10 Tipps, wie du als sensitiver Mann mehr Kraft und Freude gewinnst

Was brauchst du als sensitiver Mann, um dich glücklich zu fühlen?
Wie kannst du es schaffen, gleichzeitig kraftvoll und gefühlvoll zu sein?

Kleine Vorbemerkung an alle Frauen: Dies ist ein reiner Männerbeitrag.
(wobei er auch für euch interessant sein kann, wenn ihr Männer besser verstehen wollt )

Er richtet sich an alle Männer, die wieder mehr mit ihrer Kraft und ihrer Liebe in Berührung kommen wollen – wobei zunächst einmal egal ist, ob hochsensitiv oder nicht.
(wobei ich den Eindruck habe, dass hochsensitive Männer das Thema „MannSein“ mehr beschäftigt).

Wie bereits angekündigt, möchte ich in nächster Zeit mehr Beiträge über Männlichkeit stärken schreiben. Damit meine ich eine ganzheitliche Männlichkeit (sensitiv und kraftvoll zugleich) –  um es gleich vorweg zu sagen.

Zum einen, weil mich das Thema „Mann sein“ selbst seit Jahren beschäftigt. Eigentlich solange ich mich als Mann zurückerinnern kann, angefangen in meiner Pubertät, über meine Zeit als junger Zwanzigjähriger bis zum heutigen Tag.

Zum anderen, und das finde ich viel wesentlicher, bekam ich einige Rückmeldungen auf meinen Beitrag “ Wann ist ein Mann ein Mann? „

Bezeichnenderweise kamen die Zustimmenden und Positiven ausschließlich von Frauen und die weniger Zustimmenden und Kritischen von Männern. Du kannst mir glauben, dass mir dies stark zu denken gab. Ich nehme konstruktive Kritik von meinen Lesern sehr ernst. Hatte ich was übersehen? War ich zu einseitig oder gar spaltend, wie mir unter anderem vorgeworfen wurde?

All dies zeigt mir, dass das Thema Mann sein im 21. Jahrhundert ein „heißes Eisen“ ist, kulturell, medial und individuell, welches zu vielen Diskussionen, Missverständnissen und Aggressionen führen kann.

Und natürlich gebe ich in meinen Beiträgen keine „letzten Antworten“ bekannt. Es sind wohl eher Annäherungsversuche an ein komplexes Thema, aus einem stetigen Lernprozess heraus.

Das Thema Mann sein ist ein Thema, welches man(n) aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachten kann. Mein tief verinnerlichter Ansatz ist der Integrierende oder Ganzheitliche. Der Versuch so viele Perspektiven wie möglich zu einem Thema zusammenzutragen und jeder Perspektive ihren Wert zu lassen. Weil keine Perspektive per se falsch oder richtig ist. Es ist eine Wahrheit unter vielen.

Ich glaube, dass wir als Menschen die Fähigkeit besitzen, dass große Bild zu sehen, im besten Sinne multiperspektivisch zu sein, um somit unserer komplexen Welt am ehesten gerecht zu werden.

Zudem zeigten mir die Ergebnisse meiner Umfrage unter sensitiven Männern, dass das Thema „Tipps und Strategien im Umgang mit meiner sensitiven Ader“ sehr präsent und gefragt ist.

So möchte ich mich ein weiteres Mal dem komplexen Thema Mann sein im 21. Jahrhundert annähern, und gebe dir im folgenden 10 Tipps an die Hand, wie du als sensitiver Mann mehr Kraft und Freude in dir gewinnen kannst.

1. Grenzen ziehen: Übe dich im Nein sagen

Allgemein ein wichtiges Thema für jeden Hochsensiblen: Grenzen ziehen. Offenbar gilt das umso mehr für uns sensitive Männer. Weil es so ungewohnt für uns ist und wir ewig lächelnd meist „Ja“ sagen. Also, raus aus dem uns so wichtigen Harmoniebedürfnis. Konflikte suchen, Konflikte aushalten, Konflikte ausfechten. Natürlich alles in konstruktiver und vernünftiger Weise. Und wenn es sich lohnt. Es geht hier nicht um ein blindes ausagieren von Wut und Aggression (dazu später mehr), egal ob auf körperlicher oder verbaler Ebene.

Mir geht es darum, dass du zu dir stehst. Zu deiner inneren Würde, Respekt und Gefühlen. Egal, ob dir gegenüber dein Partner, dein Vorgesetzter oder dein Arbeitsvermittler sitzt. Stell dich dem Konflikt im Beruf, unter Freunden und vor allem gegenüber Frauen.

Trainiere dadurch deine Wachsamkeit, Entschiedenheit, Willenskraft und Disziplin. Riskiere auch Fehlentscheidungen, nur so kannst du daraus lernen. Kein „Jein“ mehr, sondern ein klares Ja oder Nein! Vertraue deiner inneren Stimme und folge dem ersten Impuls bei einer Entscheidung. Ganz egal bei was, ob der geplanter Familienausflug oder eine andere Meinung mit deinen Kollegen. Gerade wenn du Angst hast, bei einem kräftigen „Nein“ zurückgewiesen zu werden, tue es!

Du begibst dich sonst immer mehr in eine Abhängigkeit, wenn du aus Harmoniegründen nur noch Ja zu allem sagst. Mir ging es (und zum Teil immer noch ) jahrelang so – insbesondere gegenüber Frauen.

2. Stärkung deiner archaischen Seite

Ja, wir leben in einer sehr leistungsorientierten und rational geprägten Gesellschaft. Das sind meist männlich zugesprochene Werte. In diesem Artikel plädierte ich für eine zunehmende Integration von weiblichen konnotierten Werten, wie Empathie, Feinfühligkeit, Sanftheit und Berührbarkeit – gerade für leistungsorientierte Männer. Weil dies aus meiner eigenen Erfahrung und jahrelangen Beobachtung privat wie gesellschaftlich viel zu kurz kommt.

Doch offensichtlich wurde ich hier ein wenig missverstanden. Mir ging es nie darum, die  kraftvolle, wilde und archaische Seite der Männlichkeit zu verdammen und gleichzeitig weibliche Werte zu erhöhen oder zu idealisieren.

Mit ging und geht es darum, beides in Einklang zu bringen:

Roh und kraftvoll, zart und empfindsam – zugleich – und somit integriert.

Trotzdem glaube ich, gerade für uns sensitive Männer geht es verstärkt darum, unsere kraftvolle, archaische Seite mehr zu kultivieren. Zu erwecken. Das Weiche, Sanfte und Einfühlsame ist uns ja quasi schon in die Wiege gelegt worden.

Übrigens ist dies vielen Frauen auch zu wenig. Sie haben wenig Interesse an nur “ netten Männern „. Sie fühlen sich dann ganz schnell in der Mutterrolle und betreuen eher einen kleinen Jungen, anstatt einen „richtigen“ Mann an ihrer Seite zu haben.

Für mich zeichnet sich eine konstruktive wilde und kraftvolle Männlichkeit durch folgende Werte aus:

  • Disziplin
  • Tatkraft
  • Willensstärke
  • Durchsetzungsstark
  • Entschiedenheit
  • Mut
  • Ehrlichkeit
  • Schaffenskraft
  • Mitreißend
  • Spontan
  • Zwanglos
  • Dynamisch
  • Impulsiv

All dies ist in dir vorhanden und du kannst es immer mehr kultivieren und leben.

3. Männerfreundschaften eingehen und pflegen

Wer kennt ihn nicht, den „Mr. Nice Guy“. Den ewigen Frauenversteher und Kumpel. Der sich viel besser mit Frauen austauschen kann, als mit Männern. Da er sich von ihnen so vollkommen verstanden fühlt. Genau das trifft auf mich zu. Zumindest die letzten Jahre und auch heute noch. Sind doch meine besten Freunde zwei Frauen, mit denen ich über (fast) alles reden kann.

Aber eben nur fast. Frauen sind Menschen, mit denen wir emotionale Nähe zulassen können. Mit denen wir über unsere Gefühle reden können. Was gerade uns hochsensitiven Männern sehr gelegen kommt. Aber trotzdem fehlt uns etwas. Männliche Vorbilder und emotionale Väter, die meist abwesend waren.

Im Kreise von Männern findest du Bestätigung deines ureigenen Mann Seins. Dies kann dir keine Frau geben, auch wenn du dich noch so gut mit ihr verstehst. Meist fällt in solch einem Kreis von Männern Konkurrenzdenken, sich zur Schau stellen und Machtgehabe schnell ab. Du musst die Äußerung deiner Bedürfnisse nicht mehr nach den Werten der Frauen filtern, ob sie damit kompatibel sind.

Wenn du den Mut aufbringst, und Männerfreundschaften jeglicher Art eingehst, wirst du feststellen, dass du auch gegenüber einem Mann die ganze Bandbreite deiner Emotionen zeigen kannst: Traurigkeit, Wut, ekstatische Freude, Eifersucht sowie Stille und Lachen.

Es wird für dich eine ganz neue Art der Offenheit sein, als du es bisher mit einer Frau erlebt hast. Eine neue Intensität und Qualität des Zeigens deiner Gefühle.
Ich selbst befinde mich erst in den Anfängen dieses Weges. Beginne ich gerade erst zaghaft, Männerfreundschaften einzugehen. Lerne dabei, dass gerade eine Männerfreundschaft wie ein Bankkonto ist: es gibt Ein- und Auszahlungen. Das Konto sollte am besten immer ausgeglichen sein.

Doch gibt es immer mehr Männer, die sich auf diesen Weg begeben. Mit anderen Männern über ihre Gefühle, Sexualität, Visionen und Ängste sprechen, die Hemmschwelle dazu überwinden. Dieses Männer – Projekt bietet bundesweit Gesprächskreise für Männer an.

Du musst aber nicht gleich in einen Gesprächskreis gehen. Du kannst in deinem eigenen Umfeld anfangen. Zum Beispiel, in dem du beim nächsten Treffen mit deinem Kumpel, ihn nach seinen emotionalen Bedürfnissen und Sehnsüchten fragst, was ihn gerade im Herzen bewegt, anstatt über Bundesliga und angeln zu reden.

4. Männerinitiationen

In früheren Kulturen war es vollkommen selbstverständlich, dass während der Pubertät, der Übergang von einem Jungen zu einem Mann durch ein Ritual initiiert wurde. Der Junge wurde dadurch in den Kreis der Männer aufgenommen. Dieses Wissens und diese Rituale sind in unserer heutigen Zeit weitestgehend verloren gegangen.

Solche Initiationsriten sind nicht ohne, das gleich vorweg. Sie sind unbequem, anstrengend und riskant. Du musst Angst, Unsicherheit, Schmerz, Hunger und Einsamkeit erleiden. Solch eine Initiation legt aber eine enorme Kraft in dir frei, eröffnet Horizonte. Sie erweckt dich als Mann, erschüttert dich zutiefst und spornt dich zu Höchstleistungen an.

Es wird dich ganz sicherlich als Mann nachhaltig prägen und du wirst so manche Herausforderungen in deinem Leben souveräner und mutiger angehen.

Männerinitiationen finden meist in Gruppen statt, aber nicht nur. Es gibt viele traditionelle und spirituelle Initiationsriten aus allen Kulturen der Welt. Im Westen ist eine der bekanntesten das Schwitzhüttenritual aus dem Schamanismus. Aber auch das Man-Kind-Projekt bietet ein Initiationswochenende für Männer an. Zudem hat in den letzten Jahren der sogenannte Vision Quest stark an Bedeutung gewonnen. Dabei befindest du dich 4 Tage ganz alleine und nur mit dem Nötigsten ausgerüstet in der Natur.

5. Versöhne dich mit deinem Vater

Wie bereits erwähnt, fehlt es uns in diesem Jahrhundert an männlichen Vorbildern und emotionalen Vätern. Sie waren eben abwesend, was gerade für uns als (sensitive) Männer gravierende Folgen hat.

Bedingt durch zwei Weltkriege wurde eine ganze Ahnenreihe an männlichen Vätern, Großvätern und Urgroßvätern entweder ganz vernichtet oder emotional verwahrlost. In meiner eigenen Ahnenreihe konnte ich erleben, wie ein Krieg einen Menschen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zerstören kann. Nach solch einem absolut traumatischen Erlebnis herrscht meist ein Klima des Schweigens. Der erlittene Schmerz und die Erinnerungen werden einfach totgeschwiegen.

So wie die Mutter die erste Frau im Leben eines jedes Mannes ist, von der wir im besten Fall Wärme, Vertrauen und Nähe bekommen, so ist der Vater die erste männliche Figur im Leben eines jeden Mannes. Von ihm erhalten wir im Idealfall Klarheit, Richtung und Stärke.

Nur im Kontakt mit deinem Vater erhältst du einen ehrlichen Spiegel deiner selbst. Fehlt dieser, wirst du nie in deine ganze Kraft kommen. So formten viele Männer ihr Selbstbild nach den Antworten der ersten weiblichen Bezugspersonen. Doch kein Kindermädchen, keine Erzieherin und keine Lehrerin kann dir diese Antworten fürs Leben geben.

So langsam wird mir immer klarer, dass ich nie meine ganze Männlichkeit leben kann, wenn ich noch alten Groll, Verletzung und Enttäuschung gegenüber meinem Vater hege. Das Ziel sollte sein, seinem Vater Wertschätzung, Liebe und Dank auszudrücken, egal was passiert ist. Frieden zu schliessen.

Ich weiß, das kann mitunter für dich sehr schwierig sein. Schier unmöglich. Ich kann dich gut verstehen. Mir geht es ähnlich. Doch in Hinblick auf deine Kraft als Mann solltest du es versuchen.

Dieser feine Artikel kann dir bei der Aussöhnung helfen (auch zum downloaden).

6. Lebe deine Aggression – aber konstruktiv

Über männliche Gewalt in den letzten Jahrhunderten ist viel geschrieben und berichtet worden. Auch wenn es aufgrund der weltweiten Konflikte nicht den Anschein haben mag, so befinden wir uns hingegen der landläufigen Meinung in einem Jahrhundert der zunehmenden Gewaltabnahme, wie dieses Standardwerk über menschliche Gewalt akribisch und umfassend darlegt.

Es ist unbestreitbar, dass die meisten Gewalttaten und Kriege in den letzten Jahrhunderten von Männern ausgelöst und verübt wurden. Dies war ein Ausdruck von destruktiver männlicher Aggression – einer Aggression ohne jeglicher Verbindung zum Herzen.

Aggressionen gehören aber zum Leben von Menschen und Tieren – seit Urzeiten. Evolutionsbiologisch gesehen, erfüllten sie eine wichtige Funktion: Sie sicherten das Überleben und dienten der Arterhaltung. Sie dienten als grundlegender Überlebensmechanismus, um bei Gefahr eine der beiden Reaktionen zu aktivieren: kämpfen oder weglaufen.

Dieses evolutionäre Erbe lebt heute in uns als hochentwickelte Primaten weiter. Erst recht in uns Männern. Es zeigt sich in Wettkämpfen, beim Sport und im Straßenverkehr.

Aggression ist ein Grundbaustein in uns Männern, der gelebt werden möchte. Leider wird das heute komplett tabuisiert und zu wenig differenziert.
Ich befürworte hier nicht eine blinde und zerstörerische Gewalt.

Ich spreche von einer konstruktiven Aggression, die sich in einer Tatkraft ausdrückt.

Aggression in ihrer positiven Art ist dein Potenzial, dass du für ein zielgerichtetes Handeln benötigst. Aggression ist ein wesentlicher Bestandteil von Männlichkeit, welche im Leben eines Mannes nicht fehlen darf. Keine Sorge. Du musst dazu keine Köpfe mehr abschlagen.

Wenn du verbunden bist mit deinem Herzen, zeigt sich deine konstruktive Aggression in Form von Mut, Durchsetzungskraft, Zielstrebigkeit und die Übernahme von Verantwortung.

Überschüssige Aggression kannst du bestens mit Sport ausagieren. Es gibt heutige unzählige (Extrem) Sportarten, die dir dabei helfen können, z.B. Boxen, Kampfsport, Rugby, Joggen, Kitesurfen, Radfahren etc.

7. Finde deine Lebensvision

Du brauchst als Mann eine Vision. Eine Mission in deinem Leben. Punkt.

Wenn du diese Vision gefunden hast, wirst du eine ganz neue Kraft in dir spüren, die dich wie ein Magnet nach vorne zieht.

Grundsätzlich brauchen wir das alle, egal ob Mann oder Frau, doch glaube ich, dass es für uns Männer noch einmal einen höheren Stellenwert hat. Gerade wir sensitiven Männer, da wir doch oft verunsichert sind, was wir mit unserem feinfühligen Potenzial in einer leistungsorientierten Gesellschaft anfangen sollen?

Trieb ich doch jahrelang orientierungslos durchs Leben. Ich musste offenbar erst durch einige Krisen und Prozesse gehen, bevor ich letztes Jahr endlich den Mut aufbrachte und mich für dieses Blogprojekt entschied.

Heute würde ich meine Mission so definieren, dass ich durch meine Texte Männern und Frauen dabei helfen möchte, ihre emotionale Seite in sich zu entdecken und diese dann zusammen mit Mut und Entschlossenheit in die Gesellschaft zu tragen. Dies bereitet mir Freude und dies gibt mir einen gewissen Sinn.

Doch diesen Sinn und diese Freude musst du nicht zwangsläufig in einem beruflichen Projekt finden – es kann zum Beispiel auch eine Familiengründung oder ein spiritueller Weg sein.

Die beiden (Männer) Trainer Veit Lindau und Björn Leimbach bieten dir Seminare und Workshops zur Visionsfindung als Mann an.

8. Übe dich im Alleinsein und in Meditation

Vor Hunderten von Jahren sind unsere männlichen Vorfahren oft tagelang alleine auf der Suche nach Wild durch die Steppe marschiert. Dadurch gewöhnten sie sich recht schnell an das Alleinsein und das sie auf sich gestellt waren und schwierige Situationen meistern mussten. Auch dieses evolutionäre Erbe lebt in uns als Mann weiter.

Wir brauchen Zeiten für uns alleine und in Abgeschiedenheit. Nicht umsonst erfreut sich der Angelsport so großer Beliebtheit unter Männern. Stundenlanges, abgeschiedenes Sitzen am See und darauf warten, dass ein Fisch anbeißt – das evolutionäre Erbe wird dadurch gestillt.

Ich gehe zwar nicht angeln, ziehe mich aber regelmässig in die Natur zurück. Vor allem, wenn ich vor großen, lebensverändernden Entscheidungen stehe. Ich fahre dann mit dem Rad an einen abgelegen Ort in der Natur, das kann ein See oder nur eine Sitzbank sein, und lasse meine Seele baumeln.

Und hoffe in der Einsamkeit der Natur Klarheit, Mut und Entschlusskraft für meine Entscheidung oder Vision zu finden. Bevor ich an den Bodensee zog, befand ich mich sehr oft in der Einsamkeit der Natur.

Aber du musst nicht unbedingt nach draussen gehen. Um das anhaltende und kräftezehrende Grübeln und Nachdenken zu beenden, kannst du dich zuhause auch auf einen Stuhl oder Kissen setzen, und eine Zeitlang meditieren. Dies kann den Geist ähnlich beruhigen wie ein Aufenthalt in der Natur. Am besten wäre es natürlich, wenn du beides verbindest: Meditieren in der Natur.

9. Verbinde Sex und Liebe im Tantra

Aus meiner Sicht, ist eines der Anzeichen von sensitiven Männern, dass für sie Sex mehr ist als reine Triebbefriedigung. Wir wollen eine ganzheitliche, erfüllte Sexualität leben, in der Herz und Lust vereint sind.

Tantrischer Sex bedeutet zunächst einmal, dass du dich als Mann von stereotypen Rollenbildern löst. Eines davon ist, dass du eine Frau schnell und hart penetrieren musst (Pornos lassen grüßen) bis zum finalen Höhepunkt. Unterhalte dich mal mit deiner Partnerin darüber. Ich mache das gerade in meiner Partnerschaft.

Für die meisten Frauen ist diese Art von „Pornosex“ alles andere als befriedigend. Viele lassen es einfach über sich ergehen. Eine Frau braucht ein Gefühl von Zeit, Vertrauen und körperlicher Zuwendung. Sie möchte nicht immer nur aus sexuellen Gründen berührt werden, sondern sehnt sich nach Berührung und liebevoller Zuwendung, ohne das daraus immer zwangsläufig Sex entstehen muss.

Für dich als sensitiver Mann kann dies auch eine ganz neue Art von Bereicherung werden. Es kann für dich sogar zu einem Weg der Heilung und einer Ekstase werden, die den ganzen Körper umfasst – und nicht nur die unteren Partien.

Die sexuelle Energie strömt dann durch jede Zelle deines Körpers und kann emotionale Blockaden lösen. Dazu brauch es aufgrund unserer sexuellen Konditionierung viel Übung und Geduld. Aber in Ansätzen habe ich solch einen Energiefluss während einer Tantramassage schon erlebt.

Die Schlüsselwörter dazu: Zeit, Atmung, Loslassen und Fühlen.

Der tantrische Lehrer David Deida schreibt dazu: „Es ist an der Zeit, sich über das Macho-Ideal – nur Rückgrat und kein Herz – hinauszuentwickeln. Es ist aber auch an der Zeit, sich über das sensible Softie-Ideal, nur Herz und kein Rückgrat, hinauszuentwickeln.“

10. Öffne dich gegenüber deinen Gefühlen

Lebe deine männliche Stärke aus der Tiefe deines Herzens.

Die oben aufgeführten Punkte können dir dabei helfen. Lebe deine sensitive wie kraftvolle Seite. Tausche dich mit Männern aus, lass dich initiieren, lebe deine positive Aggression, finde deine Lebensvision, ziehe dich immer wieder zurück, versöhne dich, verbinde Sex mit Gefühl und lerne Nein zu sagen.

Es geht nicht darum, dass du ein Softie wirst. Es geht aber auch nicht darum, dass du ein Macho wirst. Es geht um etwas dazwischen, wenn du so willst, eine Mischung aus beiden. Ein ständiges Ausbalancieren zwischen den Polaritäten.

Lerne als sensitiver Mann in einem geeigneten Rahmen deine tiefsten Gefühle auszudrücken. Auch gegenüber anderen Männern, denen du vertraust. Das ist wahrscheinlich ziemlich neu und ungewohnt und dazu bedarf es einer großen Portion Mut. Diesen erhältst du, wenn du deine archaische (kraftvolle, aggressive) Seite wiederentdeckst und dich traust, diese zu leben. Verliere dich aber nicht in deinen Gefühlen, sondern lerne auch, daraus wieder auszusteigen.

Über die Rückverbindung mit deinem Körper erhältst du Zugang zu deinen Gefühlen. Dazu gibt es gewisse Übungen und Seminare.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Heldenreise und die Körperarbeit nach Willi Maurer dazu gut geeignet sind.

Tue einfach die Dinge, die du liebst, und zeige deinen liebsten Menschen in deiner Umgebung deine Liebe.

Dann bist du auf dem besten Weg zu einem erfüllten und ganzheitlichen Mann-Sein in der heutigen Zeit!

Fühl dich einfach wohl !

 

Lebst du schon im Einklang mit deiner kraftvollen und gefühlvollen Seite?
Was brauchst du sonst noch als sensitiver Mann für ein erfülltes Leben?
Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

P.S. Wenn dir der Arti­kel gefal­len hat, würde ich mich freuen, wenn du ihn bei Face­book likest oder mit dei­nen Freun­den teilst.

P.P.S. Angeregt durch das Buch „Männlichkeit leben: Die Stärkung des Maskulinen.“

Bild: unsplash.com

Anmer­kung: Einige der Links sind Affi­liate Links (Emp­feh­lungs­mar­ke­ting). Dies bedeu­tet, wenn du eines der Pro­dukte kaufst, erhalte ich dafür eine kleine Pro­vi­sion ohne das sich der Preis für dich ändert. So kannst du mich und die­sen Blog unter­stüt­zen. Ich emp­fehle grund­sätz­lich nur, wovon ich selbst begeis­tert bin, was mich inspi­riert und wei­ter­ge­bracht hat. Gro­ßes Ehrenwort!

Veröffentlicht von

www.simplyfeelit.de

Hi, ich bin Oliver: Blogger & Autor & Querdenker. Nach einer dreijährigen beruflichen Auszeit und den anschließenden Orientierungs- und Anpassungsschwierigkeiten, weiß ich heute, wie ich leben möchte: Frei und Selbstbestimmt. Und im Einklang mit meiner sensiblen & kraftvollen Männlichkeit. Ich schreibe über Beziehungen, Mann-Sein, Hochsensibilität, Minimalismus und Persönlichkeitsentwicklung.

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11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. hallo oliver,

    dein text hat mich sehr getroffen. ich weiss seit etwa 2012 das ich hsp bin, aber es hat 50 jahr gedauert! es war wie eine offenbarung, weil ich auf einmal so viel verstanden habe. ich gehe arbeiten, aber lebe eigentlich für meine kreativen sachen. ich betreibe einen blog, wo ich alles reinschreibe, was ich würdig finde. ich schreibe, fotografiere und mache musik. mir machen mittlerweile kommentare wie: „die texte sind aber seicht“, oder: „musik für weicheier“ nichts mehr aus. ich kann darüber jetz lächeln, weil es ja stimmt. alles schon gehört, aber, als männlicher hsp: das geht jetzt mir am a… vorbei! :O) es ist eher für mich eine auszeichnung sachen zu machen, die nur „gefühlvolle“ menschen verstehen. die meinung anderer schert mich nicht mehr. ich mache meine sache. wenn sie jemanden gefällt, ist es wundervoll. wenn es doof ist und ich hinfliege? egal.

    ein besonders projekt hat quasi mich gefunden und das liegt mir immer mehr am herzen und das ist mein Blog. ich lerne jedesmal menschen kennen und höre ihre geschichte. ich bin in duisburg einer 80 jährigen sozialarbeiterin begegnet, deren vater ein nazi war und junden zugweise nach dachau geschickt hat und sie in therapeutische behandlung. ich bin darüber in münster sogar leslie schwartz begegnet. ich kann darüber nur den kopf schütteln was für ein zufall das alles war. viele sachen muss ich dann von mir fernhalten, sonst zerfliesse ist. aber ich merke, das ich herzen mit meiner arbeit (oder arbeiten) berühre. und das ist wunderbar.

    auf meinem blog habe ich auch einen text über hsp und wie ich das verstehe. und gedichte und texte und mich auch! :O)

    liebe grüße aus krefeld

    achim

    ps.: weiter so! hsp spüren du musst! :O)

  2. Pingback: Ich bin hochsensibel, na und? - Zehntausenddinge.de

  3. Hallo Oliver,
    mal was ganz anderes, auf dem linken der beiden Photos in dem lichtduchrflutetem Raum sitzt ein junger Mann. Hat der eine Trompete im Arm? Mir gefällt das Bild und ich frage mich, ob ich da was sehe was gar nicht da ist?
    Selbst spiele ich aktiv Tenorsaxophon und komme durch mein Musizieren unter Menschen die diese, auch meine Sprache, verstehen.

    Bin gespannt auf Dein E-book, wünsche gute Recherche und viele wertvolle Kontakte im tun…

    So long Achim

    • Hi Achim,

      habe mir das Bild mal näher rangezoomt. Nee, ist keine Trompete, der junge Mann hält eine Wasserflasche in der Hand, während er sich das Hemd am anderen Arm hochschiebt 🙂

      Danke für deine Wünsche, bin gerade mitten im Schreibprozess.

      Liebe Grüße
      Oliver

  4. Soweit guter Artikel. Nur das mit dem Tantra Naja. Ich sage mal so langweilige Frauen die nur schmusen möchten brauch ich als Mann nicht.
    Den ich finde das berühren langweilig.
    Klar sollte man auch auf die Frau schauen was sie sexuell möchte. Nur entweder man hat Sex oder lässt es. Pornos sind nicht schlimm und es gibt auch Frauen denen das gefällt. Nimm mir es nicht böse aber ich glaub da bist du noch zu sensibel.
    Grüße Michael

    • Hi Michael,

      danke für deinen Kommentar.

      Naja, ist die Frage, ob ich zu sensibel oder du zu unsensibel? 😉

      Spaß beiseite, verstehe gut was du meinst. In meinem bald erscheinenden E-Book gehe ich in einem Kapitel ausführlich auf das Kapitel Sexualität ein. Ja, auch Tantra, aber auch mal wilder, leidenschaftlicher Sex (=archaische Seite von uns Männern). Und dann eine Balance zwischen beiden zu finden.

      Gruß
      Oliver

      P.S. Und Pornos schaue ich auch ab und an – wie jeder Mann mal. Gibt da ja durchaus welche mit „Stil“ 😉

  5. Hallo Jungs, ich möchte zum Thema Sex eine weibliche Erfahrung beitragen. Mein Liebster und ich sind beide HSP. Es geht uns beiden so wie Oliver es beschrieben hat: erst durch unsere innige Liebe waren wir in der Lage uns dem anderen zu öffnen. Ich beschreibe es immer wie zwei Kinder, die plötzlich mit großen erstaunten Augen in einer Wunderwelt gelandet sind. Wir sind beide über 50, entdecken aber zusammen Möglichkeiten von denen wir niemals geträumt hätten. Und lieber Achim, wir würden jedem hartem Porno zur Ehre gereichen. Er ist sicher nicht der erste Mann in meinem Leben, diese Sinneserfahrungen konnte ich aber nur mit ihm machen. Also: ob hart oder soft ist egal. Für HSPs, Männer wie auch Frauen, ist es wichtig einen Partner zu haben der ihre Empfindungsstärke versteht. Dann ist gemeinsam alles möglich. Auch richtig hart zur Sache gehen, wichtig ist sich Schritt für Schritt kennenzulernen, offen zu sprechen, dem anderen aber auch zu vertrauen und in kleinen Dosen seine Wünsche anzumelden. Sich abzusprechen, zu probieren aber vor allem: höchster Respekt und Achtung! Dann geht alles und es öffnen sich auch für HSP-Männer neue Welten. Und die Liebe ist die Basis auf der diese wunderbare Frucht wachsen kann. Probiert es aus und traut Euch. Einem Mann, der seiner Liebsten Aufmerksamkeit und Hingabe schenkt, wird eine aufgeschlossene (im Wortsinne!!!) Frau sich gerne öffnen.

    • Hi Barbara,

      danke für deinen erfrischenden Kommentar.

      Finde es besonders spannend und erfreulich, dass du als Frau sagst, ob hart oder zart, beides ist möglich, bei entsprechender Hingabe, Verbundenheit und Liebe. Und das wir mutig voranschreiten sollen bei der Eroberung & Verführung einer Frau!

      Genauso so sehe ich das auch und verstehe ich mein Selbstverständnis als Mann und in der Sexualität.

      Dann weiterhin noch viel Freude beim Erforschen und Entdecken mit deinem Liebsten – und ja, habt nur Mut, Männer 🙂

      Liebe Grüße, Oliver

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