Der Tag, an dem ich endlich meine Ex-Freundin loslassen konnte

Du kannst von Deiner Ex-Freundin nicht loslassen, obwohl es in eurer Beziehung viel Drama und Streit gab?

Ihr wollt Freunde bleiben, aber wenn Du ganz ehrlich bist, bist Du noch nicht über die Trennung hinweg und wünscht Dir Deine Ex-Freundin insgeheim zurück?

Sie hat einen neuen Freund und trotzdem willst Du den Kontakt mit ihr aufrecht erhalten?

Spätestens jetzt, wenn du bei diesen 3 Fragen ein leichtes Kopfnicken gespürt hast, solltest du die Notbremse ziehen. Solltest du dich fragen, ob du dich in letzter Zeit nicht selbst verraten hast?!

Spätestens jetzt solltest du aus der ungesunden Dynamik mit deiner Ex-Freundin aussteigen, deine Selbstverleugnung beenden und dadurch deine Würde und Integrität als Mann zurückgewinnen. Wach auf, Kumpel!

Damit du verstehst, was ich meine, und damit du vor allem verstehst, warum ich dir das so radikal empfehle, erzähle ich dir im heutigen Artikel, wie ich mich im Kontakt mit meiner Ex-Freundin selbst verraten habe – und wie du es anders machen kannst.

Drama, Baby!

Aufmerksamen und treuen Lesern wird gerade etwas auffallen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich auf meinem Blog über eine Trennung schreibe. Es ist nicht das erste Mal, dass mir eine Trennung völlig den Boden unter den Füßen wegzieht, mich selbst in Frage stelle, nicht arbeiten kann und vollkommen im Kummer aufgehe, wie Anfang des Jahres geschehen. Im Grunde kann man sogar sagen, dass die ganze Idee zum Bloggen und Schreiben, meiner heutigen Passion, und dem Erkennen meiner Sensibilität, aus einer Krise vor 3 Jahren resultierte, nämlich, dreimal darfst du raten, nachdem ich von meiner damaligen Freundin verlassen wurde.

Daraus könnte man nun 3 Dinge schlussfolgern:

  1. Ich gerate immer an die falschen Frauen. Da ist sicherlich was dran. Aber es gehören immer zwei dazu. Es wäre zu kurz gegriffen. Zudem bin ich von dem Gesetz der Anziehung überzeugt. Das heißt, aufgrund einer subtilen, meist unbewussten inneren Ausstrahlung, ziehe ich genau die Frauen in mein Leben, die zu mir „passen“. Gleich und gleich gesellt sich gut, heißt es im Volksmund. Konkret bedeutet dies, wenn es bisher in meinen Beziehungen immer viel Drama und Auf und Ab’s gab (zwischen einem überirdischen Gefühl der Verbundenheit auf der einen Seite und viel Streit, Tränen, Dramen und Verletzungen auf der anderen), dass meinem System – meinem innerem Kind – dieser Zustand mehr als vertraut ist. Es sich darin regelrecht geborgen und aufgehoben fühlt und deshalb im außen immer wieder danach sucht. Auf Resonanz geht mit Personen, die dieses innere Muster ebenfalls besitzen und ausstrahlen.
  2. Leide ich an einer Bindungsangst? Eine der Verhaltensweisen eines bindungsängstlichen Menschen ist nämlich durch Streit, quasi aus dem Nichts herbeigeführt und wegen Kleinigkeiten, keine echte Nähe und Vertrautheit entstehen zu lassen. Ein Streit schafft erstmal ein wenig Distanz und Abstand, um sich anschließend wieder anzunähern, bis es wieder zu eng wird, der nächste Streit herbeigerufen wird … der Teufelskreis hat sich geschlossen, so läuft das Spiel immer weiter. Ja, ich habe durchaus bei mir Symptome einer Bindungsangst, aber auch einer emotionalen Abhängigkeit erkannt, wie in meinen Artikeln über Bindungsangst und Co-Abhängigkeit offen dargestellt. Damit würde ich gut in die Generation Beziehungsunfähig passen, wie der Titel eines Bestsellers* lautet. Sicherlich ein Phänomen unserer postmodernen Zeit. Aber auch hier wäre es zu kurz gegriffen, die Ursachen für die Häufigkeit meiner Trennungen nur auf die kulturellen und gesellschaftlichen Umstände oder den Anzeichen einer Bindungsangst zu schieben. Meinem ganzheitlichem Ansatz folgend gibt es immer mehrere Perspektiven und Ursachen für eine heutige Verhaltensweise oder ein Problem: Kindheit, Bindungserfahrungen, individuelle Prägungen, Sozialisation, kultureller Rahmen, Eigenverantwortung als Erwachsener.
  3. Offenbar lösen Krisen bei mir einen Wachstumsimpuls aus. Insbesondere nach schmerzhaften Trennungen von Frauen. So war es vor 3 Jahren (Start meines Online-Buisness) und so wird es auch jetzt sein – auch wenn ich heute noch nicht weiß, in was dieser Impuls diesmal münden wird. Dass Krisen in sich immer das Potenzial des Wachstums und der Veränderung tragen, sollte mittlerweile jedem bekannt sein. Voraussgesetzt man ist gewillt, daraus zu lernen, an sich zu arbeiten, alte Dynamiken und Muster zu entlarven und vor allem den Willen aufzubringen, sie zu durchbrechen, sie ändern zu wollen. Trotz all des Schmerzes, trotz all der Phasen der tiefsten Resignation gab es in mir eine leise Gewissheit, dass ich daraus etwas lernen soll, dass ich daran reifen kann. Natürlich, in Momenten der tiefsten Lethargie fällt es schwer, daran zu glauben, es braucht meist etwas Abstand, aber letztlich war es so. Rückblickend haben mich alle (emotionalen) Krisen der letzten Jahre reifen und stärker als zuvor werden lassen. Der Schlüssel lag aus meiner Sicht darin, dass ich gewillt war, sie ganz zu durchleben, die Gefühle zuzulassen und gleichzeitig auf einer Verstandesebene zu realisieren, warum es soweit kommen musste.

"Krisen tragen in sich das Potenzial des Wachstums"

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Liebe auf die erste Berührung

All diese sehr persönlichen Einblicke in mein Innenleben teile ich mit dir, damit du nicht die gleichen Fehler machst, wie ich, obgleich sie manchmal eben notwendig sind, um wirklich aufzuwachen und zu wachsen. Allgemein bin ich davon überzeugt, dass echte Verbindung unter uns Menschen in unserer heutigen Zeit nur möglich ist, wenn wir uns öffnen, unsere Verletztlichkeit nach außen tragen, uns nicht mehr verstecken, mit all unseren Ängsten und Gefühlen.

Natürlich hat das Schreiben über meine Trennungen und Krisen auch einen Selbstzweck: Es hilft mir, sie besser zu verarbeiten. Schreiben als Therapeutikum, ein mittlerweile bewährtes Mittel in therapeutischen Kreisen. Bevor ich dir nun aber berichte, wie ich es schaffte, meine Ex-Freundin endlich loszulassen, erzähle ich dir zunächst einmal unsere Geschichte:

Wir lernten uns auf einem Kuschelabend kennen. Ja, das ist einer dieser Abende, wo sich anfangs fremde Menschen am Ende in den Armen liegen und sich achtsam berühren. Unter Einhaltung glasklarer Regeln und Stoppsignalen. Man kann sagen, es war Liebe auf die erste Berührung. Wir beide spürten schnell eine starke Anziehung füreinander. Heute weiß ich, dass es einen Unterschied zwischen einer gesunden und ungesunden Anziehung gibt. Damals wusste ich das nicht, zumindest nicht in dieser Form, spielte auch keine Rolle. Wir trafen uns, lernten uns kennen und verliebten uns ineinander. Wir kamen in die bekannte Verliebtheitsphase. Allgemein beschreiben Paare diese Phase als die schönste in ihrer Beziehung. Man spürt die Schmetterlinge im Bauch, vergisst oftmals sein eigenes Leben, seine Hobbys, Freunde und Werte und will nur noch mit dem anderen zusammen sein. Am besten 24 Stunden am Tag.

Verliebtsein als emotionaler Ausnahmezustand

Sind wir mit unserem Schatz zusammen, sind wir glücklich, sind wir von ihm getrennt, fühlen wir uns unglücklich, irgendetwas fehlt, wir vermissen ihn. So romantisch und schön sich diese Phase für unseren Organismus und unser Herz anfühlt, so sehr sitzen wir doch einer hormonellen Wahrnehmungsverzerrung auf. Verliebtsein ist nichts anderes als ein chemisch-hormoneller Prozess, der laut Wissenschaft zwischen drei Monaten und drei Jahren anhalten kann. Wir befinden uns in dieser Zeit in einem emotionalen Ausnahmezustand, fühlen uns high und könnten Bäume ausreißen, ähnlich wie in einem Drogenrausch. Tatsächlich ist es so, dass beim Verliebtsein ähnliche Gehirnareale aktiviert werden, wie nach einem Drogenkonsum.

Verstehe mich nicht falsch: Diese Phase gehört wohl zu jedem Kennenlernen und unserem Menschsein dazu, um sich auf jemand anderen wirklich einzulassen, Intimität und Nähe entstehen zu lassen. Es waren immer die schönsten Phasen in meinem Leben, und ich werde sicherlich weitere erleben und sie genießen. Doch weiß ich heute, dass Verliebtsein ziemlich wenig mit Liebe zu tun hat. Im Grunde gar nichts. Es sind zwei völlig verschiedene Zustände.

"Verliebtsein hat ziemlich wenig mit Liebe zu tun"

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Verliebtheit versus Liebe

Ich sah die Welt in dieser Zeit durch eine rosarote Brille, ich war überglücklich, ich war verliebt. Und das war herrlich. Es kam der Sommer, wir gingen baden, Eis essen, verbrachten laue Sommernächte unter klaren Sternenhimmel, gingen bei Vollmond nackt baden. Doch wie erwähnt endet irgendwann jede Verliebtheitsphase, die Wirkung des hormonellen Cocktails in unserem Gehirn lässt nach. Dies war bei uns nach ca. drei Monaten der Fall. Erst jetzt beginnen wir unseren Partner richtig zu sehen, ohne Verzerrung, ohne Brille, hormonell nüchtern und realistisch, mit all seinen Schwächen, Macken, Verhaltensweisen und  alten Verletzungen. Plötzlich ist nicht mehr alles rosarot am anderen, plötzlich beginnen uns Dinge und Verhaltensweisen an ihm zu stören, die uns noch vor einiger Zeit gar nicht aufgefallen sind. Jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit! Jetzt geschieht der Übergang von Verliebtheit in einen Beziehungsalltag. In gemeinsame Werte, Ziele, Lebenskonzepte, Vorstellungen, Respekt, Verständnis, Annahme. Man könnte auch sagen: Jetzt schlägt die Stunde der Liebe – ohne romantische Verklärung – oder eben nicht!

Wir begannen uns häufiger zu streiten. Wegen Kleinigkeiten im Alltag, wie so oft. An welchen Strand wir heute zum Beispiel gehen, oder dass wir etwas früher losgehen als sonst. Dass wirklich schlimme daran war, dass wir uns in diese Streits emotional so hineinsteigerten, dass wir von alleine nicht mehr rauskamen. Nicht nur einmal endete ein Streit damit, dass ich vorzeitig am Wochenende von ihr abreiste. In dieser Zeit wurde uns beiden immer bewusster, dass wir beim jeweils anderen alte Triggerpunkte aktivierten, uns in unseren Kindheits- und Beziehungsmustern spiegelten. Nun kam die Bewährungsprobe, ob es nach dem Verliebtsein wirklich weiter gehen kann mit uns, oder ob es nur ein hormonelles Strohfeuer war. Erst jetzt beginnt so etwas wie echte Beziehung und aus meiner Sicht das, was man als Liebe bezeichnen kann: Renne ich wieder vor mir selbst weg, sobald ich mit meinen verdrängten Persönlichkeitsanteilen (Schatten) konfrontiert werde, oder bleibe ich stehen und stelle mich meinen (Verlust) Ängsten, (Scham) Gefühlen, Erwartungen und Abhängigkeiten?

Wir wollten stehen bleiben! Wir waren beide seit Jahren auf unserem persönlichen Entwicklungsweg, konnten kognitiv nachvollziehen, warum wir uns immer wieder triggerten, lasen viele Bücher dazu, probierten mehrmals das Zwiegespräch als Paarkommunikation aus, um den anderen besser und mitfühlender zu verstehen und erwägten sogar eine Paartherapie. Wir probierten also einiges aus. Dass absolut Traurige daran war, dass es hinter all den Streits ein tiefes Gefühl der Verbundenheit, der Wertschätzung, des Verständnisses und des Respekts für den anderen gab, auch wenn sich das gerade als Widerspruch anhören mag, aber so war es. Die Grundlage also für eine echte Liebe – jenseits des Ausnahmezustandes des Verliebtseins. Doch es half leider alles nichts.

"Jetzt schlägt die Stunde der Liebe – ohne romantische Verklärung"

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On-Off-Beziehung

Die Intervalle zwischen Versöhnung und Streit wurden immer kürzer. Nach ca. fünf Monaten gab es die erste „Beziehungspause“: 4 Wochen Abstand. Natürlich nur, um danach den anderen wieder überglücklich in die Arme zu schließen. So ging es etwa ein Jahr weiter. Zeiten der tiefen Verbundenheit, Pausen, Streits, Versöhnungen wechselten sich stetig ab. Rückblickend führten wir eine On-Off-Beziehung, die nie gesund und förderlich sein kann. Wir schafften keinen klaren Cut, keinen richtigen Absprung. Man kann nicht mit dem anderen, aber auch nicht ohne den anderen.

Im Juli 2016 schafften wir dann doch den endgültigen Absprung. Wir sahen beide ein, dass es so nicht weitergehen kann, dass wir beide nur aufgrund unserer alten Dynamiken immer wieder zusammen kommen, von dem anderen was brauchen, uns gegenseitig verletzen, obwohl wir das gar nicht wollen und den anderen eigentlich sehr gern haben. Es war eine Trennung in Frieden und gegenseitiger Wertschätzung. Es war eine Trennung aus Vernunft, auch wenn es traurig war, weil es trotz allem noch dieses Gefühl der Verbundenheit  zwischen uns gab. Nach unserer Trennung, einige Monate später, teilte sie mir mit, dass sie schon während unserer Beziehung das Gefühl hatte, dass wir nur zusammen sind, um voneinander zu lernen, aus unseren alten Mustern auszusteigen.

Verzögerter Trauerprozess

Überraschenderweise verarbeitete ich die Trennung in den Folgemonaten ganz gut. Dachte ich. Es war ja wieder Sommer und so stürzte ich mich voll in die Fülle dieser Jahreszeit. Ich spürte sogar eine gewisse Erleichterung, was ich auf die ständigen Auf und Abs der letzten Monate zurückführte. Ich genoss mein Leben, machte Sport, widmete mich meinem Blogbuisness, war viel draußen und lernte sogar eine neue Frau kennen. Ich dachte wirklich, ich wäre drüber hinweg. Doch ich täuschte mich. Es kam der Herbst und der Winter. Erst in dieser dunklen und drüben Jahreszeit erkannte ich, dass ich die emotionale Aufarbeitung dieser Beziehung verschleppt hatte.

Meine Ex-Freundin hatte ich über ein halbes Jahr nicht gesehen, wir hatten ab und an noch SMS-Kontakt, aber alles völlig unverfänglich. Es ging auf Weihnachten zu, ich war wieder alleine. In diesen drüben Tagen des Rückzugs und des bevorstehenden Familienfestes wurde ich sehr wehmütig. Erst jetzt spürte ich so richtig den Liebeskummer. Der Eisblock begann zu schmelzen. Erinnerungen stiegen auf, an die schönen Zeiten zwischen uns (die es neben den Dramen auch gab). Ich begann sie zu vermissen. Wollte sie zurück haben. Nicht nur das, vielleicht mag es an der Vorweihnachtszeit gelegen haben. Plötzlich spürte ich, dass sie bisher die einzige Frau war, mit der ich mir hätte vorstellen können, ein Kind zu kriegen. Jahrelang war ich mir noch nicht mal sicher, ob ich überhaupt Kinder haben wollte! Nun mit Ende 30 war es auch die Zeit dafür. Auch wenn es viele Konflikte gab, aber was Vorstellungen von Kindern und Erziehung angeht, waren wir uns immer sehr einig, verfolgten ähnlichen Ansätzen. Natürlich war mir bewusst, dass zu einer Elternschaft mehr als ähnliche Erziehungsansätze gehören, allen voran erstmal eine erfüllte und glückliche Paarbeziehung. Dieser aufkommende Wunsch nach Familie und Vaterschaft machte den ganzen Trennungsprozess natürlich noch schwieriger.

Gespeist aus diesem Kummer und dieser Sehnsucht heraus durchlief ich die Wintermonate über eine krasse emotionale Krise, und begann einige Fehler (einer davon war unangekündigt am Silvestermorgen vor ihrer Haustüre zu stehen). Diesen Transformationsprozess habe ich ausführlich in diesem Artikel beschrieben: Tod und Auferstehung.

"On-Off-Beziehungen sind nie gesund oder förderlich"

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Wollen wir Freunde bleiben?

Juni 2017. Ein weiteres Jahr ist vergangen. Ein weiteres Jahr nach der Trennung. Der intensive Winter lag hinter mir, das Frühjahr begann und mündete relativ schnell in den Sommer. Langsam fasste ich wieder Mut, erkannte die Lerneffekte aus dieser Zeit. Während des Winters ließ ich mich von einem Coach begleiten, der auf Körpertherapie spezialisiert ist. Er kennt auch meine Ex-Freundin (wir lernten uns auf einer seiner Veranstaltungen kennen). Rückblickend würde ich sagen, dass er in die ganze Sache zu sehr verstrickt war. Er tätigte einige Aussagen, die ich heute nur als fahrlässig und unverantwortlich bezeichnen kann (u.a. dass er noch eine Chance bei uns sieht in 1-2 Jahren). Jedenfalls hat er mir während den schwierigen Wintermonaten sehr geholfen, stand mir jederzeit zur Seite, und dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Er erklärte mir, welche tieferliegende Lernaufgabe hinter dem Trennungsschmerz liegt.

Ich folgte seinem Rat, beschäftigte mich intensiv mit mir und meiner Vergangenheit. Ich ließ die Trauer, die Tränen und den Schmerz zu. Gefühle also, die wir Männer oft und gerne verdrängen und verleugnen. (leider) Dadurch wurde ich langsam immer weiter, offener und präsenter. Doch trotzdem machte ich in den darauffolgenden Monaten weitere Fehler. Ich log mir ein zweites Mal ganz gewaltig in die eigene Tasche. Im März gab es nämlich wieder einen persönlichen Kontakt mit ihr, auf einer Gruppenveranstaltung, obwohl ich zwischenzeitlich wusste, dass sie einen neuen Freund seit letztem Sommer hat! Ich bildete mir ein, ich wäre durch die intensiven letzten Monate soweit, mit ihr wirklich nur freundschaftlich in Kontakt zu sein. Damit folgte ich auch der Einschätzung des Coachs. Wir trafen uns zwei Mal persönlich, lachten, gingen Eis essen, telefonierten immer wieder mal, schrieben uns WhatsApp Nachrichten.

Wie erwähnt, wir gingen ja im Guten auseinander und schätzten uns weiterhin. Sie sagte mir auch immer wieder, dass sie sich gerne mit mir austauscht und den Kontakt mit mir aufrecht erhalten möchte. Bei alldem sagte ich mir immer wieder, dass ich es auf emotionaler Ebene verarbeitet hatte, und auf rationaler Ebene verstanden hatte, dass es zwischen uns nicht passt. In dieser Zeit erfuhr ich auch, dass ihre neue Beziehung zwar sehr erfüllt sei, es aber gleichwohl schon gewaltige Beziehungsprobleme aufgrund unterschiedlicher Lebenskonzepte gab (was wiederum dafür spricht, dass romantische Liebe nicht alles lösen kann!). All das reichte mir offenbar noch nicht. Ich war noch nicht tief genug gesunken, was meinen Selbstbetrug anging.

Bis zu jenem Tag im Juni, dem 29.06. Der Tag, an dem ich es endlich realisierte. Während eines unserer längeren Telefonate erfuhr ich von ihr, dass sie nach einer kurzzeitigen Trennung wieder mit ihrem Freund zusammen ist! Sofort stiegen mir die Tränen in die Augen, ich weinte, es zerriss mir erneut das Herz, erst jetzt konnte ich feststellen, so richtig, dass ich trotz aller rationaler Einsicht der letzten Monate noch emotional an ihr hing. Mir weiterhin Hoffnungen machte, nicht wirklich drüber hinweg war und diese ganze Freundschaftssache eine reine Farce und Selbstverleugnung war. Eine fette Selbstverarschung!

Erst an diesem Tag konnte ich vollständig realisieren, dass es endgültig vorbei ist mit uns beiden. Erst nach diesem Telefonat tat ich das, was schon längst überfällig war: Ich brach den Kontakt vollständig ab! Um endlich frei zu werden.

Kannst Du Dir das vorstellen?
All das habe ich mir reingezogen!

Lernen aus Einsicht oder aus Schmerz!

Dies ist unsere Geschichte. Das ist meine Geschichte mit meiner Ex-Freundin, mit allen Gefühlen und all den Erkenntnissen – aus denen ich jetzt erst lerne.

Falls in dir gerade das Wort Missbrauch aufsteigt, trifft es das wohl ganz gut. Ich habe mich missbrauchen lassen, aber vor allem habe ich mich selbst missbraucht. Offenbar gibt es in mir einen Anteil, dem dieser Zustand wohl vertraut ist. Verstehe mich richtig. Ich will hier kein billiges Mitleid erhaschen oder Schuldige finden. Ich sehe meine Verantwortung – aber auch ihre.

Ich teile das so offen mit dir, damit du dich in dem einen oder anderen wiedererkennst und es aus diesem Verständnis heraus anders machst.

Wir drehen solange die immer gleichen Runden, bis wir es wirklich verstanden  haben – und anschließend unser Verhalten ändern. In den letzten Jahren bin ich mir meiner Anteile  sehr bewusst geworden. Erst das macht ein wahres Selbst-Bewusstsein aus. Offenbar lernt mein System eher aus Schmerz. Es hat bis zu diesem Telefonat gedauert, bis ich diese Runde endlich abschließen konnte.

"Lernen aus Einsicht oder aus Schmerz?!"

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Mache es anders als ich und lerne aus meinen Erfahrungen. Lerne aus Einsicht. Mach dir selbst nichts vor. Glaub mir: Falls du dich gerade von deiner Freundin getrennt hast, falls es in eurer Beziehung viel Liebe aber auch viel Drama gab, ist es besser für euch beide, wenn ihr für mindestens ein Jahr keinerlei Kontakt habt. 

Auch wenn es dir gerade noch unglaublich schwer fällt (dann erstrecht!). Beende die alten Dramen und Abhängigkeiten. Nach dieser Zeit kannst du neu entscheiden. Danach könnt ihr immer noch Freunde werden. Dies ist nur ein Richtwert, doch erachte ich ihn als einen Mindestzeitraum, um wirklich alle emotionalen Verstrickungen in dir aufzulösen, um es wirklich abzuschließen. Erst dann kannst du dich dem Leben und neuen Frauen freier und gefestigter als zuvor zuwenden.

Egal wie gut ihr euch noch versteht, egal wieviel Verbundenheit und Sympathie noch für sie da ist. Nimm für eine gewisse Zeit Abstand. Dein gebrochenes Herz will in dieser Zeit heilen. Du quälst dich nur ständig weiter, wenn du ständig an die gemeinsame Zeit erinnert wirst, in Form von Bildern, Nachrichten oder persönlichem Kontakt. Die Wunde wird dadurch immer wieder aufs Neue aufgerissen, kann nicht richtig verheilen.

Dein Herz will den Trauer- und Abschiedsschmerz spüren, um ihn anschließend zu verarbeiten, will daran reifen, daran wachsen, sodass du eines Tages (dieser Tag wird kommen!) stärker als je zuvor und voller Zuversicht und Freude in einen neuen Lebensabschnitt starten kannst.

Ich befinde mich gerade am Anfang dieses Abschnitts, ein weiterer Reifungsprozess vollzieht sich, und auch du wirst diesen Wachstumsimpuls und die damit verbundene Freiheit verspüren, sobald du wirklich losgelassen hast.

Welche 5 Tipps dir beim Loslassen deiner Ex-Freundin und einem Neustart helfen können, zeige ich dir im nächsten Artikel!

 

Welche Erfahrungen hast du im Kontakt mit deiner Ex-Freundin gemacht?

 

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Das Leben ist ein Geben und Nehmen

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