerungen*, traut sich Christof in diesem Sommer an ein Mammutprojekt heran: Ab Ende Juni wandert er von Nürnberg über diverse europäische Jakobswege nach Santiago de Compostela – das sind rund 3.000 km zu Fuß und wird ca. 4 Monate dauern. Respekt! Wer Christof auf dieser langen Strecke begleiten möchte und an seinen Erfahrungen teilhaben möchte, kann dies in Form von Tagesberichten tun*, die er täglich zur Verfügung stellt und mit zahlreichen Fotos versieht. Damit finanziert er sich einen Teil seiner Reise. In diesem Interview steht Christof Rede und Antwort zu seiner geplanten Tour und was für ihn Slow-Travel bedeutet.

Bin ich der Typ für eine längere Auszeit?

Sich eine Auszeit zu nehmen klingt verlockend und ich habe es ja eben gerade eindeutig empfohlen. Trotzdem möchte ich dazu sagen, dass nicht jeder dafür der Typ ist und manchmal auch die Bedingungen dafür eher ungünstig sind (Familie, Hauskauf etc.). Aber ich bleibe dabei: Wo ein Wille, da ein Weg. Alles eine Frage der Planung.

Wann eine Auszeit für dich angebracht sein könnte

  • du fühlst dich häufiger leer und ausgebrannt
  • die Zeit für Familie und Hobbies ist immer zu knapp
  • die Zufriedenheit mit deinem Job (und der Lebenssituation allgemein) sinkt rapide
  • du nicht bis zum Rentenalter (und einem gebrechlichen Körper) warten willst, um deine Träume zu verwirklichen
  • genügend Mut in dir vorhanden ist, etwas wirklich Neues zu wagen und du auch bereit bist, Risiken einzugehen
  • der Wunsch nach Veränderung immer stärker wird
  • deine Familie dich unterstützt oder sogar mitzieht
  • du genügend Überstunden angesammelt hast und du dir finanzielle Einbußen leisten kannst

Nachdem im Mai 2009 meine Entscheidung fest stand, meine Auszeit durchzuziehen, dauerte es noch rund vier Monate, bevor ich endlich von all dem Ballast frei war und mich auf mein Reiserad setzen konnte: Möbel verkaufen/verschenken, Flohmärkte, Wohnungsauflösung, Behördenkram, Telekomanschluss kündigen etc. – es gilt an so vieles zu denken, wenn man einmal richtig drin war in einem sesshaften Leben. Auf dieser Seite erhältst du viele Tipps und Empfehlungen mit Checklisten  von zwei erfahrenen Aussteigern und Weltreisenden. Lesenswert!

Ich wünsche dir viel Erholung und Freude bei deinen kleinen und großen Auszeiten!

Wann planst du deine nächste Mini-Auszeit in deinen Alltag ein?
Bist du der Typ für eine längere berufliche Auszeit?

 

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Titelbild: Christof Herrmann

 

 

 

 

Veröffentlicht von

www.simplyfeelit.de

Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker. Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit. Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

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